Hessische Polizei - Polizeiautos
 
25.01.2019 | Die Sicherheitsinitiative KOMPASS im Polizeipräsidium Südosthessen

Rückblick auf ein Jahr KOMPASS

Logo Kompass

Start 2017

Mit einer Pressekonferenz im Hanauer Congress-Center startete am 06.12.2017 die Sicherheitsinitiative KOMPASS (KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel) des Hessischen Innenministeriums. Der Hessische Staatsminister Peter Beuth präsentierte das bundesweit einmalige Programm KOMPASS, s.  https://innen.hessen.de/sicherheit/kompass).

Als Modellkommunen wurden die Städte Hanau, Maintal (beide Main-Kinzig-Kreis), Bad Homburg v.d. Höhe (Hochtaunuskreis) und Schwalbach am Taunus (Main-Taunus-Kreis) ausgewählt.

Die Idee

Kriminalprävention versteht sich als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden ist eine gut vernetzte und strategische Vorgehensweise erforderlich. KOMPASS zielt auf eine nachhaltig ausgerichtete Verzahnung und noch engere Zusammenarbeit zwischen Polizei und Kommune, Bürgerinnen und Bürgern, ab. Voraussetzung dafür ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Gemeinsam mit der Polizei soll das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger gestärkt werden. Dazu werden die Sicherheitspartner und die gesellschaftlichen Akteure an einen Tisch geholt. Ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheitsinitiative KOMPASS sind die (nicht) repräsentative Bevölkerungsbefragung und die wissenschaftliche Begleitung durch die Justus-Liebig-Universität Gießen.

In der Anfangsphase wurde das Projekt KOMPASS in den vier Modellkommunen erprobt und nach erfolgreicher Bewertung durch die Justus-Liebig-Universität Gießen, den 423 hessischen Kommunen angeboten. Im Zuständigkeitsbereich des PP SOH erhielten ab Mai 2018 weitere 41 Kommunen die Möglichkeit, sich für das Programm zu bewerben.

Die Modellkommunen

Maintal ist die zweitgrößte Stadt im Main-Kinzig-Kreis mit rund 39.000 Einwohnern. Seit 2015 entwickelt die Stadt Maintal in guter Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Südosthessen ihre Präventionsaktivitäten stetig weiter. Durch die gemeinsame Zusammenarbeit im Präventionsrat und mit Ernennung eines Kommunalen Ansprechpartners, Frank Meisinger, wurden beste Voraussetzungen geschaffen, um in der Sicherheitsinitiative KOMPASS eng vernetzt zusammen zu arbeiten.

Die Ausgangslage in Maintal war im Jahr 2016 eine Zunahme von Straftaten im Bereich der Sachbeschädigungen, insbesondere „Vandalismus“ und „Graffiti“ im Ortsteil Wachenbuchen. Im Bereich des Schulzentrums, im Stadtteil Bischofsheim, wuchs das Unsicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger aufgrund der abgelegenen Lage und mangelnder Beleuchtung sowie vermeintlichen Drogenkonsums im öffentlichen Raum.

Hanau ist mit fast 100.000 Einwohnern die sechstgrößte Stadt in Hessen. Mit der Stabsstelle Prävention, Sicherheit und Sauberkeit und den beiden Ansprechpersonen, Andrea Pillmann und Andreas Schneider, sowie dem Präventionsrat bot die Stadt beste Voraussetzungen für die Teilnahme am Projekt KOMPASS.

Ausgangslage in Hanau war die Auseinandersetzung von jugendlichen/heranwachsenden Hanauer Migranten und Flüchtlingen im Jahr 2017 sowie die Aneinanderreihung mehrerer Gewalttaten im öffentlichen Raum. Dadurch wurde die positive Kriminalitätsentwicklung zu Jahresbeginn 2018 überschattet. Daraus resultierten Maßnahmen, die teilweise schon im Vorfeld angedacht und geprüft worden waren, wie z.B. die

  • Installierung der Videoschutzanlage am Freiheitsplatz und Marktplatz
  • Verlegung der ordnungspolizeilichen Stadtwache in das Rathaus am Marktplatz
  • Einführung einer „Schutzfrau vor Ort“ mit Polizeioberkommissarin Katja Uffelmann

Am 14. Juni 2018 wurde die Stadt Neu-Isenburg innerhalb des Polizeipräsidiums Südosthessen durch den Hessischen Staatsminister Peter Beuth als dritte teilnehmende Kommune in das Projekt KOMPASS aufgenommen.

Erste Schritte

Unter Einsatz des Präventionsmobils der Hessischen Polizei wurde am 02.02.2018 die Hanauer Bevölkerung zum Programm KOMPASS sowie rund um das Thema „Gewalt in all seinen Facetten“ informiert und beraten. Das KOMPASS-Beratungsteam und die PD Main-Kinzig nahmen gemeinsam mit der Stadt Hanau, der Stabsstelle Prävention, Sicherheit und Sauberkeit, Andrea Pillmann, dem Stadtrat Thomas Morlock, der Präventionsrats-vorsitzenden Anne-Dorothea Stübing und den Mitarbeitern der Justus-Liebig-Universität Gießen, an der Präventionsaktion teil.

Im Vorgriff auf eine umfassende Bevölkerungsbefragung wurden die Bürgerinnen und Bürger mittels eines speziell entwickelten Fragebogens zu ihrem Sicherheitsgefühl befragt.

 https://www.erlensee-aktuell.com/2018/02/04/praeventionsmobil-der-polizei-stoesst-auf-grosses-interesse-bei-der-hanauer-bevoelkerung/

An der anschließenden Online-Befragung in Hanau beteiligten sich rund 2.000 Bürgerinnen und Bürger. In Maintal beteiligten sich im März 2018 ca. 700 Einwohnerinnen und Einwohner an der Sicherheitsbefragung. Die wissenschaftliche Auswertung der Fragebogenaktion erfolgte durch die Justus-Liebig-Universität Gießen.

 

Im Laufe des Jahres 2018 folgten weitere Präventionsaktivitäten:

Mit dem Präventionsmobil der Hessischen Polizei wurde

Flankierend begleitet wurden die gemeinsamen Präventionsaktivitäten mit Fachvorträgen von den kriminalpolizeilichen Beratern, Peter Bender, aus dem Polizeiladen Offenbach und Stefan Adelmann aus der Beratungsstelle in Hanau.

Regionalkonferenzen

Nach Öffnung der Sicherheitsinitiative KOMPASS für die hessischen Kommunen im Mai 2018, folgten Anfang August Regionalkonferenzen im Kreis Offenbach und im Main-Kinzig-Kreis. Unter der Federführung des Polizeipräsidenten, Roland Ullmann, wurde den Kommunen im Polizeipräsidium Südosthessen die Sicherheitsinitiative KOMPASS vorgestellt und zu den Erfahrungen aus den Modellkommunen Hanau und Maintal berichtet.

Nach den Regionalkonferenzen entschlossen sich die Städte Rödermark und Dietzenbach der Initiative beizutreten. In der Folge teilten Mühlheim, Freigericht und Bad Soden-Salmünster, sowie Bad Orb und Erlensee ihr Interesse mit.

Der Stadt Mühlheim wurde, anlässlich des 25-jährigen Jubiläums ihres Präventionsrates am 02.11.2018, das KOMPASS Starter-Kit durch Polizeivizepräsidentin Anja Wetz überreicht.

Neu-Isenburg erhielt das Starter-Kit durch den Staatsminister Peter Beuth am 14.06.2018.

Sicherheitskonferenzen

In den Modellkommunen Hanau und Maintal folgten Anfang August die Sicherheitskonferenzen. Gemeinsam mit den/dem

  • kommunalen Ansprechpersonen
  • Präventionsräten und
  • weiteren Verantwortlichen/Akteuren aus den Kommunen (Ortsbeiräte, Schulen, Schülervertretungen, Fachdienst Stadtentwicklung, Sicherheitsberater für Senioren etc.)
  • Polizeidirektionen und den Dienststellenleitungen und
  • KOMPASS-Beratungsteam von E 4

wurde auf Grundlage der nicht repräsentativen Bevölkerungsbefragung eine Priorisierung von Problemfeldern und Örtlichkeiten erarbeitet. Zwecks Dokumentation der Herausforderungen vor Ort folgten Ortsbegehungen durch die Justus-Liebig-Universität Gießen unter Beteiligung von Kommune und Polizei.

Präventionsmaßnahmen

In Maintal wurde nach den Sicherheitskonferenzen in einer Arbeitsgruppe das priorisierte Problemfeld „Angstraum rund um das Schulzentrum in Bischofsheim“ betrachtet und ein Maßnahmenkatalog erarbeitet:

  • Umsetzung Lichtkonzept rund um das Schulzentrum Bischofsheim, Schaffung von Sichtachsen auf dem sogenannten „Flugzeugspielplatz“ und an den Bahnhöfen
  • Einführung einer Arbeitsgruppe von Fachleuten bestehend aus Schulleiter*innen und Verantwortlichen der Jugendpflege in organisatorischer Verantwortung des Präventionsbeauftragten der Stadt Maintal. Diese Arbeitsgruppe soll mindestens einmal im Jahr tagen und wird als neuer fester Bestandteil der Präventionsarbeit in Maintal aufgebaut.
  • Einführung eines Kontaktbeamten innerhalb der Ordnungspolizei als Ansprechperson für Schulen und Kinder- u. Jugendeinrichtungen in enger Zusammenarbeit mit der Polizei.

In Hanau konnten die bereits vorhandenen Strukturen des Präventionsrates genutzt werden. Die Problemfelder wurden in den Facharbeitskreisen priorisiert und Kriminalitätsschwer-punkte herausgestellt. Die Ergebnisse wurden durch die Leitungen der Facharbeitskreise zusammengetragen und mit der wissenschaftlichen Auswertung der Justus-Liebig-Universität Gießen zu der Bevölkerungsbefragung abgeglichen. In einer neuen Arbeitsgruppe sollen mit den jeweils betreffenden gesellschaftlichen Akteuren weitere passgenaue Maßnahmen entwickelt werden.

Siegelverleihung

Als Anerkennung für die intensiven Präventionsbemühungen und bei erfolgreicher Umsetzung von drei neuen Präventionsmaßnahmen oder Projekten wird den Kommunen

das KOMPASS-Sicherheitssiegel verliehen. Angesichts der anzustrebenden Nachhaltigkeit bleibt die Sicherheitspartnerschaft KOMPASS darüber hinaus auch für die nächsten Jahre bestehen.

Ansprechpersonen im Polizeipräsidium Südosthessen sind

Jürgen Schmatz, Leiter des Stabsbereichs E 4/Prävention,

Stephanie Padberg und Reinhard Zellmann, E 4/KOMPASS-Beratungsteam,

Tel.: 069/8098-1220, E-Mail:  kompass.ppsoh@polizei.hessen.de.