Hessische Polizei - Polizeiautos
 
22.03.2013 | Polizei Hessen

Die Geschichte der hessischen Polizei und mehr ....

Inhaltsverzeichnis:

2 rote Pfeile Der Wiederaufbau der Polizei
2 rote Pfeile Das neue Gesicht der Hessischen Polizei
2 rote Pfeile Die Aufstellung der neuen Landesgendarmerie
2 rote Pfeile Das Landespolizeikriminalamt
2 rote Pfeile Die Grenzpolizei
2 rote Pfeile Aufstellung einer Wasserschutzpolizei
2 rote Pfeile Kommunale -und Landespolizeischulen
2 rote Pfeile Die Geburtstunde der Hessischen Bereitschaftspolizei
2 rote Pfeile Das Ende der Militärregierung
2 rote Pfeile Die Verstaatlichung der kommunalen Polizei
2 rote Pfeile Quellen

Der Wiederaufbau der Polizei:

Noch während der II. Weltkrieg im Lande tobte, bemühten sich die amerikanischen Militärbehörden, sofort wieder eine funktionsfähige Verwaltung und Polizei aufzubauen. Aus noch in Kriegsgefangenschaft befindlichen Schutzpolizeibeamten wurde der Polizeidienst in den von den amerikanischen Truppen besetzten Gebieten noch vor der Kapitulation Deutschlands aufgenommen. Die neuen Ordnungshüter versahen ihren Dienst in Zivilkleidung mit einer weißen Armbinde und ohne Schusswaffen. Derart mangelhaft ausgerüstet stand die Polizei vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Ehemalige Zwangsdeportierte genossen ihre neu gewonnene Freiheit teils auf grausame Weise. Es kam zu zahlreichen Plünderungen, Überfälle und zu Mord und Totschlag. Das amerikanische Militär musste diesem Chaos Einhalt gebieten und verhängte nächtliche Ausgangssperren. Kein Zivilist durfte sich auf der Straße zeigen. Paradoxerweise war auch die Polizei von dieser Ausgangssperre betroffen.

Nach der endgültigen Niederlage Deutschlands am 8. Mai 1945 schuf die US-Militärregierung die ersten Vorraussetzungen für den Aufbau einer funktionstüchtigen Verwaltung. So setzte die Besatzungsmacht in Darmstadt die erste Landesregierung ein. In den Landesteilen Wiesbaden und Kassel entstanden die ersten Regierungspräsidien. Bei der neuen Gebietseinteilung hatte man jedoch die Provinzen des alten 1918 gegründeten Volksstaates Hessen (Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen) nicht in vollem Umfang übernommen.

Erste Polizisten im Mai 1945 in Wetzlar  Landjägerei Frankenberg 1945
Erste Polizisten im Mai 1945 in Wetzlar (Bild links) und Landjägerei Frankenberg 1945 (Bild rechts) Zu dieser Zeit wurden wieder Uniformen für die Polizei eingeführt

Mit einer von General Eisenhower unterzeichneten Proklamation Nr.2 wurde am 19.September 1945 das Land "Groß-Hessen" mit der Landeshauptstadt Wiesbaden gebildet, aus dem später am 1. Dezember 1946 nach einem Volksentscheid das Bundesland Hessen entstand.

Gemäß Titel 9 der "Vorschriften der Militärregierung" und der Instruktion der "Alliierten Hohen Kommission" erfolgte eine Neuorganisation der Hessischen Polizei.

Zur Verhinderung einer erneuten Machtkonzentration des Staatsapparates, wie während der Zeit des Nationalsozialismus, ordnete die Militärregierung in ihrer Besatzungszone mit den Gebieten Bayern, nördliches Baden, Nord-Württemberg und Hessen die Dezentralisierung der Polizeibehörde nach amerikanischem Muster an.

Gleichzeitig wurde die Polizei von Aufgaben entbunden, die nicht unmittelbar der Aufrechterhaltung der Öffentlichen Sicherheit und Ordnung dienten. Die polizeilichen Maßnahmen waren ausschließlich auf den Vollzugsdienst beschränkt. Alle verwaltungstechnischen Aufgaben fielen in die Zuständigkeit einer allgemeinen Verwaltung. Aus dem Bereich der Verwaltungspolizei verblieben bei der Vollzugspolizei lediglich nur Verkehrsüberwachungs-Aufgaben sowie das Ausländer- und Meldewesen. Daneben durfte die Polizei zum Zwecke der Wirtschaftsführung eigene Verwaltungsstellen unterhalten.

Den Gemeinden mit über 5000 Einwohnern wurde auferlegt, eine eigene Gemeindepolizei aufzustellen. Allen anderen Gemeinden war es dagegen freigestellt, sich eine eigene Polizei zuzulegen. Geschah dies nicht, wurden die Aufgaben von der staatlichen Polizei wahrgenommen, die sich vorübergehend "Großhessische Polizei" nannte. Nach der Dezentralisierung lag das Übergewicht der polizeilichen Tätigkeiten in den größeren Städten. Den 6000 kommunalen Polizeibeamten standen 3000 Landespolizeibeamte gegenüber.

Das neue Gesicht der Hessischen Polizei:

Nach der bis auf unterster kommunaler Ebene durchgeführten Dezentralisierung erfolgte die Aufstellung der staatlichen hessischen Polizei nach einem festgelegten Schema: In den Regierungsbezirken Wiesbaden und Darmstadt wurde eine Gendarmerie und im Bezirk Kassel eine Landjägerei gebildet. Zur Überwachung der Zonengrenze hatte man eine Hessische Grenzpolizei aufgestellt. Erstmals entstand für die Überwachung der Flüsse eine landeseigene Wasserschutzpolizei. Die Ausbildung der Polizeibeamten erfolgte an einer neu gegründeten Landespolizeischule. Die Bekämpfung der Kriminalität wurde zentral von einem Landeskriminalpolizeiamt koordiniert. Für die allgemeine und besondere Ausstattung der Polizei mit Unterkunftsgebäuden sowie mit technischem und nichttechnischem Gerät war ein Wirtschaftsverwaltungsamt zuständig. Die in Landeszuständigkeit verbliebenen Behörden waren der Abteilung III beim Hessischen Innenministerium unterstellt.

Die Aufstellung der neuen Landesgendarmerie

war am 16.10.1945 nach der Bildung der neuen Großhessischen Landesregierung weitgehend abgeschlossen. Zur gleichen Zeit wurde im Innenministerium eine Gendarmerie-Direktion eingerichtet, der die Gendarmerie-Bezirksleitungen Darmstadt, Wiesbaden und Kassel nachgeordnet waren. Zur gleichen Zeit erhielten die Gendarmeriebeamten die ersten Uniformen, die jedoch nicht einheitlich ausfielen. In den einzelnen Regierungsbezirken wie in Darmstadt trug die Polizei Graubraun, in Wiesbaden wiederum Blau und in Kassel Grün. Die Bewaffnung bestand aus Gummiknüppeln und amerikanischen Karabinern.

In den ersten Monaten der Nachkriegszeit musste sich die Polizei mit organisierten und bewaffneten Banden und Straßenräubern sowie Schwarzhändlern herumschlagen. Der so genannte Schwarze Markt war eines der größten polizeilichen Probleme dieser Zeit.

In diesen Jahren zeigte die Kriminalität ein erschreckendes Ausmaß. Eigentumsdelikte und Raubüberfälle waren ständig im Steigen begriffen, wie einige Aufzeichnungen und Registrierungen belegen. Eine Kriminalstatistik im heutigen Sinne gab es zu dieser Zeit allerdings noch nicht. Ein Bild dieser Zeit ergab sich vor allem aus den täglichen Berichten, welche die Polizei der Militärregierung täglich vorlegen musste.

Gendarmeriebeamte 1946 bei der Verkehrskontrolle
Gendarmeriebeamte 1946 bei der Verkehrskontrolle 

Ärmelabzeichen der Grenzpolizei 1946
Ärmelabzeichen der Grenzpolizei 1946 

Um die kriminellen Auswüchse wirksam bekämpfen zu können, waren die Gendarmeriestationen in den Kreisen unterschiedlich in größere A- und B- Stationen gegliedert. Bei den Bezirksleitungen hatte man Eingreifreserven in einer Stärke von etwa 100 Beamten zusammengezogen, die dem jeweiligen Bezirksleiter unterstanden.

Die Motorisierung der Gendarmerie nach 1945 kam allerdings nur schleppend voran. Der Fahrzeugpark bestand aus alten Wehrmachtsfahrzeugen, die sowohl wegen ihres technischen Zustandes als auch wegen Mangels an Treibstoff entweder gar nicht oder nur bedingt einsatzfähig waren. Es dauerte bis zum 1. September 1948 bis die Gendarmerie wieder voll in die allgemeine Verwaltung eingegliedert war. Im Hessischen Innenministerium entstand das Referat "Öffentliche Sicherheit", das die Dienst- und Fachaufsicht über die gesamte staatliche hessische Polizei ausübte. Mit dieser Organisationsänderung wurde auch gleichzeitig die staatliche Kriminalpolizei, die bis dahin zur Landesgendarmerie gehörte, zu einer selbstständigen Dienststelle mit staatlichen Kriminalkommissariaten und Kriminalstationen, die auf die einzelnen Regierungsbezirke verteilt waren.

Das Landespolizeikriminalamt

wurde am 20.September 1945 mit Zustimmung der amerikanischen Militärregierung und im Einvernehmen mit den Justizbehörden in Darmstadt eingerichtet. Mit der Gründung von "Großhessen" im Oktober 1945 erfolgte die Verlegung von Darmstadt nach Wiesbaden. Die Aufgaben des Landeskriminalpolizeiamtes bestanden in der zentralen Erfassung bedeutender Straftaten und Spuren. Darüber hinaus erarbeitete dieses Amt verbindliche Richtlinien für die einheitliche Bearbeitung von Straftaten und koordinierte die Zusammenarbeit mit allen hessischen Kriminaldienststellen. Ein wichtiger Abschnitt in der Entwicklung des Landeskriminalamtes war die Einrichtung einer "Kriminaltechnischen Untersuchung" (KTU). Spurenuntersuchungen erfolgten jetzt auf einer naturwissenschaftlichen Basis durch ein besonders ausgebildetes Fachpersonal.

Die Grenzpolizei

oblag die Sicherung von Grenzübergängen zur russischen, englischen und französischen Besatzungszonen. Ihre Ausbildung, Ausrüstung und Bewaffnung entsprach der der Landesgendarmerie. Die Grenzpolizisten trugen dunkelblaue Uniformen und versahen ihren Dienst an den damaligen Interzonen-Grenzübergängen.

Die Grenzpolizei bestand aus zwei Abschnittkommandos und einer entsprechenden Anzahl von Grenzpolizeistationen.

Nach Gründung der Bundesrepublik und dem Wegfall der westlichen Interzonengrenzen wurde die Grenzsicherung zur DDR dem Zollgrenzdienst übertragen, in der auch die Hessische Grenzpolizei zunächst noch integriert war. Später wurde diese Aufgabe vom BGS wahrgenommen. Endgültig aufgelöst wurde die Hessische Grenzpolizei am 1. Oktober 1950 und in die Hessische Landespolizei übernommen.

Aufstellung einer Wasserschutzpolizei:

Am 4.9.1945 erfolgte auf Beschluss der US-Behörden für den Bereich der amerikanischen Besatzungszone die Einrichtung einer Wasserschutzpolizei, die dem US Transportation Corps unterstand. Eine entsprechende Einrichtung hatte es vor Kriegsende nicht gegeben. Diese neue Flusspolizei ging schon am 1.4.1947 in die Zuständigkeit der Länder über.

Im September 1948 beschlossen die Länder Bayern, Baden Württemberg und Hessen für die Flüsse Rhein, Main und Neckar die Gründung einer Wasserschutzpolizei. Nach verschiedenen Umorganisationen entstand am 7. Februar 1950 die Hessische Wasserschutzpolizei mit einem Wasserschutzpolizeiamt in Wiesbaden.

Überprüfung eines Bootsführers
Überprüfung eines Bootsführers 

Ihre Aufgabe besteht in der Überwachung des Schiffsverkehrs auf den hessischen Flussabschnitten. Später erweiterten sich die Zuständigkeiten auf den Natur- und Umweltschutz. Zur Überwachung der hessischen Gewässer unterhält die Hessische Wasserschutzpolizei größere Stationen in Gernsheim, Mainz-Kastel, Rüdesheim, Frankfurt und Kassel. Am Edersee und in Wetzlar entstanden Wasserschutzpolizeiposten. Ein weiterer Posten in Hirschhorn wurde in späteren Jahren im Einvernehmen mit dem Land Baden Württemberg wieder aufgelöst.

Boote der Wasserschutzpolizei
Boote der Wasserschutzpolizei

Kommunale -und Landespolizeischulen:

Nach dem Neuaufbau der Hessischen Polizei galt das Hauptinteresse der gründlichen und einheitlichen Ausbildung der neu in den Polizeidienst eingestellten Beamten. Mit der Aufstellung einer Polizei erlaubte die US Militärregierung auch gleichzeitig die Einrichtung von Ausbildungsstätten. Bereits am 19.10.1945 entstand aus der früheren Polizei-Provinzialschule in Homberg/Efze die Großhessische Polizeischule. Da die Ausbildungskapazität schon bald ihre Grenze erreichte, wurde am 1.7.1948 in Selters die gleiche Ausbildungsstätte für den südhessischen Raum geschaffen. Doch auch diese Einrichtung konnte die Schule in Homberg nur unwesentlich entlasten, so dass diese Ausbildungsstätte schon am 2. Oktober 1948 nach Hofgeismar verlegt werden musste. Für die geplante Aufstellung der Bereitschaftspolizei musste ein weiterer Ausbildungsstandort gefunden werden. So entstand am 16.11.1950 in Wiesbaden-Dotzheim die Hessische Landespolizeischule Süd. Die Schule in Hofgeismar erhielt die Bezeichnung Landespolizeischule Nord. Selters wurde im Rahmen der Neugliederung aufgelöst. Im Dezember 1951 sind die beiden verbliebenen Schulen in Wiesbaden zusammengefasst worden. Die Landespolizeischule Süd erhielt die Bezeichnung "Hessische Polizeischule". Damit war sie die einzige zentrale Ausbildungsstätte für die hessische staatliche Polizei.

Kriminalistikunterricht an der Hess. Polizeischule Süd
Kriminalistikunterricht an der Hess. Polizeischule Süd

Neben den staatlichen Ausbildungsstätten unterhielten einige kommunale Polizeibehörden (Frankfurt, Wiesbaden, Kassel und Marburg) eigene Polizeischulen, die jedoch nach der Gründung der Hessischen Polizeischule Zug um Zug aufgelöst wurden. Auch die Polizeikraftfahrschule in Darmstadt und die Polizei-Diensthundeführerschule in Dietesheim wurden dieser zentralen Ausbildungsstelle angegliedert. Mit der Auflösung der kommunalen Polizeischulen erfolgte in Hessen die Ausbildung nur noch an der Hessischen Polizeischule.

Hess. Polizeischule Nord in Hofgeismar 1950
Hess. Polizeischule Nord in Hofgeismar 1950

Die Geburtstunde der Hessischen Bereitschaftspolizei:

Vor dem Hintergrund der Verschärfung des Ost-Westkonfliktes erlaubte die Hochkommission der westlichen Alliierten im Jahre 1950 die Aufstellung einer 30000 Mann starken Polizeieinheit, die für geschlossene Einsätze im Interesse der Staatssicherheit und zur Unterstützung der Einzeldienstkräfte vorgesehen war.


Da zu dieser Zeit die Wiederbewaffnung Deutschlands nach dem verlorenen Krieg im Deutschen Bundestag noch heiß umstritten gewesen ist (erst im Jahre 1955 kommt es zur Gründung der Bundeswehr),wies die Bereitschaftspolizei hinsichtlich ihrer Gliederung und Bewaffnung einen truppenpolizeilichen Charakter auf. Sie bildete gewissermaßen das Pendant zur kasernierten Volkspolizei, aus der die Nationale Volksarmee der DDR hervorgegangen ist.

Bereitschaftspolizisten bei der Maschinengewehr-Ausbildung
Bereitschaftspolizisten bei der MG- Ausbildung

In einem Verwaltungsabkommen zwischen dem Bund und den Ländern wurde der Aufbau der neuen Polizeieinheiten geregelt. Den Ländern fielen demgemäß die Ausbildung und die Unterbringung zu, der Bund hatte für die Ausrüstung zu sorgen.

Mit einem Runderlass des Hessischen Innenministers vom 10.Oktober 1951 wurde für Hessen die Aufstellung einer Bereitschaftspolizei verfügt. Aufgrund dieser Verfügung erfolgte u.a die Einstellung von Bewerbern für den Polizeidienst künftig nur noch über die Bereitschaftspolizei.

Uniformen der Hess. Bereitschaftspolizei
Uniformen der Hess. Bereitschaftspolizei 

Diese bestand zunächst aus 2 Abteilungen mit zusammen 6 Hundertschaften, die auf die Standorte Mühlheim und Hofgeismar verteilt waren. Neben der fachlichen Vorbereitung auf den Einzeldienst war die Grundausbildung stark militärisch ausgerichtet. Zur Bewaffnung gehörten das Maschinengewehr MG 42, Karabiner 98K, Pistole (9mm Parabellum), Granatwerfer, Handgranaten und Maschinenpistole. Beide Abteilungen waren der Direktion mit Sitz in Mainz-Kastel unterstellt. Zu den Hundertschaften gehörten zusätzlich Fernmelde- und Notstandszüge, die vor allem für Katastrophenfälle bereit standen. Im Jahre 1952 hatte die Bereitschaftspolizei bereits eine Einsatzstärke von 1035 Beamten.

Gemäß Artikel 91 Abs. 2 des Grundgesetzes durfte sie nur auf Weisung des Hessischen Innenministers eingesetzt werden. Im Laufe der Jahre wurde die Bereitschaftspolizei weiter ausgebaut. Sie bestand im Jahre 1964 aus 5 Abteilungen mit insgesamt 17 Hundertschaften und einer Personalstärke von 2890 Beamten.

Das Ende der Militärregierung:

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 wurden Zug um Zug die Beschlüsse der Militärregierung wieder aufgehoben. Dies bot die Möglichkeit, die Polizei nach praktischen Gesichtspunkten neu zu gliedern. Im Jahre 1953 wurden alle Gendarmeriestationen in Landespolizeistationen umbenannt.

Beamte der Polizeiverkehrsbereitschaft
Beamte der Polizeiverkehrsbereitschaft

Auch erlaubte die Neuorganisation nun die Aufstellung von Polizeiverkehrsbereitschaften, was die Militärregierung immer wieder abgelehnt hatte. Im Jahre 1951 wurden an den Standorten Wiesbaden, Butzbach, Darmstadt, Hanau, Marburg, Hersfeld und Kassel Verkehrsbereitschaften eingerichtet.

Gewichtskontrolle mit Raddruckwaage
Gewichtskontrolle mit Raddruckwaage

Auch die Kriminalpolizei erfuhr eine organisatorische Änderung. Am 7. Februar 1950 wurden die bei den drei Regierungspräsidien vorhandenen Kriminalpolizeistellen Nord, Mitte und Süd in Kriminalinspektionen umbenannt. Für eine bessere Koordination in der Verbrechensbekämpfung hatte man dem Landeskriminalpolizeiamt am 11. Juni 1955 die Fachaufsicht über alle staatlichen und kommunalen Kriminaldienststellen übertragen. Im Jahre 1965 erfolgte die Umbenennung dieser Behörde in "Hessisches Landeskriminalamt." Im Rahmen der Neuorganisation entstanden mit der Ermittlungsabteilung, dem Melde-Fahndungsdienst, Erkennungsdienst, Kriminalwissenschaft - und technik, Staatsschutzangelegenheiten, Verwaltung- und Wirtschaft insgesamt 6 Abteilungen. Im Januar 1965 erhielt das Amt den Status einer Zentralen Kriminalpolizeilichen Landeskriminalmeldestelle im Sinne des Bundeskriminalamtgesetzes.

Tatortarbeit der Kriminalpolizei
Tatortarbeit der Kriminalpolizei

In den 50er Jahren wurde die Infrastruktur der Hessischen Polizei wesentlich verbessert. Am 18.04.1951 erfolgte in Langenhain/Taunus die Inbetriebnahme der Landespolizei-Leitfunkstelle für den Tast- und Sprechfunkverkehr. Zur gleichen Zeit entstand ein polizeiinternes Fernschreibnetz. Während die Sendeanlagen in Langenhain verblieben, sind die Betriebsstellen im April 1953 zur Hessischen Polizeischule verlegt worden. Die Aufgaben der Fernmeldeleitstelle waren und sind noch bis heute die Steuerung von polizeilichen Meldungen sowie die Weitergabe von Verkehrswarnmeldungen an die öffentlichen Rundfunkanstalten und Mitwirkung bei der Suche nach vermissten Flugzeugen in Zusammenarbeit mit der Flugsicherungsanstalt.

Sprechfunkzentrale der Hessischen Polizei
Sprechfunkzentrale der Hessischen Polizei

Bereits am 01.04.1949 wurde das Wirtschaftsverwaltungsamt der Hessischen Polizei mit Sitz in Wiesbaden eingerichtet. Seine Aufgabe besteht in der Beschaffung des allgemeinen Polizeibedarfs. Nach der Aufhebung des Art. 9 der "Vorschriften der Militärregierung" konnte die Polizei nun wieder Aufgaben übernehmen, die ihr nach dieser Vorschrift bisher nicht erlaubt waren. Hierzu gehörten gewerbepolizeiliche und gesundheitspolizeiliche Maßnahmen.

Gewerbeaufsicht und Gaststättenkontrolle; vorübergehend ein neues Aufgabengebiet der Polizei
Gewerbeaufsicht und Gaststättenkontrolle,vorübergehend ein neues Aufgabengebiet der Polizei

1957 erfolgte in den einzelnen Landkreisen der zentrale Aufbau der Hessischen Polizei. Sämtliche Polizeiposten und kleinere Stationen wurden aufgelöst und zu Großraumstationen zusammengefasst. In diesem Zusammenhang wurden auch die Verkehrsbereitschaften Hanau und Marburg aufgelöst. Erstmals erhielten die Polizeibeamten des Landes eine einheitliche grüne Uniform.

Gewerbeaufsicht und Gaststättenkontrolle; vorübergehend ein neues Aufgabengebiet der Polizei
Gewerbeaufsicht und Gaststättenkontrolle,vorübergehend ein neues Aufgabengebiet der Polizei

In der Zeit der Reorganisation war die Hessische Polizei auch auf ihr Ansehen bei der Bevölkerung bedacht. Als werbewirksame Maßnahme erfolgte 1953 die Aufstellung einer Polizeikapelle, die zunächst bei der Bereitschaftspolizei in Mühlheim und in der Mudrakaserne untergebracht war. Aus ihr ging später das Hessische Polizeiorchester hervor, das die Hessische Polizei bei zahlreichen Veranstaltungen ausgezeichnet vertreten hat und noch vertritt.

Mit der Aufstellung einer Polizeihubschrauberstaffel konnten die Einsatzmöglichkeiten der Hessischen Polizei wesentlich erweitert werden. Die Flugbereitschaft ist auf dem Flugplatz Egelsbach stationiert. Zu ihren Aufgaben gehören die Überwachung der Bundesautobahnen und Flüsse sowie die Mitwirkung bei Großfahndungen und Großeinsätzen und im Luftrettungsdienst.

Die Verstaatlichung der kommunalen Polizei:

Die Gliederung der Polizei in vielen dezentralen Polizeibehörden nach amerikanischem Muster hatte sich nicht wie beabsichtigt bewährt und wurde daher im Laufe der Jahre geändert. Das große Ziel war die Verstaatlichung der gesamten Hessischen Polizei. Diese erfolgte ab 1958 in mehreren Etappen. Zunächst gingen die Polizeidienststellen von kreisfreien Gemeinden bis zu 5000 Einwohnern in die Zuständigkeit des Landes über. Im Jahre 1962 folgten Gemeinden bis zu 10000 und 1965 bis zu 20000 Einwohnern. 1967 wurden im Hinblick auf die Verstaatlichung landeseinheitliche (auch für die noch kommunalen Polizeibehörden) grüne Uniformen eingeführt. Zwischen 1967 und 1971 gingen sämtliche Polizeidienststellen in Gemeinden mit über 20000 Einwohnern zum Land Hessen über. Ihnen folgten 1972 die Städte mit über 100000 Einwohnern. Den Abschluss bildete am 1. Januar 1974 die Eingliederung der größeren Städte Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Wiesbaden und Kassel.

Die abgeschlossene Verstaatlichung bot jetzt die Möglichkeit, eine neue Polizeiorganisation zu schaffen, die den kriminalgeografischen Verhältnissen Rechnung trug. Zunächst wurde auf der unteren Ebene eine einheitliche Leitung für die Schutz- und Kriminalpolizei eingeführt. Während diese Organisationsform in den verstaatlichten Großstädten bereits schon vorhanden war, übernahmen jetzt auch die Landräte in den 21 hessischen Landkreisen die Rolle von Führungsstellen für die Schutz- und Kriminalpolizei. Die Behörden der drei Regierungspräsidenten behielten ihre Funktion als Koordinierung- und Aufsichtsinstanz. Außerdem waren die Regierungspräsidien unmittelbar für die Polizeiverkehrsbereitschaften (jetzt: Polizeiautobahnstationen) zuständig. Dem Regierungspräsidenten in Darmstadt wurde als Außenstelle die Polizei-Flugbereitschaft angegliedert. Im Rahmen dieser Umorganisation wurden kleinere Schutz- und Kriminaldienststellen zu größeren Stationen mit neuen Gebietszuweisungen zusammengeführt. Für die Umlandkreise der Großstädte hatte man eine Sonderregelung getroffen. Diese Kreise wurden mit den kreisfreien Städten zu einheitlichen Polizeibezirken zusammengelegt worden und unter die Leitung eines staatlichen Polizeiverwalters (Polizeipräsidenten) gestellt.

In der Folgezeit traten bei der Hessischen Polizei noch einige grundlegende Veränderungen ein:

Im Jahre 1979 erhielt die Hessische Polizei die bundeseinheitliche Uniform in den Farben Grün und Beige, die jedoch in Hessen zunächst nicht mit Dienstgradabzeichen versehen war. Diese wurden erst 2002 wieder eingeführt.

Im Oktober 1981 wurden erstmals auch Frauen für den Dienst bei der Schutzpolizei eingestellt.

Eine weitere Änderung folgte in den 90er Jahren. Mit der Errichtung eines Hessischen Polizeiverkehrsamts hatte man die Polizeihubschrauberstaffel sowie Wasserschutzpolizei und die Polizeiautobahnstationen unter einer einheitlichen Leitung zusammengefasst. Diese Organisationsstruktur wurde aber bereits im Rahmen der jüngsten Reorganisation im Jahre 2001 wieder aufgelöst.

Für den Polizeidienst hatte Hessen als erstes Bundesland die zweigeteilte Laufbahn (gehobener -und höherer Dienst) eingeführt. Seit 1993 erfolgten daher, neben den Einstellungen für die mittlere Polizeilaufbahn, Einstellungen unmittelbar für die Laufbahn des gehobenen Dienstes. Seit vollständiger Umsetzung der zweigeteilten Laufbahn im August 2002 erfolgen Einstellungen in den Polizeidienst ausschließlich mit Abitur oder Fachhochschulreife.

Die Ausbildung des Polizeinachwuchses für den gehobenen Polizeivollzugsdienst erfolgt bereits seit 1980 an der Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden (Fachbereich Polizei.), mit den dezentralen Studienorten Wiesbaden, Kassel, Gießen, Mühlheim und Frankfurt. Die erforderliche Fortbildung erfolgt durch die Hessische Polizeischule (HPS).

Letztmals wurden mit der Einführung der Polizeireform 2001 wesentliche Veränderungen im Behördenaufbau vorgenommen.

Unterhalb der in Landespolizeipräsidium umbenannten ehemaligen Abteilung III im Hessischen Ministerium des Innern entstanden 7 neue Zuständigkeitsbereiche mit den Flächenpolizeipräsidien Nordhessen (Kassel), Osthessen (Fulda), Südosthessen (Offenbach), Mittelhessen (Gießen) Südhessen (Darmstadt), Westhessen (Wiesbaden) und Frankfurt am Main.

Darüber hinaus wurde ein Hessisches Bereitschaftspolizeipräsidium (mit Sitz in Mainz-Kastel) geschaffen. Die Bereitschaftspolizei erfuhr eine grundlegende Reform. Die bisherige Hundertschaftsstruktur wurde zugunsten von Einsatzeinheiten (EE), Beweissicherungs- -und Festnahmeeinheiten (BFE) und Technischen Einsatzeinheiten (TEE) aufgegeben. Die Wasserschutzpolizei und Polizeihubschrauberstaffel gehören nunmehr organisatorisch ebenfalls zum Bereitschaftspolizeipräsidium.

Die Hessische Polizeischule, die Verwaltungsfachhochschule (Fachbereich Polizei) und das Landeskriminalamt verblieben weiterhin als eigene Organisationseinheiten. Aus dem ehemaligen Wirtschaftsverwaltungsamt und den technischen Bereichen, wozu auch die Fernmeldeleitstelle gehört, entstand ein Präsidium für Technik, Logistik und Verwaltung (PTLV). Nach der Auflösung des Hessischen Polizeiverkehrsamtes wurden die 11 Polizeiautobahnstationen Lorsch, Darmstadt, Neu-Isenburg, Wiesbaden, Langenselbold, Idstein, Herborn, Petersberg, Butzbach, Hersfeld und Baunatal in die 7 Flächenpräsidien integriert.

Mit dieser neuen Organisationsstruktur hat man im Hinblick auf eine wirksamere Kriminalitätsbekämpfung und Schwerpunktbildung, die eine Erhöhung der Sicherheit der Bürger mit sich bringt, zweifellos ein Modell gefunden, das auch zukünftigen Anforderungen an eine bürgernahe, leistungsfähige sowie effektiv und effizient arbeitende Polizei gewachsen scheint.

Autoren: Kurt Kraus, Frankfurt / Horst Grimminger / Peter Schmidt

Quellen:

  • Organisationsreform Polizei 2001, Hessische Polizeirundschau 12/2000
  • Anton Arbes, Organisation der Hess .Polizei -gestern, heute und morgen, Hess. Polizeirundschau 7/84 Sonderausgabe 50 Jahre Hessische Polizeischule, Wiesbaden 2001
  • Franz Gerold , 25 Jahre Fernmeldeleitstelle der Hessischen Polizei, Hess. Polizeirundschau 5/76
  • Karl-Heinz Siebold, Die Hess. Bereitschaftspolizei, Sonderheft "Polizei, Technik und Verkehr 1962
  • Horst Duda, Die Hessische Polizeischule, Polizei--Technik- und Verkehr 8/58
  • F.W. Roth, Die Hessische Verkehrspolizei seit 1945, Gesamtveröffentlichung Polizei-Technik- und Verkehr (PTV), II/70,
  • Titel 9 Der Vorschriften der Militärregierung, Bücherei der Hess. Polizeischule, Wiesbaden,
  • Wilhelm Heinbach, Die Landespolizei, Aufbau und Organisation nach 1945, Polizei-Technik- und Verkehr (PTV), 8/58,
  • A.Hahnzog, Die Polizeien der Deutschen Länder: Hessen, Polizeipraxis Nr. 5/6 1949
  • Hartmut Seltmann, Hess. Landeskriminalamt im Wandel der Zeiten 1945- 181, Hess. Polizeirundschau 2/82
  • Schäfer, Die Hessische Wasserschutzpolizei, Entwicklung, Aufbau und Probleme, Wiesbaden 1965
  • Herder, Frankenberg, Die Uniformierung der Hess. Polizei seit 1945, Polizeiforum 2/84
  • Werner Herder, Die Uniformierung der hessischen Polizei seit 1945, Polizeiforum 2/84
  • Ernst Preuß, Die Flugbereitschaft der Hessischen Polizei, Gesamtveröffentlichung Polizei, Technik und Verkehr (PTV), II/70,
  • Dokumentation der Hessischen Landesregierung, Seiten 107ff. Die Hessische Polizei, Wiesbaden 1980
  • Sonderbroschüre 40 Jahre Hessische Polizeischule, Wiesbaden 1991
  • Karlheinz Müller, Preußischer Adler und Hessischer Löwe, Seiten 330ff., Wiesbaden 1966,
  • Eckhardt G. Franz, Die Chronik Hessens, Seiten 397 ff, Dortmund 1991
  • Hessischer Landtag, Drucksache Nr.5/815, Wiesbaden,
  • Die Hessische Polizei, Sonderausgabe Polizei, Technik und Verkehr (PTV) 1/1981
  • Urban, 22 Jahre Entwicklung der Polizeiorganisation in Hessen, Sonderausgabe Polizei, Technik und Verkehr (PTV), III/67,
  • Gerhard Kastl, Die Entstehung der Bereitschaftspolizei, Bereitschaftspolizei Hessen , 1976, S. 15 ff.
  • 25 Jahre Bereitschaftspolizei, Polizei, Technik und Verkehr (PTV) I/76
  • Polizeihundeführerschule, Polizei, Technik und Verkehr (PTV), III/76
  • Thomas Gnad, 50 Jahre Hessische Polizeischule, Wiesbaden 2001

Fotos:

  • Archiv Hessische Polizeischule, Harald Schmidt, Frankfurt, Kurt Kraus, Frankfurt, Werner Herder, Frankenberg

Weiterführende Literatur:

  • Harnischmacher/Semerak, Deutsche Polizeigeschichte, Die amerikanische Zone, S.168 ff., 1986
  • Bayer, Geschichte der Hessischen Gendarmerie, Darmstadt 1950
  • Theodor Wilhelm, Das Chaos war schnell beendet, Polizeiforum 8/86,
  • Kurt Kraus, Die Frankfurter Polizei im Wandel der Zeiten, Von der Römerzeit bis zur Gegenwart, Gackenbach, 1995
  • Kurt Kraus, 125 Jahre Polizeipräsidium in Frankfurt, Ein Streifzug durch die Frankfurter Polizei- und Justizgeschichte, Gackenbach 1993
  • Otto H. Göbel, Die Deutsche Ordnungspolizei, DNP/95
  • Ingo Löhken, Die Armbindenpolizei, Polizeiforum 5/85
  • Wolfgang Laube, Polizei in Hessen, Erinnerungen, Dokumente und Bilder, HPR 5/85