Polizeifahrzeuge vor dem Polizeipräsidium Frankfurt am Main
 
15.04.2019 | Polizeipräsidium Frankfurt Main

„Prävention meets Repression“

Fortsetzung und Intensivierung der polizeilichen Maßnahmen zum Thema „Ablenkung im Straßenverkehr“

Szenario


2018 wurden im Frankfurter Stadtgebiet lediglich 21 Verkehrsunfälle registriert, die auf die Unfallursache der missbräuchlichen Nutzung von Handys im Straßenverkehr zurückzuführen waren. Im Rahmen der Vorstellung des Verkehrsberichtes hatte die Frankfurter Polizei die Unfallursache „Ablenkung im Straßenverkehr durch die Nutzung von Mobiltelefonen“ dennoch zu einem Schwerpunktthema erklärt und Medienvertreter eingeladen, die polizeilichen Maßnahmen näher zu begleiten.

Ein ganz normaler Montagnachmittag auf der Eschersheimer Landstraße. Die Polizei hat in Höhe des Jugendamtes eine Verkehrskontrollstelle zum Thema „Ablenkung im Straßenverkehr“ aufgebaut und überwacht gezielt das Verkehrsverhalten der Kraftfahrzeugführer. Die Ergebnisse überraschen nicht: In knapp 2 Stunden werden 19 Führer von Pkw’s und ein Radfahrer den entsprechenden Kontrollmaßnahmen der Verkehrsüberwachung und des 12. Reviers zugeführt.

Auch in Frankfurt am Main ist die Nutzung von Mobiltelefonen und Kopfhörern bei der Teilnahme im Straßenverkehr weit verbreitet. Betroffen sind grundsätzlich alle Verkehrsteilnahmearten, FührerInnen von Kraftfahrzeugen nutzen das Handy ebenso selbstverständlich wie RadfahrerInnen oder FußgängerInnen, obwohl sich die Höhe des Bußgeldtatbestandes für die Erstgenannten bereits seit Oktober 2017 erheblich erhöht hat.


TBNR 123624:

Sie benutzten als Führer des Kraftfahrzeugs ein elektronisches Gerät, das der Kommunikation, Information oder Organisation dient oder zu dienen bestimmt ist, in vorschriftswidriger Weise.

§ 23 Abs. 1a, § 49 StVO; § 24 StVG; 246.1BKat..

1 Punkt und 100.-€ (bisher: 60.-€ und 1 Punkt)

Weitere rechtliche  Informationen zu den Bußgeldvorschriften


An diesem Montag ist die polizeiliche Maßnahme mit der Personalienfeststellung und Anhörung der Betroffenen im Rahmen des eingeleiteten Ordnungswidrigkeitenverfahrens jedoch noch nicht beendet.
Simulation Die repressiven Maßnahmen werden gleichzeitig mit präventiven Komponenten ergänzt. Um den angehaltenen Kfz-Führern das Gefahrenpotential zusätzlich zu verdeutlichen, haben die Beamtinnen und Beamten diesmal einen „roten Teppich“ ausgerollt. Die Signalfarbe „ROT“ steht für GEFAHR und die Länge von 15m symbolisiert exakt die Strecke, auf der Autofahrer im Blindflug unterwegs sind, wenn sie auch nur eine Sekunde auf das Display ihres Handys schauen. „Das sind immerhin 3-4 Fahrzeuglängen. Und zwischen jedem der am Seitenrand geparkten Fahrzeuge kann beispielsweise ein Kind hervortreten, dass seinem Ball hinterherläuft. Da etwa 90% der relevanten Verkehrsvorgänge über die Augen wahrgenommen werden1, wird die plötzliche Gefahr durch den Kraftfahrzeugführer zu spät realisiert – die Reaktionsfähigkeit sinkt und die Unfallgefahr steigt“ lautet die Botschaft der eingesetzten Beamten der Verkehrserziehung und -aufklärung.

 

Während sich immerhin etwa jeder zweite der angehaltenen Verkehrsteilnehmer vor den laufenden Kameras der Medienvertreter auf die visualisierten Erläuterungen einlässt, erhalten diejenigen Verkehrsteilnehmer, die die Kontrollstelle ohne das Handy in der Hand durchfahren haben, eine kleine Belohnung in Form von Give-Aways und Informationsmaterial. „Ob sich diese Art der Anerkennung tatsächlich nachhaltig auf das Verkehrsverhalten der Kraftfahrzeugführer auswirkt, ist nicht bekannt. Wir setzen dabei einfach auf den positiven Überraschungseffekt und immerhin konnten unsere Kollegen in Zivil niemanden feststellen, der später an der Kreuzung Eschersheimer Landstraße/Adickesallee im Rückstau der dortigen Ampel-Rotphase zum Handy griff“ erklärt PHK Thomas Gohla, als Leiter der Kontrollmaßnahme am heutigen Tag.

Allen angehaltenen und kontrollierten Kfz-Fahrern war das erhöhte Gefahrenpotential durchaus bewusst. Vorliegende „Studien aus Deutschland bestätigen, dass die Nutzung von Smartphones während der Fahrt von der Häufigkeit her ein Problem darstellt. Gerade die Nutzung von Apps auf dem Smartphone ist häufiger als das Telefonieren, obwohl hier die Ablenkung visuell und motorisch deutlich stärker ist …“2. Durch die fortschreitende Entwicklung sind Verbreitung und Nutzung von Mobiltelefonen im Straßenverkehr zu einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen geworden. Um diese Unfallursache wirkungsvoll einzudämmen, bedarf es sicherlich einer Vielzahl von politischen, technischen Weichenstellungen. Polizeiliche Kontroll- und Aufklärungsmaßnahmen tragen bis dahin zur Verkehrsunfallverhütung bei.

2018 wurden in Frankfurt 2816 Bußgeldverfahren wegen missbräuchlicher Nutzung von mobilen Endgeräten eingeleitet. Mit ihren Kontrollmaßnahmen will die Polizei weiter verdeutlichen, dass

  • Handynutzer das Risiko im Straßenverkehr für sich und andere um ein Vielfaches erhöhen
  • gleichzeitig riskieren Fahrzeugführer auch, aufzufallen und veranzeigt zu werden.

Unsere Tipps:

APP-Steuerung SmartphoneDie Nutzung mobiler Endgeräte, wie Handys, Tablets und Navigationsgeräte ist für Fahrzeugführer während der Fahrt verboten und dürfen von Autofahrern oder Radfahrenden erst bei abgestelltem Motor bzw. Stillstand aufgenommen werden.

Ablenkungsursachen im Straßenverkehr sind jedoch vielfältig.

Dazu gehören alle verkehrsfremden Tätigkeiten, wie Essen, Trinken, Rauchen, Unterhaltung, laute Musik, etc. – aber auch andere Nebentätigkeiten, wie die Bedienung des festverbauten Navigationsgerätes oder die Nutzung der Freisprechanlage können vom Fahrgeschehen ablenken.

Die Polizei Frankfurt am Main empfiehlt daher grundsätzlich, während der Fahrt auf derartige Tätigkeiten zu verzichten.

Stellen Sie ihr Handy ab, schalten Sie es stumm und legen Sie es so ab, dass Sie gar nicht in Versuchung geraten, das Mobiltelefon zu nutzen.

Alle gängigen Mobiltelefone verfügen in ihren Einstellungen mittlerweile über ein „Automodus“, der dafür sorgt, dass Nachrichten erst nach Fahrtende übermittelt werden. Gleichzeitig erhält der Sender eine entsprechende Notiz, dass sich der Empfänger auf der Fahrt befindet und nicht gestört werden möchte.

Wir meinen ein sinnvolle Funktion, die noch zu selten genutzt wird. Nähere Informationen finden Sie im Internet.

#UFFBASSE! – Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr

Logo Verkehrserziehung

1 Schlag, B., Petermann, I., Weller, G., Schulze, C. (Hrsg.): Mehr Licht – mehr Sicht – mehr Sicherheit? Zur Wirkung verbesserter Licht- und Sichtbedingungen auf das Fahrerverhalten, Springer VS, 2009

2 Prof. Dr. Vollrath: Warum nutzen so viele Fahrer das Smartphone während der Fahrt; aus 55. Deutscher Verkehrsgerichtstag 2017, Veröffentlichungen der Gehaltenen Vorträge, Referate und erarbeiteten Empfehlungen, Luchterhand Verlag 2017, S. 53