Hessische Polizei - Polizeiautos
 
07.01.2015

Opferschutztagung am 10.12.2014 im Hessischen Landeskriminalamt

Opferschutztagung am 10.12.2014 im Hessischen Landeskriminalamt
Opferschutztagung am 10.12.2014 im Hessischen Landeskriminalamt

Auch 2014 kamen zahlreiche Vertreter aus den Bereichen Polizei und Opferhilfe zur Opferschutztagung in das Hessische Landeskriminalamt.

Im Mittelpunkt der mit fast 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gut besuchten Veranstaltung stand der Opferleitfaden für die Polizei „Professioneller Umgang mit Opfern und Zeugen“. Das durch die Opferschutzbeauftragten der hessischen Polizei von Grund auf überarbeitete Nachschlagewerk wurde anhand von abwechslungsreichen Impulsvorträgen durch diese und andere Referenten vorgestellt.

Die Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamtes, Sabine Thurau, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und entschuldigte gleichzeitig Herrn Landespolizeivizepräsident Klüber, der kurzfristig aufgrund anderer Verpflichtungen sein Kommen absagen musste. Brigitta Bopp führte als Landesopferschutzbeauftragte im Hessischen Landeskriminalamt durch die Veranstaltung und gab zu Beginn einen Einblick in die Entstehung und den Nutzen des Leitfadens. Dabei machte sie deutlich, dass es sich um eine Informationsschrift für die polizeiliche Praxis handelt und ermunterte ihre anwesenden Kolleginnen und Kollegen um Anregungen, sollten für sie Fragen zum Opferschutz in der Handreichung unbeantwortet bleiben.

Dass ein Opferanwalt innerhalb des Strafprozesses eine wertvolle Unterstützung für Geschädigte und Angehörige sein kann, stellte Dr. Wolfram Schädler, Rechtsanwalt und Bundesanwalt a. D. , eindrucksvoll an Beispielen aus seinem persönlichem Erleben vor. Dabei betonte er auch die wichtige Arbeit der Opferhilfen und Zeugenbetreuung, die er als Referent im Hessischen Justizministerium vor 30 Jahren aufbaute.

Nach der Kaffeepause berichtete die Opferschutzbeauftragte des PP Frankfurt am Main, Frau Stefanie Corporan Romero, gemeinsam mit ihrem Kollegen Jürgen Petermann von ihren Erfahrungen bei der polizeilichen Arbeit mit Senioren und wie daraus Tipps für den Leitfaden wurden.

Als besonderes Opferschutzthema präsentierte Ruth Eismann, PP Mittelhessen, die „Täterarbeit“. Wolfgang Schreiner-Weiß, Diplompädagoge bei ProFamilia, berichtet über Angebote zur Verhaltensänderung von gewalttätigen Männern.

Sehr beeindruckend schilderte die Opferschutzbeauftragte des PP Osthessen, Denise Abersfelder, den Rollenkonflikt der Polizei bei der Sachbearbeitung des plötzlichen Kindstodes. Unterstützt wurde sie dabei von ihren beiden Opferschutzkoordinatoren, Manfred Knoch und Wolfgang Keller, die den Spannungsbogen zwischen Mitgefühl und objektiver Ermittlungsarbeit aufzeigten.

Heidrun Wileschek, Opferschutzbeauftragte des PP Südhessen, verdeutlichte anhand einer Opferbefragung des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) 2014, dass ein Wohnungseinbruch nie „NUR“ ein Wohnungseinbruch sein kann und wie die Polizei allein durch ihr Verhalten den Geschädigten das verlorene Sicherheitsgefühl zurückgeben kann.

Der Opferschutzbeauftragte des PP Nordhessen, Gunter Göring, ist gleichzeitig Schwerbehindertenvertreter in seiner Behörde. In seinem Vortrag rüttelte er an den Barrieren in unseren Köpfen und gab praktische Tipps im Umgang mit behinderten Menschen weiter.

Werden Polizistinnen und Polizisten im Rahmen ihrer Dienstausübung selbst Opfer, haben sie die gleichen Opferrechte wie alle Menschen. Stellvertretend für die unterschiedlichen Unterstützungsangebote der hessischen Polizei berichteten Pastoralreferent Joachim Michalik und die Opferschutzbeauftragte des PP Südosthessen, Christina Zimmermann, vom „ungewöhnlich dünnen Eis“ beim  „Opferschutz nach Innen“.

Andreas Grillich, Opferschutzbeauftragter des PP Westhessen, äußerte in seinem Vortrag zum Thema „Gewalt im sozialen Nahraum, Häusliche Gewalt, Stalking“ seine Freude darüber, dass dies nicht mehr „seine“ Polizei sei, bei der er vor vielen Jahren den Dienst begann. Damit meinte er die positiven Veränderungen, die sich im Laufe seiner Dienstzeit im Opferschutz und insbesondere mit Einführung des Gewaltschutzgesetzes 2002 ergeben haben.

Den Abschluss der bunten Vortragsreihe bildete Katrin Rinke, 1. Vorsitzende des Vereins Wieder Lachen e. V.. Über ein breit gefächertes Netzwerk vermittelt die Organisation kostenlosen Zahnersatz für Opfer von Häuslicher Gewalt.

Zum Ende der abwechslungsreichen Veranstaltung ging der Dank an die zahlreichen Referentinnen und Referenten für die interessanten und beeindruckenden Vorträge.

Darüber hinaus bedankte sich Frau Bopp bei den Opferschutzbeauftragten für die angenehme und erfolgreiche Zusammenarbeit, die vielfältige Unterstützung sowie den Humor, nicht zuletzt bei der Erstellung des Leitfadens. Mit so viel Spaß bei der Arbeit könne man der nächsten Opferrechtsreform von Seiten der Polizei optimistisch entgegen sehen.