Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
14.01.2014

Belobigungen von Bürgern aus dem Dienstbereich des PP Mittelhessen

„Ha, ha, ihr kriegt uns nie“ – doch dann kam der Nikolaus „ho, ho, ho“.
Polizeipräsident Schweizer dankte Bürgern für vorbildliches Handeln

Wie in den Vorjahren auch, lud Polizeipräsident Manfred Schweizer kurz vor Weihnachten wieder mehrere Bürgerinnen und Bürger aus Mittelhessen ein, um sich bei ihnen für ihre Mitwirkung bei der Aufklärung von Straftaten zu bedanken.

So war in Ober-Mörlen ein Nachbar unerschrocken einer Bäckereiverkäuferin zur Hilfe geeilt, die in ihrer Filiale gerade überfallen und mit einer Pistole bedroht wurde. Zusammen mit zwei weiteren Nachbarn konnte man den Täter dann sogar solange an der Flucht hindern, bis die Polizei kam. Auch in Gießen war ein Paar auf zwei Männer aufmerksam geworden, die gerade einen Autofahrer überfielen und ein anderes Paar hatte einen Pkw-Aufbrecher auf frischer Tat angetroffen. In beiden Fällen hatten sie die Täter verfolgt, die Polizei verständigt und zur Festnahme beigetragen. Eine Rentnerin aus Bad Vilbel hatte bei einem Enkeltrickanruf clever reagiert und zusammen mit der Polizei dazu beigetragen, dass nicht sie den Ganoven, sondern die Betrüger ihr auf den Leim gingen und ein Tatbeteiligter festgenommen werden konnte. In Marburg hatte ein Nachbar die Polizei verständigt und den Geschäftseinbrecher sogar fotografiert und zu dessen Festnahme beigetragen. In Linden war es gar der „Nikolaus“ selbst, der beim Überraschungsgeschenke austeilen Graffiti-Sprayer entdeckte und so zu deren Festnahme und zur Schadensbegrenzung beitrug.

„Es mag für sie selbstverständlich gewesen sein, dass sie in der Situation gehandelt und geholfen haben, dennoch ist es anerkennenswert und wir wünschen uns mehr Bürger, die, so wie sie umsichtig auf ihre Umwelt achten und Mitmenschen in Notsituationen couragiert helfen“, betonte Polizeipräsident Manfred Schweizer in einer kleinen Feierstunde mit den elf Geehrten (siehe Foto).

Polizeipräsident Manfred Schweizer würdigte mehrere Privatpersonen aus dem Dienstbereich des Polizeipräsidiums Mittelhessen für vorbildliches Handeln.
Foto: Die Belobigten mit Polizeipräsident Manfred Schweizer (5. v. r. ), Kriminadirektor Michael Janßen (6. v. l.) und Pressesprecher Willi Schwarz (2. v. l.)

Die Polizei sei in vielen Fällen auf die Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen. So sei dieses verantwortungsbewusste Eingreifen auch ein Handeln für die Allgemeinheit und aller Ehren wert, betonte der Polizeipräsident, denn es sei ein positives Beispiel auch für andere, sich für die Mitmenschen einzusetzen. „Wir möchten ihnen, auch stellvertretend für einige andere, für ihr gezeigtes Engagement und ihre Zivilcourage unseren Dank aussprechen“, betonte Schweizer.

Die unterschiedlichen Fälle aus dem gesamten Dienstbezirk des Polizeipräsidiums von Biedenkopf bis Bad Vilbel zeigten die mögliche Bandbreite positiven Handelns. Auch wurde deutlich, dass oft das gemeinsame Vorgehen und Handeln die Unterstützungsbereitschaft verstärkt.

So fiel Bernhard Runzheimer aus Marburg mittags beim Blick durch das Küchenfenster ein Mann auf, der an den Türen der gegenüber liegenden Geschäfte hantierte. Als er durch das geöffnete Fenster metallische Geräusche hörte, bestärkte dies seinen Verdacht, dass es sich um Einbruchsversuche handelte. Während seine Frau Kerstin mit der Polizei telefonierte und fortlaufend über den Sachverhalt informierte, beobachtete er weiter die Szene und fotografierte den Einbrecher sogar. So gelang es der Polizei kurze Zeit später den jungen Mann festzunehmen. Er hatte ein Stemmeisen dabei. Eine weitere Diebstahlsstraftat konnte bei den Ermittlungen ebenfalls geklärt werden.

Andre Erb und Daniela Pasczyk aus Gießen waren am frühen Abend zu Fuß in der Johannesstraße unterwegs, als sie plötzlich die Hilferufe eines Mannes hörten. Dieser stand mit zwei jungen Männern auf dem Parkstreifen hinter einem Pkw und rief: „Hilfe, Überfall, die haben eine Pistole“. Als sich die beiden jungen Männer nach den Hilferufen entfernten, blieb Daniela Plasczyk bei dem erregten Opfer, während Andre Erb in sicherem Abstand den beiden Männern unbemerkt folgte. Dabei hielt er über sein Handy ständigen Kontakt zur Polizei und konnte permanent die Position durchgeben. So gelang es einen der beiden Männer auf seiner Flucht durch die Parkanlage und über mehrere Straßen nur kurze Zeit später zu stellen. Dem anderen gelang beim Eintreffen der Polizei zunächst die Flucht, wurde aber dann im Rahmen der weiteren Ermittlungen noch am selben Abend vorläufig festgenommen. Wie der betroffene Autofahrer angab, war er beim Verlassen seines abgestellten Pkw von den beiden jungen Männern abgepasst und unter Vorhalt einer Schusswaffe zur Herausgabe von Geld und Fahrzeugschlüssel aufgefordert worden.

Steffen Baldauf und Denise Uzel wurden nachts am Gießener Ludwigsplatz im Vorbeigehen auf eine Person aufmerksam, die durch das Fenster der Beifahrertür eines Pkw in das Fahrzeug hineinragte und mit den Beinen draußen das Gleichgewicht hielt. Zunächst hielten sie es für möglich, dass der Mann vielleicht im Fahrzeug eine Freundin küsste. Doch dann bemerkten sie unter dem Fenster Scherben auf dem Boden und ihnen war klar, dass es sich um einen Pkw-Aufbruch handeln musste. Sie gingen zunächst ein Stück weiter, um dann in Sichtweite, aber aus sicherer Entfernung mit dem Handy über Notruf die Polizei zu verständigen. Selbst als der Mann kurze Zeit später bedrohlich auf das telefonierende Paar zukam, hielt Steffen Baldauf die telefonische Verbindung zur Polizei aufrecht. Als die Polizeistreife dann näher kam, flüchtete der Mann. Steffen Baldauf nahm die Verfolgung auf und konnte dem folgenden Polizeibeamten den Wegrennenden zeigen. So gelang es, den 26-Jährigen nach schneller Verfolgung zu Fuß über Höfe und Parkplätze festzunehmen. Zudem wurden im Bereich des Fluchtweges Gegenstände sichergestellt, die nachweislich aus einem weiteren Pkw-Aufbruch stammten und vermutlich weggeworfen worden waren. Gegen den 26-Jährigen erging Haftbefehl.

Dank der reaktionsschnellen und umsichtigen Unterstützung von Rita Reichard gelang es der Kriminalpolizei in Bad Vilbel einen 16-Jährigen im Zusammenhang mit einem derzeit vielfach verübten sogenannten Enkeltrick festzunehmen. Schnell durchschaute die 71-Jährige, dass es kein Angehöriger war, der sie da anrief und 17.000 Euro haben wollte. Sie verfolgt auch die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY…“ mit großem Interesse. „Ich habe nur schon darauf gewartet, dass er sagt, ich schicke jemanden vorbei. Da habe ich schnell die Polizei angerufen“, sagte sie. Doch das war nicht alles: zusammen mit den Kriminalbeamten drehte sie den Spieß um, spielte das Spiel mit und stand auch die weiteren Kontroll- und Verhaltensanrufe des Ganoven mit schauspielerischem Geschick bravourös durch. Sich in Sicherheit wiegend, erschien dann auch ein angeblicher Neffe, um das Geld abzuholen. Doch dann klickten die Handschellen.

Die Handschellen schlossen sich auch nach einem Raubüberfall auf eine Bäckereifiliale in Ober Mörlen. Nachmittags betrat ein Maskierter das Geschäft. Er richtete einen Revolver auf die 32-jährige Verkäuferin, bedrohte sie und verlangte Geld. Der Räuber stieß die Verkäuferin und sie fiel zu Boden. Dem wenige Minuten zuvor gerade nach Hause gekommenen Nachbarn Robert Weiner war der Mann bereits aufgefallen, als dieser sich noch außerhalb der Bäckerei verdächtig aufhielt. Sein ungutes Gefühl bestätigte sich.  Aus seiner Wohnung sahen er und seine Frau dann durch die Fenster den Überfall in dem Bäckerladen. Ohne zu zögern, rannte er aus dem Haus zum Laden, um der Verkäuferin zu helfen. Im Laden brüllte er den Räuber an, so dass dieser flüchtete. Schützend führte Robert Weiner die Angestellte nach draußen zu Passanten. Auch der Nachbar Herbert Berg hatte den Vorfall mitbekommen und kam hinzu gerannt. Gemeinsam mit dem Hausbesitzer suchten sie das Gebäude ab und als sie den Verdächtigen im Keller versteckt entdeckten, verriegelten sie die Tür bis zum Eintreffen der Polizei.

Am frühen Morgen des Nikolaustages war Marcel Menges schnell noch vor dem Weg zur Arbeit in Linden unterwegs, um an 26 Stellen im Ort bei Bekannten und deren Kindern kleine Überraschungsgeschenke zum Nikolaustag zu hinterlegen. Als er kurz vor fünf Uhr vom Hof eines der letzten Häuser kam, bemerkte er zwei junge Personen, die Graffiti an eine Hauswand sprühten und bei seinem Anblick flüchteten. Er fuhr kurz um die nächste Ecke und verständigte telefonisch die Polizei. Die Beamten konnten die beiden jungen Leute noch im näheren Bereich festnehmen. Wie sich herausstellte, waren an mehreren Häusern und Stellen Graffiti angebracht worden mit einem Schaden von einigen Tausend Euro. Beide Sprayer stammten fern ab von Linden aus dem Rhein-Main-Gebiet und waren zum Graffiti sprühen nach Linden gekommen. Ohne den Hinweis von Marcel Menges hätten sich die Ermittlungen nach den Tätern schwierig gestaltet und die Straftaten und Schäden wären, wenn überhaupt, nur schwer aufzuklären gewesen. Das hatten sich auch die jungen Leute gedacht und schon an eine Wand geschmiert: „Ha, ha, Ihr kriegt uns doch nie“. Doch dann kam der „Nikolaus“, ho, ho, ho!