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28.03.2019 | Hessisches Landeskriminalamt

Bankrott statt verliebt – Vorsicht vor Liebesbetrügern

Inhalt:

 Moderne Form des Heiratsbetrugs

 Gefälschte Fotos, gefälschte Vita

 Wenn der Geldstrom versiegt, bricht der Kontakt ab

 Opfer können ungewollt zu Tätern werden

 Vorsichtig sein, Betrüger erkennen

 Polizei kontaktieren, Anzeige erstatten


Ganz plötzlich ist er da. Tony, gutaussehend, Mitte 50, verwitwet und Offizier der US-Army. Angeblich. Über ein Single-Portal schreibt er die Hessin an. Auf E-Mails und WhatsApp-Nachrichten folgen stundenlange Telefonate, eine Beziehung entwickelt sich. Die Hessin schwebt auf Wolke sieben. „Er hat ihr sogar
noch Erziehungstipps für ihre Tochter gegeben“, erinnert sich Dirk Hintermeier, Cybercrime-Experte des Hessischen Landeskriminalamts. Mehrere Monate ging die Liaison. „Und zwar ohne, dass es zu einem einzigen persönlichen Treffen kam“, sagt Hintermeier. Erst als die Frau nahezu mittellos war, brach der vermeintliche Traummann Tony, selbst nun um einige Tausend Euro reicher, den Kontakt ab.

Moderne Form des Heiratsbetrugs

Love Scamming bzw. Romance Scamming nennt sich die Masche, bei der Betrügerinnen und Betrüger ihrem Opfer unter falscher Identität Liebe vorgaukeln, es aber eigentlich auf Geld abgesehen haben. „Romance Scamming ist die moderne Form des Heiratsbetrugs“, erläutert Dirk Hintermeier. Die Romance-Scam-Betrügerinnen und -Betrüger sind seiner Erfahrung nach im Frühling etwas aktiver als zu anderen Jahreszeiten. Was sie sich zunutze machen: „Die Einsamkeit der Menschen und ihren Wunsch nach Zweisamkeit“, sagt Hintermeier.

Gefälschte Fotos, gefälschte Vita

Die Masche läuft in aller Regel immer nach einem ähnlichen Schema ab: Die Betrüger legen sich in Single-Börsen und Dating-Apps gefälschte Profile an. Die Täter geben sich als gutaussehend und beruflich erfolgreich aus. Potenzielle Opfer, häufig Menschen in der zweiten Lebenshälfte, werden kontaktiert und via E-Mail oder telefonisch umgarnt – teilweise wochen- und monatelang. Ein persönliches Treffen ist aus verschiedenen Gründen jedoch unmöglich, beziehungsweise wird immer wieder aufgeschoben. Hintermeier: „Erst, wenn das Opfer sich in einer emotionalen Abhängigkeit befindet, beginnt der Betrug.“ Der vermeintliche Traummann, die vermeintliche Traumfrau gerät dann angeblich zumeist in eine Notsituation und bittet um Geld. Alternativ wird auch Geld für ein Flugticket oder ein Visum benötigt, um ein gemeinsames Treffen zu ermöglichen.

Wenn der Geldstrom versiegt, bricht der Kontakt ab

„Die Betrüger betonen, das Geld zurückzahlen zu wollen“, sagt Hintermeier. Immer wieder wird auf das Opfer massiver Druck ausübt. Das kann so weit gehen, dass der Täter, bzw. die Täterin mit Selbstmord droht, wenn das Opfer der Forderung nicht nachkommt. Selbst wenn das Opfer zahlt, kommt es nicht zu einem Treffen, dafür aber zu immer weiteren Versuchen, noch mehr Geld zu ergaunern. Wenn der Geldstrom versiegt, kontaktieren die Betrüger das Opfer nicht weiter, antworten nicht mehr auf E-Mails, löschen ihre Profile im Internet.

Opfer können ungewollt zu Tätern werden

Doch es gibt auch Liebesbetrüger, die es nicht auf Geld, sondern auf die Daten ihrer Opfer abgesehen haben. Sie fordern diese beispielsweise dazu auf, Kopien von ihrem Reisepass zu senden. „Haben Sie die Daten, können sie leicht Ausweise fälschen.“ Manchmal wollen Scammer ihre Opfer auch dazu bringen, Päckchen für sie anzunehmen und weiterzuleiten. Hintermeier: „In den Päckchen kann alles Mögliche sein: Hehlerware, Drogen, gefälschtes Geld.“ Opfer können so zu Komplizen oder gar Tätern werden.

Dirk Hintermeier: „Die Täter haben mit einem Traumpartner nichts gemein.“ Oft handelt es sich um organisierte Banden, die im Ausland – etwa in Ghana oder Nigeria – sitzen. Nicht selten schreiben gleich mehrere Personen mit dem potenziellen Opfer, das in E-Mails und bei Telefonaten häufig intimste Informationen von sich Preis gibt. „Das Vertrauen der Opfer wird meist stark erschüttert.“ Viele schämen sich, zur Polizei zu gehen. Hintermeier weiß von einem Fall, wo selbst nach der Tat der Betrug nicht endete: „Die Liebesbetrüger gaben sich dreist als Detektive aus, die gegen den Scammer, auf den die Frau hereingefallen war, ermitteln würden. Sie verlangten von ihr, sie solle ihre Arbeit finanziell unterstützen.“

Vorsichtig sein, Betrüger erkennen

Die Liebesbetrüger kommunizieren meist auf Englisch. Männliche Betrüger geben sich häufig als Ärzte oder Banker aus, oder arbeiten beim Militär. Betrügerinnen behaupten nicht selten, sie seien Schauspielerin oder Model. „Die Profilbilder der Scammer sind in der Regel aus dem Internet gestohlen“, sagt der Cybercrime-Experte. Er rät zur Vorsicht, wenn man auf einer Dating-Homepage aus dem Nichts angeschrieben und nach kurzer Zeit mit Liebesschwüren überhäuft wird. „Um einen ersten Verdacht zu bestätigen, kann man den Namen des Internetkontaktes mit dem Zusatz „Scammer“ in eine Suchmaschine eingeben. „Auf der Homepage der Technischen Universität Berlin sind zudem verschiedene Scamming-Betrugsmaschen beispielhaft aufgeführt.“

Polizei kontaktieren, Anzeige erstatten

Hintermeier rät: „Grundsätzlich sollte man misstrauisch sein, wenn man eine Person ausschließlich in der virtuellen Welt kennt.“ Sein Tipp: „Wenn man ein komisches Gefühl hat, Geld oder andere Dinge gefordert werden, sollte man den Kontakt abbrechen und die Person blockieren.“ Falls die Scammer erfolgreich waren, ist es wichtig, den gesamten Schriftverkehr zu dokumentieren und die Überweisungsbelege aufzuheben. Zudem sollte man sich an die Polizei wenden und Anzeige erstatten.