Hessische Polizei - Polizeiautos
 
27.05.2019 | Polizeipräsidium Frankfurt am Main

Verkehrssicherheit von Kindern erhöhen

Aktionszeitraum für Schwächere Verkehrsteilnehmer vom 20.05.-02.06.2019

 Kinder im Straßenverkehr

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen!
Aufgrund ihres körperlichen und kognitiven Entwicklungsstandes nehmen Kinder die Umwelt und den öffentlichen Verkehrsraum unterschiedlich wahr, reagieren gern spontan und für Erwachsene oft unerwartet. Damit unterliegen Kinder im Straßenverkehr besonderen Gefahren.

Von einem Erwachsenen, der sein Haus oder seine Wohnung verlässt wird erwartet, dass er die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung (StVO) kennt und sich bei der Teilnahme im Straßenverkehr daran orientiert. Zu den grundsätzlichen Verkehrsregeln gehören insbesondere ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht gem. § 1 StVO. Normverstöße werden grundsätzlich sanktioniert, insbesondere, wenn ein Personen- und/oder nicht völlig belangloser Sachschaden (sprich: Verkehrsunfall) verursacht wurde. Fakt!

Kleinkinder und Kinder lassen sich jedoch nicht in ein derartiges Schema pressen.

Von vielen Eindrücken ihrer Umwelt fasziniert, können sie auch im Straßenverkehr leicht abgelenkt werden. Das ist kein böser Wille, sondern schlichtweg dem persönlichen Entwicklungsstand geschuldet. Um sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen, benötigen sie „eine Reihe von Fähigkeiten, die sich erst nach und nach im Laufe der Kindheit und der Jugendzeit entwickeln“[Silke von Beesten: „Unsere Kinder – schützenswerte Partner im Straßenverkehr“; aus: Kinder, Straße, Verkehr – Broschüre der Deutschen Polizeigewerkschaft DPolG, S. 4,].

Übersicht persönlichkeitsbezogener Fähigkeiten von Kindern (Quelle: Landesvereinigung für Gesundheitsförderung in Schleswig-Holstein e. V., Projektbroschüre Sicher rollern - besser radeln, 2015, S. 8)
Abbildung 1: Übersicht persönlichkeitsbezogener Fähigkeiten von Kindern (Quelle: Landesvereinigung für Gesundheitsförderung in Schleswig-Holstein e. V., Projektbroschüre "Sicher rollern - besser radeln", 2015, S. 8)

Kindern und Jugendlichen fehlen diese Fähigkeiten ganz oder teilweise. Sie „erleben den Straßenverkehr aus einer Höhe zwischen 70 und 120cm. Das wirkt sich auf die Sicht der Dinge (und ihr Verhalten; Anm. d. Verf.) aus“[Prof. Bernhard Meyer; Nahmobilität: Verhalten und Verhältnisse; Vortrag im Rahmen des Schulwegforums der Landesverkehrswacht Hessen 2018]. Um sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen benötigen sie schlichtweg Zeit und Gelegenheit, um sich das erforderliche erfahrungsbasierte Wissen zur sicheren Teilnahme im Straßenverkehr anzueignen.

Weil Wissen und Erfahrung nur schrittweise und nicht von heute auf morgen erworben werden, genießen Kinder im Straßenverkehr einen besonderen Schutz. § 3 (2a) der Straßenverkehrsordnung (StVO) sieht vor: "Wer ein Fahrzeug führt, muss sich gegenüber Kindern, hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist."
Diese Regelung ist bußgeldbewährt.

Vor diesem Hintergrund kommt es im Stadtgebiet Frankfurt am Main dennoch immer noch zu viel zu vielen Verkehrsunfällen mit Kindern. Während 2018 auf Frankfurts Straßen kein Kind tödlich verunglückte, wurde im Februar 2019 ein zweijähriger Junge als Mitfahrer eines Pkw tragischerweise tödlich verletzt. Nähere Informationen finden Sie hier:  Zum Verkehrsbericht des PP Frankfurt am Main 2018.

Weil jedes im Straßenverkehr verunglückte Kind unendlich schmerzt, bemühen sich in Frankfurt am Main das Kinderbüro, das Straßenverkehrsamt, das Stadtschulamt, die Schulwegkommission, Grund- und weiterführende Schulen, vorschulische Einrichtungen, das Integrierte Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain (ivm), die Verkehrswacht Frankfurt mit ihren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern rund um das Jahr darum, die Verkehrssicherheit insbesondere von Kindern und Jugendlichen weiter zu erhöhen.

Polizeiliche Aufgaben im Bereich der Unfallverhütung sind dabei die tagesaktuelle Auswertung des Unfallgeschehens, die beratende Teilnahme an Besprechungen und Ortsterminen der Schulweg- und Unfallkommission, sowie die behördenübergreifende Planung, und Durchführung von lageangepassten Maßnahmen in den Bereichen der Verkehrsüberwachung und Verkehrserziehung und -aufklärung.

Darüber hinaus tragen weitere Träger der Verkehrssicherheit, Verbände, Vereine und private Interessensgruppen, wie beispielsweise Elternbeiräte, mit ihren wertvollen Initiativen und in bemerkenswerter Art und Weise dazu bei, dass sich die Anzahl der Verkehrs- und Schulwegunfälle in Frankfurt in den vergangenen Jahren auf einem gleichbleibend niedrigen Niveau eingependelt hat.

Weitere Informationen finden Sie u.a.  hier 

Wie dargestellt, genügen die genannten Anstrengungen leider nicht, um Verkehrsunfälle von Kindern gänzlich zu vermeiden. Die zunehmende Verkehrsdichte und –intensität in Frankfurt, neue Verkehrsmittel im Bereich der e-Mobilität, aber auch die flächendeckende Verbreitung von Mobilfunkgeräten (auch bereits bei Grundschülern) und insgesamt ein höherer Zeitdruck innerhalb der Familien sind Risikofaktoren, die die Verkehrssicherheit insgesamt, aber insbesondere auch von Kindern und Jugendlichen in den kommenden Jahren zusätzlich beeinträchtigen werden.

Wir bitten daher um Ihre Mithilfe:

Was können Sie tun?

  • Bitte unterschätzen Sie als Erwachsener nicht ihre Vorbildfunktion als Verkehrsteilnehmer. Kinder orientieren sich grundsätzlich an älteren Personen und ahmen das Verhalten nach – im positiven, wie im negativen Sinne.
  • Bitte achten Sie grundsätzlich auf Kinder im Straßenverkehr, insbesondere im Bereich von Kindertageseinrichtungen und Schulen, sowie Haltestellen des ÖPNV und Wohngebieten. Kinder treten hier gebündelt auf und sind durch Geschehnisse im Umfeld zusätzlich abgelenkt.
  • Passen Sie Ihre Geschwindigkeit an und stellen Sie die erforderliche Bremsbereitschaft her. Sie haben hierfür die bindende Verpflichtung. Die Unfallursache überhöhte bzw. nicht angepasste „Geschwindigkeit“ ist nach wie vor Killer Nr. 1 im Straßenverkehr.
  • Stellen Sie Blickkontakt her. Kinder haben eine verlängerte Reaktionszeit. Sie benötigen z.B. beim Überqueren von Straßen deutlich länger, bis sie sich sicher fühlen und den Entschluss fassen los zu laufen.
  • Rechnen Sie damit, dass sich Kinder im Straßenverkehr nicht erwachsenengerecht verhalten. Kinder haben große Schwierigkeiten, einmal begonnene Handlungen (z. B. einem Ball nachlaufen) abzubrechen oder zu unterbrechen (z. B. um am Bordstein anzuhalten und sich umzusehen). Sie werden in der Regel hinter dem Ball herlaufen, ohne am Bordstein anzuhalten.
  • Verhalten Sie sich gegenüber Kindern klar und regelgerecht. Es hilft Kindern nicht, wenn Sie beispielsweise auf ein Vorrecht verzichten. Andere Verkehrsteilnehmer werden sich in ähnlichen Verkehrssituationen ggfls. anders verhalten.
  • Die wichtigsten Hinweise für Eltern haben wir hier für Sie  zusammengefasst .

Verkehrserziehung und -aufklärung