Orga-Team

Polizeipräsidium Osthessen

Minderjährige im Digitalen Raum

Potentielle Gefahren und Radikalisierungsprozesse durch Social Media.

"Minderjährige im Digitalen Raum. Radikalisierungsbeschleuniger Social Media“: Unter dieser Überschrift trafen sich rund 120 Fachkräfte aus Schulen und Behörden sowie unterschiedlichen Bereichen der Sozialen Arbeit in Fulda. 

Organisiert wurde die Fachtagung von den osthessischen Fachstellen für Demokratieförderung und phänomenübergreifende Extremismusprävention (DEXT) der Stadt Fulda, dem Landkreis Fulda, dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg und dem Vogelsbergkreis in Kooperation mit dem Beauftragten für die Prävention der politisch motivierten Kriminalität (PMK) des Polizeipräsidiums Osthessen. Es handelt sich dabei bereits um die dritte Fachtagung der Reihe in den letzten vier Jahren. Beim diesjährigen Fachtag hat auch die Hessische Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) im Vorfeld organisatorisch unterstützt.

Der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Fulda, Frederik Schmitt (CDU), bedankte sich bei den Verantwortlichen für die Organisation des Fachtags und hob die Notwendigkeit einer behörden- und landkreisübergreifenden Vernetzung hervor: „Es ist unerlässlich, dass sich staatliche und nichtstaatliche Fachkräfte für diese herausfordernden Themen fit machen und sich miteinander über mögliche Radikalisierungsverläufe frühzeitig austauschen“.

Schmitt machte zunächst auf die Korrelation zwischen einer ausufernden Handynutzung und damit einhergehenden negativen Folgen für Kinder und Jugendliche im Bereich Sprache bzw. psychischen Erkrankungen aufmerksam: „Sie gehen heute aber noch einen Schritt weiter und beleuchten wie Soziale Medien und digitale Räume als Beschleuniger für Polarisierung und Radikalisierung wirken können. Die Initiative der Organisatoren des Fachtags, die heute mit unterschiedlichen Impulsen über demokratiefeindliche, extremistische und strafbare Inhalte im Internet sensibilisieren wollen, begrüße ich ausdrücklich. Um den Feinden der freiheitlich demokratischen Grundordnung effektiv begegnen zu können, müssen alle staatlichen Ebenen um Gefahren wissen und vernetzt arbeiten“, so Schmitt.  

Vorträge und Workshops

Im Rahmen von Vorträgen sowie Workshops wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Gefahren und Radikalisierungsprozesse für Kinder und Jugendliche in der Onlinewelt informiert. Frau Dr. Zillich von der Ludwig-Maximilians-Universität München gab mit ihrem Eröffnungsvortrag unter dem Titel „Normverletzendes Verhalten auf Social Media“ einen Überblick in das komplexe und vielschichtige Thema.

Mit Verweis auf die aktuelle Jim-Studie wurde zunächst die umfangreiche Social-Media-Nutzung von Jugendlichen thematisiert. Demnach liegt die durchschnittliche Smartphone-Nutzung der 12–19-Jährigen bei 231 Minuten täglich. Neben positiven Gelegenheitsstrukturen (Internet ist Teil der Lebenswirklichkeit junger Menschen) wurden im Vortrag die wesentlichen Problemfelder (Hassbotschaften, extremistische Inhalte, PMK, Verschwörungsnarrative, Desinformation) im Zusammenhang mit der Social-Media-Nutzung skizziert. 

Insgesamt zeigt sich eine deutliche Zunahme normverletzenden Verhaltens und am Beispiel von Tik Tok, X und Telegram verdeutlichte Frau Dr. Zillich wie durch Algorithmen und Social-Media-Potenziale (sog. „Affordanzen“) neue Zielgruppen durch Extremisten erreicht werden.

Diskutiert wurde im Anschluss mit dem Auditorium über die politischen Rahmenbedingen, die Rolle der Plattformbetreiber sowie erforderliche Ableitungen für die Prävention.

Auch im weiteren Verlauf der Fachtagung griffen die Referentinnen und Referenten die wesentlichen Berührungspunkte und Herausforderungen im Kontext von Social-Media heraus:

  • Digitalisierung des Extremismus („Tik-Tokisierung“ des Extremismus)
  • Digitale Hassbotschaften und Verschwörungstheorien
  • Desinformation
  • Transnationale (terroristische) Online-Communitys

Bei allen Phänomenen lassen sich Wechselwirkungen zwischen On- und Offline feststellen: Viele Straftaten und Radikalisierungsverläufe haben gegenwärtig digitale Bezüge. So stehen beispielsweise Propagandadelikte, auch im schulischen Kontext, oft im Zusammenhang mit verschiedenen Online-Trends bzw. „Challenges“. Weiterhin können Radikalisierungsverläufe im Netz im schlimmsten Fall zu schweren Straftaten im analogen Raum führen.

Die zahlreichen Workshops ermöglichten auch den Austausch hinsichtlich bewährter Praktiken bzw. Handlungsstrategien und boten Gelegenheit für individuelle Fragen.

Der Tagungskommentar von Matthias Feuerstein, Programmbereichsleiter für gesellschaftspolitische Bildung bei der Akademie Burg Fürsteneck, rundete den Fachtag in Fulda ab.

Im Rahmen des Landesprogramms „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ wurde die Veranstaltung vom Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz (HMdI) gefördert.

Am Fachtag inhaltlich beteiligt waren das Polizeipräsidium Osthessen, das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hessen, das Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg (LKA BW), jugendschutz.net, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Medienanstalt Hessen, die Berghof Foundation sowie die Akademie Burg Fürsteneck.

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