Hessische Polizei - Polizeiautos
 
30.03.2021

Start in die Motorradsaison

Konsequentes Vorgehen gegen Verkehrsraudies

Mit Videostreifen-Krädern unterwegs in Mittelhessen 

1. So gelingt der Start in die Motorradsaison in Mittelhessen – Tipps für Biker!

Vor dem Start in die Motorradsaison sollten Biker sich und ihr Fahrzeug gezielt vorbereiten. Ganz wichtig: ein gründlicher Check von Technik und Sicherheitsausrüstung sowie ein kritischer Blick auf das eigene (nach der Winterpause vielleicht eingerostete) fahrerische Vermögen. Wer nicht den Winter durchgefahren ist, hat das Motorrad bestimmt im Spätherbst ordentlich in den verdienten Winterschlaf verabschiedet: Alles schön sauber geputzt, Öl und Bremsflüssigkeit gewechselt, Batterie ausgebaut und immer mal wieder zur Erhaltung ans Ladegerät gehängt, Bremsen und Reifen sind in einem Idealzustand. Sauber und natürlich völlig rostfrei hat das Motorrad den Winter in einer trockenen, gut belüfteten Umgebung verbracht. Theoretisch müsste man nun nur die Batterie wieder einbauen, den Startknopf drücken, und los geht es auf die erste Tour. In der Praxis sieht es aber ganz anders aus: Ohne eine gute Vorbereitung ist mit Startschwierigkeiten und anderen kleinen oder größeren Lästigkeiten zu rechnen.

Die mittelhessische Polizei hat mehrere Checklisten für die Biker parat:

Jetzt, wenn die ersten Sonnenstrahlen in Mittelhessen den Frühling einleiten und die Temperaturen wieder steigen, juckt es den Bikern in den Fingern und dem Start in die neue Motorradsaison steht eigentlich nichts mehr im Wege. Oder? Vor den ersten Ausfahrten sollten Sie auf jeden Fall die Maschine und die Ausrüstung sorgfältig überprüfen. Mindestens genauso wichtig wie dieser Check nach der saisonalen Fahrpause sind die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr sowie die mentale und körperliche Vorbereitung auf die ersten Touren. Denn nicht nur das Motorrad muss aus dem Winterschlaf erwachen.

Vor der ersten Saisonfahrt: Der Technik-Check ist ein Muss!

  • Reinigen Sie das Motorrad gründlich und überprüfen Sie es auf Mängel. Ist die Batterie ausreichend gefüllt und geladen? Vor dem ersten Start des Motors sollte die Batterie in jedem Fall voll sein.
  • Prüfen Sie die Betriebsflüssigkeiten: Stimmen die Stände von Motoröl, Bremsflüssigkeit und Kühlmittel noch? Bei Bedarf füllen Sie entsprechend der Maßgaben der Betriebsanleitung des Herstellers nach.
  • Testen Sie bei laufendem Motor und vor der ersten Fahrt sowohl Lichtanlage als auch die elektronische Anlage, z.B. den Seitenständerschalter.
  • Auch der Antriebsstrang will vor dem Saisonstart gepflegt werden: Die Kette nicht erst kurz vor dem Start prüfen, sondern spätestens am Vorabend, damit das Kettenfett oder -spray richtig einwirken kann.
  • Ist die Kettenspannung okay? Das korrekte Spiel des unteren Kettendurchhangs finden Sie in der Bedienungsanleitung. Sind an Ritzel und Kettenrad sogenannte Haifischzähne zu sehen? Dann muss beides ausgetauscht werden. Sollte die Kette zu stark oder sehr unregelmäßig gelängt oder abgenutzt sein, ebenfalls erneuern!
  • Überlebenswichtig: Unbedingt vor der ersten Fahrt den Zustand von Bremsscheiben und –belägen prüfen! Nach der langen Winterpause können Staub und schmieriger Schmutz auf den Scheiben gelandet sein. Deswegen die Bremsscheiben beidseitig mit einem Bremsenreiniger abwischen. Checken Sie, ob der Druckpunkt der Bremse am Hebel und am Pedal einwandfrei ist. Sind diese deutlich und präzise spürbar? Öffnet sich die Bremse wieder? Sitzen vielleicht die Kolben fest? Dies können Sie schon beim Schieben des Bikes kontrollieren. Wichtig: Die Bremsleitungen auf Beschädigungen prüfen – sie dürfen weder porös noch undicht sein. Wenn an der Bremsanlage etwas nicht in Ordnung erscheint, lassen Sie es von der Fachwerkstatt prüfen und reparieren.
  • Wie ist der Zustand der Bereifung? Schauen Sie sich den Profilzustand, den Luftdruck sowie das Alter der Reifen an. Wenn die Reifen weniger als 1,6 Millimeter Profil haben, wird es auf jeden Fall Zeit für neue.

Wenn neue Reifen draufkommen - Einfahren nicht vergessen!

Die meisten Hersteller geben an, dass neue Reifen zwischen 50 und 100 km benötigen, um eingefahren zu sein. Gleichzeitig sind dies nur Richtwerte, die dadurch beeinflusst werden, wie man das Motorrad mit den neuen Reifen auf den ersten Kilometern bewegt. Fabrikneue Reifen besitzen eine glatte Oberfläche und sind zusätzlich häufig mit einem Trennmittel versehen. Beides reduziert den Grip beim Fahren. Vor allem bei Schräglagen, zum Beispiel in Kurven, wenn die Auflagefläche des Reifens besonders gering ist, können nicht eingefahrene Motorradreifen wegrutschen. Der Bremsweg ist länger und bei heftigen Beschleunigungsmanövern können nicht eingefahrene Reifen durchdrehen. Durch das Einfahren wird die Oberfläche rauer, was wiederum den Grip verbessert.

Bevor Sie mit fabrikneuen Reifen auf die Straße gehen, sollten Sie Vorkehrungen treffen: Prüfen Sie zunächst den Reifendruck nach den Angaben des Motorradherstellers. Bevor Sie dann mit dem eigentlichen Einfahren beginnen, testen Sie vorsichtig, ob Sie ein Reifenflattern im Lenker spüren. Falls dies der Fall ist, müssen die Reifen ausgewuchtet werden. Besonders entscheidend sind dann die ersten fünf Kilometer. Ideal hierfür sind leere Parkplätze oder ähnliche Gelände, auf denen nicht mit Verkehr zu rechnen ist. Fahren Sie hier besonders vorsichtig, vermeiden Sie Kurven sowie heftige Brems- und Beschleunigungsmanöver.

Danach sollten Sie mit langsamen Kurvenfahrten beginnen und die Schräglage vorsichtig und stetig steigern. Wenn Sie mit dem Einfahren der Motorradreifen fertig sind, kontrollieren Sie erneut den Reifendruck.

Und bitte nicht vergessen: Wenn Sie nur einen kleinen Mangel am Bike feststellen, auf jeden Fall vor Fahrtbeginn reparieren oder in einer Fachwerkstatt von Experten reparieren lassen!

2. Der Ausrüstungs-Check: Mit der richtigen Motorradkleidung sicher unterwegs!

Richtige Kleidung erhöht nicht nur den Komfort für den Fahrer, sie kann auch die passive Sicherheit beim Biken deutlich verbessern. Neben Helm, Handschuhen und Schutzkleidung sind vor allem in den manchmal noch merklich kühlen Frühlingstagen eine warme Funktionsunterbekleidung sowie ein Nierengurt bzw. Rückenprotektor zu empfehlen.

  • Eins ist ganz klar: Mit kontrastreicher Kleidung sind Motorradfahrer für alle anderen Verkehrsteilnehmer viel besser sichtbar.
  • Spannt die Lederkombi unangenehm, bekommt man den Nierengurt kaum noch umgelegt? Kein Grund, die Kleidung gleich abzuschreiben. Ein Schneider kann bei Änderungswünschen meist helfen. Alte Schaumstoff-Polster kann man durch CE-geprüfte Nachrüstprotektoren ersetzen. Ist die Lederkombi nicht mehr richtig geschmeidig, hilft ein wenig Lederfett.
  • Bei einer Textilkombi prüfen, ob sie noch wasserdicht ist. Falls nicht, imprägnieren Sie diese mit einem geeigneten Pflegemittel.
  • Falls sich Nähte an den Handschuhen lösen: bitte keine Experimente. Am besten Ersatz beschaffen, eine ordentliche Reparatur ist kaum billiger.
  • Ein wichtiges Augenmerk liegt auf dem Motorradhelm. Das Haupt- und Anti-Beschlag-Visier sollten Sie auf Kratzer oder andere Schäden untersuchen und gegebenenfalls erneuern. Eine gründliche Reinigung mit Entfernung des Insektengrabs vom Vorjahr sollte auf jeden Fall vor dem Saisonstart selbstverständlich sein. Tipp bei Neuanschaffung: Ein beschlagfreies Pinlock-Visier ist immer eine gute Investition.
  • Lässt sich das Visier ohne Probleme öffnen und schließen? Die Visiermechanik freut sich über einen kleinen Tropfen Silikonpaste und bleibt damit über die Saison gut beweglich.
  • Sind das Innenfutter und die Polster in Ordnung und sauber? Entweder herausnehmen und in lauwarmen Wasser mit Feinwaschmittel durchwaschen oder im Helm mit einem Polsterreiniger arbeiten.
  • Hat der Helm Sturzschäden oder Macken aus der letzten Saison davongetragen oder schon viele Jahre auf dem Buckel? Dann wird es vermutlich Zeit für einen neuen Schutzhelm. Ein richtig passender und den Sicherheitsvorschriften der aktuellen und in Europa einheitlichen Prüfnorm ECE-R 22.05 entsprechender Helm ist das A und O für gelungene Fahrten: Sie tun damit viel für Ihre persönliche Sicherheit, schützt er doch im Falle eines Unfalls Ihren Kopf vor lebensbedrohlichen Verletzungen. Das Prüflabel mit dem ECE-Aufnäher finden Sie am Kinnriemen oder am Innenfutter. Auf dem Label muss nicht ECE oder ECE-R 22 stehen, eine Kennzeichnung mit einem E im Kreis und der Prüfnummer verweist auf die Anwendung der Prüfnorm.

3. Der Fahrer-Check: Defensiv fahren – besonders auf den ersten Touren!

Kaum steigen die Temperaturen, steigt auch schnell die Zahl der Biker im Verkehr. Insbesondere auf den reizvollen und kurvenreichen Strecken in der Region, wie beispielsweise der B 276 zwischen Laubach und Schotten oder der B 255 am Aartalsee, muss man jetzt wieder verstärkt mit Motorrädern rechnen. Aber nicht nur die Motorradfahrer müssen sich erst wieder ans Fahren und an ihre Maschine gewöhnen, auch für Autofahrer ändert sich mit den Zweirädern die Verkehrslage. In den ersten Wochen der neuen Motorradsaison ist das Risiko, als Zweiradfahrer in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, besonders hoch.

Gerade zu Beginn der Motorradsaison unterschätzen Autofahrer oder Fahrer landwirtschaftlicher Fahrzeuge die Geschwindigkeit und vor allem das Beschleunigungsvermögen der Zweiräder. Besonders gefährlich wird es, wenn Auto- oder Motorradfahrer in den Kurven ihre Spur nicht halten können. Wenn jeder Verkehrsteilnehmer etwas mehr Rücksicht für den anderen aufbringt und sich aufmerksam und seinem fahrerischen Können angemessen im Straßenverkehr verhält, gewinnen alle. Egoismus im Straßenverkehr ist gefährlich und kann tödlich enden. Darum sollten alle Verkehrsteilnehmer zu jeder Zeit rücksichtsvoll und vorausschauend fahren.

Eine defensive Fahrweise ist für Bikerinnen und Biker auch deshalb empfehlenswert, da es in der Übergangszeit vor allem in Waldstücken und auf Brücken morgens noch feuchte und glatte Straßenabschnitte geben kann. Vielerorts sind die Straßenoberflächen durch die Winterzeit beschädigt, so dass sich zum Teil große und tiefe Schlaglöcher bilden. Diese können ebenso wie Rollsplittreste für Biker sehr gefährlich werden.

Nicht vergessen: Auch für Motorradfahrer gelten die gesetzlichen Vorgaben der Corona-Verordnung! Gerade im Hinblick auf Pausen an der Strecke und bei Benzingesprächen an beliebten Treffs sind die bekannten Regeln und Hygienemaßnahmen einzuhalten.

In diesem Jahr hat es bereits erste Verkehrsunfälle mit Motorradfahrern gegeben. Nicht angepasste Geschwindigkeit oder Selbstüberschätzung sind oft die vermeidbaren Gründe für viele tragische Unfälle. Die Verkehrsüberwacher der mittelhessischen Polizei werden daher nicht nur ausschließlich an den Biker-Hotspots, wie der B276 von Laubach nach Schotten (Kreis Gießen u. Vogelsbergkreis) oder der „Zollbuche“ an der Grenze des Lahn-Dill-Kreises zum Landkreis Marburg-Biedenkopf mit den Querstraßen rund um den Aartalsee unterwegs sein. Mit uniformierten wie zivilen Motorrädern werden die Ordnungshüter beispielsweise kontrollieren, wie der Saisonstart anläuft und ob sich die Verkehrsteilnehmer, egal ob mit zwei oder vier Rädern unterwegs, an die Regeln halten. Festgestellte Verstöße werden konsequent geahndet.

4. Motorrad-Training machen & sicher in die neue Saison starten!

Wie fährt man am besten eine Kurve an? Wie war das nochmal mit dem Lenkimpuls? Kann man seine persönliche Blick- oder Kurventechnik verbessern oder trainieren? Und wie schaut eigentlich die richtige Ergonomie auf meinem Motorrad aus? Das geht sicherlich vielen Bikern alljährlich zu Saisonbeginn durch den Kopf. Für Motorradfahrer, egal ob Hobby-Fahrer oder sportlich ambitioniert, ist jede neue Saison stets auch wieder ein kleiner Neubeginn. Motorradfahren ist von seinen Anforderungen wie eine Sportart zu bewerten und jeder Sport braucht Training und eine angemessene Aufwärmphase. Dass diese nach der Winterpause länger ausfallen sollte, ist selbstverständlich. Gerade zum Saisonstart müssen Sie sich gedanklich und auch körperlich darauf vorbereiten, um die Risiken im Straßenverkehr zu minimieren.

  • Stimmt meine angedachte Fahrlinie? Habe ich meine Geschwindigkeit vor der Kurve entsprechend angepasst? Stimmt meine Blickführung? Insbesondere beim Durchfahren von Kurven passieren die meisten Fahrfehler, die zu gefährlichen Situationen für einen selbst, aber auch für andere führen. Leider passieren hierbei die meisten Verkehrsunfälle. Gerade zum Start in die Saison sollten die Grundsätze nochmal verinnerlicht werden.
        
  • Nicht gleich mit einer großen und anspruchsvollen Runde starten, sondern eher häppchenweise mit einigen kürzeren Eingewöhnungstouren beginnen. Körper und Geist bekommen so eine Chance, sich schrittweise wieder an die Herausforderungen des Motorradfahrens zu gewöhnen.
       
  • Statistisch gesehen nehmen bundesweit nur etwa drei Prozent der Biker am Saisonbeginn so ein Training für sich und ihre Sicherheit in Anspruch. Die Teilnahme an einem speziellem Fahrsicherheits- bzw. Motorradtraining ist ein idealer Start in die Bikesaison und hilft nachweislich, das persönliche Unfallrisiko deutlich zu reduzieren. Gerade Anfänger, Wiedereinsteiger und PS-Aufsteiger sind zum Saisonbeginn, wenn mangelnde Erfahrung und wenig Fahrpraxis richtig zum Tragen kommen, besonders unfallgefährdet. Eine Verbesserung von Handling und Reaktion, Blickschulung und Kurventechnik hilft definitiv auch dem ambitionierten Fahrer, nach der Winterpause wieder gut und sicher auf die Straßen gehen zu können.

5. Hessenweit einmalig: Fahrsicherheitstraining mit der Polizei!

Programme zur Verbesserung oder Auffrischung der Fahrsicherheit von Bikern werden bundesweit von den unterschiedlichsten Anbietern, beispielsweise auf speziellen Trainingsanlagen oder Fahrsicherheitsplätzen, angeboten. Die Polizei Mittelhessen beabsichtigt am 08. Mai dieses Jahres, sofern es die Bedingungen rund um die Corona-Pandemie zulassen, in Kooperation mit einem großen Motorradausrüster und anderen Partnern proaktiv etwas für die Sicherheit der Bikerinnen und Biker am Beginn der Saison zu tun: In Rauschenberg wird es das bislang hessenweit einmalige und kostenlose Angebot eines Fahr- und Sicherheitstrainings speziell für Motorradfahrer geben. Bei der Aktion sind Fahrinstruktoren der Polizei sowie Fahrlehrer aus der Region mit dabei. Schwerpunkte des Trainings liegen auf Lenk- und Blicktechnik, Kurvenfahr- und Bremstechniken sowie der Stabilisierung bei Langsamfahrt in einem Langsamfahrparcours. Neben den fahrpraktischen Übungen gibt es Raum für persönliche Fragen und die Profis geben Tipps und Tricks für die tägliche Sicherheit im Straßenverkehr. Freie Plätze für dieses Training stehen nicht mehr zur Verfügung.

Mohr, PHK Direktion Verkehrssicherheit / Sonderdienste 

Archivfotos: Verkehrsdienste kontrollieren an den "Hotspots" der Bikerszene

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