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13.04.2021 | Kriminalstatistik

Entwicklung der Jugendkriminalität im Jahresrückblick 2020

Bei Kindern und Jugendlichen ist die Kriminalität noch Ausdruck entwicklungsbedingtem Spiel- und Problemverhaltens und bleibt meist episodenhaft (sogenannte Episodenkriminalität). Bei einem relativ kleinen Anteil junger Menschen, der häufig erheblich problembelastet ist, verfestigen sich jedoch diese Verhaltensmuster und können bei zu spät einsetzender Intervention zu dauerhafter Kriminalität führen.

Wie gestaltet sich die Entwicklung der Jugendkriminalität / Jugenddelinquenz im Jahresrückblick 2020 in Hessen vor dem Hintergrund der erfassten Tatverdächtigenzahlen?

Jugendkriminalität / Jugenddelinquenz umfasst alle strafrechtlich relevanten Normverstöße von Kindern (bis unter 14 Jahre), Jugendlichen (14 bis unter 18 Jahre) und Heranwachsenden (18 bis unter 21 Jahre). Ein wichtiger Indikator zur Darstellung der Entwicklung der Jugendkriminalität in seiner Gesamtheit ist die Erhebung der Tatverdächtigenzahlen (TVZ) in den jeweiligen Altersgruppen sowie der ausgewiesene Anteil in einzelnen Deliktsbereichen. Diese werden in der jährlich erscheinenden Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Landes Hessen veröffentlicht und auszugsweise für den Jahresrückblick 2020 herangezogen. Zwischen der hier auftretenden jugendtypischen Entwicklungskriminalität (Episodenkriminalität) und einer sich verfestigenden Intensivkriminalität muss jedoch im Einzelfall differenziert werden.

Entwicklung der Tatverdächtigenzahlen bei den bis unter 21-Jährigen

Die folgende Grafik 1 stellt die Tatverdächtigenzahlen der U 21 im Verhältnis zu den Tatverdächtigen (TV) Gesamt und die Entwicklung im Vergleich von 2019 zu 2020 dar.

Tatverdächtigenzahlen 2020 vs. 2019; Quelle Zahlen: PKS Hessen 2020
Grafik 1: Tatverdächtigenzahlen 2020 vs. 2019; Quelle Zahlen: PKS Hessen 2020
 

Im Jahr 2020 sind die Tatverdächtigenzahlen (TVZ) bei den bis unter 21-Jährigen im Gesamten um 2.865 auf 26.542 gesunken. Dies bedeutet ein Minus von 9,7 % im Vergleich zum Vorjahr. Hierbei zeigt sich ein Rückgang in allen Altersgruppen, sprich der Kinder, der Jugendlichen und auch der Heranwachsenden. Im Einzelnen sanken die TVZ bei den Kindern um 451 auf 3.459 (-11,5 %) und bei den Jugendlichen um 1.197 auf 11.091 (-9,7 %). Bei den tatverdächtigen Heranwachsenden wurde ein Minus von 1.217 auf 11.992 TVZ registriert (-9,2 %). Bereits in 2019 waren die TVZ in dieser Altersgruppe leicht rückläufig.

Die folgende Grafik 2 verdeutlicht die Tatverdächtigen der U 21 im Verhältnis zu den Tatverdächtigen (TV) Gesamt im Jahr 2020.

Tatverdächtige U 21 in 2020; Quelle Zahlen: PKS Hessen 2020Grafik 2: Tatverdächtige U 21 in 2020; Quelle Zahlen: PKS Hessen 2020


Im Vergleich zu den im Jahr 2020 erfassten Tatverdächtigen im Gesamten, d.h. alle Altersgruppen und Geschlechter, fallen anteilig 17,7 % auf die Gruppe der bis unter 21-Jährigen. Davon nehmen 8,0 % die Heranwachsenden, 7,4 % die Jugendlichen und 2,3 % die Kinder ein.

Anteil der Tatverdächtigen bis 21 Jahre in einzelnen Deliktsbereichen

Die folgende Grafik 3 stellt die Verteilung der Tatverdächtigen U 21 in ausgewählten Deliktsbereichen dar. Eine Unterscheidung innerhalb dieser Altersgruppe ist nicht erfasst. Die Grafik ist der PKS Hessen 2020 entnommen.

Verteilung der Tatverdächtigen bis 21 Jahre auf Deliktsbereiche 2020; Quelle: PKS Hessen 2020
Grafik 3: Verteilung der Tatverdächtigen bis 21 Jahre auf Deliktsbereiche 2020; Quelle: PKS Hessen 2020


Im Verhältnis zum Vorjahr zeigt sich auch bei sinkenden TVZ der bis unter 21-Jährigen eine prozentuale Verlagerung in den einzelnen Deliktsbereichen. Der Anteil an Diebstahlsdelikten (einfacher & schwerer Diebstahl, Ladendiebstahl) ist rückläufig (ges. -4,3 %), ebenfalls der an Körperverletzungsdelikten (einfache, gefährliche & schwere Körperverletzung; ges. -1,2 %) sowie im Bereich der ausländerrechtlichen Verstöße (-0,4 %). Gestiegen sind hingegen die TVZ bei den Raubdelikten (+0,2 %), Rauschgiftdelikten (+0,7 %) und bei der Sachbeschädigung (+0,3 %) sowie Beförderungserschleichung (+0,6 %). Bei den sonstigen Delikten lässt sich ein deutlicher Anstieg um 4,1 % feststellen.

Im Einzelnen verringerten sich die TVZ beim Ladendiebstahl um 1.480 auf 3.987, bei einfacher Körperverletzung um 448 auf 2.368 sowie bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung um 353 auf 2.562.

Im Bereich der ausländerrechtlichen Verstöße wurden im vergangenen Jahr 2.855 TV erfasst. Dies bedeutet ein Rückgang um 398 TV im Vergleich zu 2019 (3.253 TV).

Bei den Rauschgiftdelikten nach dem BtMG reduzierten sich die TVZ um 267 auf 4.998. Ferner sanken die TVZ beim einfachen & schweren Diebstahl, bei Raubdelikten, bei Sachbeschädigung sowie Beförderungserschleichung.

Unter den „Sonstigen Delikten“ werden diverse Deliktsgruppen erfasst. Beim Betrug sind die TVZ um 141 auf 4.486 gefallen. Bei der Beleidigung ist ein Rückgang um 48 auf 804 TV, bei der Urkundenfälschung um 35 auf 486 TV und bei der Nötigung geringfügig um 3 auf 330 TV zu verzeichnen.

Hingegen wurden im Bereich Verbreiten von pornographischen Schriften 1.022 TV erfasst, ein Plus von 465 TV gegenüber 2019, und beim Verbreiten von kinderpornographischen Schriften 345 TV, ein Plus von 136 TV. Bei der Bedrohung sind die TVZ um 97 auf 877 gestiegen.

Weitere Informationen können der PKS Land Hessen 2020 sowie der Tabelle 20 entnommen werden.

Junge Menschen stehen nicht nur als Tatverdächtige im Fokus der mit Jugendarbeit betrauten Dienststellen der Polizei und sonstigen Institutionen, sondern auch als mögliche Opfer. Insbesondere Kinder und Jugendliche sind Gefahren ausgesetzt, die sie oft nicht als solche erkennen und auf die sie entwicklungsbedingt nicht ideal reagieren können. Präventive polizeiliche Maßnahmen, in Unterstützung mit unzähligen Kooperationspartnern, vereinen das gemeinsame Ziel, der sogenannten Jugendgefährdung frühzeitig entgegen zu wirken.

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