Couragierte Bürgerinnen und Bürger bei der Ehrung im Polizeipräsidium Südosthessen

Polizeipräsidium Südosthessen

Polizeipräsidium Südosthessen ehrt couragierte Bürgerinnen und Bürger

Wer in einer Notsituation nicht wegschaut, sondern beherzt eingreift, Verantwortung übernimmt und Mitmenschen schützt, verdient besondere Anerkennung. Zehn solcher Menschen ehrte das Polizeipräsidium Südosthessen am gestrigen Nachmittag im Rahmen einer feierlichen Belobigungsveranstaltung am Spessartring in Offenbach.

Die Veranstaltung war von großer Wertschätzung geprägt und für viele Anwesende ein bewegender, teils emotionaler Moment. In persönlichen Gesprächen und Schilderungen der Geschehnisse wurde deutlich, wie viel Mut, Entschlossenheit und Menschlichkeit hinter den einzelnen Taten stehen. Die Geehrten stehen stellvertretend für viele Bürgerinnen und Bürger in Südosthessen, die Zivilcourage zeigen und aktiv für Sicherheit und Mitmenschlichkeit eintreten.

Mit der Belobigungsveranstaltung möchte das Polizeipräsidium Südosthessen eine Gesellschaft des Hinschauens und Handelns fördern sowie eine Gesellschaft, in der man sich aufeinander verlassen kann und Menschen füreinander einstehen.

„Sie stehen heute im Mittelpunkt. Es ist beeindruckend und inspirierend, wie Sie in kritischen Momenten über sich hinauswachsen und mit Mut und Entschlossenheit das Leben anderer schützen oder zur Sicherheit unserer Gesellschaft beitragen“, betonte Abteilungsleiter Marco Weller in seiner Ansprache. „Sie haben hingesehen und gehandelt. Damit haben Sie unserer Gesellschaft einen wertvollen Dienst erwiesen. Zivilcourage macht unsere Gesellschaft menschlicher.“

Als Zeichen des Dankes überreichte der Abteilungsleiter den Geehrten jeweils eine hochwertige Medaille und eine Urkunde. Viele von ihnen zeigten sich bescheiden und schilderten übereinstimmend, dass ihr Handeln für sie selbstverständlich gewesen sei und sie jederzeit wieder so handeln würden.

Die Geehrten sowie ihre zugrundeliegenden Geschehnisse im Einzelnen:


Rettung auf Bahngleisen vor herannahendem Güterzug

Am 16. Oktober 2025 sprang eine junge Frau in Hanau in einem emotionalen Ausnahmezustand von einer Brücke auf die Bahngleise. Joshua Borton und Patrick Reichel erkannten die lebensbedrohliche Situation sofort. Sie liefen zu der schwer verletzten Frau und zogen sie von den Gleisen, während sich bereits ein Güterzug näherte. Dieser kam erst auf ihrer Höhe zum Stillstand. Die Frau erlitt schwere Verletzungen und kam mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus. Durch ihr entschlossenes und selbstloses Eingreifen retteten die beiden Männer mutmaßlich ein Menschenleben.


Hinweis führte zur Festnahme eines mutmaßlich falschen Polizeibeamten

Am 5. Mai 2025 bemerkte Giovanna M. im Ringcenter Offenbach einen Mann in augenscheinlicher Polizeiuniform, dessen Auftreten ihr verdächtig vorkam. Insbesondere das Fehlen einer Dienstwaffe erschien ihr ungewöhnlich. Sie informierte die „echte“ Polizei.

Bei der Kontrolle stellte sich heraus: Der Mann war kein Polizist. Er stand unter Alkohol- und Drogeneinfluss und besaß keinen Führerschein. Zuvor war er mit einem Auto auf den Parkplatz des Einkaufszentrums gefahren. Zudem fanden die Beamten gefälschte Dokumente.


13-Jähriger ermöglicht Festnahme nach verdächtigem Ansprechen von Kindern

Am 6. Mai 2025 soll ein 54-jähriger Mann im Bereich einer Schule in Nidderau zwei Mädchen angesprochen haben und einem der Kinder gefolgt sein. Der 13-jährige Fabian aus Nidderau beobachtete die Situation, erkannte die mögliche Gefahr und informierte die Polizei. In sicherem Abstand verfolgte er den Mann und übermittelte fortlaufend dessen Standort. Einsatzkräfte der Polizei nahmen den 54-Jährigen daraufhin vorläufig fest.


Rettung aus brennendem Wohnhaus

Am 9. Januar 2026 geriet in Bruchköbel ein Wohnhaus in Brand. Ein Bewohner hielt sich noch in dem Gebäude auf. Maximilian Seng, der zufällig vorbeijoggte, bemerkte die Flammen und handelte sofort: Er betrat das brennende Haus und brachte den Bewohner ins Freie. Anschließend alarmierte er lautstark die Nachbarn. Der Gerettete kam verletzt in ein Krankenhaus. Herr Seng unterstützte noch beim Einladen in den Rettungswagen und ging anschließend, weil er niemanden im Weg stehen wollte, bescheiden nach Hause.


Couragiertes Einschreiten nach körperlicher Auseinandersetzung

Am 5. Dezember 2025 soll ein Mann in der Nähe des Bahnhofs Offenbach-Bieber eine Frau angegriffen und sie zu Boden geworfen haben. Die 38-jährige Frau T. eilte sofort zur Hilfe, stellte sich schützend zwischen Täter und Opfer und setzte einen Notruf ab. Durch ihre Rufe wurde Andreas Kaltwasser aufmerksam und unterstützte sie. Trotz aggressiven Verhaltens des Angreifers auch den Helfern gegenüber blieben beide standhaft. Nachdem der Täter der Helferin gegen den Kopf geschlagen haben soll, brachte Andreas Kaltwasser ihn zu Boden und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Das entschlossene Handeln der beiden verhinderte wohl Schlimmeres.


Lebensrettung an einer Fußgängerbrücke

Am 13. Januar 2026 entdeckte Jürgen R. in Rodgau eine junge Frau auf einer Fußgängerbrücke, die bereits über das Geländer geklettert war und sich in Richtung Fahrbahn hinübergelehnt hatte. Er sprach sie ruhig an, gewann ihr Vertrauen und konnte sie vom Sprung abhalten. Anschließend zog er die junge Frau zurück über das Geländer und brachte sie in Sicherheit.


Eingreifen nach Angriff auf Elfjährigen

Am 2. Juni 2025 soll ein Mann in Dietzenbach einen elfjährigen Jungen angegriffen und ihn gegen den Kopf getreten haben. Sidelya Demir schritt sofort ein und vertrieb den Täter. Der Junge erlitt eine Gehirnerschütterung und kam in ein Krankenhaus. Nach einer Öffentlichkeitsfahndung stellte sich der Tatverdächtige selbst.


Taxifahrer vereitelt Geldübergabe nach Schockanruf

Am 4. Februar 2026 sollte Taxifahrer Tolga Demirci eine Seniorin von Neu-Isenburg nach Frankfurt fahren. Während der Fahrt schilderte die Frau, sie müsse 70.000 Euro abheben, um ihren angeblich festgenommenen Sohn gegen Kaution freizubekommen.

Herr Demirci erkannte die typische Betrugsmasche eines sogenannten Schockanrufs. Er klärte die Seniorin auf, verständigte die Polizei und verhinderte so die Geldübergabe. Sein umsichtiges Handeln bewahrte die Frau vor einem erheblichen finanziellen Schaden.


Für ihr couragiertes Einschreiten gebührt allen Geehrten der ausdrückliche Dank und höchste Anerkennung.

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