Hessische Polizei - Polizeiautos
 
12.10.2018 | Hessisches Landeskriminalamt

Ein Trickdieb mit staatlichem Auftrag

Ein Langfinger bei der Arbeit © Henning Schacht, Hessische Landesvertretung

Berlin, Tag der Deutschen Einheit: Auf der Partymeile feiern Tausende Menschen. Ein Eldorado für Taschendiebe. Das Hessische Landeskriminalamt hat den Anlass genutzt, um vor Ort über das Vorgehen der Langfinger zu informieren. „Wir wollen Polizei zum Anfassen sein und dort, wo es brennt, Tipps geben“, erläuterte Niklas Siegenthaler, Landesopferschutzbeauftragter der Polizei.

Handy weg, Geld weg, Krawatte weg

Auf dem Gelände der hessischen Landesvertretung, die zu ihrem Tag der offenen Tür eingeladen hatte, stand das Präventionsmobil der hessischen Polizei. Während das Team um Niklas Siegenthaler und Claus Opfermann, Leiter des Sachgebietes für verhaltensorientierte Kriminal- und Verkehrsprävention beim Hessischen Landeskriminalamt, Interessierte im Inneren des Infomobils mit Filmen, Flyern und im persönlichen Gespräch aufklärten, ging draußen Giovanni Alecci auf Beutezug. Alecci ist Show-Trickdieb und war in Berlin im staatlichen Auftrag unterwegs: Die Polizei hatte ihn engagiert. Gekonnt und humorvoll zeigte Alecci, wie schnell man Opfer von Taschendieben wird, ohne es zu merken. Stundenlang stahl er alles, was nicht niet- und nagelfest war. Er verwickelte Passanten ins Gespräch, zog ihnen derweil in aller Ruhe die Armbanduhren aus, klaute Handys, entwendete Gelbeutel. Krawattenträger waren innerhalb weniger Sekunden den Schlips los.

Alecci verblüffte mit seinem Geschick: Selbst wenn sich Bestohlene sicher waren, ihre Wertgegenstände zurückbekommen zu haben, mussten sie nur Augenblicke später feststellen, dass sie erneut Opfer des Rheinländers geworden waren. Alecci, der auch Zauberkünstler ist, zeigte zudem einige Tricks und begeisterte mit seiner mentalen Stärke, verbog Gabeln - scheinbar mit purer Willenskraft.

Tipps, um sich vor Taschendieben zu schützen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hessischen Landeskriminalamts klärten auf, gaben Tipps. Claus Opfermann: „Man sollte keine großen Mengen Geld bei sich haben und Wertgegenstände immer eng am Körper tragen, am besten in verschlossenen Innentaschen.“ Geld und EC-Karten sind im Brustbeutel besser aufgehoben als in der Geldbörse in der Hosentasche oder im Rucksack. Eine weitere Empfehlung, um das Risiko zu minimieren, Opfer von Trick- und Taschendieben zu werden: Hand- und Umhängetaschen sollten immer auf der Vorderseite des Körpers getragen werden. „Es gibt ein hessisches Wort, das gut zusammenfasst, wie man sich schützen kann: ‚‚uffbasse“, sagte Claus Opfermann lachend.

Taschendiebe - dabei handelt es sich nicht selten auch um Kinder, Jugendliche und Heranwachsende - vermeiden meist direkten Blickkontakt, suchen stattdessen nach Wertgegenständen. Die Langfinger arbeiten oft in Teams, gehen arbeitsteilig vor. Hessenweit wurden im vergangenen Jahr 5.745 Fälle von Taschendiebstahl angezeigt, die Aufklärungsquote lag bei 10,3 Prozent und damit weit über dem Bundesschnitt, wo die Quote 6,4 Prozent betrug.

Weitere Bilder: