Akustisch verständlich in alle Richtungen

Lautsprecherkraftwagen der neuen Generation

27.07.2021
Symbolische Schlüsselübergabe: EPHK Marc Schilling (HSG 22, HPT), PHK Jörg Glasner (Kost Einsatz & Kommunikation, HPA) und PHKin Susanne Daniel (Taktkom-Koordinatorin, (PP Frankfurt am Main)zoom_in

Das Summen einer Mücke erreicht einen Schallpegel von rund fünf Dezibel (dB), ein Wert, den jedes Ohr – abgesehen von der unangenehmen Assoziation im Rahmen des bald zu erwartenden Einstichs – gut wegstecken kann. Quakende Frösche können es schon auf 40 dB bringen, ein Presslufthammer in zehn Meter Entfernung auf unangenehme 100 dB. Ein Düsenflugzeug schließlich kratzt bereits an der nicht mehr auszuhaltenden 130-dB-Grenze.

Mit diesen Vergleichswerten lässt sich erahnen, welche Leistung die Lautsprecher der neuen Lautsprecherkraftwagen (LauKws) der hessischen Polizei erbringen. Sie erreichen im Spitzenwert 132 dB. Da könnte sich also niemand damit herausreden, die Botschaft überhört zu haben. Doch im Einsatzfall der Fälle wird die Polizei es auf diesen Pegel natürlich nicht ankommen lassen, zumindest nicht, wenn sich der LauKw mitten unter oder auch nur in der Nähe von Menschen befindet.

 

Informationen nicht nur empfangen, sondern auch akustisch verstehen

Bei Demonstrationen, der Begleitung von Fußballfans oder, ganz aktuell, der nachdrücklichen Mahnung zur Einhaltung der Corona-Regeln sind LauKws ein probates Einsatzmittel der Polizei. „Ziel ist es, dass die angesprochenen Personen die Informationen, die sie empfangen sollen, auch akustisch verstehen können“, so EPHK Marc Schilling, im Hessischen Polizeipräsidium für Technik Leiter des Hauptsachgebiets 22 – Fahrzeugwesen. „Das hängt nicht nur von der Lautstärke ab, sondern auch von der Sprachverständlichkeit und der Schallrichtung.“ Deshalb sind heute 360-Grad-Lautsprechersysteme oftmals das Mittel der Wahl.

Das ist auch bei den neuen LauKws für die hessische Polizei der Fall. Jedem Flächenpräsidium ist mindestens ein Lautsprecherkraftwagen zugewiesen. Das erste fertiggestellte Fahrzeug übergab Marc Schilling jüngst an PHKin Susanne Daniel, Taktkom-Koordinatorin des Polizeipräsidiums Frankfurt, die eigens dazu mit Kolleginnen und Kollegen zur HPT-Sonderwerkstatt auf den Campus Kohlheck nach Wiesbaden gekommen war.

 

Alter (rechts) und neuer LauKw im optischen VergleichAlter (rechts) und neuer LauKw im optischen Vergleich

 

Der Zahn der Zeit

LauKws gibt es bei der hessischen Polizei schon sehr lange. In den Jahren 2005 und 2009 wurden letztmalig neue Fahrzeuge auf Basis eines Mercedes-Benz Vitos in den Dienst gestellt. Doch an ihnen hat der Zahn der Zeit genagt: Die Reparaturanfälligkeit ist gestiegen, die Lautsprechertechnik nicht mehr zeitgemäß. So machte sich im Jahr 2018 ein Fachteam, bestehend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus besagtem HSG 22 sowie der Koordinierungsstelle Einsatz und Kommunikation der Polizeiakademie Hessen, an die Neukonzeptionierung. Am Ende standen folgende signifikanten Parameter für die Neufahrzeuge:

  • Leistungsfähigere Lautsprecheranlage mit Möglichkeit der 360-Grad-Beschallung
  • Höheres Grundfahrzeug für einen höheren Tonabstrahlpunkt und -winkel
  • Mehr Stauraum für Führungs- und Einsatzmittel sowie persönliche Ausstattung der Einsatzbeamten
  • Maximalgewicht 3,5 Tonnen.

 

Verzögerungen durch Pandemie

Den Zuschlag im Vergabeverfahren erteilte das HPT ein Jahr später an einen Spezialisten für Sonderfahrzeugbau in Niederbayern. Leider kam es aufgrund der Corona-Situation in der Ausbauphase immer wieder zu Verzögerungen, vor allem durch Lieferschwierigkeiten von Material. Die erforderlichen Ausbaubesprechungen, Stellproben sowie die finale Fahrzeugabnahme fanden unter strengen Hygienevorschriften statt.

Im Mai 2021 war es dann schließlich doch so weit: Das erste Fahrzeug der neuen hessischen LauKw-Generation konnte abgenommen und nach Wiesbaden überführt werden. Beim Basisfahrzeug handelt es sich diesmal um einen Mercedes-Benz Sprinter 314 CDI mit folgenden technischen Daten:

  • 140-PS-Dieselmotor mit Automatikgetriebe
  • Zulässige Gesamtmasse: 3,5 Tonnen.
  • Hochdach mit einer Höhe von 2,95 Meter inklusive Dachaufbauten.

 

Technische Ausstattung

Im Zentrum auf dem Fahrzeugdach steht natürlich der unscheinbare, kompakte 360-Grad-Lautsprecher, der sich in vier Sektoren (links, rechts, vorne, hinten) zur Beschallung schalten lässt und besagten Lautstärkespitzenwert erreicht. Des Weiteren lassen sich mit der Audioanlage Texte für Ansagen aufzeichnen und wiedergeben. Bis zu zwei Personen können die Lautsprecheranlagen über das im Fahrgastraum verbaute Bedienpult betätigen und besprechen. Hier sind auch zwei Digitalfunkgeräte sowie ein fest verbautes GSM-Telefon integriert. Zum Besprechen stehen zwei Schwanenhals-Mikrofone im Bedienpult, zwei Funkmikrofone sowie ein Funkheadset zur Verfügung. Zur weiteren technischen Ausstattung gehören:

  • 230-Volt-Generator, auch für den Fahrbetrieb
  • 230-Volt-Außeneinspeisung Defa
  • Zusatzbatterien und Batterieladegerät
  • Spannungsversorgung, Netzwerkanschluss für mobilen IT-Arbeitsplatz
  • LTE-Router zur mobilen Einwahl in die polizeiliche Infrastruktur
  • Vorrüstung für Drucker
  • Whiteboard
  • Kühlbox
  • Laderaumausbau im Heckbereich, unter anderem zur Unterbringung von Personenausstattung, BSOD-Ausstattung (Besonderer
    Sicherheits- und Ordnungsdienst) und Lautsprecherrucksack.