16.10.2008

VOX-Magazin „auto mobil” analysiert - Unfall auf der L 3138 bei Nidda

Dreharbeiten für die Beitragsreihe „Die Unfallakte“ in Mittelhessen


Kreuz am StraßenrandDer schwere Verkehrsunfall am 27. Mai 2008 auf der Landstraße 3138 bei Nidda, bei dem vier junge Menschen nach einem Zusammenstoß mit einem Lkw starben, hat ganz Mittelhessen tief erschüttert.

Während die Polizei als Unfallursache eine klassische Vorfahrtsverletzung des erst 19-jährigen Autofahrers schnell ermitteln konnte, sind bei den Angehörigen und Mitschülern der getöteten bzw. lebensgefährlich verletzten Mitfahrerinnen viele Fragen geblieben.

Vor allem:

Warum sind die fünf 14- bis 16jährigen Internatsschülerinnen überhaupt in den VW Polo gestiegen?

Logo VoX Auto Mobil - Das VOX AutomagazinIm Rahmen seiner Beitragsreihe "Die Unfallakte" analysierte das VOX-Magazin "auto mobil" am Sonntag (19.10.2008, 16.50 Uhr - 18.15 Uhr) diesen Verkehrsunfall und interessierte sich dafür, ob sich Unfälle dieser Art überhaupt verhindern lassen.

"Der Aufprall war so stark, dass die Insassen von hinten nach vorne geflogen sind. Sie waren nicht angeschnallt und haben alle aufeinander gelegen. Es sah so aus, als würden sie schlafen", erinnerte sich Matthias Holland von der Feuerwehr Nidda in dem siebenminütigen Filmbericht an den schrecklichen Einsatz.

"Wir gehen heute davon aus, dass der Polofahrer die Kreisstraße bei Ulfa mit viel zu hoher Geschwindigkeit befahren hat und den Lkw aufgrund seiner Ortsunkenntnis übersehen hat. Vielleicht war der Fahrer auch abgelenkt. Nach dem seitlichen Zusammenstoß hat der Lkw das Auto dann etwa 30 Meter vor sich hergeschoben", so Willi Schwarz vom Polizeipräsidium Mittelhessen in Friedberg. "Der Unfall ist auch für den Lkw-Fahrer schrecklich, denn er hatte überhaupt keine Chance, auszuweichen".


Sechs junge Leute in einem Kleinwagen, niemand ist angeschnallt.
Ist der Unfall bei Nidda vielleicht typisch für die Unbedarftheit von Fahranfängern?

Dieser Frage ging auch das VOX-Magazin "auto mobil" nach.

Logo Theodor-Litt-Schule Gießen"Gerade in ländlichen Gegenden kommt es aufgrund der größeren Entfernungen immer wieder vor, dass Autos überladen sind. Man möchte niemanden zuhause lassen. Das ist eine Form des Leichtsinns, die dann tragisch enden kann", beschreibt Polizeisprecher Schwarz.

Und auch Berufsschullehrer Claus Bornemann, der den total zerstörten VW Polo im Rahmen eines Präventionsprojektes an der Giessener Theodor-Litt-Schule zeigte, sieht das so:

"Unfälle dieser Art haben oft mit Imponiergehabe zu tun. Schüler berichten immer wieder darüber, dass sie fünf bis sechs Mädchen im Auto mitgenommen haben und ihnen dann einfach mal gezeigt haben, wie schnell ihr Fahrzeug ist".

Ein Kameramann filmt den verunglückten VW Polo auf dem Gelände der SchuleIm Rahmen der umfangreichen Dreharbeiten hat sich das VOX-Magazin deshalb auch dafür interessiert, ob die Präsentation des verunglückten VW Polo bei den Jugendlichen überhaupt Wirkung zeigt.

 

Foto links:
Ein Kameramann filmt den verunglückten VW Polo auf dem Gelände der Schule

 

Gedreht wurde ebenfalls, als an der Theodor-Litt-Berufsschule ein Crash bei Tempo 70 nachgestellt wurde.

 


"Wir wollen die jungen Fahrer und ihre Beifahrerinnen sensibilisieren
. Und ihnen zeigen, dass es bereits bei diesen Aufprallgeschwindigkeiten kaum noch Überlebenschancen für die Insassen gibt", beschreibt Claus Bornemann, der selber einmal als Unfall-Gutachter gearbeitet hat. "Es muss einfach klar werden, dass ein Fahrer immer auch Verantwortung für seine Insassen hat. Jede Form der Ablenkung während der Fahrt - und das zeigt der Unfall bei Nidda auf grausame Art und Weise - kann katastrophale Folgen haben".

Nachgestellter Crash bei Tempo 70 im Rahmen des Präventionstages an der Theodor-Litt-Berufsschule

 

 

 

Foto rechts: der nachgestellte Crash bei Tempo 70 im Rahmen des Präventionstages an der Theodor-Litt-Berufsschule

 

 

 

 

Was letztendlich dazu geführt hat, dass der 19-jährige Fahranfänger den Einmündungsbereich auf der L 3138 übersehen hat, wird nie restlos geklärt werden können.

Die gestellte Szene mit Jugendlichen im vollbesetzten Polo

 

 

Foto rechts: Die gestellte Szene mit Jugendlichen im vollbesetzten Polo

 

 

Eine Fahrszene mit einem ähnlichen Polo wird nachgestellt und von einem Kameramann gedreht

 

 

 

Foto links: Eine Fahrszene mit einem ähnlichen Polo wird nachgestellt und von einem Kameramann gedreht

 

 

 


Inzwischen hat auch die Staatsanwaltschaft in Gießen ihre Ermittlungen eingestellt. Die Folgen des fürchterlichen Unfalls jedoch werden gleich mehrere Familien ein Leben lang begleiten. Und es sind nicht nur die Angehörigen und Freunde, die fassungslos sind, sondern auch Klassenkameraden und Lehrer.

Polizeisprecher Willi Schwarz verdeutlicht: "Diese Mädchen gingen allesamt in eine Schulklasse. Und stellen Sie sich einmal vor, eine ganze Bank ist von einem Tag auf den anderen nicht mehr da. So etwas psychisch zu bewältigen, kann viele Jahre dauern".

Einen Bericht zum Präventionsprojekt an der Gießener Theodor-Litt-Schule roter Pfeil hier.


Übrigens, Infos zum Präventionsprogramm des Polizeipräsidiums Mittelhessen finden Sie unter:

Internetadresse: "www.verkehrssicher-in-mittelhessen.de"

 

Pro Polizei Gießen stellte am 20.10.2008 dem Polizeipräsidium Mittelhessen einen Anhänger zur Verfügung, auf dem der oben zu sehende stark beschädigte  Polo zum Zwecke der Verkehrsprävention genutzt werden konnte.