Bildcollage des Technikpräsidiums der hessischen Polizei
 
04.12.2017 | Hilfe für Helfer

Witwe des ermordeten KHK Willi Piros erhielt Zuwendung

Auch eine 32-jährige Oberkommissarin erhielt eine Zuwendung

Auch drei Jahre nach der Tat bleibt das schreckliche Ereignis unvergessen

Am 24. Juli 2014 ging Willi Piros (50) mit seiner Ehefrau Natascha und einer Bekannten in den Abendstunden mit zwei Hunden in der Bischofsheimer Feldgemarkung spazieren. Das Trio wurde von einem Mann verfolgt, der immer dann stehen blieb, wenn die drei Personen stehen blieben und sich unterhielten. Darauf wurde er von Willi Piros unter Hinweis auf seine Polizeibeamteneigenschaft angesprochen. In diesem Moment zog er eine Pistole und schoss zwei Mal auf Willi Piros. Jeder Schuss für sich war tödlich, Willi Piros starb in den Armen seiner ihn begleitenden Ehefrau. Bei dem damals 57-jährigen Täter erkannte das Gericht aufgrund einer paranoiden Schizophrenie auf Schuldunfähigkeit.

Die Folgen der Tat haben Natascha Piros, die von ihrer Schwester begleitet wurde, bis auf den heutigen Tag gezeichnet, ihren Beruf als Erzieherin kann sie nicht mehr ausüben. „Die Tat und deren Folgen haben mich wie ein Erdbeben getroffen und ich bin froh, dass die Tat auch nach drei Jahren noch nicht vergessen ist.“ Groß war und ist die Hilfsbereitschaft in der südhessischen Polizei, weshalb auch die Unterstützer Thomas Pöttmesser, RKI Groß-Gerau, Wolfgang Held, Abteilung Einsatz beim PP Südhessen, Dietmar Rodenheber, Personalrat beim PP Südhessen sowie Antonio Pedron, damaliger Personalratsvorsitzender beim PP Südhessen, auf Wunsch von Natascha Piros an der Übergabe teilnahmen.

 

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V. l. n. r.: Bernd Petri, Mitglied des Hauptpersonalrates der Polizei und Vorstandsmitglied der Hessischen Polizeistiftung beim HMdIS, Dietmar Rodenheber, Personalrat PP Südhessen, Karin Schäfer, Personalratsvorsitzende beim PP Frankfurt am Main, Peter Brustmann, Direktor des Abteilungsstabes beim PP Frankfurt am Main, Hildegard Becker-Toussaint, 1. Vorsitzende Hilfe für Helfer e. V., Karl-Heinz Reinstädt, Präsident Technikpräsidium und Verein Hilfe für Helfer e. V., Natascha Piros, Bernhard Lammel, Polizeipräsident PP Südhessen in Darmstadt

 

Natascha Piros will den übergebenen Geldbetrag in ein Elektrobike und eine Rehamaßnahme investieren und zeigte sich sehr gerührt, dass auch drei Jahre nach der Tat noch an sie gedacht wird. Auch der südhessische Polizeipräsident Bernhard Lammel dankte dem Verein herzlich für sein Engagement und führte anhand einiger Beispiele in seinem Präsidialbereich vor Augen, dass Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte ein Alltagsphänomen geworden zu sein scheint und hier ein gesellschaftliches Umdenken dringend erforderlich ist.

 

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Bild links: Natascha Piros schildert sehr bewegt und doch gefasst das schreckliche Geschehen. Links von ihr die sie begleitende Schwester sowie Wolfgang Held und Bernhard Lammel.
Bild rechts: Die 1. Vorsitzende des Vereins Hilfe für Helfer e. V. Hildegard Becker-Toussaint, Ltd. Oberstaatsanwältin bei der Generalstaatsanwaltschaft a. D., überreicht Natascha Piros die Zuwendung.

 

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte – ein Kavaliersdelikt?

 

Ebenfalls eine Zuwendung bekam eine 32-jährige Oberkommissarin, die beim PP Frankfurt am Main tätig ist

Im Oktober 2011 hatte sie als Streifenbeamtin des Wiesbadener 1. Polizeireviers in den Abendstunden im Rahmen einer Personenkontrolle einen heftigen Widerstand, der mit einem komplizierten Bruch des linken Sprunggelenkes, Würgen und dem büschelweise Ausreißen von Haaren einherging. Drei Monate Dienstunfähigkeit, unzählige Physiotherapiemaßnahmen und eine spürbare Einschränkung des linken Fußes waren die Folgen.

Die damals 16-jährige Beschuldigte wurde zwei Jahre nach der Tat zu 80 Sozialstunden und einem Entschuldigungsschreiben verurteilt. In einem von der geschädigten Beamtin angestrengten Zivilklageverfahren wurde sie zur Zahlung von rund 13.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt, die aufgrund der Mittellosigkeit nie gezahlt wurden. Zudem füllt die Täterin nach wie vor ganze Bände von Kriminalakten und hat insofern aus der Tat nichts gelernt.

Auch die geschädigte Oberkommissarin freute sich sechs Jahre nach der Widerstandshandlung und den schweren Verletzungen über die Zuwendung und kann nun Aufwendungen für Physiotherapie und Gerichtsverfahren begleichen und „vielleicht bleibt sogar etwas für ein Mountainbike übrig.“


Opfer- statt Täterperspektive einnehmen

In seiner Ansprache im Technikpräsidium führte Gastgeber und Präsident Karl-Heinz Reinstädt vom Verein Hilfe für Helfer e. V. aus, dass der Verein Hilfe für Helfer e. V. keine Wiedergutmachung leisten könne, aber den Opfern und Hinterbliebenen Anteilnahme und Unterstützung zukommen lassen wolle, da der Strafprozess sich in erster Linie auf die Täter- und nicht auf die Opferperspektive konzentriere.

Er dankte auch Bernd Petri von der Hessischen Polizeistiftung, der gemeinsam mit dem HPR-Vorsitzenden Jens Mohrherr die beim Widerstand schwer verletzte Kollegin an den Verein Hilfe für Helfer e. V. vermittelte. „Durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfseinrichtungen wie z. B. der Hessischen Polizeistiftung und Hilfe für Helfer e. V. entsteht ein schlagkräftiges Hilfsnetzwerk, das unbürokratisch und sofort Hilfe leisten kann“ so Reinstädt.

Deshalb wird sich der Verein Hilfe für Helfer e. V. auch bei der vom Zentralen Polizeipsychologischen Dienst der hessischen Polizei ausgerichteten Klausurtagung der Personalberaterinnen und –berater als Teil des Hilfsnetzwerks vorstellen.


Der Verein Hilfe für Helfer e. V. will im Einsatz verletzten oder getöteten Polizisten, Sanitätern, Feuerwehrleuten, Soldaten pp. sowie deren Hinterbliebenen ideell und materiell helfen. Er hat seinen Sitz in Frankfurt in der Ammelburgstraße 24 in 60320 Frankfurt am Main. Er freut sich über Spenden auf IBAN DE95 5005 0201 0200 6216 88 bei der Frankfurter Sparkasse; Spendenquittungen sind möglich.

 

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