Raubgrabungen und der illegale Handel mit dem Kultur- und Naturerbe

10.05.2021 | Kulturgüterschutz

Seit Jahrzehnten werden bundesweit denkmalgeschützte Kulturdenkmäler (z. B. Burgen, Siedlungen, Gräberfelder, Schlachtfelder, der Limes usw.) von Schatzsuchern mit Metalldetektoren aufgesucht und in der Hoffnung auf wertvolle Schätze durchwühlt. Zumeist werden weniger wertvolle Gegenstände gefunden, die aber ebenfalls unter Denkmalsschutz stehen.

Die Schatzsuche hat in den vergangenen Jahren an Intensität zugenommen und ist weitestgehend illegal. Sie wird als Raubgrabung bezeichnet. Hierzu zählt auch die Suche nach Militaria der letzten zwei Weltkriege, die nicht im rechtsfreien Raum stattfindet. Neben anderen Eingriffen, z. B. Bautätigkeiten, gefährden insbesondere Raugrabungen die Kulturdenkmäler zusätzlich in ihrer Existenz.

In Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und in Thüringen gehören grundsätzlich auch Fossilien zu den geschützten Bodendenkmälern (z. B. die Grube Messel bei Darmstadt) - in Berlin und Sachsen-Anhalt nur im Zusammenhang mit einer archäologischen Fundstätte. Leider werden auch Fossilien immer wieder ohne Genehmigung geborgen.

Die geborgenen „Schätze“, nämlich Waffen, Werkzeuge, Schmuck, Münzen und Dinge des alltäglichen Lebens (Kulturerbe) sowie tierische und pflanzliche Überreste der Erdgeschichte (Naturerbe), werden gesammelt oder gewinnbringend von Privat an Privat, über Museen und/oder den Antiken-/ Fossilienhandel verkauft. Dabei werden sie der wissenschaftlichen Bearbeitung, dem Land als Eigentümer (Schatzregal) oder dem am Fund eigentumsberechtigten Grundeigentümer (Fundteilung gemäß BGB) und der Öffentlichkeit zumeist vorenthalten.

Einer zunehmenden Beliebtheit erfreut sich auch das sogenannte Magnetfischen, bei dem mittels eines kleinen starken Magneten an einer langen Leine Metallobjekte aus fließenden oder stehenden Gewässern „gefischt“ werden. Ob zur Schatzsuche oder zur Müllbeseitigung, es handelt sich um eine Tätigkeit, die erst nach Genehmigung des Grundeigentümers (zivilrechtliches Einverständnis), der zuständigen Naturschutz- und Wasserschutzbehörde (naturschutz- und wasserschutzrechtliche Bestimmungen) sowie der Denkmalpflege (Kulturgüterschutz) aufgenommen werden darf.

Ein weiterer Aspekt, der bei der Schatzsuche in Gewässern und an Land unbedingt berücksichtigt werden muss, insbesondere bei der gezielten Suche nach Militaria: Die latente Gefahr des Bergens nicht umgesetzter Munition, Sprengmittel sowie Waffen(teile) des 2. Weltkriegs. Hier ist höchste Vorsicht geboten! Ein unbefugter Umgang damit birgt nicht nur eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben, sondern es können infolge auch Straftatbestände nach dem Waffen-/Kriegswaffenkontroll-, vor allem das Sprengstoffgesetz begangen werden.

 

Ein Beispiel von vielen:

Die bronzene Himmelsscheibe mit Himmelskörper, Schiff und Horizont am Rand (Goldauflagen), zusammen mit Schwertern, Beilen, einem Meißel und Armringen. Die Scheibe diente als Jahreskalender (Quelle: H. Meller, Die Himmelsscheibe von Nebra - ein frühbronzezeitlicher Fund von außergewöhnlicher Bedeutung. Archäologie in Sachsen-Anhalt, 1/02; Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Juroj Lipták)Dass es sich bei Raubgrabungen und dem anschließenden Handel mit dem illegal erlangten Kulturgut um keine Kavaliersdelikte handelt, zeigt der sichergestellte Fund der weltweit einzigartigen sog. „Himmelsscheibe von Nebra" aus der frühen Bronzezeit (um 1.600 v. Chr.) aus Sachsen-Anhalt, der im Jahre 2002 publik wurde:

Die Raubgräber und nachfolgenden Käufer wurden wegen Unterschlagung und Hehlerei des bronzezeitlichen Hortfundes zu empfindlichen Geld- und Freiheitsstrafen sowie zu gemeinnützigen Arbeitsstunden verurteilt. Das Beispiel zeigt, dass neben den Verstößen gegen das Denkmalschutzgesetz auch Straftaten begangen werden. Grund hierfür ist, dass die Bodendenkmäler nicht nur eine wissenschaftliche Bedeutung haben, sondern auch dem Eigentumsrecht unterliegen.

Auch in Hessen kam es in den letzten Jahren zu Ermittlungsverfahren, die mit Geld- und Freiheitsstrafen auf Bewährung endeten.

Am 06. August 2016 trat in Deutschland das Kulturgutschutzgesetz (KGSG) in Kraft. Seitdem besteht ein Verbot für das Inverkehrbringen von Funden aus Raubgrabungen. Der Export archäologischer Gegenstände (älter als 100 Jahre) ins Ausland, hierzu zählen auch Fundmünzen, ist genehmigungspflichtig. Zuwiderhandlungen werden mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet.

Der bis dato durch Raubgrabungen angerichtete finanzielle Schaden geht vermutlich in die Millionen. Bei weitem dramatischer ist jedoch der angerichtete Schaden für die Altertumswissenschaft, denn wer z.B. eine Grabbeigabe entfernt, beseitigt wichtige Informationen zur bestatteten Person. Das undokumentierte Ausgraben und Wegnehmen gleicht dem Entfernen von Beweismitteln an einem Tatort.

 

Verdacht einer Raubgrabung – was tun?

Helfen Sie mit, das Zerstören und Ausplündern von Bodendenkmälern zu verhindern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Denkmalpflege können auf Nachfrage eine Nachforschungsgenehmigung vorweisen.

Besteht bei angetroffenen Personen der Verdacht einer Raubgrabung, sollte in jedem Fall die Polizei zur Aufklärung hinzugezogen und gleichzeitig das Landesamt für Denkmalpflege Hessen (hessenARCHÄOLOGIE) informiert werden. Merken Sie sich die Person/en, ihr Verhalten und ggf. zugehörige Kennzeichen zu Kraftfahrzeugen.

Kaufen sie niemals Kulturgüter zweifelhafter Herkunft, z. B. auf Schatzsuchertreffen oder auf Flohmärkten, auf Börsen, im Antikenhandel oder im Internet! Wie beim Arten- und Umweltschutz sollten Sie stets die Legalität der Herkunft prüfen, auch in Ihrem eigenen Interesse (Hehlerei oder Verstöße gegen das Kulturgutschutzgesetz). Ergeben sich Verdachtsmomente, melden sie auch dies bitte umgehend Ihrer Polizei!

 

Ansprechpartner bei der Polizei:

Hessisches Landeskriminalamt
Zentralstelle Kriminal-/Verkehrsprävention
Koordinierungsstelle Kulturgüterschutz
Hölderlinstraße 1-5
65187 Wiesbaden
Tel.: 0611-83-13101
kulturgueterschutz.hlka@polizei.hessen.de

Ansprechpartner bei der Denkmalpflege:

hessenARCHÄOLOGIE
Schloss Biebrich / Ostflügel
65203 Wiesbaden
Tel.: 0611-6906-131
Fax: 0611-6906-137
poststelle.archaeologie.wi@lfd-hessen.de

Nützliche Links

10.05.2021 | Kulturgüterschutz

Umfassende Informationen zur Bodendenkmalpflege in Deutschland sowie zum (internationalen) Kulturgüterschutz und illegalen Handel mit Kulturgütern finden Sie über nachfolgende Links:


2 rote Pfeile hessenARCHÄOLOGIE

Bodendenkmalpflege in Hessen mit aktuellen Nachrichten, allgemeinen Informationen zur Archäologie und Paläontologie, zum Ehrenamt, zu dem gesetzlichen Bestimmungen, zur Erreichbarkeit der Bezirksarchäologen usw.


2 rote Pfeile www.landesarchaeologen.de

Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland mit aktuellen Nachrichten zur Archäologie, Übersicht über die Denkmalschutzgesetze und Erreichbarkeit der Denkmalbehörden in Deutschland usw.


2 rote Pfeile www.kulturgutschutz-deutschland.de

Ausführliche Informationsübersicht zum Kulturgutschutz in Deutschland, u.a. Auflistung der Adressen der Zentralstellen der Kulturgüterschutzbehörden der Länder und zum neuen Kulturgutschutzgesetz.


http://icom.museum/en/resources/red-lists/

Hier finden Sie weitere Informationen zu ICOM Deutschland.


2 rote Pfeile Faltblatt des Auswärtigen AmtsPDF-Symbol (267 Kb) : "Illegaler Kulturguthandel bedroht das Kulturerbe der Menschheit - Beachten Sie die nationalen Ausfuhrbestimmungen für Kulturgüter".


2 rote Pfeile www.unesco.de/kultur-und-natur/kulturgutschutz

Informationen der UNESCO zu Raubgrabungen und zum illegalen Handel mit Kulturgut.


2 rote Pfeile www.interpol.int/Crimes/Cultural-heritage-crime

Informationen von INTERPOL zu „Stolen Works of Art“, inklusive Raubgrabungen und illegaler Handel mit Kulturgut.


2 rote Pfeile www.unodc.org/... Trafficking_in_cultural_property

Informationen der UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) zu "Emerging Crimes - Trafficking in cultural property"


 Illicit trafficking in Cultural Goods…

Informationen von EUROPOL zum illegalen Handel mit Kunst und Kulturgut sowie Antiquitäten.