Hessische Polizei - Polizeiautos
 
09.02.2017 | Polizeipräsidium Westhessen

Sicher im Alter?! - Eine Kaffeefahrt der besonderen Art

Eine ganz besondere Kaffeefahrt endete am 08. Februar 2017 im Polizeipräsidium Westhessen, um dort über die Machenschaften bei solchen Veranstaltungen aufzuklären.

Für die Teilnahme wurde, wie für richtige Kaffeefahrten üblich, in der Zeitung geworben. Letztendlich nahmen rund 40 Seniorinnen und Senioren daran teil. Alle hatten gemeinsam, dass sie nicht ahnten, wie die als „Winterreise“ getarnte Fahrt enden würde.

Zu Beginn war auch alles so organisiert wie bei einer echten Kaffeefahrt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden an verschiedenen Wiesbadener Haltestellen mit dem ESWE-Bus eingesammelt. Versprochen wurde allen in der Zeitungsanzeige eine garantierte Gewinnnominierung über 500€ sowie ein 24-teiliges Abschiedsgeschenk.

Nachdem der Bus aber nach einer kurzen Stadtrundfahrt am Polizeipräsidium hielt, bemerkte man die Verwunderung bei den Mitfahrenden.

         Ankunft der Teilnehmer am Polizeipräsidium Westhessen            

Ankunft am Polizeipräsidium

Erst bei Kaffee und Kuchen in einem Raum des Präsidiums wurde erklärt, um welche Werbeveranstaltung es sich handelte.

Diese Kaffeefahrt war nämlich Teil der Präventionskampagne „SicherimAlter?!“, einer Kooperation der Gesellschaft Bürger und Polizei e.V., dem Wiesbadener Kurier, dem Wiesbadener Tagblatt und dem Polizeipräsidium Westhessen. In den verschiedenen Veranstaltungen der Kampagne geht es darum, die Opfergruppe „ältere Menschen“ über Täuschungen, Lügen und Tricks der Betrüger und Diebe anschaulich zu informieren.

Anders als bei den richtigen Fahrten wurde im Polizeipräsidium natürlich niemand unter Druck gesetzt, die billigen Produkte zu einem Wucherpreis zu kaufen. Stattdessen erklärte der Journalist Wolfgang Degen (Wiesbadener Kurier / Wiesbadener Tagblatt), wie eine solche, meist illegal abgehaltene Verkaufsveranstaltung von statten gehen und wie manipulativ sie aufgebaut sind. Oft werden dort Wundermittel, wie z.B. Heilsteine oder Trinkkuren präsentiert. Diese sollen alle Wehwehchen beseitigen können und sogar schlimme Krankheiten heilen.

Wolfgang Degen erklärte genau, wie eine psychologische Einbahnstraße aufgebaut wird, an deren Ende viele dann plötzlich doch die Produkte kaufen. Er deckte auf, woher die Wundermittel wirklich stammen und zeigte auch, zu welch hohen Preisen verkauft wird.

Für  Betrüger sind Gewinnspannen von rund 1000€ pro verkauftem Produkt keine Seltenheit!

Beginn der -Verkaufsshow - bei Kaffee und Kuchen

 Beginn der „Verkaufsshow“ bei Kaffee und Kuchen

Nach der „Verkaufsshow“ begrüßte Polizeipräsident Stefan Müller die Gäste im Präsidium und erklärte die „Aktion Sicher im Alter?!“. Er hatte sich beim Eintreffen der Gäste am Eingang unter die Besucher gemischt, so dass seine Tischnachbarn ihn zunächst für einen Teilnehmer der Kaffeefahrt hielten. Er warb bei den Seniorinnen und Senioren dafür, dass diese im Bekanntenkreis über „Sicher im Alter“ berichten: „Gerne würde ich Sie zu unseren Präventionsbotschaftern machen“, bat er die Gäste.

Natürlich kam im weiteren Verlauf auch die polizeiliche Beratung nicht zu kurz.

Polizeioberkommissarin Bettina Chrysakopoulos und Polizeioberkommissar Frank Anders von der polizeilichen Beratungsstelle in Wiesbaden (Bleichstraße 16) gaben wertvolle Tipps zur Sicherheit an Haustür und Telefon. Die Kollegen führen kostenlose und unverbindliche Beratungen zu Hause durch, um die Wohnung / das Haus noch sicherer zu machen. Viele Gäste nutzen die Gelegenheit bereits für Fragen an die Experten.

Im Anschluss sprach Kriminalhauptkommissar Stefan Kneissler-Süss mit Wolfgang Degen über Call ID Spoofing und Tatabläufe beim sogenannten Enkeltrick. Der Leiter der Arbeitsgruppe SÄM bearbeitet diese Taten jeden Tag innerhalb eines Kommissariats, welches sich ausschließlich mit Straftaten gegen ältere Menschen beschäftigt (SÄM = Straftaten zum Nachteil älterer Menschen).

 Begrüßung durch den Polizeipräsidenten Stefan Müller  Fragen an die Experten

Vortrag der Polizei

Begrüßung durch den Polizeipräsidenten Stefan Müller, Talk mit den polizeilichen Experten

Zum Abschied gab es noch eine Führung durch das Polizeipräsidium, welche die Leiterin der Pressestelle, Erste Kriminalhauptkommissarin Petra Volk, übernahm.

Bevor die Gäste wieder zum Bus gebracht wurden, erhielten sie noch ihr versprochenes 24-teiliges Abschiedsgeschenk: eine Dose mit 24 Brausetabletten.

Die 500€ erhielt niemand, denn dafür waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ja nur nominiert – Abläufe wie bei einer echten Kaffeefahrt eben.