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26.10.2020 | Polizeipräsidium Frankfurt am Main

Verabschiedung von Kriminaloberkommissarin Neundter

nach Dhaka, Bangladesch

Verabschiedung von Kriminaloberkommissarin Verena Neundter nach Dhaka, Bangladesch

Verena Neundter wird ab dem 2. November 2020 auf eine zweijährige humanitäre Auslandsmission des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) nach Dhaka, Bangladesch, gehen.

Polizeipräsident Gerhard Bereswill verabschiedete sie am 26.10.2020 im Rahmen einer Pressekonferenz in den dafür genehmigten Sonderurlaub.

„Ich habe mich entschieden, diesen Sonderurlaub zu genehmigen, weil ich hierin die Möglichkeit sehe, dass das Polizeipräsidium Frankfurt am Main einen wichtigen internationalen Beitrag für die Einhaltung von Menschenrechten einerseits und andererseits einen wichtigen Beitrag für Humanität und zur Unterstützung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz leisten kann.“

Verena Neundter kam Anfang des Jahres von einer 15 Monate langen humanitären Mission der UN aus Mali zurück. Dort schaffte sie es durch ihr persönliches Engagement, dass in dem Dorf Takoti eine Schule gebaut wurde. Ihren persönlichen Bericht dazu könnt ihr weiter unten lesen.

Auf ihrer aktuellen Mission wird sie ihr Weg nicht nur nach Bangladesch, sondern auch nach Sri Lanka und China führen. Sie wird als Delegierte des IKRK für die Polizei und Gendarmerie eingesetzt. Ihre Aufgabe wird das Aufbauen und Pflegen von Netzwerken mit den lokalen Polizeibehörden, Workshops für Polizei und Spezialeinheiten im Hinblick auf die Einhaltung der Menschenrechte und des Internationalen Völkerrechts umfassen.

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Nach einem hesseninternen Auswahlverfahren habe ich mich Anfang 2018 auf eine Stelle als UN-Polizistin für die „peacekeeping mission“ (Minusma) in Mali, Afrika beworben. Dafür musste ich ein französisches Auswahlinterview vor einer Prüfungskommission der UN aus New York und Mali durchlaufen.

Als ich dann all das hinter mich gebracht hatte, reiste ich im Oktober 2018 schließlich zu meiner Mission in Mali aus. Ich habe dort nach einem Einführungstraining schließlich meine Dienststelle und Funktion mitgeteilt bekommen. Es verschlug mich in die Zentralregion Mopti, in welcher die Sicherheitslage im landesweiten Vergleich extrem kritisch ist.

In Mopti arbeitete ich in einem Team von ca. 40 internationalen Polizisten (Burkina Faso, Niger, Senegal, Elfenbeinküste, Tschad, Schweiz, Frankreich, Finnland, Kanada, Türkei, Tunesien, etc.)

Meine Funktion vor Ort war Mentor/Advisor (also ein Berater) für die lokalen Sicherheitskräfte. Meine Aufgabe war der Schutz der Zivilbevölkerung (gemäß UN-Mandat). Das heißt, ich habe in alltäglichen Patrouillen mit einem meiner Kollegen und zusammen mit der lokalen Polizei und Gendarmerie kleine Dörfer, Städte und Märkte besucht, um mich mit den Dorfbewohnern über die Sicherheitslage auszutauschen und Probleme zu evaluieren. Durch unsere Präsenz auf den Wochenmärkten haben wir versucht, das Risiko terroristischer Anschläge zu minimieren.

Bei all unseren Tätigkeiten während der Patrouille und auch bei separat durchgeführten Trainings haben wir die örtliche Polizei bei ihrer Arbeit beraten und beschult. So haben wir dazu beitragen können, dass die Gesetzeshüter des Landes ihre Hauptaufgabe des „law enforcement“ (Gesetzesvollzug) möglichst regelkonform durchführen.

Begleitet und zusätzlich beschützt wurden wir während unseren Patrouillen von unseren togolesischen und auch ägyptischen „FPUs“ (Formed Police Units), die mit uns im Konvoi fuhren.

Als weitere Aufgabe wurde mir das „operation planing“ übertragen. Hierbei habe ich für die gesamte UNPOL Abteilung der Region Mopti die Einsatzplanung durchgeführt. Dies beinhaltete die Planung und Koordinierung von Patrouillen, Escort von politischen und UN-eigenen Repräsentanten, Escort von zivilen Abteilungen in Einsatzgebiete sowie „emergency missions“ in Dörfer, wo zuvor Anschläge begangen wurden. Hier war es von enormer Wichtigkeit, die Verletzten zu evakuieren und Beweise zu sichern. Da die Region Mopti sich zu der gefährlichsten des Landes entwickelte, wurde hier während meiner Zeit ein militärischer Sektor eingerichtet. Dadurch hatte ich noch die zusätzliche Aufgabe, gemeinsame Militär- und Polizeioperationen zu planen. Durch diese „joint missions“ wurde durch die UN eine stärkere Präsenz in der Region gezeigt und mehr Handlungsspielraum erzeugt.

Alles in allem waren meine 15 Monate in Mali eine extrem prägende Zeit, die mich schonungslos auf den Boden der globalen Tatsachen gebracht hat und mir ein sehr gutes Verständnis für die Probleme und Zusammenhänge in der Sahelzone und auch unserer Welt gegeben hat.

Da ich während meiner Tätigkeiten mal wieder feststellen musste, wie wichtig und unverzichtbar humanitäre Unterstützung ist, habe ich in meiner Freizeit diverse humanitäre Projekte identifiziert und umgesetzt (Lieferung von Solarzellen für abgelegene Dörfer, die Finanzierung von medizinischer Behandlung von kranken Menschen, Lieferung von Kleidern).

Mein größtes und aufwendigstes Projekt war der Bau einer Grundschule. Das Dorf, in dem ich sie habe bauen lassen, wartete seit 1962 auf Gelder, um den Schulbau umzusetzen. Unterstützung vom Staat gab es bisher keine. Umso mehr hat man sich gefreut, dass eine aus Deutschland finanzierte Schule in der Planung stand. Es gab nach Fertigstellung eine große Eröffnungsfeier mit dem Dorf und den Nachbardörfern.

Es ist in meinen Augen unsere Pflicht, in unterentwickelten Ländern humanitär zu unterstützen. Denn diese Menschen hatten nicht wie wir das Glück (und genau nur DAS ist es), in einem sicheren sorgenfreien Europa geboren zu werden. Hierbei geht es nicht darum, Abhängigkeiten zu schaffen, sondern ganz einfach Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Durch Bildung beispielsweise können diese Länder das Laufen lernen und eigene Perspektiven schaffen.

UN Mission in Mali
UN Mission in Mali
UN Mission in Mali