Hessische Polizei - Polizeiautos
 
12.02.2014 | Hessisches Landeskriminalamt

Abteilung 4 - Schwere und organisierte Kriminalität - im Hessischen Landeskriminalamt

Collage Abteilung 4, Schwere und Organisierte Kriminalität, des Hessischen Landeskriminalamtes

Die Abteilung 4 ist zuständig für Kriminalitätsbereiche, die nahezu das ganze Spektrum des Strafgesetzbuches (StGB) sowie wesentlicher Nebenstrafgesetze (z.B. Waffengesetz, Betäubungsmittelgesetz oder Wertpapierhandelgesetz) widerspiegeln. Die organisatorische Untergliederung in insgesamt neun Hauptsachgebiete (HSG) ist in zwei unterschiedliche Tätigkeitsfelder gruppiert:

Auswertung/Analyse:

2 rote Pfeile Auswertung
2 rote Pfeile Analyse
2 rote Pfeile Wirtschaftskriminalistische Ermittlungsunterstützung
2 rote Pfeile DNA-Analyse-Datei

Ermittlungen:

2 rote Pfeile Kapital- und Eigentumsdelikte
2 rote Pfeile Organisierte Kriminalität
2 rote Pfeile Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift
2 rote Pfeile Wirtschaftskriminalität
2 rote Pfeile Gemeinsame Finanzermittlungen/Geldwäsche


Auswertung

Sechs Auswertesachgebiete (SG) sammeln und verarbeiten die für ihren Bereich wesentlichen Informationen aus polizeilichen und öffentlichen Quellen. Zu allen Deliktsfeldern, in denen die Abt. 4 auch Ermittlungsmaßnahmen führt, gibt es eine entsprechende Auswerteeinheit (Gewalt- Eigentums- Sexualdelikte / Organisierte Kriminalität / Rauschgiftkriminalität / Wirtschafts- und Umweltkriminalität / Waffen- Falschgeld- Sprengstoffkriminalität).

Unter Anderem wird hier ein Kriminalitätslagebild (KLB) für Hessen erstellt, auf dessen Basis weitere Initiativen (z.B. Bekämpfungskonzepte und –strategien zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls oder der Kfz.-Kriminalität) erfolgen. Teilweise werden hierbei Daten automatisiert erhoben und geordnet und sodann um persönliches Fach- und Erfahrungswissen ergänzt.

Der Bereich Auswertung ist ein Bindeglied des HLKA zu den hessischen Polizeipräsidien  sowie Kontaktstelle des Nachrichtenaustauschs mit den Landeskriminalämtern der anderen Bundesländer und dem Bundeskriminalamt.

Analyse

Die Organisationseinheit „Analyse“ umfasst die Sachgebiete: „Verfahrensbegleitende Analyse“, „Operative Fallanalyse (OFA)“ und die „Zentralstelle zur Überwachung rückfallgefährdeter Sexualstraftäter (ZÜRS)“.

Die verfahrensbegleitende Analyse unterstützt in konkreten Ermittlungsverfahren, die ein hohes Maß an Komplexität aufweisen oder bei denen allgemein große Informationsmengen zu verarbeiten sind. Die Geoanalyse, die Telekommunikationsforensik oder die Beziehungsanalyse und -visualisierung sind dabei Methoden, die unter Einsatz moderner Computertechnik von den speziell geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Anwendung kommen.

Operative Fallanalyse (OFA) / Erstellung eines Täterprofils
Seit nun zwölf Jahren besteht die Operative Fallanalyse in Hessen. Bei der Operativen Fallanalyse handelt es sich um ein komplexes kriminalistisches Verfahren zur Ermittlungsunterstützung, das in erster Linie bei Tötungsdelikten, aber auch bei Sexualstraftaten, Brandstiftungen oder anderen Gewaltverbrechen von besonderer Bedeutung Anwendung findet. Ziel ist es, den Fall ungestört und unbeeinflusst systematisch zu betrachten. Auf der Grundlage objektiver Daten wie Spuren, Opfermerkmalen, Verletzungsmustern, Tatort-, Zeit- und Situationsmerkmalen wird zunächst der Versuch unternommen, den wahrscheinlichen Tathergang, möglichst widerspruchsfrei und chronologisch zu rekonstruieren. Alle Phasen des Tatverlaufs werden auf die Handlungsmöglichkeiten des Täters hin untersucht und Hypothesen aufgestellt, warum der Täter sich zu bestimmten Verhaltenweisen entschieden hat. Aufbauend auf der detaillierten Tatrekonstruktion, der Analyse von Verhalten und Motivlage des Täters lassen sich dann gegebenenfalls Einschätzungen zu charakteristischen Merkmalen (Täterprofil) ableiten. Das Täterprofil kann nicht beweiskräftig zur unmittelbaren Identifizierung des Täters führen, es sind jedoch Einschätzungen aus den Bereichen seiner Physis, Lebensumstände, Biographie, Persönlichkeit oder Gewohnheiten möglich. Aufbauend auf diesen vermuteten Tätermerkmalen sind weitere ermittlungsdienliche Servicemaßnahmen möglich.

ViCLAS - Violent Crime Linkage Analysis System
Die ViCLAS-Datenbank ist eine in Kanada entwickelte Verhaltens-Datenbank zur Zusammenführung von Serienstraftaten im Bereich sexualisierte Gewalt- und Tötungsdelikte. Sie besteht in Deutschland seit 1998. Sie wird von den OFA-Dienststellen der Bundesländer geführt und im Bundeskriminalamt zentral als Verbunddatei online betrieben.
Das Datenbanksystem dient dazu, Straftaten von Wiederholungstätern im Bereich der schweren Gewaltkriminalität unter fallanalytischen Gesichtspunkten effizienter recherchieren zu können, sie zu erkennen und ihre Einzeltaten schnellstmöglich zusammenzuführen. Dabei wird der kriminalistische Einzelfall bezüglich Übereinstimmungen zu anderen Fällen eingehend überprüft, um damit zur Feststellung von Tatzusammenhängen oder zur Täteridentifizierung beizutragen.

Das Sachgebiet ZÜRS analysiert im Rahmen einer ressortübergreifenden Konzeption Daten, Unterlagen und Informationen im Kontext zu rückfallgefährdeten Sexualstraftätern. Nach der durch die Justiz erfolgten Einstufung werden diese mit Prognosen und Erkenntnissen verschiedener Experten (Fachärzte, Therapeuten) und externer Stellen (z.B. Bewährungshilfe, Justiz – und Maßregelvollzug) verknüpft und aufbereitet, um aus der Haft entlassene Straftäter durch im Einzelfall abgestimmte Maßnahmenkonzepte kontrollierend zu begleiten und möglichen Wiederholungstaten vorzubeugen.

Wirtschaftskriminalistische Ermittlungsunterstützung

Zur Aufklärung, Auswertung und Dokumentation wirtschaftlicher Zusammenhänge im Bereich der Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität, aber auch anderer Deliktsfelder, werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des HSG 43 tätig. Sie sind keine Polizeivollzugsbeamte, sondern Wirtschaftswissenschaftler oder IHK-Bilanzbuchhalter und bringen vielseitige Erfahrungen aus der Wirtschaft mit. Als Servicedienststelle für alle Polizeidienststellen in Hessen leisten sie fachliche Unterstützung bei den Ermittlungen (z.B. bei Durchsuchungen, Sicherstellungen und Vernehmungen) und untersuchen wirtschaftliche Zusammenhänge in einem Firmengeflecht, bestimmen den Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit u./o. Überschuldung eines Unternehmens und analysieren Bilanzen oder inkriminierte Geldströme. Die Dokumentation der Prüfungsergebnisse erfolgt in Form von Prüfberichten und Vermerken.

DNA-Analysedatei

Die DNA-Analyse-Verfahren erlauben die forensisch verwertbare Untersuchung von minimalem Spurenmaterial bei gleichzeitig maximal erreichbarer Aussagekraft über den Verursacher. Im Rahmen der DNA-analytischen Untersuchungen werden diejenigen Merkmale bestimmt, die später mit dem DNA-Muster einzelner Personen verglichen, die verbindliche Aussage über die Spurenlegung oder den Ausschluss des Probanden zulassen.
In der hier seit 1998 bestehenden DNA-Analyse-Datei (DAD) erfolgt die Erfassung und die Recherche von Identifizierungsmustern. Damit können gesicherte Tatortspuren mit DNA-Proben von Personen und anderen, bereits einliegenden Spuren/Mustern abgeglichen werden. Die Anwendung offenbart Beweiserkenntnisse und Ermittlungsansätze auf  bundesweiter, in Teilbereichen sogar internationaler Ebene.

Kapital- und Eigentumsdelikte

Die Zuständigkeitdes Bereichs Eigentums- und Kapitaldelikte erstreckt sich über Einbruchsdiebstähle und Hehlerei, Raubüberfälle auf Banken und Geldtransporte, Entführungen/Erpressungen und Geiselnahmen, Sexualdelikte wie Vergewaltigung und Missbrauch bis hin zu Mord- und Totschlagsfällen herausragender Bedeutung. Darüber hinaus werden hier die Ermittlungen bei Schusswaffengebrauch oder sonstige Amtshandlungen durch Polizeibeamte geführt, wenn diese einen tödlichen Verlauf nahmen.

Organisierte Kriminalität

Sofern Straftaten unter bestimmten Kriterien als „Organisierte Kriminalität“  (Arbeitsdefinition: „OK“) einzustufen sind, obliegt deren Bearbeitung diesem Bereich. Hierbei kann es sich z.B. um Waffen- und Sprengstoffdelikte, illegalen Betäubungsmittelhandel oder durch Banden begangene Schwerkriminalität handeln.

Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift

Die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) Hessen setzt sich aus Ermittlungsbeamtinnen und -beamten der Polizei Hessen und des Zollfahndungsamtes Frankfurt/M. zusammen. Sie wird durch beide Behörden paritätisch besetzt und hat ihren Dienstsitz im LKA Wiesbaden.

Die GER Hessen ist örtlich grundsätzlich für das gesamte Land Hessen zuständig und führt Ermittlungen im Bereich der schweren und organisierten Rauschgiftkriminalität, wenn die Zuständigkeiten der Polizei und des Zolls berührt sind und Tat und / oder Täter einen bedeutsamen Bezug zum Land Hessen aufweisen.

Wirtschaftskriminalität

Das weite Gebiet der Ermittlungen unter der Bezeichnung Wirtschaftskriminalität gliedert sich in vier Teilbereiche:

  1. Allgemeine Wirtschaftsdelikte wie z.B. Kapitalanlagebetrug, Untreue oder Insolvenzstraftaten.
  2. Umwelt- und Nukleardelikte, die häufig in Verbindung mit tatsächlicher oder vorgetäuschter wirtschaftlicher Tätigkeit begangen werden.
  3. Korruptionsdelikte, bei denen sich die Verfahren gegen die  sogenannten „Nehmer“ sowohl gegen Amtsträger (Beamte, öffentlicher Dienst) als auch gegen Personen der Privatwirtschaft richten können.
  4. Der spezielle Sektor der „Kapitalmarktkriminalität“, bei welchem es um Verstöße und Straftaten in Verbindung mit Wertpapieren rund um den Finanzplatz Frankfurt am Main und dort börsennotierte Unternehmen geht.

Gemeinsame Finanzermittlungen/Geldwäsche

Hier werden Ermittlungen im Zusammenhang mit der Bewegung von Finanzmitteln/ Vermögenswerten und verdächtiger Transaktionen geführt. Ähnlich wie im Bereich Wirtschaftskriminalität gibt es hier Sachgebiete mit besonderem Spezialisierungsgrad.

In einem Sachgebiet, zusammengesetzt aus Spezialisten von Polizei, Zoll, Steuerfahndung und Bundespolizei, werden zielgerichtet Finanzermittlungen zum Erkennen, Ermitteln und Bekämpfen der Geldwäschestrukturen geführt. Durch diese professionelle Ermittlungsarbeit wird in enger Abstimmung mit den zuständigen Staatsanwaltschaften das Phänomen Geldwäsche intensiv bekämpft.

Das Sachgebiet Vermögensabschöpfung führt im Rahmen von Ermittlungsverfahren Maßnahmen durch, die Täter finanziell wieder so stellen, wie sie vor der Tat standen. Die entzogenen Gelder werden für Geschädigte gesichert oder kommen dem Staat zu Gute - gemäß dem Leitsatz: „Verbrechen darf sich nicht lohnen!“.

In einem Clearingbereich werden von Banken- und Kreditinstituten dem HLKA übermittelte Geldwäscheverdachtsmeldungen gesammelt, erfasst, bewertet und an die zuständigen Strafverfolgungsorgane zur Weiterbearbeitung gesteuert.