Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 

Teils gescholten, teils verehrt

LKW-Fahrer*innen zwischen den Fronten

Verkehrskontrollen Lkw

 

  • Trucker,

  • Brummifahrer,

  • Fernfahrer,

  • Kapitäne der Landstraße

...es gibt viele Begriffe für all jene, die täglich mit Fahrzeugen von bis zu 44 Tonnen über die Straßen unseres Landes fahren. Viele Männer, aber auch immer mehr Frauen, sind unter ihnen. Zwischen Zeitdruck und Kontrolldruck legen sie tausende Kilometer Strecke im Jahr zurück und transportieren das, was jeder von uns täglich konsumiert. Auf der einen Seite kritisiert, auf der anderen verehrt, vom Chef / der Chefin und dem Transportgewerbe unter Druck gesetzt – oft sitzen sie zwischen allen Stühlen.

Über viele Kontrollen der „schweren Jungs“ haben wir an dieser Stelle schon berichtet. Es gab Fälle, bei denen uns außer einem Kopfschütteln nicht mehr viel einfiel, so eine Gefahr stellte manches Gefährt und mancher Fahrer für sich und die Allgemeinheit dar. Was dabei aber regelmäßig zu kurz kommt: 

 

Es gibt die vielen vielen anderen LKW-Fahrer*innen und Unternehmer*innen, die versuchen alle gesetzlichen Regelungen einzuhalten und dafür oft noch Unverständnis von den übrigen Verkehrsteilnehmern ernten.

 

An dieser Stelle möchten wir daher die Perspektive wechseln und Euch einen kleinen Einblick in die nicht immer leichte Situation der LKW-Fahrer*innen geben.

 

„Das pack ich noch!“

Die nächste Abfahrt auf der Autobahn naht – schnell noch den LKW überholen. Auf eine Landstraße abbiegen – gerade noch kurz vor dem herannahenden LKW.  Fahrdynamik ist das Stichwort in diesem Zusammenhang. Was vielen Autofahrern nicht bewusst ist: Muss der LKW bremsen, brauchen die vielen Tonnen Gewicht sehr lange, bis sie wieder auf Touren sind. Das kostet nicht nur Sprit, Zeit und Material sondern behindert auch den nachfolgenden Verkehr.

 

„Da pass ich noch rein!“

Lkw-KolonneNoch schnell die Lücke genutzt und vor dem LKW eingeschert – passte ja noch. Gerade auf der Autobahn nutzen Auto- und Kleintransporterfahrer*innen gerne noch schnell die Lücken vor einem LKW aus, um vor diesem einzuscheren. Nicht bewusst sind sie sich dabei, dass sie den LKW hinter sich damit oft ausbremsen. Viele LKW sind heutzutage mit modernster Technik ausgestattet. Auch modernste Bremssysteme gehören dazu, die Auffahrunfälle vermeiden sollen. Um den erforderlichen Mindestabstand einzuhalten, bremst die Technik den LKW aus, wenn ein anderes Fahrzeug kurz vor diesem einschert oder passiert. Und selbst ohne modernes Bremssystem – die Fahrer müssen ihre Geschwindigkeit reduzieren, um den notwendigen Sicherheitsabstand herzustellen. Auch hier: Bis der Laster wieder in Fahrt kommt kann es dauern.

 

„Immer diese Elefantenrennen“

Eine Unfallstelle auf der A 5 bei ButzbachNur wer eine deutlich höhere Geschwindigkeit hat, darf als LKW-Fahrer ausscheren, um den vorausfahrenden LKW zu überholen. Ganz sicher dauert so manches Elefantenrennen länger als es hätte sein dürfen. Wir werben für Verständnis. Das Gewicht des Vordermannes und damit seine Geschwindigkeit lassen sich schlecht abschätzen, der nächste Berg kam vielleicht unerwartet und die Zeit sitzt den LKW-Fahrern*innen immer im Nacken. Pünktlich müssen sie trotz aller möglichen Verkehrsbeeinträchtigungen Waren aufnehmen oder abgeben. Werden die Zeiten nicht eingehalten kommt die komplette Logistik durcheinander. Es geht um Zeit, Geld und bei den Fahrern*innen um ihren Arbeitsplatz. Verspätungen und dadurch entstehende Verluste dulden die wenigstens Chefs. Das schwächste Glied in der Kette sind die Fahrer, die Vieles ausbaden müssen.

 

„Warum fährt der denn so langsam?“

Die Strecke wäre frei und doch kriecht ein LKW über die Landstraße und zieht eine Schlange hinter sich her. Warum? Ganz einfach. Maximal 60 km/ h darf ein LKW auf der Landstraße fahren. Fährt er schneller, dann begeht er eine Ordnungswidrigkeit. Selbst wenn die Polizei gerade nicht in der Nähe ist, um den Verstoß ahnden zu können – die Daten können anhand der technischen Aufzeichnungen im LKW auch später noch ausgelesen und die Fahrer zur Kasse gebeten werden. Letztlich dient die Höchstgeschwindigkeit der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer und muss eingehalten werden, auch wenn es manchmal nervt.

 

„Da pass ich vorbei!“

Anhalteposten PolizeiWas im Kopf manches Fahrzeugführers vorgeht, der in engen Baustellenbereichen meint er müsste sich unbedingt am LKW vorbeidrängen, das ist reine Spekulation. Fest steht jedoch, dass für die linke Fahrspur im Baustellenbereich auf Autobahnen oft eine Höchstbreit von 2m oder 2,10m gilt. Viele PKW, vor allem SUV, und Kleintransporter sind jedoch breiter, da bei der Bemessung der Höchstbreite die Spiegel mit gemessen werden. So dürften sie eigentlich die linke Spur nicht nutzen, machen es aber trotzdem. Das bringt die überholten LKW-Fahrer*innen wiederum in Bedrängnis. Auf den oft unebenen Strecken, bei denen der LKW auch ein gewisses Eigenleben entwickelt, ein unzumutbares Abenteuer für alle Beteiligten. Das Ergebnis: Viel zu viele Unfalle, die vermeidbar gewesen wären und nach denen dann keiner mehr weiter kommt. Und auch außerhalb der Autobahn gilt: Geduld. Nicht jede noch so kleine Lücke sollte genutzt werden, um den vorausfahrenden LKW zu überholen. Zur eigenen Sicherheit!

 

„Da kann der doch nicht parken.“

BAB-Rastsätte - LkwEines ist klar, abgestellte LKW dürfen keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellen. Doch wer sich das nächste Mal über einen eher kurios abgestellten LKW aufregt, der sollte wissen, dass die Fahrer sich an gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeiten halten müssen. Leider mangelt es sowohl an deutschen Autobahnen, als auch außerhalb derer an ausreichend Parkraum für die großen Gefährte. Das bringt die Fahrer*innen regelmäßig in die Situation keinen Parkplatz mehr für ihr Gefährt zu finden. Sie müssen aber eine Pause einlegen – nicht nur von Gesetzes wegen -  übermüdet sollte ja schließlich auch keiner mehr fahren.  Also drückt ein Auge zu, wenn der Laster doch mal ungünstig steht oder ein PKW-Parkplatz vom LKW blockiert wird.

Eine Diskussion dazu nach Weihnachten bei uns auf Facebook: Facebook

 

Plakat verkehrssicher-in-mittelhessen

 


Solche Aufkärungsmaßnahmen gehören auch zu verkehrssicher-in-mittelhessen.

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