Präventionskampagne „sounds wrong“ klärt auf

Missbrauchsdarstellungen nicht weiterleiten, sondern melden

13.10.2021

Wie reagieren Eltern, Lehrer und andere Erziehungsverantwortliche im Umfeld von Kindern und Jugendlichen richtig, wenn sie feststellen, dass ihr Schützling Missbrauchsdarstellungen auf dem Smartphone speichert oder diese via Gruppen-Chat weitergeleitet hat? Antworten auf diese Fragen gibt die bundesweite Präventionskampagne „sounds wrong“, die mit einprägsamen Videoclips und auf der Homepage  www.soundswrong.de Informationen rund um dieses wichtige Thema gibt.

Initiator der Kampagne ist ProPK, das Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Ziel des Programms ist es, Menschen aufzuklären, um Kriminalität vorzubeugen. Insbesondere im Bereich der Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen ist diese Aufklärung dringend geboten: Nicht selten sind es Kinder, Jugendliche und Heranwachsende, die sich leichtfertig solche Inhalte untereinander zusenden.

Ein Bewusstsein dafür, dass hinter jedem Bild oder Video ein realer Missbrauch stehen kann, ist bei den jungen Menschen oftmals nicht erkennbar. Auch fehlt das Wissen, dass der Besitz, Erwerb oder die Verbreitung von Kinderpornografie seit einer Strafverschärfung des Sexualstrafrechts im Juli 2021 einen Verbrechenstatbestand im Strafgesetzbuch erfüllt. Das bedeutet: Die Mindeststrafe wurde deutlich angehoben, minderschwere Fälle gibt es nicht mehr, eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit ist ausgeschlossen.

 

Die Botschaften der Kampagne „sounds wrong“ sind deutlich und beinhalten klare Handlungshinweise:

  • Missbrauchsdarstellungen dürfen unter keinen Umständen weitergeleitet werden.
  • Entsprechende Inhalte sollten zeitnah der Polizei, dem Netzwerkbetreiber oder einer Internetbeschwerdestelle gemeldet werden.
  • Erwachsene sollten Kinder und Jugendliche darüber aufklären, dass die Verbreitung von Kinderpornografie strafbar ist.

BAO FOKUS: hessenweit gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie

Auch die hessische Polizei hat ihre Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie seit dem 1. Oktober 2020 in der BAO FOKUS (Besondere Aufbauorganisation Fallübergreifende Organisationsstruktur gegen Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch) gebündelt und intensiviert. Die BAO FOKUS ist federführend im Hessischen Landeskriminalamt angesiedelt, in allen sieben hessischen Polizeipräsidien wurden Regionalabschnitte eingerichtet. Bereits innerhalb der ersten zwölf Monate wurden hessenweit 1.255 Durchsuchungen durchgeführt und 399 Beschuldigte im direkten Anschluss vernommen. Zudem wurden 18 Haftbefehle vollstreckt. Insgesamt wurden 22.663 Datenträger sichergestellt - darunter 1.941 Smartphones. Längst nicht alle dieser Geräte stammen von Erwachsenen.

Zwischenbilanz: Ein Jahr BAO FOKUS

Ermittlerinnen und Ermittler der BAO FOKUS nahmen im Sommer dieses Jahres in Nordhessen einen sogenannten mutmaßlichen Cybergroomer fest. Ihm wird vorgeworfen, via Messenger Kontakt zu einer 13-Jährigen aufgenommen und sich sexuell an ihr vergangen zu haben. Der Mann soll zudem zu weiteren Kindern Kontakt gesucht haben, die Ermittlungen dauern an.

Eines der ersten Strafverfahren, in dem die BAO FOKUS ermittelt hatte, ist inzwischen erstinstanzlich abgeschlossen: Der Angeklagte, ein 31 Jahre alter Mann aus Mittelhessen, wurde vom Landgericht Gießen zu einer Freiheitsstrafe von knapp fünf Jahren verurteilt. Der Mann hatte 2020 die damals einjährige Tochter seiner Lebensgefährtin missbraucht und die Tat mit seinem Smartphone gefilmt.

Im September wurden in Hessen weitere 32 Objekte durchsucht. Die Ermittlungen richteten sich gegen 35 Männer im Alter von 17 bis 60 Jahren, die verdächtigt werden, über öffentlich zugängliche Links eines Cloud-Anbieters Bilder und Videos abgerufen zu haben, die zum größten Teil schwerste sexuelle Missbrauchshandlungen an Babys und Kleinkindern zeigten.

Hinweise und Ansprechpartner

Die Dunkelziffer im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern ist hoch. Die insgesamt 156 Ermittlerinnen und Ermittler der BAO FOKUS sind daher auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Kind in Ihrem Umfeld missbraucht wird, oder Sie selbst Opfer von sexueller Gewalt wurden, wenden Sie sich bitte an die nächste Polizeidienststelle. Dort können Sie Anzeige erstatten. Die Polizei nimmt aber auch Hinweise entgegen und kann Ihnen Fachberatungsangebote in Ihrer Nähe nennen.

Die hessische Polizei arbeitet im Bereich der Prävention mit vielen anderen Akteuren, etwa dem Netzwerk gegen Gewalt, den Staatlichen Schulämtern, Jugendämtern und anderen zusammen. Beispielsweise werden Vorträge vor Multiplikatoren wie Lehrerinnen und Lehrern zum Thema Medienkompetenz organisiert oder durchgeführt. Als Ansprechpartner für die Schulen sind flächendeckend Jugendkoordinatorinnen und -koordinatoren im Einsatz, die es in jedem der sieben hessischen Polizeipräsidien und allen Polizeidirektionen gibt. Den für Sie zuständigen Ansprechpartner samt Kontaktdaten finden Sie unter  Ansprechpartner Jugendkoordination.