Hessische Polizei - Polizeiautos
 
31.07.2017

MBB BO 105: Abschied von einer alten Dame…

BO 105

Nach 37 Jahren wurden die letzten beiden MBB BO 105 der Polizeihubschrauberstaffel mit einem kleinen Festakt und anschließender Feier gebührend aus dem Kreis der Fliegersleut verabschiedet.

BO 105Das Vorgängermodell, die Alouette II hatte es „nur“ insgesamt 19 Jahre in Egelsbach ausgehalten und war 1983 aus dem aktiven Dienst genommen worden.

Bereits 1973 kam die erste MBB BO 105 nach Hessen. Sie war die einzige in der kürzeren C-Version (Kennung D-HAIY), die in der Hubschrauberstaffel flog. Nach einem tragischen Flugunfall bei Nierstein verlor die Staffel drei Besatzungsmitglieder und ihre erste Maschine nach nur 6 Jahren Einsatzflugbetrieb. Im darauffolgenden Jahr kamen gleich zwei neue BO 105 nach Südhessen, von denen eigentlich eine für die Staffel in Nordrhein-Westfalen bestimmt war,  diese aber zu Gunsten der hessischen Kollegen auf ihre Neubestellung verzichteten (Kennungen: D-HASY und D-HAMY). Die beiden Neuen wurden in der Version CBS 4, die eine verlängerte Kabine und etwas mehr Leistung und Zuladung zu bieten hatte, ausgeliefert. Der Bestand von 4 BO 105 wurde im August 1991 erreicht, nachdem 1983 die dritte Maschine (D-HAWY) und im genannten Jahr schließlich der vierte und letzte Hubschrauber  (D-HAZY) dieses Typs zur PHuSt Hessen kam.

Diverse technische Neuerungen wurden von Anfang an mit den Maschinen erprobt, so zum Beispiel das Funkpeilen aus der Luft in Zusammenarbeit mit dem Mobilen Einsatzkommando (MEK), das Filmen mittels außen angebrachter Kamera, das Fliegen mit Außenlasten unter dem Hubschrauber, der Einsatz der Rettungswinde und eines langen Bergetaus zum Retten und Bergen aus unwegsamem Gelände und schlussendlich das Absetzen von Kräften des Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus dem Hubschrauber. Nicht alle Versuche waren dabei von hundertprozentigem Erfolg gekrönt, aber eine Menge Erfahrung und einige technische Innovationen für den polizeitaktischen Einsatzflug konnten in den Dienstbetrieb übernommen werden.

Piloten-Model im 80er-Jahre-LookAber zurück zur Feier: Geladen war ein kleiner Kreis von ehemaligen Angehörigen der Staffel und ein paar engen Vertrauten. Der Begrüßungsrede durch den Staffelleiter folgte ein kurzer Vortrag über die technische Entwicklung der BO 105 und ihrem Einsatzgeschehen innerhalb der Polizeihubschrauberstaffel Hessen. Zur großen Freude der Anwesenden trug eine spontan vorgetragene Hommage an den betagten Flieger durch die Gäste der Wasserschutzpolizei bei. Danach konnten sich alle ehemaligen und aktiven Besatzungen des langjährigen Einsatzmittels in gemütlicher Atmosphäre dem Schwelgen in Erinnerungen und dem Austausch von Neuigkeiten hingeben. Besondere Freude bereitete den Organisatoren die rege Beteiligung bereits lange pensionierter Staffelangehöriger unter denen auch der erste Staffelleiter der damaligen „Flugbereitschaft (FluB) der hessischen Polizei“ mit stolzen 85 Jahren anwesend war.

Als besonderes Schmankerl, die zahlreichen Sponsoren der Veranstaltung hatten keine Kosten und Mühen gescheut, trat ein Piloten-Model im Original 80er-Jahre-Look auf. Dies beinhaltete selbstverständlich die passende Bekleidung, inklusive Accessoires („Brille“) und das passende Styling.

So schließt die Polizeihubschrauberstaffel Hessen ein Kapitel Fliegergeschichte. Die BO 105, ein Meisterstück deutscher Ingenieurskunst, flog insgesamt etwa 50.000 Stunden in Hessen sowie im angrenzenden Bundesgebiet und wird nun endgültig aus dem aktiven Dienst entlassen.

BO 105

Wohin die Reise für die beiden verbliebenen Maschinen geht, ist noch unklar. Sie stehen zum Verkauf und werden demnächst zum letzten Mal das Hangartor in Egelsbach passieren. Aber die Entwicklung bleibt nicht stehen, so dass wir mit unseren drei EC 145 die polizeiliche Einsatzfliegerei in Hessen auf einem hohen Niveau beibehalten können.

25.03.2011 | HBPP | rk | Quelle: Geiser, PHuSt

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