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07.08.2014 | Polizei Hessen

Gleichgeschlechtliche Lebensweisen

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 Ansprechpartner für Gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Behörden und Einrichtungen der Polizei Hessen

Rückblick
Vor einigen Jahren überfielen rechtsradikale Jugendliche mit Zaunlatten und Pistolen bewaffnet ein Gartenfest auf dem Gelände des Gründerzeitmuseums in Berlin, an dem rund 500 Schwule und Lesben teilnahmen. Ein schwuler Gast versucht, mit den Angreifern zu verhandeln und die Situation zu schlichten. Ohne jeden Erfolg, er wird niedergeschlagen. Bei dem Übergriff entsteht ein erheblicher Sachschaden am Museum, zwei Lesben müssen aufgrund ihrer Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Polizei wird alarmiert. Sie nimmt jedoch in der Nacht keinen Täter fest. Von diesem Überfall wird in vielen bundesrepublikanischen Medien berichtet.

Wie hoch ist das Ausmaß antihomosexueller Gewalt?
Gewalt gegen Schwule und Lesben ist kein neues Problem. Neu ist, dass in unserer Gesellschaft die Gewalt gegen Minderheiten immer mehr offen gelegt wird. Homosexuelle Männer wurden schon immer Opfer an ihren Treffpunkten, z. B. in bestimmten Parkanlagen, öffentlichen Toiletten und in der Nähe von Lokalen für Homosexuelle.

Das Notruftelefon für schwule Gewaltopfer in Frankfurt registrierte sehr viele schwule Opfer im Zeitraum von einem Jahr. Dies ist nur die Spitze des Eisberges, da die Dunkelziffer, d. h. die Anzahl nicht gemeldeter Fälle von Gewalt gegen Schwule und Lesben, extrem hoch ist. Die Tendenz antihomosexueller Gewalttaten ist steigend. Nicht nur Schwule und Lesben erfahren Gewalt, die Gewalt richtet sich auch vermehrt gegen homosexuelle Einrichtungen und Institutionen. Nach einer erst kürzlich erschienenen Untersuchung kann man davon ausgehen, dass jeder dritte Schwule mindestens einmal antihomosexuelle Gewalt innerhalb von 10 Jahren erfährt.

Warum schweigen die Opfer?
Nur wenige Betroffene wagen den Weg zur Polizei oder gar in die Öffentlichkeit, weil Schwule und Lesben noch immer aus Angst vor Repressalien ihre Homosexualität verbergen möchten.

Welche Formen der Gewalt gegen Schwule/ Lesben gibt es?
Antihomosexuelle Gewalt stellt sich vielfältig dar. Delikte der physischen Gewalt wie Körperverletzungen, Raub, sexuelle Nötigungen und Tötungen, aber auch die psychische Gewalt wie Psychoterror, sexistische Beschimpfungen, Beleidigungen und Formen von Vandalismus gehören zu den antihomosexuellen Gewalttaten. Das Opfer erfährt die Gewalt als Angriff auf seine Identität als Schwuler oder Lesbe. Die Folgen daraus können heftige Störungen in der weiteren Persönlichkeitsentwicklung der Opfer sein.

Wer sind die Täter?
Gewalt gegen Schwule und Lesben geht nicht allein von -rechtsradikalen- Jugendlichen aus. Schwulenticker sind meist Männer in einem Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Die Täter antihomosexueller Gewalt kommen meist aus dem näheren Umfeld der Opfer. Die Ursache der Gewalt an Schwulen ist, dass die männlichen Jugendlichen Probleme mit ihrer Rolle als Mann haben. Sie können homosexuelle Anteile bei einem Menschen und bei sich selbst nicht akzeptieren. Der latente Selbsthass der Jugendlichen äußert sich darin, dass sie meist spontan in Kleingruppen Schwule aufsuchen und zusammenschlagen. Die vom Täter ausgehende Gewalt richtet sich damit gegen die Homosexualität und nicht gegen den Schwulen/die Lesbe. Verschärfte Normen als gesellschaftliches Bedürfnis in wirtschaftlichen Rezessionen schüren dann noch bei rechtsradikalen Jugendlichen eine besonders harte Unterdrückung aller homosexuellen bzw. unmännlichen Regungen. Im Verfassungsschutzbericht 1991 werden unter den Zielgruppen der Gewaltaktivitäten der Skinheads auch Homosexuelle erwähnt. Skinheads betätigen sich in regionalen, lokalen und stadtteilbezogenen, meist äußerst strukturarmen Personenzusammenschlüssen. Die Gruppierungen bestehen überwiegend aus Jugendlichen, die mit ihrem sozialen Umfeld in Konflikt stehen, die Gewaltanwendung als Konfliktlöser ansehen und das durch die Gruppeneinbindung entstehende Wir-Bewusstsein als ein Mittel zur Stärkung des Selbstwertgefühls empfinden. Orientierungs- und Perspektivlosigkeit reduzieren die Möglichkeit einer positiven Selbstdefinition auf die Klischees eines konservativen Männlichkeitsbildes. Angriffe auf Schwule und Lesben erscheinen dann als ein pervertierter Versuch männlicher Jugendlicher, die scheinbar letzte Bastion ihres Selbstwertgefühls zu retten ...!

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