Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 

Großraum- und Schwertransporte

Zu hoch, zu lang, zu schwer – Nur mit Genehmigungen dürfen sie auf die Straße

 

Wie kommen Windräder, Maschinenteile, übergroße Baumaschinen und Co. eigentlich dorthin, wo sie hin sollen? Auf einen „normalen“ LKW lassen sich solche großen zu transportierenden Sachen nämlich nicht immer packen – und erlaubt ist schon erst recht nicht alles, was gefällt.
  

Beeindruckende Impressionen von der Transportbegleitung: Streifenwagen begleiten den Großraum- u.Schwertransport von Windrädern
Foto: Streifenwagen begleiten den Großraum- u.Schwertransport von Windrädern
   

Nicht breiter als 2,55 m und nicht höher als 4 m, das sind die Standardmaße, die Fahrzeuge gemäß Paragraph § 32 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) nicht überschreiten dürfen. LKW plus Anhänger dürfen im Regelfall maximal 18,75 m lang sein, Sattelzüge 16,50 m. Paragraph § 34 StVZO legt darüber hinaus die zulässigen Gewichte fest, welches sich im Normalfall auf maximal 40 Tonnen beläuft.  Klar, jede Regel hat ihre Ausnahme. So dürfen Kühlfahrzeuge zum Beispiel 2,60 m und land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge bis zu 3 m breit sein. Auch die Grenzen dieser im Gesetz genannten „Regelausnahmen“ sind damit aber klar abgesteckt.
   

Collage: Beispielfotos von zu hohen und zu schweren / langen Transporten
Beispielfotos von zu hohen und zu schweren u. langen Transporten

Doch auch Transportgut, welches sich nicht so zerlegen lässt, dass die Maße eingehalten werden können, muss manchmal irgendwie von A nach B transportiert werden. Wie ist das mit dem geltenden Recht zu vereinbaren? Die Antwort liegt in den sogenannten Großraum- und Schwertransporten. Um mit diesen Transporten mit überdimensionierter Ladung und / oder übergroßen Fahrzeugen über deutsche Straßen fahren zu dürfen, bedarf es allerdings immer einer extra Ausnahmegenehmigung, die für den jeweiligen Transport zu beantragen ist.


Die Regelungen dazu sind für den Laien nicht ganz einfach. Die folgende Darstellung ist daher vereinfacht und bietet nur einen groben Überblick:

(1) Das Fahrzeug ist generell zu groß oder zu schwer - § 70 StVZO

Es besteht die Möglichkeit nach § 70 StVZO, eine Ausnahmegenehmigung für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen zu erhalten, deren Maße und Gewichte nicht den Vorgaben der StVZO entsprechen. Mit dieser Genehmigung sind sie dann grundsätzlich zulassungsfähig. Diese Genehmigungen werden im Regelfall von den zuständigen Regierungspräsidien erstellt.

(2) Das Fahrzeug ist zu groß oder zu schwer und soll auf einer bestimmten Strecke genutzt werden - § 29 StVO

Soll ein Fahrzeug oder eine Fahrzeugkombination für einen Transport genutzt werden, dessen Abmessungen, Achslasten oder Gesamtmassen die gesetzlichen Grenzen überschreiten, muss eine Erlaubnis nach § 29 StVO beantragt werden. Diese Erlaubnisse sind immer nur in Kombination mit einer Ausnahmegenehmigung nach § 70 StVZO möglich. Um eine solche Genehmigung zu erhalten, veranlasst die zuständige Straßenverkehrsbehörde (am Firmensitz oder am Startort des Transportes) auf Antrag die Prüfung, ob die vorgeplante Strecke für die Durchfahrt eines Fahrzeuges dieser Größe geeignet ist. Die Höhe von Brücken, die Breite von Straßen, die Kurvenverläufe, mögliche Baustellen und andere Einschränkungen müssen dafür auf allen Streckenabschnitten von den örtlich zuständigen Straßenverkehrsbehörden überprüft werden.

(3) Die Ladung ist zu groß - §46 StVO

Werden die zulässigen Maße und Gewichte nur aufgrund der Ladung überschritten und das Fahrzeug ist gesetzeskonform, so muss eine Ausnahmegenehmigung nach § 46 StVO eingeholt werden. Sie ist grundsätzlich nur dann zu erhalten, wenn die Ladung tatsächlich nicht in kleinere Bestandteile teilbar ist. Auch bevor diese Genehmigungen erteilt werden, wird von den Straßenverkehrsbehörden eine Streckenprüfung durchgeführt, ob diese Abmessungen überhaupt die avisierten Straßen entlangfahren können. Eine Ausnahmegenehmigung nach § 46 StVO kann unabhängig vom der nach § 70 StVZO erteilt werden, wenn das Fahrzeug den Normmaßen entspricht. Ist dies nicht der Fall, so sind alle drei Ausnahmegenehmigungen erforderlich.
  

Schaubild Prüfungsschema von Großraum- und Schwertransporten (GST) - Quelle: RP Gießen, Joachim Lehr
Schaubild: Prüfungsschema von Großraum- und Schwertransporten (GST) - Quelle: RP Gießen, Joachim Lehr
   

Die Kosten für solche Genehmigungen berechnen sich nach dem notwendigen Aufwand und müssen vom Antragsteller übernommen werden.

Die Fahrer der Großraum- und / oder Schwertransporte müssen die Genehmigungen im Original mitführen. Stellt die Polizei das Fehlen einer solchen Genehmigung fest, so wird dem Transport sofort die Weiterfahrt untersagt, bis eine Genehmigung nachgereicht und vorgelegt werden kann.

Werden bei der Prüfung der Kennzeichen, der vorgesehen Strecke, der Einhaltung der Auflagen, der Maße oder anderen relevanten Genehmigungskriterien Abweichungen entdeckt, so endet auch dann in den allermeisten Fällen die Fahrt an der Kontrollstelle. Auf den Fahrer und das Transportunternehmen kommen dann im Rahmen von Ordnungswidrigkeitenverfahren erhebliche Kosten zu.

Alle Transporte, die von der Polizei begleitet werden und innerhalb von Hessen beginnen, müssen vor dem Start des Transportes von der Polizei abgenommen, also überprüft werden. Inzwischen wird eine Vielzahl von Transporten von sogenannten Verwaltungshelfern, also Privatunternehmen begleitet, die sich auf die Transportbegleitung spezialisiert haben. Sie begleiten die Transporte nach den von den Straßenverkehrsbehörden gemachten Vorgaben und sorgen so für die Verkehrssicherheit. BF4 werden die Begleitfahrzeuge genannt, die mit speziellen Aufbauten zur Verkehrsregelung ausgestattet sind.
  

Begleitfahrzeuge (BF4-Fahrzeug) mit einem speziellen Aufbau sichern den LKW mit den übergroßen / überschweren Teilen nach vorne und hinten ab. Fotoquelle: Fa. Setreo GmbH
Begleitfahrzeuge (BF4-Fahrzeug) mit speziellem Aufbau sichern die LKW mit den übergroßen / überschweren Teilen ab. Foto: Firma Setreo GmbH

 

Halteverbotsschild - werktags 22-6 Uhr   
Übrigens ist den zu den Genehmigungen erteilten Auflagen fast immer eine Transportzeit zu der sogenannten „verkehrsarmen Zeit“, also

ab 22 Uhr und bis 05 oder 06 Uhr,

festgeschrieben, um den Verkehrsfluss für die übrigen Verkehrsteilnehmer möglichst wenig zu beeinträchtigen.

Foto: Halteverbotsschild - werktags 22-6 Uhr


Mit den Prüfungs- und Genehmigungsverfahren soll also sichergestellt werden, dass nicht nur die Straßeninfrastruktur vor Schäden geschützt wird, sondern auch die Leichtigkeit des Verkehrs und die Verkehrssicherheit bestmöglich gewährleistet werden.

   
Weitere Informationen zum Themenbereich finden sich unter:

80 Schwertransporte rollen zum Windpark
Schwertranpsorte ohne Polizeibegleitung

Sylvia Frech, Pressesprecherin