Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
10.03.2011

Kriminalstatistik 2010 für das Polizeipräsidium Mittelhessen mit Landkreisen

Niedrigstes Straftatenaufkommen und bislang höchste Aufklärungsquote - Maßnahmen gegen steigenden Wohnungseinbruch weiter verstärkt

Logo des Polizeipräsidiums MittelhessenIm Jahr 2010 ereigneten sich in Mittelhessen 664 Straftaten weniger als im Jahr zuvor. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote erstmals über die 60 Prozent-Schwelle.

„51.015 Straftaten bedeuten einen historischen Tiefststand

und

60,5 % eine noch nie erreichte Aufklärungsquote

Polizeipräsident Manfred Schweizer in der hiesigen Region mit den Landkreisen Gießen, Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und Wetterau“, freute sich Polizeipräsident Manfred Schweizer (Foto rechts).

„Diese Erfolgsdaten bekräftigen die sehr gute Entwicklung für die Sicherheit unserer Bürger und sind ein Beleg der hervorragenden Arbeit der mittelhessischen Polizei“, stellte Schweizer fest.

Trotz des ganz zufriedenstellenden Gesamtergebnisses verzeichnete die Polizei in Einzelbereichen, vor allem beim Wohnungseinbruch und wesentlich abgeschwächter bei der Gewaltkriminalität, eine zunehmende Entwicklung.


Zahl der Gesamtstraftaten und Kriminalitätsbelastung auf Tiefststand

Mit erneut weniger registrierten Straftaten setzte sich – wenn auch abgeflachter – der seit 2004 anhaltende Straftatenrückgang fort. „Seither verringerte sich das Kriminalitätsaufkommen um fast 20 % bzw. um 12.744 Straftaten. Das stellt einen erheblichen Sicherheitsgewinn für unsere Bürger dar“, hob Manfred Schweizer hervor. Dies dokumentiert auch die sogenannte Häufigkeitszahl. Mit 4.813 Straftaten pro 100.000 Einwohner liegt die Kriminalitätsbelastung in Mittelhessen wiederum niedriger als im Vorjahr und zum zweiten Mal unter 5.000. „Sie unterschreitet deutlich den aktuellen Landesdurchschnitt von 6.629. Damit liegt Mittelhessen hessenweit mit an der Spitze der sichersten Regionen“, so Schweizer weiter.

 

Aufklärungsquote erstmals über 60 Prozent

Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote auf herausragende 60,5 %. „Dies ist ein Beleg für die effektive Polizeiarbeit, qualifizierte Ermittlungsmethoden und die ergriffenen Verbesserungen auf dem Gebiet der Spurensuche und –sicherung. Das Risiko, von der Polizei erwischt zu werden, ist weiter gestiegen; das schreckt Straftäter auch ab! Diesen eingeschlagenen Weg für ein hohes Sicherheitsniveau in der hiesigen Region werden wir konsequent weiterverfolgen“, erklärte Schweizer. Mit diesem Spitzenergebnis schneidet Mittelhessen im landesweiten Vergleich bestens ab.

Entwicklung der Straftaten und Aufklärungsquote des Polizeipräsidiums Mittelhessen von 2006 bis 2010

Foto oben: Entwicklung der Straftaten und Aufklärungsquote des
Polizeipräsidiums Mittelhessen von 2006 bis 2010

 

Straßenkriminalität sinkt weiter

Der Polizeipräsident machte deutlich, dass gerade Straftaten, die das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger besonders berühren, weiter zurückgedrängt worden sind. So sank die Kriminalität, die auf Straßen, Wegen und Plätzen verübt wurde (beispielsweise Raubüberfälle, Autoaufbrüche, Taschendiebstähle, Sachbeschädigungen) im vergangen Jahr um 408 (- 4,1 %) auf 9.592 Fälle. Dabei gingen vor allem die Diebstähle in der Öffentlichkeit (sog. Straßendiebstahl) um 8,9 % und der Straßenraub um 10,1 % zurück. Die Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen nahmen um 1,2 % ab.

 

Insgesamt weniger Diebstähle – aber Steigerung bei Wohnungseinbrüchen

Einbrecher steigt mit Diebesgut aus einem FensterMit 36,3 % bilden die Diebstahlsdelikte nach wie vor den höchsten Anteil am Gesamtstraftatenaufkommen. Allerdings befinden sie sich mit 18.495 (- 175) Straftaten auf dem bisher niedrigsten Stand und liegen rund 8.000 Fälle unter dem Ergebnis von 2004. Auf den einfachen Diebstahl entfallen 11.287 und den schweren Diebstahl 7.208 Delikte mit einer insgesamt leicht gesteigerten durchschnittlichen Aufklärungsquote von 34,4 %. Bei den schweren Fällen des Diebstahls gingen vor allem die Diebstähle aus Kraftfahrzeugen (-74) und von Kraftfahrzeugen (-30) zurück. Auch die Zahl der unter erschwerten Umständen entwendeten Kräder, Mopeds und Fahrräder verringerte sich um 178.

Die Entwicklung des Wohnungseinbruchs bildet eine gegenläufige Ausnahme. Diese Straftaten nahmen im vergangenen Jahr um 277 auf 1.392 Delikte deutlich zu. Die Aufklärungsquote liegt bei 13,6% und sank damit um 1,9%-Punkte. Nach polizeilichen Auswertungen und Erkenntnissen verübten neben ortsansässigen Tätern auch überörtlich agierende Tätergruppierungen diese Wohnungseinbrüche. Einen Teil der Taten rechnen die Ermittler auch Kindern zu, die auf Einbruchstour gehen und dazu sogar von Erwachsenen in den Tatortbereich gebracht werden. „Auch wenn diese Zahl immer noch unter den Höchstständen der Vorjahre (beispielsweise 2002 mit 1.509 Fällen) liegt, sind wir über diese Entwicklung besorgt, aber auch in keiner Weise bereit, dies hinzunehmen“, so Schweizer weiter.

Logo Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle mit Schriftzug -Mit Sicherheit gut beraten-„Gerade der Wohnungseinbruch ist eine Straftat, auf welche die Polizei schon immer ihren besonderen Fokus richtet, da dieses Delikt die Menschen in ihrer engsten Privatsphäre, ihrem „Zuhause“, besonders betrifft.“

Neben ihren verstärkten offenen und verdeckten Maßnahmen legt die Polizei ein spezielles Augenmerk auf die Präventionsarbeit und die Mithilfe der Bevölkerung. Schweizer wies erneut auf das kostenlose Angebot der

2 rote Pfeile kriminalpolizeiliche Beratungsstellen

hin. „Gute Vorbeugungsmaßnahmen spiegeln sich eindrucksvoll in dem hohen Anteil der erfolglosen Einbruchsversuche wider. Dieser Anteil betrug im vergangenen Jahr 38,3 %“, sagte Schweizer. Zur erfolgreichen Bekämpfung sind die Ermittler darüber hinaus immer wieder auf entsprechende Beobachtungen und Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Polizeipräsident Schweizer bittet deshalb auch weiterhin die Bürger um Mithilfe und appelliert:

Tafel -VORSICHT, Wachsamer Nachbar-


Verständigen sie bei verdächtigen Wahrnehmungen umgehend die Polizei. Rufen Sie dabei lieber einmal mehr als einmal zu wenig an. Leben sie eine gute Nachbarschaft und achten sie auch auf die Anwesen und Wohnungen ihrer Nachbarn. Die Polizei ist bestrebt, ihr Eigentum zu schützen, doch sie benötigt auch ihre Unterstützung.“

 

Grafik zur Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Mittelhessen 2010

Foto oben: Grafik zur Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Mittelhessen 2010

Gewaltkriminalität ist angestiegen

Delikte, die der Gewaltkriminalität zuzurechnen sind, wie Mord und Totschlag, Vergewaltigung, Raub und gefährliche / schwere Körperverletzung, haben in Mittelhessen um 107 auf 2.079 Fälle zugenommen. Dafür ist fast ausschließlich der Zuwachs bei den massiveren Körperverletzungsdelikten ursächlich.

Opferschutz: Polizeibeamtin stützt ein OpferEin geändertes Anzeigeverhalten, die konsequente strafrechtliche Verfolgung im Zusammenhang mit der häuslichen Gewalt und der augenscheinliche Trend zur generell erhöhten Gewaltbereitschaft könnten eine mögliche Ursache dieser Entwicklung sein. Dafür spräche auch der gleichzeitige Anstieg bei den sogenannten leichten Körperverletzungen um 6,3%.

„Auch wenn sich bei der Gewaltkriminalität der mehrjährige rückläufige Trend nicht fortsetzte, ist das 2010er-Ergebnis immer noch die zweit niedrigste Zahl der letzen sieben Jahre in diesem Deliktsbereich“, so Schweizer.

Besonders hervorzuheben ist, dass alle versuchten und vollendeten vorsätzlichen Tötungsdelikte aufgeklärt werden konnten. Auch bei den leicht rückläufigen Raubdelikten konnte die Aufklärungsquote um 3,4 %-Punkte auf 62,4 % gesteigert werden.

 

Leichte Zunahme bei Vermögens- und Fälschungsdelikten – rückläufige Internet-kriminalität

Euro-Geldscheine in einer HandDie Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte wuchs nach dem Tiefststand im Jahr 2009 wieder leicht um 219 Taten auf 10.776 an. In diesem Deliktsbereich liegt die Aufklärungsquote relativ konstant um die 80% und konnte im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr noch etwas gesteigert werden. Dass Menschen zunehmend illegal tanken, belegen die 994 Straftaten wegen Tankbetrugs. Das sind 81 mehr als im Vorjahr. In mehr als jedem zweiten Fall ermittelte die Polizei die Beschuldigten.

Die Internetkriminalität (beispielsweise Verbreiten pornographischer Schriften, Bedrohung, Betrugsdelikte) findet bei den polizeilichen Maßnahmen der Ermittlungsgruppen, Fachkommissariate und des 2007 speziell eingerichteten Internetkommissariats seit Jahren eine besondere Beachtung. Die Polizei registrierte in Mittelhessen mit insgesamt 2.108 Fällen 240 weniger als im Vorjahr. Damit entwickelte sich die Internetkriminalität im Gegensatz zum Landestrend rückläufig. Die Aufklärungsquote liegt bei etwa 80 %. Waren- und Kreditbetrug im Zusammenhang mit Auktionsplattformen haben in dieser Deliktsart einen erheblichen Anteil. Die Polizei setzt den immer wieder neuen Erscheinungsformen der Internetkriminalität neben dem technischen und kriminalistischen Sachverstand der Experten zur Bekämpfung dieser Kriminalitätsform eine intensive Präventionsarbeit entgegen. Mit Vorträgen und aktiver Öffentlichkeitsarbeit sensibilisiert die Polizei Mittelhessen die Internetuser, um ein schärferes Problem- und Gefahrenbewusstsein im Umgang mit persönlichen und insbesondere auch gelieferten Daten zu erreichen.

 

Weniger Rauschgiftdelikte

Kiloweise Drogen stellte die Polizei im letzten Jahr sicherBei der Rauschgiftkriminalität ging die Zahl der allgemeinen Verstöße nach dem Betäubungsmittelgesetz um 214 auf 1.453 Delikte zurück. Dabei stand der illegale Umgang mit Cannabis mit 852 Fällen im Vordergrund. Die qualifizierten Delikte des illegalen Drogenhandels und -schmuggels sanken um 132 auf 302 Straftaten. Die Analyse der Entwicklung im Bereich dieser sogenannten „Holkriminalität“ dauert derzeit an.

„Bei 25 Menschen wurde ihr Tod mit dem Rauschgiftkonsum in Verbindung gebracht. Im Vorjahr waren es 22 Drogentote“, sagte Schweizer und machte damit auf die tragischen Folgen des Konsums von Betäubungsmitteln aufmerksam.

 

Tatverdächtigenanteile weitgehend unverändert

Von den 23.436 ermittelten Tatverdächtigen waren 17.693 männlich und 5.743 weiblich. Nichtdeutsche hatten einen etwa gleichbleibenden Anteil von 20,2 %. Der Kinderanteil an allen Tatverdächtigen liegt bei 3,9 % (Vorjahr 4,1%). Auch die Anteile Jugendlicher im Alter von 14 bis unter 18 Jahre sind mit 11,6% (12,2 %) und Heranwachsender mit 9,9 % (10,3 %) geringfügig gesunken. Die Taten dieser Altersgruppen umfassten hauptsächlich die Bereiche Diebstahl, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen.

Abschließend dankte Polizeipräsident Manfred Schweizer den mittelhessischen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten für ihre engagierte und erfolgreiche Arbeit.

„Ohne ihren Einsatz und ihre Professionalität wäre dieses hervorragende Ergebnis für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger nicht möglich gewesen“, so Schweizer.

 

Polizeiliche Kriminalstatistiken (PKS) 2010 für die folgenden Bereiche:

PKS des Polizeispräsidiums Mittelhessen 5 KB

 

PKS für die Stadt und den Landkreis Gießen 39 KB
Aufklärungsquote und Häufigkeitszahlen 20 KB
Gesamtstraften Landkreis und Stadt 15 KB

 

PKS für den Landkreis Marburg-Biedenkopf 37 KB
weitere Zahlen 100 KB

  

PKS aus dem Wetteraukreis 376 KB

   
PKS für den Lahn-Dill-Kreis 50 KB
weitere Zahlen 123 KB