20.06.2014

Ausstellung „Die braune Falle – Eine rechtsextremistische Karriere“

Eröffnungsveranstaltung der Wanderausstellung des Bundesamtes für Verfassungsschutz im Polizeipräsidium Mittelhessen

Am Donnerstag, 12. Juni 2014, wurde im  2 rote Pfeile Polizeipräsidium Mittelhessen in Gießen die Ausstellung DIE BRAUNE FALLE – Eine rechtsextremistische "Karriere“ des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) eröffnet.Präsident des Polizeipräsidiums Mittelhessen, Manfred Schweizer   
     
     
Der Präsident des Polizeipräsidiums Mittelhessen Manfred Schweizer (siehe Foto links) hieß die zahlreichen Gäste zur Eröffnung der Ausstellung im Saal Florenz des Polizeipräsidiums in Gießen herzlich willkommen. Er unterstrich die hohe Bedeutung der Aufklärungsarbeit und des Zusammenwirkens der Polizei und anderer gesellschaftlicher Gruppen zur Bekämpfung des Rechtsextremismus.


Dabei dankte er auch seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Vertretern des Bundesamtes für Verfassungsschutz, denen es gemeinsam gelungen war, diese begehrte Ausstellung nach Gießen zu holen.Landespolizeivizepräsident Hermann-Josef Klüber   


Landespolizeivizepräsident Hermann-Josef Klüber
(siehe Foto rechts) nahm in seinem Einführungsreferat die Eröffnung der Ausstellung zum Anlass, zunächst den politischen Kontext der Ausstellung zu beleuchten und gab anschließend einen gerafften Überblick über die Präventionsbemühungen in Hessen in Sachen Rechtsextremismus.


Dabei ging er auch auf die furchtbaren, äußerst brutalen und aus Fremdenhass begangen Morde des NSU ein, die auch die Polizei und die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes mitten ins Herz träfen. „Diese Ausstellung, gerade auch im Lichte dieser schrecklichen Erkenntnisse über den Nationalsozialistischen Untergrund führt uns komprimiert vor Augen, womit wir zu rechnen haben, wenn es uns nicht gelingt, die Ausbreitung dieses rechten Ungeistes zu stoppen“, betonte Klüber. Umso erschreckender seien die Ergebnisse der Europawahl vor zweieinhalb Wochen. Rechte Parteien konnten in einigen Ländern einen massiven Zulauf verzeichnen. Auch mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beherrschten die Rechten noch immer die Kunst der propagandistischen Verführung, denn gerade Ressentiments gegen Zuwanderer zu schüren sei offenbar für einen erheblichen Bevölkerungsanteil in Europa konsensfähig. Das müsse uns alle hell wach werden lassen. Denn inzwischen sei klar: der Weg zu einer Radikalisierung ist kurz. „Wenn wir aber Radikalisierung von Menschen, insbesondere auch junger Menschen, verhindern wollen, die konkrete Gefahr im Frühstadium erkennen und sodann bekämpfen wollen, verlangt das den gesellschaftlichen Schulterschluss“, betonte Klüber weiter.

Ausstellungsstück der Wanderausstellung des Bundesamtes für Verfassungsschutz: Puppe als Autonomer Nationalist verkleidet
Foto oben: Eines der Ausstellungsstücke der Wanderausstellun des BfV

Gerade nach der Entdeckung der Gruppe NSU habe die notwendige erneute Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus eine politische Dimension erhalten müssen, die politische Reflexion und politisches Handeln erforderte. Die Politik habe sich dabei nicht auf eine kritische Bestandsaufnahme beschränkt, sie habe die Rahmenbedingungen gesellschaftlichen Miteinanders immer wieder formuliert und gestaltet und auch die Aufgaben wahrgenommen, unermüdlich klarzustellen, dass dieses Land, diese Republik, keinen Extremismus dulde. Deshalb sei es wichtig, erklärte Klüber in seiner Ansprache an die Gäste, dass diese durch ihre Anwesenheit die Bedeutung der Ausstellung unterstreichen, die Ausstellung auch bekannt machen und sicher viele Menschen ihrem Beispiel folgten.

  
Die Landesregierung hat ein Hessisches Kompetenzzentrum gegen Extremismus unter Federführung des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport eingerichtet. Dort werden alle Präventionsmaßnahmen gegen den Extremismus gebündelt und koordiniert.

Hessische Präventionsmaßnahmen, in denen staatliche und bürgerschaftliche Bemühungen in einem gemeinsamen Kampf gegen den Rechtsextremismus gebündelt sind, beschäftigen sich u.a. mit den drei Themenbereichen, die sich auch in der Ausstellung DIE BRAUNE FALLE wiederfinden:

  • Der Einstieg in die rechtsextreme Szene.
  • Das Verhaftetsein im radikalen Milieu sowie
  • der Ausstieg aus der Gruppierung.

„Rote Linie“ – Mit dieser Hilfe zum Ausstieg vor dem Einstieg sollen Menschen erreicht werden, die an der Schwelle zum Rechtsextremismus stehen.

„Das BeratungsNetzwerk Hessen – Mobile Intervention“ ist ein Zusammenschluss von zahlreichen öffentlichen Institutionen und freien Trägern, die bei rechtsextremen Vorfällen eine koordinierte, schnelle und qualifizierte Hilfe leisten.

Das hessische Aussteigerprogramm „IKARUS“ soll dem Ausstiegswilligen den Ausstieg aus der rechtsextremen Szene ermöglichen und ihn auf seinem Weg aus dem Rechtsextremismus unterstützen.
  

Die Abteilungsleiterin Rechtsextremismus/-terrorismus im Bundesamt für Verfassungsschutz Dinchen Franziska BüddefeldDie Abteilungsleiterin Rechtsextremismus/-terrorismus im Bundesamt für Verfassungsschutz Dinchen Franziska Büddefeld (Foto links) hob hervor, dass Ausstellungen seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit des Bundesamtes für Verfassungsschutz seien.Sie zeigten, dass ein Nachrichtendienst wie das BfV in einer offenen Gesellschaft kein „Geheimdienst“ sei, sondern sich der öffentlichen Diskussion aktiv stelle. „Wir sind bei unserer Arbeit auf das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger angewiesen“, warb Büddefeld in ihrer Ansprache. Sinn und Zweck der Arbeit des Verfassungsschutzes erschlössen sich nicht ohne weiteres. Das sei auch ein Grund, warum die Verfassungsschützer Ausstellungen dieser Art organisierten. Ein anderer Grund sei, der Bevölkerung und insbesondere jungen Menschen die Gefahren des Rechtsextremismus aufzuzeigen. „Unsere Ausstellung soll junge Menschen ansprechen, insbesondere Schülerinnen und Schüler. Das Thema Rechtsextremismus wird in einer Art und Weise behandelt, die an die Lebenswelt dieser Generation anknüpft“, so Büddefeld. Das sind die sechs Meilensteine in der -Karriere- des Mario S.   

Die sechs Stationen des persönlichen Werdegangs des fiktiven jungen „Mario S.“, seien gleichsam der „rote Faden“ der Ausstellung. Sein Werdegang vermittle den Besuchern der Ausstellung die Erscheinungsformen und Gefahren des Rechtsextremismus.

Rechtsextremistische Biografien belegten, dass das Bild des Abgleitens, wie es in der Ausstellung gezeigt werde, eine realistische Darstellung sei. Die aufgezeigte Art und Weise scheine in vielerlei Hinsicht symptomatisch für die vergangenen Jahre zu sein. Staat und Gesellschaft müssten Abwehrkräfte gegen rechtsextremistisches Gedankengut stärken und über die wahren Ziele der Rechtsextremisten aufklären - wie es beispielsweise diese Ausstellung tue.        

Die Eröffnungsveranstaltung wurde musikalisch umrahmt von Chiara und Martina Herzberger.Migrationsbeauftragter des Polizeipräsidiums Mittelhessen, Reza Sicha (li.), im Gespräch interessierte Zuhörer der Veranstaltung gegen RechtsextremismusGäste der Auisstellung des Bundesamtes für Verfassungsschutz im Polzeipräsidium Mittelhessen

Weitere Informationen und Fotos von Ausstellungstücken der Wanderausstellung erhalten Sie im Veranstaltungshinweis:  2 rote Pfeile „Die braune Falle – Eine rechtsextremistische Karriere“ des Polizeipräsidiums Mittelhessen.

Zur näheren Information stellt das 2 rote Pfeile Bundesamt für Verfassungsschutz eine Ausstellungsbroschüre zur Verfügung, die online abgerufen werden kann.