Erst der Ernstfall, dann der Startschuss

Inbetriebnahme von Basisstation für Digitalfunk

27.07.2021

Manchmal ist die Wirklichkeit schneller, als es einem lieb sein kann. Mit großem Vorlauf war die Inbetriebnahme der Basisstation für Digitalfunk auf dem Sosenberg im mittelhessischen Rauschenberg (Kreis Marburg-Biedenkopf) vorbereitet worden. Kein Geringerer als Dr. Stefan Heck, Staatssekretär im Hessischen Innenministerium, sollte den Startschuss geben, um deutlich zu machen, dass das Land Hessen das Digitalfunknetz sukzessive ausbaut, damit neben der Polizei auch Feuerwehr, Rettungsdienste und Hilfsorganisationen schnell und sicher im Einsatz kommunizieren können. Und dann das: Noch am Vortag des feierlichen Empfangs im örtlichen Feuerwehrgerätehaus musste die Feuerwehr Rauschenberg in den Mittagsstunden die Leistungsfähigkeit der Basisstation im Ernstfall testen: Nicht nur in Rauschenberg selbst war nur einen Steinwurf entfernt ein Feuer in einem Mehrfamilienhaus ausgebrochen, sondern in derselben Nacht auch im Nachbarort.

Am nächsten Vormittag waren die Feuer längst gelöscht – und das Feuerwehrgerätehaus schon wieder tipptopp gesäubert und aufgeräumt. So stand der offiziellen Inbetriebnahme durch Dr. Stefan Heck nichts im Weg. Mit dabei waren unter anderem MdL Dirk Bamberger, Norbert Ruhl (Stadtverordnetenvorsteher von Rauschenbach in Vertretung von Bürgermeister Michael Emmerich) und Marian Zachow (Erster Kreisbeigeordneter). Zu den Vertretern der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) gehörten Karl-Heinz Reinstädt (Präsident des Hessischen Polizeipräsidiums für Technik), Ministerialrat Frank von der Au (Leiter Referat LPP 5, Technik), Kriminaldirektor Frank Göbel (Leiter der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf), EPHK Ingo Faust (Leiter HPT-Sachgebiet 44 – Infrastruktur) und Kriminaldirektor Henning Schwethelm (Leiter der HPT-Abteilung 4 – BOS-Funk Hessen), Kreisbrandinspektor Lars Schäfer und der stellvertretende Stadtbrandinspektor Udo Merle.

 

Offizielle Inbetriebnahme der Digitalfunk-Basisstation. Gruppenfoto vor dem Sendemast. Offizielle Inbetriebnahme der Digitalfunk-Basisstation – das Foto zeigt von links: Peter Hartmann (Bürgermeister a. D.), Udo Merle (Stellvertretender Stadtbrandinspektor), Marian Zachow (Erster Kreisbeigeordneter des Landeskreises Marburg-Biedenkopf), Lars Schäfer (Kreisbrandinspektor), Norbert Ruhl (Stadtverordnetenvorsteher), Silvio Burlon (Hessisches Ministerium des Innern und für Sport), Dr. Stefan Heck (Staatssekretär), KD Frank Göbel (Leiter Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf), Karl-Heinz Reinstädt (Präsident HPT), EPHK Ingo Faust (Leiter HPT-Sachgebiet 44 – Infrastruktur), KD Henning Schwethelm (Leiter HPT-Abteilung 4 –BOS-Funk Hessen) und Ministerialrat Frank von der Au (Leiter Referat LPP 5, Technik). 

 

Handlungssicherheit für künftige Einsätze

„Weniger als ein Prozent der gesamten Landesfläche in Hessen ist noch nicht ausreichend in unser dichtes digitales Funknetz für die Einsatzkräfte integriert. Gemeinsam mit den Kommunen arbeiten wir mit Nachdruck daran, die letzten Lücken landesweit rasch zu schließen. Die neue Basisstation in Rauschenberg gibt den engagierten Kräften der Region Handlungssicherheit für künftige Einsätze, in denen jede Minute zählt“, erklärte Dr. Stefan Heck.

Derzeit gibt es in Hessen 470 Basisstationen, weitere 121 werden gerade gebaut oder sind in Planung. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf wird es die 26. Basisstation sein. „Das Land Hessen investiert in die kritische Kommunikation der Einsatzkräfte auch dort, wo die Bevölkerungsdichte vergleichsweise gering ist. Ob 3.000 Menschen pro Quadratkilometer wie in Frankfurt oder 65 wie in Rauschenberg spielt für uns keine Rolle. Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger muss überall gleichermaßen garantiert sein.“ Die Gesamtkosten inklusive der Baumaßnahmen betrugen für die Basisstation in Rauschenberg etwas mehr als 530.000 Euro.

 

Ungewöhnlich hoher Mast 

Mit 60 Metern ist der Mast auf dem Sosenberg um ein Drittel höher als im Durchschnitt.Insgesamt gibt es in Hessen mehr als 100.000 Nutzer des Digitalfunks. Diese verwenden rund 70.000 Hand- oder in Fahrzeugen eingebaute Funkgeräte. Die Feuerwehren haben zudem etwa ebenso viele Alarmierungsempfänger (Pager) im Betrieb. Der Standort auf dem Sosenberg war mit Bedacht gewählt worden. Er gewährleistet die Funkversorgung von insgesamt fünf Stadtteilen sowie die umliegenden Verbindungsstraßen. Mit 60 Metern ist der Mast um ein Drittel höher als im Durchschnitt (siehe Bild rechts), um im entsprechenden Radius die Funkversorgung zu sichern. Für die Errichtung und den Betrieb des hessischen Digitalfunknetzes sind die derzeit 85 Beschäftigten der Abteilung 4 – BOS-Funk Hessen des Hessischen Polizeipräsidiums für Technik zuständig, davon zwölf rund um die Uhr im Schichtbetrieb.

Bei dem genannten Feuer in Rauschenberg erlitten übrigens ein 55- und ein 62-jähriger Bewohner eine Rauchgasvergiftung. Für zwei Katzen kam jede Hilfe zu spät.