Hessische Polizei - Polizeiautos
 
13.12.2018

Unfallflucht ein Bagatelldelikt?

Präventionskampagne der hessischen Polizei zum Thema Verkehrsunfallflucht

Ein Verkehrsunfall kann jedem passieren – sich danach aus dem Staub zu machen ist strafbar!

Alleine im vergangenen Jahr registrierte die Polizei Hessen rund 43.600 Verkehrsunfälle, bei denen sich die Verursacher unerlaubt von der Unfallstelle entfernten. Oder anders ausgedrückt: Unfallbeteiligte im Hessenland entziehen sich ihrer Verantwortung nach einem Crash jeden Tag durchschnittlich fünfmal pro Stunde! Die Tendenz ist leider von Jahr zu Jahr steigend. Der Umstand, dass es sich dabei bei rund 96 Prozent um sogenannte Sachschadensunfälle handelt, mindert nicht die Verwerflichkeit, dass zahlreiche Opfer dadurch auf ihren Schäden sitzen bleiben.

In Kooperation mit der HochschuleRhein-Main in Wiesbaden erstellten Studentinnen und Studenten in enger Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Nordhessen kurze Filme, die auf das Thema Unfallflucht aufmerksam machen. Ziel dieser Präventionskampagne ist es, bei den Verkehrsteilnehmern eine positive Verhaltensänderung hervorzurufen.

Ob der kleine Lackkratzer am geparkten Auto, die angefahrene Laterne oder weitaus schlimmere Folgen im Straßenverkehr. Unfälle können jedem passieren.

Grundsätzliche Verhaltensregeln nach einem Unfall:

Ein Unfall im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr kommt unvorhersehbar und plötzlich. Hat es gekracht, sind viele verständlicherweise mit der Situation zunächst überfordert und denken erstmal an alles, nur nicht an ihre Pflichten, wie sie die Straßenverkehrsordnung im § 34 vorsieht:

Dazu gehören unter anderem:

  • Unverzüglich anhalten
  • Sich über die Unfallfolgen vergewissern
  • Verletzten helfen
  • Die Straße bei geringem Schaden räumen
  • Eine angemessene Zeit am Unfallort warten
  • Berechtigten Menschen Personalien und notwendige Daten angeben oder die Polizei verständigen.

 Die Verhaltensregeln ergeben sich aus § 34 StVO "Unfall"!

Unwissenheit als anschließendes Fluchtmotiv?

Die Gründe, warum so viele Beteiligte nach einem Verkehrsunfall abhauen, sind so vielschichtig, wie der Mensch selbst.

  • Unsicherheiten / Unwissenheit / Überforderung mit der Ausnahmesituation
  • Unterschätzen des angerichteten Schadens
  • Sorge vor Höherstufung in der Schadensfreiheitsklasse bei der eigenen Kfz-Versicherung
  • Fehlende Reue oder Einsicht
  • Vermeintlich geringes Entdeckungsrisiko
  • Verdunkelung weiterer Straftaten, wie Fahren unter dem Einfluss berauschender Mittel, Fahren ohne Führerschein etc.

Was ist eigentlich „unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“?

Der Gesetzgeber hat diesen Verstoß als Straftat eingestuft, um Unfallopfer bestmöglich zu schützen und vermögensrechtliche Ansprüche zu regulieren.

Es handelt sich konkret um eine Straftat gemäß  § 142 StB "Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort"!

Unfallflucht lohnt sich nicht! Gravierende Konsequenzen drohen auch nach vermeintlichen Bagatellschäden!

Wenn Sie sich vom Unfallort aus dem Staub machen, kommen womöglich eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine empfindliche Geldstrafe auf Sie zu. Außerdem droht die Entziehung der Fahrerlaubnis und natürlich auch Punkte in der Verkehrssünderdatei. Da es sich bei einer Unfallflucht um eine Straftat handelt, zu deren Aufklärung Polizisten verpflichtet sind, werden akribisch Beweise und Unfallspuren gesichert. Die Ermittler der Polizeidienststellen vernehmen unter anderem Tatverdächtige, Zeugen und Geschädigte. Sie werten Spuren aus und mit der Hilfe von Stellproben versuchen sie, das Unfallgeschehen nachzustellen und aufzuklären. Geeignete Spuren finden sie häufig an den Fahrzeugen. Am Unfallort sichern sie Lackspuren oder Gegenstände von anderen am Unfall beteiligten Fahrzeugen.

Öffentliche Zeugenaufrufe und Täterfahndungen in unterschiedlichen Medien kommen dabei ebenso zum Einsatz.

Nicht selten führen Reaktionen auf Presseveröffentlichungen zu weiteren Ermittlungen im privaten oder beruflichen Umfeld von Unfallflüchtigen und schließlich zur Klärung der Straftat.

Jeder kann Opfer einer Unfallflucht werden!

Aus diesem Grund spielen Aussagen von Zeugen und Hinweise aus der Bevölkerung bei den polizeilichen Ermittlungen zur Aufklärung dieser Straftaten eine bedeutende Rolle.

Ob Zeuge, Geschädigter oder Verursacher: Informieren Sie im Zweifel unverzüglich ihre örtliche Polizei.

Wir wollen, dass Sie straffrei bleiben!

Hätten Sie's gewusst?

 10 alltagstypische Verkehrsunfallsituationen aus polizeilicher Sicht erklärt


In Kooperation mit der Hochschule RheinMain in Wiesbaden erstellten Studentinnen und Studenten in enger Zusammenarbeit mit uns Kurzfilme - hier im Beitrag zu sehen - , die auf das Thema Verkehrsunfallflucht aufmerksam machen.