Hessische Polizei - Polizeiautos
 
07.10.2019

Falsche Polizeibeamte bringen Rentnerin um 50.000 Euro

„Seien Sie besonders aufmerksam, wenn das Telefon klingelt und Ihnen angeblich die Polizei am Telefon etwas von festgenommenen Einbrechern erzählt“, so lautet der Rat der Ordnungshüter insbesondere an ältere Mitbürger in der Region. Dann sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Betrüger am anderen Ende der Leitung. Wenn sich der Anrufer dann noch nach Wertsachen im Haus erkundigt, kann man sicher sein, einen Ganoven an der Strippe zu haben, der sich in diesem Moment als Polizeibeamter ausgibt.

Ganz offensichtlich wird derzeit der Altkreis Hanau von solchen Betrügern regelrecht heimgesucht. Immerhin 27 (!) dieser Anrufe wurden der „echten“ Polizei am Tag der deutschen Einheit gemeldet, alleine 21 davon in der Stadt Hanau. Aber auch in Erlensee, Bruchköbel, Hainburg und Mühlheim wurden meist ältere Mitbürger mit dieser Masche angerufen. Denkbar ist, dass sich nicht alle Opfer gemeldet haben. Es steht leider zu vermuten, dass auch in den nächsten Tagen die Betrüger in der Region aktiv sind.

Der Ablauf solcher Gespräche ist immer wieder gleich. Zunächst wird etwas von zwei festgenommenen Einbrechern erzählt, bei denen man einen Zettel gefunden habe, wo demnächst eingebrochen werde. Um das Vermögen zu schützen, solle man es umgehend der Polizei übergeben. Als nächstes werden die Angerufenen genauestens befragt, was sie an Geld und Wertsachen zu Hause haben. Doch bei dem Abholer, der wenig später an der Wohnungstür erscheint, handelt es sich keinesfalls um einen Polizisten, sondern um einen Handlanger der Betrüger. Sind Geld und Wertsachen erst einmal an diesen übergeben, sind sie wohl für alle Zeit verloren.

Einen ganz fiesen Trick haben sich die Betrüger einfallen lassen, sollten die Angerufenen argwöhnisch werden. Dann stellen sie das Telefonat angeblich an „den Notruf“ durch. Nach einem Signalton in der Leitung solle man die Nummer 110 wählen, wo die angebliche Echtheit der Geschichte bestätigt würde. Wer so verfährt, hat allerdings einen Komplizen der Täter am Apparat, der – wie sollte es anders sein – den ganzen Schwindel wiederholt.

Auch wenn die Vielzahl der Anrufe an nur einem einzigen Tag alarmierend hoch ist, kam es gleichwohl „nur“ zu einem einzigen Schadensfall. Eine ältere Dame aus Bruchköbel glaubte das, was ihr am Telefon erzählt wurde. Sie kam der Forderung der Betrüger nach und hängte einen blauen Beutel der Drogeriekette DM an den Gartenzaun, der wenig später verschwunden war. In dem Beutel befanden sich Goldmünzen im Wert von 50.000 Euro. Auch wenn von dem Abholer keine Beschreibung vorliegt, hegen die Ermittler der Hanauer Kriminalpolizei die Hoffnung, dass er mit der Beute in der Hand aufgefallen ist. Wer zwischen 16 und 17 Uhr im Bereich der Wingertstraße einen Mann mit blauem DM-Beutel gesehen hat, soll sich bitte unter der Rufnummer 06181 100-123 melden.

Meist legten die Anwohner gleich wieder auf und taten aus Sicht der Polizei somit das einzig richtige. So auch ein Mann aus Klein-Steinheim, der im vergangenen Jahr fast Opfer dieser Masche wurde und den Trick nun schon kannte. Dass sich die Täter ihre Opfer in der Regel aus dem Telefonbuch aussuchen, beweist ein aktueller Fall aus Klein-Auheim. Der Anrufer erkundigte sich nach einer Frau H. Doch bei diesem Namen handelte es sich um den Geburtsnamen, der so noch im Telefonbuch vermerkt ist. Mittlerweile hat die Angerufene ihren Namen jedoch geändert, was der Ganove aber nicht wissen konnte.

Die besondere Wachsamkeit gilt in diesen Fällen für alle Familienangehörige. Die Polizei fragt nie am Telefon nach Wertsachen oder fordert dazu auf, diese an der Haustür herauszugeben beziehungsweise irgendwo in der Tüte zu hinterlegen. Sollten Sie in Ihrer Familie ältere Angehörige haben, die potentielle Opfer der Betrüger werden können, dann sprechen Sie mit ihnen und machen Sie auf die Gefahren am Telefon aufmerksam. Um den Fall über Notruf zu melden, bitte erst auflegen und dann neu wählen.