Lufbildaufnahme des hessischen Bereitschaftspolizeipräsidiums
 
16.01.2017 | Hessisches Bereitschaftpolizeipräsidium

Die Polizeifliegerstaffel Hessen

Die Polizeifliegerstaffel im Einsatz

Bitte informieren sie sich hier:

2 rote Pfeile Flotte und Zusatzausrüstung

2 rote Pfeile Wie werde ich Pilot?

2 rote Pfeile Historie

2 rote Pfeile Impressionen

 


Schnelligkeit, Beweglichkeit, Verkehrsunabhängigkeit sowie optimale Transportmöglichkeiten am Tag und in der Nacht sind die Kennzeichen eines Polizeihubschraubers.


Die fliegenden Polizisten des Landes Hessen unterstützen die Polizeidienststellen in vielfältiger Art und Weise.
Grundlage für ihren Einsatz sind in Hessen die "Richtlinien für den Einsatz von Hubschraubern der hessischen Polizei" oder einfacher ausgedrückt:

" Die Polizeifliegerstaffel unterstützt die Vollzugspolizei bei der Durchführung ihrer Aufgaben".

Seit Einführung der Eurocopter 145 werden den Besatzungen beste Bedingungen für operative Einsatzflüge bei Tag und Nacht geboten. Diese nutzen sie, um unter Verwendung modernster Technik, den Dienststellen am Boden ein Höchstmass an Unterstützung zukommen zu lassen.

Einsatzschwerpunkte für die Polizeihubschrauberstaffel liegen vor allem in folgenden Bereichen:

  •  Such- und Fahndungsmaßnahmen
  •  Luftbildaufnahmen und Dokumentationen
  •  TV-Übertragungen/-aufzeichnungen zur Bewältigung und Dokumentation polizeilicher Maßnahmen
  •  Schutzmaßnahmen
  •  Umweltschutzmaßnahmen
  •  Transporte
  •  Rettungs- und Bergeeinsätze
  •  Werkstatt-/Trainings- und Checkflüge
  •  Verkehrsflüge (in besonderen Einsatzlagen)

Die Einsatzmöglichkeiten des polizeilichen Aufklärungsflugzeugs

Die P68 Observer 2

Mit dem Aufklärungsflugzeug VulcanAir P 68 Observer 2 verfügt die hessische Polizei über ein Einsatzmittel, das mittels Wärmebildkamera, digitaler Bildübertragung  und besonders langer Flugdauer eine optimale Ergänzung zu den Hubschraubern darstellt.

Einsatzschwerpunkte für das Flugzeug liegen vor allem in folgenden Bereichen:

  • Gewässerüberwachungs- und Umweltschutzflüge
  • Aufklärung und Bildübertragung bei Schadens- und Katastrophenlagen
  • Bildübertragung bei Großveranstaltungen
  • Flächendeckende Verkehrsaufklärung der Bundesautobahnen
  • Luftgestütztes TV-Relais
  • Lufttransport von Material und Personal über weite Strecken
  • Luftraumschutz

Sollten Sie darüber hinaus Fragen haben,  wenden Sie sich bitte an das

Hessische Bereitschaftspolizeipräsidium
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Wiesbadener Straße 99
55252 Mainz - Kastel

Tel.: 06134 - 602 6528
E-Mail: pressestelle.hbpp@polizei.hessen.de

Weitere Bilder:


Wie werde ich Pilot bei der Polizeifliegerstaffel Hessen?

Folgende Voraussetzungen muss man mitbringen:

- abgeschlossene Polizeiausbildung in Hessen,
- Fliegertauglichkeit Klasse 1, 
- keine Brille oder Sehhilfe,
- keine Negativeinträge im BZR und KBA-Register,
- gute körperliche Fitness.

Umfangreiche Kenntnisse in den Bereichen:

- Physik,
- Mathematik,
- Chemie,
- Technik,
- Englisch und
- Geographie.

Weiterhin sollte vorhanden sein:

- gutes Allgemeinwissen,
- gutes räumliches Vorstellungsvermögen,
- hohe physische und psychische Belastbarkeit,
- Teamfähigkeit,
- Altersbegrenzung gemäß Ausschreibung (circa 28-32 Jahre),
- die Motivation eine 18-monatige fordernde Ausbildung erfolgreich abschließen zu wollen und sich im Anschluss daran im 24-Stunden-Wechselschichtdienst zu bewähren.

Hat man alle Voraussetzungen erfüllt, muss man sich dem mehrstufigen Auswahlverfahren stellen. Dies sieht zunächst eine Vorauswahl der Bewerbungen durch die Polizeifliegerstaffel vor. Hat man diese Hürde genommen, folgt eine Theorieprüfung an der hessischen Polizeiakademie in Wiesbaden. Die nächste Stufe ist ein Praxistest bei der Polizeifliegerstaffell in Egelsbach. Alle Bereiche des Verfahrens werden mit erfahrenen Psychologen vorbereitet und betreut.

Wurden alle „hessischen“ Schritte erfolgreich absolviert, folgt der letzte Prüfstein an der „Luftfahrerschule der Polizei“ in Bonn-Hangelar. Hier müssen sich alle Bewerberinnen und Bewerber nochmals einer einwöchigen Testreihe unterziehen, die letztendlich über die Verwendung in der anschließenden fliegerischen Ausbildung entscheidet. 

Im Anschluss an die, etwa 18 Monate dauernde, Ausbildung, erfolgt die Einweisung auf dem Einsatzmuster der Staffel (EC 145), sowie die Einweisung in alle Sonderverfahren (wie zum Beispiel: Winde, SEK, Bambi-Bucket) sowie das Fliegen mit Nachtsichtgerät. Daran schließt sich, soweit dies vorgesehen ist, eine Ausbildung im Instrumentenflug an.

Abgeschlossen wird die Ausbildung durch das Fliegen mit erfahrenen Piloten unter „Supervision“ bei Tag und Nacht. Diese letzte Phase dient dazu, Handlungssicherheit im Umgang mit den Maschinen der Staffel zu bekommen sowie die örtlichen Gegebenheit im Zuständigkeitsbereich kennenzulernen.

Für weitergehende Fragen stehen wir, über die auf der Startseite angegebene Adresse, gern zur Verfügung.


Die Ausrüstung der Polizeifliegerstaffel auf einen Blick

Derzeit besteht die Flotte der Polizeifliegerstaffel Hessen aus:

  • 3 Hubschrauber des Typ Eurocopter (EC) 145
  • 1 Vulcanair P 68 Observer 2

 

Eurocopter 145 (BK 117 - C 2)

Windentraining

Die EC 145 ist ein Zweiturbinen-Hubschrauber mit Platz für bis zu 11 Personen (2 Mann Besatzung / 9 Einsatzkräfte) und einem maximalen Abfluggewicht von 3.585 kg.

Die geräumige Kabine ist durch breite Seiten- und Hecktüren leicht zugänglich und kann für verschiedene Innenkonfigurationengenutzt werden. Hierzu gehören zum Beispiel: Personen-, Transport-, Rettungs- und Kameraeinsätze sowie das Absetzen von Sondereinsatzkräften.

Mit umfangreicher Bordelektronik ausgestattet, ist die EC 145 eines der  modernsten Einsatzmittel der hessischen Polizei und ein perfektes Arbeitsgerät für die Piloten des Landes Hessen.

Sie kann unter anderem mit

  • einem Suchscheinwerfer,
  • zwei Außenlautsprechern,
  • einem Lasthaken,
  • zwei Abseilvorrichtungen,
  • einer Rettungswinde,
  • einer FLIR-Anlage ( Wärmebildkamera /Tageslichtkamera/TV-Übertragung),
  • Truppenbestuhlung für bis zu 9 Einsatzkräfte,
  • einer Peilanlage zum Anpeilen von Funksendern und Mobiltelefonen und
  • einem Relais zur landesweiten Bildübertragung

ausgestattet werden.

Mit 2 x 740 PS fliegt die EC 145 im gleichen Geschwindigkeitsbereich wie die BO 105, ist dabei aber erheblich leiser und verfügt mit annähernd 1000 kg über die doppelte Zuladungskapazität.

 

Technische Daten der EC 145

  • Länge: 13,03 m
  • Rotordurchmesser: 11,00 m
  • Höhe: 3,95 m
  • Rumpflänge: 6,18 m
  • Rumpfbreite: 1,73 m
  • Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h
  • Dienstgipfelhöhe: 5485 m
  • max. Startgewicht: 3585 kg
  • Reichweite: 680 km (mit Zusatztank ca. 930 km)
  • Besatzung: 3 (in Ausnahmefällen 2)
  • Antrieb: 2 Turbomeca Arriel 1 E2 , je 718 PS (528KW) 
  • Transportkapazität: maximal 9 Einsatzkräfte oder maximal ca. 1000 kg Zuladung
  • Tankinhalt: 867 l Kerosin (Zusatztank: 222 l)

 

Vulcanair P 68 Observer 2

Vulcanair P 68 Observer 2

Die P 68, ein zweimotoriger Hochdecker, der als Weiterentwicklung der Partenavia P 68 entstanden ist und seit über 30 Jahren gebaut wird. Die Maschine der hessischen Polizei verfügt über ein sogenanntes „Glas-Cockpit“, das heißt dass die Instrumente überwiegend auf Bildschirmen dargestellt werden. Weiterhin hat sie im hinteren Teil eine Bodenluke durch die das gleiche FLIR-System ausgefahren werden kann, das auch an den Hubschraubern Verwendung findet. Diese Anbringung ermöglicht einen 360°-Rundumblick für das schwingungsfrei gelagerte Kamerasystem.

Missionsausrüstung der P 68 Observer 2:

  • Wärmebild-/TV-Anlage

  • Bildübertragung/Recorder

  • TV-Sender/TV-Relais

  • Instrumentenflug-Ausrüstung

 

Einsatzfelder:

  • Gewässerüberwachungs- und Umweltschutzflüge

  • Aufklärung und Bildübertragung bei Schadens- und Katastrophenlagen

  • Bildübertragung bei Großveranstaltungen

  • Flächendeckende Verkehrsaufklärung der Bundesautobahnen

  • Luftgestütztes TV-Relais

  • Lufttransport von Material und Personal über weite Strecken

  • Luftraumschutz

Punktgenaues Absetzen

 

Technische Daten der P 68 Observer 2
Gesamtlänge 9,43 m
Spannweite 12,00 m
Triebwerke 2 Lycoming IO -360- A1B6 mit je 200 Wellen-PS
Maximales Abfluggewicht 1990 kg
Maximale Reichweite 3000 km
maximale Flugzeit ca. 8 Stunden
Besatzung 3 Personen (Pilot/ Co- und Operator)
Dienstgipfelhöhe 18.000 ft (5.500 m)
Startstrecke ca. 400 m
Landestrecke ca. 600 m


 

 

2 blaue Pfeile zur Startseite

 


Die Polizeifliegerstaffel

Teil I: Geschichte der gesamten Staffel

Teil II: Geschichte der Wartung / Luftfahrzeugtechnik

Teil III: Anekdoten aus der Staffelgeschichte

Die Geschichte der zweitältesten Polizeifliegerstaffel Deutschlands (nach NRW) soll ein lebendiges Dokument sein. Sie gibt Auskunft über die Entstehung sowie die diversen Entwicklungsschritte und wird in unregelmäßigen Abständen aktualisiert, um den neuesten Stand der Entwicklung zu dokumentieren.


Teil I: Geschichte der gesamten Staffel

Evolution des Hubschraubers

Ab Januar 1964
Es beginnen die Vorbereitungsmaßnahmen zur Indienststellung der Staffel. Vordringlichste Aufgabe ist die Gewinnung geeigneten Personals. Sowohl Piloten als auch Techniker werden für das neu zu  beschaffende Gerät gebraucht. Ausbildungsmöglichkeiten für die Piloten und die Bordtechniker finden sich beim Bundesgrenzschutz. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Suchen und Festlegen eines geeigneten Standortes. Hierbei ist die Anbindung an eine bestehende Infrastruktur (Flugplatz mit ständiger Verkehrsleitstelle) und die einsatztaktisch beste Lage in Hessen von großer Bedeutung. Der Flugplatz Egelsbach wird schließlich als Heimat der hessischen Polizeiflieger auserkoren.

Egelsbach 60er Jahre

20.12.1964
Der damalige Innenminister des Landes Hessen, Heinrich Schneider, ordnet die Aufstellung der „Flugbereitschaft (FluB) der hessischen Polizei“ an. Sie ist dem Regierungspräsidium Darmstadt unterstellt. Am 21.12.1964 wird die erste Maschine, eine Alouette II (Astazou) SA 318 B (D-HADY), übergeben. Die „Staffel“ besteht zu dieser Zeit aus 4 Personen: 2 Piloten  (einer davon der Dienststellenleiter), einem Co-Piloten und Werkstattleiter und einem zivilen Hubschraubertechniker. Die Maschine wird von der Firma „Sud Aviation“ (später „Aérospatiale“, heute „Eurocopter“) direkt aus Frankreich nach Egelsbach überführt.

Erster Staffelleiter war Ernst Preuß (bis 31.01.1986).

Indienststellung 21.12.1964

1965
Am 01.02. 1965 wird der Personalbestand um 2 weitere Piloten ergänzt. Weiterhin wird die Flotte im November um eine zweite Alouette II (Astazou) SA 318 B (D-HAHY) ergänzt. Zu beiden Maschinen wurden als Sonderausrüstung Außenlautsprecher, Lasthaken und Rettungswinden beschafft.

Erste besondere Einsätze:

- Bergung einer tödlich verletzten Person mittels Rettungswinde von einem Schornstein ( 27.04.1965)
- Transport von dringend benötigten Blutkonserven von der Blutbank in Frankfurt/Main an die entsprechenden   Krankenhäuser (unter anderem für eine Frau nach Lauterbach am 25.8.1966, nach einer Entbindung)(bis 1969)
- Verletztentransport in die Unfallklinik Frankfurt nach einem Badeunfall am Obermoser See (28.07.1968).       

Diese Einsatzart bleibt die Ausnahme und wird bald von der Luftrettung (In Frankfurt ab April 1968 beginnend) übernommen.

Bergung einer tödlich verletzten Person

Badeunfall Obermoser See

Weiterhin gehörten verschiedene Einsatzarten zum Standardrepertoire der Flugbereitschaft: Führungs- und Einsatzplattform bei Großereignissen (IAA, Staatsbesuche, Anti-AKW-Demos, Großfahndungen im Rahmen der Anti-Terrorbekämpfung), Dokumentation von Großschadensereignissen (z. B.: Januar 1966, Explosion der Caltex-Ölraffinerie in Raunheim oder 1967, Großbrand im Schlosshotel Kronberg), Verkehrsüberwachung und –aufklärung (u. a. für die IAA in Frankfurt), Suchflüge nach vermissten Personen, Fahndungen bei Kapitalverbrechen, Objektschutz und Gewöhnung von Polizei-Hunden an den Mitflug im Hubschrauber.                    

Großbrand Schlosshotel Kronberg

Die Aufzählung hat selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, soll aber verdeutlichen, dass von Beginn an ein breites Spektrum an Aufgaben von den Besatzungen der Flugbereitschaft der hessischen Polizei erprobt und eingeführt wurde.

Übergabe einer Blutkonserve

1966
Personelle Aufstockung in der Staffel. Es gehören ihr jetzt 6 Hubschrauberführer, 4 Bordwarte und 2 zivile Techniker an.

06.01.1966
An diesem Tag findet das allererste Windentraining der hessischen Polizeiflieger auf der Alouette II statt. Ab diesem Zeitpunkt wird regelmäßig mit der Winde trainiert (s. a.: 1986 und 2003).

Erste Windeneinweisung an der Alouette II

Einer der ersten Windentrainingsflüge mit der Alouette II

01.03.1967
Zur Vorbereitung auf die Reisesaison wird zum ersten Mal ein Arzt bei den regelmäßig stattfindenden Verkehrsstreifen entlang der Autobahnen mitgenommen. Er wird in Butzbach abgeholt und begleitet die Maschine auf ihrem Streifenflug entlang der Verkehrsrouten in Südhessen. Ziel ist, während der Hauptreisezeit in den Sommerferien, eine möglichst schnelle Versorgung schwerverletzter Autofahrer zu gewährleisten. Auf Grund der hohen Verkehrsdichte und der noch sehr schlechten Infrastruktur (2-spurige Autobahnen, meist ohne Standstreifen) kommen die bodengebunden Rettungsdienste meist nur schwer an die Unfallstellen heran. Diese Erprobung, auf Eigeninitiative des mitfliegenden Arztes, war einer von vielen ersten Schritten beim beginnenden Aufbau des luftgestützten Rettungsdienstes in Westdeutschland. Der erste regelmäßig verkehrende Rettungshubschrauber hebt am 01.11.1970 (Christoph 1) in München ab.

Ebenfalls an diesem Tag (01.03.1967) findet der erste Flug mit der Wasserschutzpolizei (sogenannte „WSP-Streife“) am Main statt. Dies markiert den Beginn der später regelmäßig stattfindenden Umweltschutzstreifen mittels Hubschrauber. Besonders zu Beginn dieser Streifen werden diverse Strafverfahren gegen Flussanlieger und Binnenschiffer eröffnet, die die Flüsse zur Entsorgung ihrer schadstoffhaltigen und giftigen Abwässer nutzen. Als Ergebnis dieser, heute immer noch regelmäßig stattfindenden, Flüge sind die Gewässer in einem Zustand, der mittlerweile sogar das Schwimmen wieder zulässt. Daran war zu dieser Zeit nicht zu denken. Hier liegen die Anfänge in der Bekämpfung der Umweltkriminalität, die es in dieser Ausdrucksform zur damaligen Zeit noch gar nicht gab, denn solche Straftaten hatten eher den Status eines Kavaliers-Deliktes. 02.11.1967: Erster Flug als WSP-Streife am Rhein (Kontrolle der Rheinschifffahrt).

WSP-Flug

28.09.1967
Die Einheit hat ihren ersten personellen Verlust zu beklagen: Der Polizeihauptmeister Müller, Pilot in der FluB seit 1965, erliegt seinen schweren Verletzungen nach einem Verkehrsunfall.

Ab 1969
Die Einheit zeichnete (und tut dies bis zum heutigen Tag) sich immer durch ihre Offenheit gegenüber technischen Innovationen aus. Der Einbau einer Kamera zur Fernsehübertragung aus der Luft war eines dieser Projekte, die lange Zeit erprobt wurden. Ihre perfekte Ausführung erhielt dieses System erst mit Einführung einer kreiselstabilisierten Kamerakugel an der EC 145, doch die Entwicklung begann bereits sehr viel früher.

Bei den ersten Erprobungen war die Kamera als Festeinbau auf der Copiloten-Seite der Alouette II montiert. Es wurde dabei durch die Scheibe gefilmt. Die Sicht des Co-Piloten wurde durch den Einbau erheblich eingeschränkt. Da die Anlage fest mit der Zelle verbunden war, wurde sie durch die maschinenseitigen Schwingungen stark beeinflusst. Weiterhin ist die Bildaufzeichnung durch die Frontscheibe nicht optimal, weil Spiegelungen und eventuelle Verschmutzungen und Kratzer das Bild stören. Dieses Verfahren stellte somit noch keine optimale Lösung der Bildübertragung vom Hubschrauber zum Boden dar.

TV-Kamera in der Alouette II

Übertragungseinheit für die TV-Kamera

Erste Versuche zum Einbau einer Peilanlage in die Maschinen zeichnen ebenfalls diese erste Phase technischer Neuerungen. Die Anlage wird, in Zusammenarbeit mit Spezialisten, dazu genutzt Sender anzupeilen, die entweder fest installiert („Stören des Polizeifunks“) oder mobil („Verfolgung von Fluchtfahrzeugen“) sind. Auch hier betritt die Staffel Neuland, denn zu diesem System gibt es noch sehr wenige Erfahrungen mit der technischen Ausstattung im Flugbetrieb.

Außerdem werden im Winterhalbjahr die ersten Nachtflüge nach Sicht durchgeführt und der Tower in Frankfurt am Main erhält regelmäßigen („Haus-)-Besuch“ von den Egelsbachern.

„Hausbesuch“ am alten Tower in Frankfurt/Main

25.06.1973
Indienststellung des ersten Polizeihubschraubers vom Typ BO 105 C (D-HAIY). Sie ist die einzige C-Version, die bei der hessischen Polizei fliegen wird. Alle weiteren BO´s werden in der (längeren) Version CBS 4 beschafft.                                                                 

Die 1. BO 105 C (D-HAIY)

1. Formation mit 2 Alouette + 1 BO 105

                                                                                                                                                                                                                      

1974
Weitere personelle Verstärkung um einen weiteren Bordwart und einen Piloten. Außerdem beginnt die Zusammenarbeit mit den neu aufgestellten Spezialeinheiten: MEK (mobiles Einsatzkommando), SEK (Spezialeinsatzkommando) und PSK (Präzisionsschützenkommando). Hierbei beschränkt sich die Zusammenarbeit am Anfang auf normale Transportflüge. Auch Flüge in Bodennähe zum anschließenden Schießtraining gehören dazu. Vorrangiges Ziel hierbei ist, im bodennahen Konturenflug, die Beamten einer Stressbelastung auszusetzen, die das anschließende Schießtraining unter besondere Bedingungen stellt.

Weiterhin finden besondere Überwachungsflüge, insbesondere in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens, während der Fußball-WM statt. Es sollen alle erdenklichen Maßnahmen zur Abwehr einer terroristischen Bedrohung getroffen werden.

Sowohl Alouette II als auch BO 105 werden mit sogenannten „Homing“-Antennen ausgerüstet, die es ermöglichen sollen, einen Streifenwagen oder eine Sendestation anzupeilen. Damit soll die Koordination bei der Arbeit im freien Gelände verbessert werden. Die Hinderniskulisse am Boden und die schlechte Empfangsqualität in der Maschine stehen der uneingeschränkten Alltagstauglichkeit dieses Verfahrens im Wege. Bis zum Jahr 1988 werden die Systeme aus allen Maschinen wieder ausgerüstet.

01.07.1976
Ein schwerer Waldbrand in der Gemeinde Einhausen hält alle Rettungskräfte in Atem. Der Brand breitet sich so verheerend schnell und großflächig aus, dass Katastrophenalarm ausgelöst werden muss. Feuerwehrkräfte aus der Umgebung, Polizei, Bundeswehr (u. a. mit Bergepanzern zum Brandschneisen schlagen), Bundesgrenzschutz und die amerikanischen Streitkräfte (mit Chinook-Hubschraubern) helfen bei den Löscharbeiten.                                                     Die Polizeihubschrauber versuchen die Feuerwehreinsatzkräfte aus der Luft zu dirigieren und Informationen über neue Brandherde weiterzugeben. Dies scheitert oft an 2 Dingen: 1. Die Fahrzeuge und die Einsatzkräfte selbst sind nur sehr sporadisch mit Funkgeräten ausgestattet und 2. Die Einsatzfahrzeuge haben keine Kennung auf dem Dach, was dazu führt, dass die Maschine, sollten dieFahrzeuge mit Funk ausgestattet sein, sie nicht eindeutig ansprechen kann. Eine der ersten Konsequenzen aus dem Einsatz ist dann auch die verbesserte Ausstattung mit Funk und das Anbringen der Kennung auf dem Dach der Einsatzfahrzeuge.

1978
Es beginnen erste Versuche mit der BO 105 Funksender am Boden anzupeilen. Mittels einer kleinen Antennen-Plattform, die auf der Co-Pilotenseite außen an der Maschine befestigt wird, kann ein mitfliegender Beamter Sender am Boden anpeilen (s. a.: „1969“).

Erste Peilanlage an der BO 105

Mai 1979
Erste gemeinsame Rettungsübung der Flugbereitschaft mit der Tauchergruppe der Bereitschaftspolizei am Walldorfer Badesee. Hierbei wird zum ersten Mal die Bergung von Personen mittels Rettungswinde aus einem stehenden Gewässer geübt.

Wasserrettung mit Alouette II

Herbst 1979
Zwei Ereignisse, die konträrer nicht sein könnten, zeichnen den Herbst diesen Jahr: Im Oktober werden 20.000 unfallfreie Flugstunden gefeiert und im November stürzt die D-HAIY bei einem tragischen Flugunfall nahe Nackenheim in den Rhein. Alle 3 Besatzungsmitglieder kommen beim Absturz ums Leben.

1980
Die ersten beiden neuen BO 105 CBS 4 (D-HASY und D-HAMY) werden bei der Staffel in Dienst gestellt. Diese längere Version der BO 105 wird zur Standardmaschine der hessischen Polizei für über 25 Jahre. Die erste der beiden Alouette II (D-HADY) wird außer Dienst gestellt.

01.01.1981
Umbenennung der „Flugbereitschaft (FluB) der hessischen Polizei“ in „Polizeihubschrauberstation (PHust) Hessen“.

1981-1983
Diverse Einsätze anlässlich der Demonstrationen beim Bau der Startbahn West am Frankfurter Flughafen. Diese Einsätze werden in enger Zusammenarbeit mit den Maschinen des Bundesgrenzschutzes und der deutschen Flugsicherung (Bundesamt für Flugsicherung, „BFS“, heute „DFS“) geflogen.

1982
Personelle Aufstockung um weitere 2 Piloten (jetzt insgesamt 8) und 1 Bordwart (jetzt insgesamt 6).

1983
Im Rahmen der Einsätze an der Startbahn 18 West am Frankfurter Flughafen werden immer wieder einzelne Polizeibeamte von ihren Einheiten getrennt und von den Demonstranten, teils massiv, körperlich angegangen. Um diesen Beamten schnell zu Hilfe kommen zu können, wird erprobt, ob man speziell geschulte Einsatzkräfte per Hubschrauber (mittels Strickleiter) bei den in Bedrängnis geratenen absetzen kann. Dieses Verfahren kommt aber über das Erprobungsstadium nicht hinaus (s. a.: 1988). Außerdem finden in diesem Jahr erste Transport-Flüge mit dem Außenlastnetz der BO 105 statt. Hierbei werden zur Erprobung in erster Linie unterschiedliche Gewichte im Lastennetz mitgenommen.

1. Außenlastflug mit BO 105

04.05.1983
Indienststellung der 3. BO 105 CBS 4 (D-HAWY) und gleichzeitige Außerdienststellung der letzten Alouette II (D-HAHY)

19.12.1984
Feier zum 20jährigen Bestehen der Staffel.

Ab 1984-1985
Die Bildübertragung aus der Luft sollte auch mit der BO 105 gewährleistet und in der Qualität verbessert werden. Hierzu wurde eine Kamera in den Behälter eines SX-16-Scheinwerfers eingebaut und an der dazugehörigen Halterung befestigt. Doch auch hier war die Übertragung der maschineneignen Vibrationen ein großes Problem. Auch Versuche mit eingefügten Dämpfern an der Halterung ergaben keinen lang anhaltenden Effekt. Das Verfahren wird etwa 6 Monate erfolgreich angewendet (u. a. zur Unterstützung der Rheinland-Pfälzer Kollegen beim Staatsbesuch des US-Präsidenten Reagan (Mai 1985) im Fliegerhorst Bitburg und am Hambacher Schloss). Da die Dämpfer zu schnell ausschlagen und dann das Bild unscharf und verwackelt wird, geht man von diesem Verfahren wieder ab. Stattdessen filmt der Co-Pilot mittels Handkamera. Die Bilder wurden dann mittels schwenkbarer Außenantenne zum Boden übertragen. Diese Antenne ragte im ausgefahrenen Zustand circa 50 Zentimeter nach unten über die Kufe hinaus und musste vor dem Landen per Elektromotor eingeklappt werden. Um ein versehentliches Absetzen auf der ausgeklappten Antenne zu verhindern, war ein rotes Warnlicht im Cockpit angebracht (was nicht immer zur gewünschten Reaktion der Besatzung führte…!).

TV-Kamera in SX-16-Behälter und ausgefahrene Antenne

1986
In diesem Jahr findet der erste Windenlehrgang auf BO 105 statt. Dabei werden 2 Techniker der Staffel an der neuen Winde der BO 105 ausgebildet (s. a.: 06.01.1966 und 2003)

31.01.1986
Ernst Preuß, erster Leiter der Polizeihubschrauberstaffel, wird in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger wird Gerd Grabo (bis 2001).

November 1986: Beginn des Umzugs der Polizeihubschrauberstaffel aus den diversen Diensträumen und Hallen neben dem Tower auf dem Flugplatz Egelsbach in das neue, heutige Dienstgebäude.. Die Angehörigen der Staffel ziehen mit Begeisterung in ihre neue Unterkunft, da die alten Räumlichkeiten sehr einfach und beengt waren und einen Einsatzflugbetrieb inklusive professioneller Wartung nur unter schwierigen Bedingungen erlaubten.

Neuer Hangar: Außenansicht

Neuer Hangar: Innenansicht

23.01.1987
Offizielle Übergabe der neu gebauten Dienstgebäude, Außerhalb 20a, in Egelsbach. Ein technische Neuerung wird in der Einheit eingeführt: Die vorhandene Rollei-Kamera wird mit einer Rasterlinse ausgestattet, die die gerichtsverwertbare Vermessung von Tatorten und Unfällen aus der Luft ermöglicht (s. a.: 2002).

Ab 1988
Beginn der intensiven Zusammenarbeit mit dem SEK Frankfurt und Kassel. Hierbei werden zunächst verstärkt Absetzverfahren geübt. Es werden Strickleitern (zum Absetzen und Aufnehmen) und Taue (zum Abgleiten) eingesetzt. Die Strickleitern bewähren sich nicht und werden nach kurzer Erprobung nicht im Einsatzbetrieb verwandt. Das Absetzverfahren mittels Tau wird immer weiter verfeinert und auch später auf die neue Maschine erfolgreich übertragen (s. a.: Februar 2004)

SEK-EinsatzSEK-EinsatzSEK-Einsatz

Dieses Jahr ist von diversen Großeinsätzen/ -ereignissen geprägt: Zusätzlich zu den jährlich wiederkehrenden Einsätzen, bei denen die Hubschrauberstation vermehrt gefordert ist (z.B.: IAA und   Hessentag) kommen dieses Mal die Osterdemonstrationen/ -märsche am KKW Biblis (im März), die Bundesgartenschau in Frankfurt (im Juni), sowie die Grenzöffnung am 11. November diesen Jahres hinzu. Hierbei wird der regierende Ministerpräsident Weilmann an die deutsch-deutsche Grenze an den Grenzübergang Herleshausen geflogen, um die DDR-Bürger willkommen zu heißen und einige auch persönlich zu begrüßen (s. a.: „Anekdoten“ am Ende des Artikels).

IAA Frankfurt-Main

01.Juni 1988
Grubenunglück in Borken/Stolzenbach. Im Shuttle-Verkehr werden mittels Hubschrauber die Verantwortlichen (Ministerpräsident und Innenminister), diverse Feuerwehrleute und Bergematerial nach Nordhessen geflogen, um eine schnellstmögliche Rettung der Eingeschlossenen zu ermöglichen.

30. November 1989
Ermordung des Deutsche Bank-Chefs Alfred Herrhausen in Bad Homburg. Im Rahmen des Großeinsatzes der Polizei sind alle drei Maschinen der Staffel gleichzeitig im Einsatz. Sie werden von Bad Homburg aus eingesetzt und dort auch mit dem staffeleigenen Tankwagen betankt.

August 1991
Die vierte BO 105 CBS 4 (D-HAZY) wird in Dienst gestellt.

1992
Personelle Ausstattung: 8 Piloten, 9 Bordwarte sowie Übernahme von Verwaltungstätigkeiten durch Angestellte.

1994
Zu den 17 Polizeibeamten (8 Piloten, 9 Bordwarte) sind mittlerweile 1 technischer Verwaltungsangestellter, 4 Verwaltungskräfte in Halbtagstätigkeit und 3 Liegenschaftsbeschäftigte in Teilzeitbeschäftigung hinzugekommen.

12.03.1994
Erste Landung einer Bo 105 in Berlin Tempelhof

BO in Berlin-Tempelhof

01.11.1997
Wechsel der behördlichen Anbindung der Staffel: vom Regierungspräsidium Darmstadt an das Hessische Polizeiverkehrsamt.

1999
50.000er Flug der Polizeihubschrauberstaffel Hessen.

01.01. 2001
Nochmaliger Wechsel (siehe auch:  01.11.1997) der behördlichen Anbindung der Staffel: vom Hessischen Polizeiverkehrsamt wechselt sie zum Hessischen Bereitschaftspolizeipräsidium. Des Weiteren erhält die Einheit ihren Namen: „Polizeihubschrauberstaffel Hessen“, heute "Polizeifligerstaffel Hessen".

Im Lauf des Jahres werden zum ersten Mal 2 vollständig ausgebildete Berufspiloten (keine Polizeibeamte, sondern ehemalige Bundeswehr-Piloten) bei der Staffel eingestellt.

2002
Polizeioberrat F. Thiemeyer wird neuer Staffelleiter. Die routinemäßigen Verkehrsüberwachungsflüge werden eingestellt, da die elektronische Verkehrsüberwachung diese überfällig macht und die neuen Maschinen (s. u.) ein anderes Einsatzspektrum eröffnen. Einsatzflüge werden entweder durch die Flugbetriebsleitung vorgeplant oder ad hoc, auf Anforderung durch die Polizeipräsidien, geflogen.
09. April: Anlieferung des bis dato modernsten Hubschraubers vom Typ EC 145 (BK 117 C-2). 17.April: Indienststellung der neuen Maschine (IBIS 1) durch Innenminister Bouffier. Im Gegenzug wird eine der ersten BO 105 CBS 4 (D-HASY) außer Dienst gestellt.

Indienststellung EC 145 D-HHEA

Zum ersten Mal werden Flugbetriebsassistenten (kurz FBA) als FLIR(Forward-Looking-Infra-Red) -Operator bei der Polizeihubschrauberstaffel eingestellt. Sie sollen in der Hauptfunktion die neue Kamera-Ausrüstung in der EC 145 bedienen und werden hierzu in der Staffel ausgebildet.

FBA-Arbeitsplatz

FLIR-Kugel

FLIR-Bild: Personen und Kfz

In Zusammenarbeit mit dem SEK werden weitere Fortschritte gemacht: So wird die Waffenwirkung beim Schiessen aus dem Hubschrauber getestet und verbesserte Abseil- und Abgleitverfahren aus der neuen Maschine erprobt (s. a.: Februar 2004).

SEK begutachtet die neue Maschine

Abseilen aus der D-HHEA

Als weitere Neuerung wird eine Photogrammetrie-Kamera zur präzisen (gerichtsverwertbaren) Darstellung von Tatorten oder Unfallstellen aus der Luft in das Einsatzspektrum der Staffel integriert.

2003
Ein Jahr der Meilensteine in der PHuSt Hessen:
Erstes gemeinsames Winden- und Bergetautraining mit der Tauchergruppe der Bereitschaftspolizei und dem Höhenrettungstrupp der Berufsfeuerwehr Wiesbaden.

Bergetautraining Marbach

Windentraining EC 145

Die ersten 4 Besatzungsmitglieder werden bei der Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg im Fliegen bei Nacht mit Bildverstärkerbrille (BiV) ausgebildet. Für 2 der 4 Kollegen hatte diese Veranstaltung allerdings eher Weiterbildungscharakter, da sie aus ihrer Bundeswehrzeit  (s. „2001“) bereits über eine ansehnliche Zahl an Flugstunden bei Nacht verfügten. Ab diesem Zeitpunkt wird das Fliegen bei Nacht mit BiV-Brille zum Standard in Hessen. Am 11.08.2003 wird der erste offizielle Einsatz bei Nacht mit BiV-Brille geflogen. Es handelt sich um die Suche nach versteckten Brandherden, die nach einem Waldbrand noch unentdeckt geblieben sein könnten.  Ein weitreichendes Waldgebiet nahe Lorsch wird mittels Wärmebildkamera abgesucht und das Ergebnis an die örtliche Feuerwehr übermittelt.

BiV-Ausrüstung

Blick durch die BiV-Brille

Der IBIS 1 (D-HHEA) ist jetzt mit der vollwertigen Missions-Ausrüstung versehen, die ein uneingeschränktes Arbeiten bei Tag und Nacht ermöglichen (FLIR-Kamera (Forward-Looking-Infra-Red) und IFR-Equipment-Upgrade (Instrument-Flight-Rules).  Um die Maschine nach Instrumentenflugregeln bewegen zu können, beginnen die ersten Teilnehmer der Staffel mit dem IFR-Lehrgang.

Außerdem darf die Staffel nun einen TRI (Type-Rating-Instructor) „ihr Eigen“ nennen, denn Klaus B. hat die Ausbildung erfolgreich durchlaufen und kann nun Trainingsvorhaben innerhalb der Staffel planen und durchführen sowie den Pilotennachwuchs auf der EC 145  ausbilden.

Januar 2003
 Ein geistig verwirrter Mann entführt einen Motorsegler, fliegt mit ihm nach Frankfurt  und hält nahezu 3 Stunden die Einsatzkräfte in der Innerstadt in Atem. Er kann zum Landen überredet werden und wird von einer BO 105 der Staffel bei seiner Landung auf dem Flughafen eskortiert.

Februar 2004
Erstes gemeinsames Training der Polizeihubschrauberstaffel mit dem SEK Frankfurt auf der EC 145. Der Absetzbalken erweist sich als wesentliche Verbesserung gegenüber dem Verfahren auf der BO 105. Das Tau hängt allerdings so dicht an der Maschine herab, dass es die Außenseite der Kufe berührt.  Hierbei besteht Verletzungs- und Absturzgefahr für die abgleitenden Beamten. Dies wird durch Einführung eines neuen klappbaren Anschlages verbessert, der einen Abstand zur Kufe von etwa 30 cm erbringt und dem Abgleitenden zusätzliche Sicherheit gibt.

Der erste TRI der Staffel (s. 2003) erhält die Weihen zum TRE (Type-Rating-Examiner) und ist somit berechtigt den Piloten und Flugtechnikern die jährlichen Überprüfungsflüge auf den beiden Mustern BO 105 und EC 145 abnehmen. Vorher wurde dies durch Werkspiloten des Herstellers Eurocopter sichergestellt. Diese zusätzlichen Kosten entfallen nun.

23.02.2005
Besuch des amerikanischen Präsident Bush in Mainz. Erstmals wird ein Konzept zum Schutz neuralgischer Punkte durch Bedrohung aus der Luft impliziert und aktiv während des gesamten Einsatzes aufrechterhalten. Hierbei erfolgte die Führung von Egelsbach aus, mit Unterstützung durch Fachpersonal der Bundeswehr und der deutschen Flugsicherung.

Im August/September bereitet sich die Staffel auf einen ihrer spektakulärsten Einsätze vor. Mit 3 Maschinen sollen Beamte des SEK bei Nacht mittels Fast-Rope in ein Objekt abgesetzt werden. Die Vorbereitungen laufen planmäßig und die Staffel steht „Gewehr bei Fuß“, doch die Täter bekommen Wind von der Maßnahme und damit wird der Einsatz hinfällig.

Absetzen von SEK-Trupps in der Dämmerung

Im Oktober erfolgt die  Indienststellung des zweiten Hubschraubers vom Typ EC 145 (IBIS 2).

13.02.2006
Einer der bisher spektakulärsten Einsätze der PHust Hessen: Bergung eines abgestürzten Paragliders aus einem Steinbruch bei Achenbach im Lahn-Dill-Kreis. Der 47 jährige Mann hatte versucht, mit seinem Schirm gegen 15:30 Uhr von der Oberkante des Steinbruchs zu starten und war dabei mangels Auftrieb im Steilhang hängengeblieben.          Alle bodengebundenen Rettungsversuche der Feuerwehr und der freiwilligen Helfer scheiterten und so wurde eine Bergung per Hubschrauber notwendig. Der Luftretter der Hubschrauberstaffel wurde dazu von der Feuerwehr bis zum Verletzten abgeseilt und machte diesen, mit Hilfe des Notarztes, im Bergesack transportbereit. Im Anschluss leuchtete eine Maschine den Steinbruch mittels SX-16-Scheinwerfer aus, während die zweite BO den Luftretter mit dem Verletzten am Langseil barg. Nach wenigen hundert Metern Flugweg konnten beide sicher auf einer Wiese in der Nähe der Rettungskräfte abgesetzt werden. Die besondere Schwierigkeit der Bergung stellten, neben den eisigen Temperaturen von unter – 10°C und der Dunkelheit,  3 Windräder dar, die sich an der Oberkante des Steinbruchs befanden. Sie konnten vom Scheinwerfer nicht komplett ausgeleuchtet werden und so mussten die Besatzungen ein besonderes Augenmerk auf den Hindernisabstand legen (s. a.: „Anekdoten aus der Staffelgeschichte“ am Ende des Artikels).

April 2006
Indienststellung des dritten Hubschraubers vom Typ EC 145 (IBIS 3)

Alle 3 EC 145

Mai: Die Polizeihubschrauberstaffel stellt 5 neue Piloten ein. Nach dem Auswahlverfahren können sich fünf ehemaligen Bundeswehrpiloten durchsetzen und werden in den Landesdienst übernommen.
Juni-Juli: Fußball-WM in Deutschland. Die Staffel ist zum ersten Mal 24-Stunden, innerhalb der 4 WM-Wochen, rund um die Uhr einsatzbereit. Um dies bewältigen zu können, wird sie von Kräften der Bereitschaftspolizei und anderer Dienststellen unterstützt. Weiterhin wird (siehe auch 23.02.2005 Bush-Besuch) wieder ein Konzept zum Schutz des Luftraumes über neuralgischen Punkten gefahren, das von Egelsbach aus gesteuert und koordiniert wird. Hauptaufgabe der Maschinen ist die Führung aus der Luft, die Sicherung der geschützten Lufträume und die schnelle Verlegung von Einsatzkräften. Darüber hinaus werden alle anderen täglich Aufgaben weiterhin wahrgenommen.

Truppenverlastung EC 145

Verlastung SEK

Einführung der „Brandbekämpfung aus der Luft“ durch die Staffel. Ein Feuerlöscheinsatz  muss, mangels Material (Löschbehälter) und ausgebildeter Besatzungen, abgesagt werden. Daraufhin wird der erkannte Mangel abgestellt, in dem die Feuerlöschbehälter beschafft und die Besatzungen daran ausgebildet werden.

Wasseraufnahme

Wasserabwurf

01.04.2007
Beginn des 24-Stunden-Dienstes in der Staffel:  Alle am 01.05.2006 zusätzlich eingestellten ehemaligen Bundeswehrpiloten haben die notwendigen polizeilichen und fliegerischen Ausbildungsabschnitte durchlau-fen und können nun den Einsatzflugbetrieb unterstützen. Damit sind die personellen Voraussetzungen geschaffen, die Ära der Bereitschaftsdienste endet und der Rund-um-die-Uhr-Dienstbetrieb wird aufgenommen.

Juni 2007
G 8-Gipfel in Heiligendamm. zum Großaufgebot an Polizei- und Sicherheitskräften gehört auch ein Ibis aus Hessen. Dank seiner langen Einsatzzeit (02:45 h Gesamtflugzeit) wird die Besatzung  aus Hessen mit Ihrer Maschine gern und oft angefordert. Insbesondere bei den schweren Krawallen im Rostocker Hafen kann die Maschine sehr lange vor Ort bleiben und durch permanente Bildübertragung die Lageeinschätzung der Polizeiführung maßgeblich unterstützen. Nachdem jetzt alle 3 EC 145 ihren Dienst regulär versehen, wird die 2. BO 105 CBS 4 (D-HAMY) am 21.02.2007 offiziell außer Dienst gestellt.

Neu „in Dienst gestellt“ wird auch der 2. TRI der Staffel Marcel U. (s. auch 2003). Er unterstützt den Ausbildungsleiter bei allen Trainingsvorhaben, insbesondere im Hinblick auf die geplante Einführung eines regelmäßig stattfinden Simulatortrainings für das fliegende Personal (s. auch Oktober 2009).

August 2007Einsatz mit dem SEK in Osthessen: Einem Landwirt soll der Führerschein entzogen werden, woraufhin dieser Amok läuft,  beziehungsweise fährt. Bei der mehrstündigen Verfolgungsfahrt werden die Kollegen des SEK mehrmals in der Nähe seines Traktors abgesetzt und wieder aufgenommen, können ihn aber nicht stellen. Mehrere Streifenwagen werden bei der Verfolgungsjagd teilweise erheblich beschädigt, schlussendlich ergibt sich der Mann in seinem Wohnhaus der Polizei.

2008
Erste gemeinsame Peilübung des thüringischen und hessischen MEK und der hessischen EC 145.                    Außerdem wird in diesem Jahr die digitale Bildübertragung weiter vorangetrieben: Ein erstes Projekt zur Bildübertragung Boden-Luft-Boden (Kamera mit mobiler Bodenübertragungseinheit - Hubschrauber – Einsatzzentrale) läuft an (Ergebnis siehe 2009).

15.08. 2008
Dreifachmord in Rüsselsheim. Im Anschluss an die Bluttat kommt es zu einem Zugriff des SEK-Frankfurt. Ein Trupp wird mit dem Hubschrauber mittels Fastrope auf ein Haus abgesetzt, um eine der Wohnungen eines mutmaßlichen Täters zu stürmen.

August 2008

Erste Winden-Trainingswoche der Hubschrauberstaffel unter Einbeziehung nahezu aller Bediensteter:  In der DLRG-Station am Edersee findet die Staffel für eine Woche eine Interimsunterkunft, die ihr als Einsatzzentrale, Trainingszentrum und Unterkunft gleichzeitig dient. Innerhalb dieser Zeit werden alle Besatzungsmitglieder intensiv im Bereich der Windenrettung beschult. Außerdem stößt noch eine Abordnung der Staffel aus Thüringen  mit Ihrer neuen EC 145 dazu und beteiligt sich am Training. Das Absetzen an Punkten mit wechselndem Schwierigkeitsgrad über Land ist hierbei der Schwerpunkt. Ein Highlight und eine besondere Herausforderung stellt die Windenbergung vom Dach eines fahrenden Schiffes dar. Auch die Zusammenarbeit mit dem SEK wird trainiert, stellt aber nicht den Schwerpunkt der Woche dar.

Dank des niedrigen Wasserstandes im Edersee können die Hubschrauber direkt vor der DLRG-Station am Strand landen und dort die Besatzungen tauschen oder kurze Zwischenstopps einlegen.

September 2008
Erneut sucht die Staffel nach gut ausgebildetem Nachwuchs, der kurzfristig für den 24-Stunden-Schicht-dienst zur Verfügung steht. Im Auswahlverfahren behaupten sich 6 ehemalige Bundeswehrpiloten und werden zum 01.09. in den Dienst des Landes Hessen übernommen.
Damit umfasst die Personalstärke der Staffel nun: 22 Piloten, 7 Bordwarte, 8 Flugbetriebsassistenten, 3 Verwaltungskräfte in Halbtagstätigkeit, 2 zivile Hubschraubertechniker und 1 Polizeibeamten/in zur Unterstützung in der Führungsgruppe.

2009
Das Jahr beginnt mit einem polizeilichen Großeinsatz: Der Bau der Landebahn Nordwest am Frankfurter Flughafen beginnt und die Landebahngegner werden das Waldgebiet nicht ohne Widerstand räumen. Pünktlich zu diesem Großeinsatz führt die Staffel ein System zur Bildübertragung vom Boden zur Einsatzzentrale ein. Live-Bilder der Einsatzkräfte vor Ort können so, via Hubschrauber, direkt in die Einsatzzentrale übertragen werden und ermöglichen der Polizeiführung ein noch schnelleres und effektiveres Handeln. Weiterhin bereitet sich die Staffel auf die Beteiligung am NATO-Doppelgipfel in Straßburg und Kehl vor.

03./04. April 2009
Die Staffel beteiligt sich mit 2 ihrer 3 Maschinen am NATO-Doppelgipfel in Straßburg und Kehl. Als Einsatzort wird der Flugplatz Lahr gewählt, auf dem diverse Hubschrauber der Länderpolizeien wie auch der Bundespolizei stationiert sind. Die hessischen Kräfte der Staffel sind insofern  sehr stark eingebunden, weil der Staffelleiter den polizeilichen Flugdienst aller beteiligten Hubschrauber führt. Dafür wurde innerhalb der Staffel ein kleiner Stab gebildet, der das Ereignis intensiv vorbereitete, durchführte und auch die Nachbewertung und die notwendigen Schlussfolgerungen herausarbeitete. Diese Arbeiten beschäftigten die Staffel, insbesondere die intensive Vorbereitung nahezu ein Jahr.

Juni/Oktober 2009
Nachwuchs für die Staffel wird gesucht. In dem mehrstufigen Auswahlverfahren (s. auch „Wie werde ich Pilot“) setzen sich unter über 80 Bewerbern 2 Kollegen durch, die anschließend im November ihre Berufspilotenausbildung an der Luftfahrerschule der Polizei in Bonn-Hangelar beginnen.

August 2009
Die Staffel führt eine Schwerpunktwoche Windentraining an der Wasserkuppe in der hessischen Rhön durch. Hierbei werden alle Piloten, Copiloten und Windenbediener einer intensiven Schulung unterzogen. Zum ersten Mal findet dieses Training in enger Zusammenarbeit mit der hessischen Bergwacht statt. Im Einsatzfall sieht es ab jetzt so aus, dass von der  Hubschrauberstaffel die Besatzung (Pilot, Co und Windenbediener) kommt, der Windenretter (der, der am Seil hängt, Anm. d. Red.) aber immer von der Bergwacht gestellt wird. Dieser wird durch die örtliche zuständige Rettungsleitstelle alarmiert und verlegt direkt zum Einsatzort oder wird vom Hubschrauber vorher aufgenommen. Nach 5 intensiven Trainingstagen kann die Staffel eine positive Bilanz mit vielen Windengängen und ohne nennenswerte Zwischenfälle ziehen.

Windentrainingswoche Rhön 2009

Oktober 2009
Die Staffel beginnt auf dem FNPT (Flight-Navigation-Procedure-Trainer) der Bundespolizei in Bonn-Hangelar mit dem Simulatortraining. Jeweils eine 2-Mann-Besatzung findet sich dort ein und trainiert, unter Anleitung des staffeleigenen TRE Klaus B., alle in diesem System möglichen Verfahren einschließlich der Notverfahren. Für alle Beteiligten bekommt das Training auf diesem System eine besondere Bedeutung, da hier alle Notverfahren „live“ geflogen werden können. Werden solche Verfahren im richtigen Hubschrauber (beim Jahres-Checkflug zum Beispiel) nur angedeutet oder können nur simuliert werden, muß man in diesem Trainingsgerät alle richtigen Entscheidungen auch in die richtigen Aktionen umsetzen und die Maschine sicher landen. Eine ganz neue Erfahrung für die Besatzungen der Staffel und eine optimale Ergänzung zum bisherigen Trainingsaufwand.

2010
Auch der 2. TRI der Staffel, Marcel U., erhält die Berechtigung TRE (s. dazu auch 2003, 2004 und 2007) und kann nun den Ausbildungsleiter bei allen Fortbildungsvorhaben im fliegerischen Bereich sowie bei den Jahreschecks der fliegenden Besatzungen unterstützen.

Oktober 2010
Zwei Fluglehrer der Luftfahrerschule für den Polizeidienst (der die Bundespolizei und alle Polizeiflieger-staffeln der Bundesländer angehören) werden in Egelsbach auf dem hessischen Einsatzmuster EC 145 ausgebildet (s. auch „Geschichte der Wartung / Luftfahrzeugtechnik Oktober 2010“). Hintergrund ist die Ausbildung der beiden neuen Piloten (s. auch Juni – Oktober 2009), die diesen Abschnitt unter der Aufsicht eines Fluglehrers absolvieren müssen, da sie noch keine Lizenz besitzen. Erst später können sie innerhalb der Staffel durch die beiden TRE´s weitergebildet werden.

Ebenfalls in diesem Monat findet, auch im Rahmen der Zugehörigkeit zur Luftfahrerschule, der erste FRONTEX-Lehrgang außerhalb der Bundespolizei, in Hessen, statt. FRONTEX ist die europäische Agentur zur Sicherung der Aussengrenzen der EU und kümmert sich in diesem Rahmen um die Aus- und Weiterbildung des Personals, das die Grenzsicherung durchführt. Hierbei handelt es sich um Polizeibeamte, die für diese Aufgabe von ihren Heimatländern abgeordnet werden. Im Auftrag der Luftfahrerschule führt die PHuSt Hessen einen Weiterbildungslehrgang für FLIR-Operator durch. Hierzu kommen Teilnehmer aus 7 Nationen (z. Bsp.: Ungarn, Zypern, Rumänien, Polen, Italien, Lettland) nach Egelsbach. Schwerpunkte des Seminars sind die Vertiefung der FLIR-Technologie, der gegenseitige Austausch und die mögliche Standardisierung der Einsatzverfahren und auch ein Wenig das Näherbringen der typischen deutschen und hessischen Kultur.

1. Frontex-Lg bei der PHuSt 2010

Dezember 2010 – März 2011
Um alle angestellten Flugbetriebsassistenten auf das gleiche Niveau der polizeilichen Ausbildung zu bringen, gehen zwei Kolleginnen und ein Kollege auf einen Lehrgang an der hessischen Polizeiakademie. Dort erhalten sie den gleichen wachpolizeilichen Hintergrund wie ihre fünf Mitstreiter, die direkt von der Wachpolizei zur Hubschrauberstaffel kamen. Im Anschluss werden sie zu Hilfspolizeibeamten ernannt und berechtigt im Dienst eine Waffe zu führen. Somit haben alle 8 Angestellte im Schichtdienst einen einheitlichen Ausbildungsstand und Status.

Januar / Februar 2011
Die beiden neuen Piloten werden auf ihrem zukünftigen Einsatzmuster, der EC 145, ausgebildet (s. auch Oktober 2010)

März 2011

Nach fast 38 Jahren in Diensten der hessischen Polizei wird die letzte BO 105 (D-HAZY) offiziell außer Dienst gestellt. Dies wird im Rahmen einer staffelinternen Feierstunde gewürdigt. Viele Piloten trennen sich nur ungern von diesem Meilenstein deutscher Ingenieurskunst, aber diverse Einschränkungen bezüglich der vollständigen Verwendbarkeit des Musters machten diesen Schritt in letzter Konsequenz notwendig.

FlyOut-Party BO 105

Frühjahr 2011
Mehrere Windeneinsätze, unter anderem die Bergung einer verletzen schwangeren Kletterin aus dem Morgenbachtal und die Rettung einer Ballonbesatzung von einem freistehenden Mast in Bereich Marburg-Biedenkopf, verdeutlichen die Leistungsfähigkeit der Staffel auf diesem kleinen Einsatzgebiet. In der Nachbereitung werden auch Mängel angeführt, die durch weitere Trainingsmaßnahmen auszumerzen sind.

Windenbergung Ballonfahrer

Spätsommer / Herbst 2011
Die Überlegungen, die Flotte der Staffel durch ein geeignetes Flugzeug zu ergänzen, nehmen konkrete Formen an. Die Maschine soll im Tageinsatz bei möglichst vielen Szenarien eingesetzt werden. Hierzu soll sie mit einer FLIR-Kamera und entsprechender Dokumentations- und Übertragungstechnik ausgestattet werden. Außerdem sie soll bei nahezu jedem Wetter nach Instrumentenregeln fliegen können. Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten bietet sich ein italienisches Muster, die VulcanAir P 68 Observer, an. Für diese wird ein Beschaffungsvorhaben in die Wege geleitet (s. auch März 2012). Im Pilotenkreis der PHuSt Hessen gibt es insgesamt 9 Kollegen, die eine Pilotenlizenz für Flächenflugzeuge besitzen oder besaßen, so dass ein Pool von zunächst 6 Mann gebildet wird, der direkt auf ein zweimotoriges Muster geschult werden kann.

Mit der geplanten Einführung des neuen Flugzeuges geht parallel auch ein anderes Projekt einher: Die engere länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. Innerhalb dieses Projektes sollen diverse Kooperations-Möglichkeiten erarbeitet, geprüft und eingeführt werden. Ein fester Bestandteil ist hierbei bereits die Abnahme eines bestimmten Kontingentes an Flugstunden des Flächenflugzeuges durch Rheinland-Pfalz. Hier soll die Maschine, genauso wie in Hessen, zur Gewässer-  und Verkehrsüberwachung eingesetzt werden.

01.09.2011

Ein Novum bei der PHuSt: Ein ausgebildeter Schutzmann wird als Pilot direkt in die Hubschrauberstaffel geholt. Das kommt daher, dass er in seiner Freizeit die Berufspilotenlizenz für Flächenflugzeuge erworben hat und mit der geplanten Einführung eines Flugzeuges (s. letzten Artikel) als kompetenter Ansprechpartner aus diesem spezifischen Bereich der Fliegerei und Einsatzpilot auf dem Muster dienen kann (und nebenbei dem Land Hessen viel Geld für die Ausbildung neuen Personals spart!).pstbesuch in Deutschland . Die Polizeikräfte einzelner Bundesländer oder der Bundespolizei können ein solches Großereignis nicht allein stemmen. Daher wird Unterstützung aus diversen Teilen der Bundesrepublik zusammengezogen. Ein hessischer Hubschrauber ist auch mit dabei und wird direkt aus der Liegenschaft der Bereitschaftspolizei im badischen Lahr eingesetzt. Mit insgesamt 10 Mann wird eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit sichergestellt. Der Einsatz verläuft aber insgesamt ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Oktober 2011
2. FRONTEX-Lehrgang in Egelsbach (s. auch Oktober 2010). Der Lehrgang wird mit der gleichen Zielrichtung wie im letzten Jahr angeboten, dieses Mal rekrutieren sich die Teilnehmer aber im Schwerpunkt aus Flächenflugzeugbesatzungen (unter anderem aus Schweden, Island, Portugal, Estland und Slowenien) , was nichts mit der Einführung des eigenen Flugzeuges zu tun hat, aber wertvolle Informationen für die zukünftigen Einsätze mit sich bringt.

November 2011
Zum ersten Mal geht eine Besatzung der PHuSt Hessen im EC-145-Simulator der ADAC-HEMS (Helicopter Emergency Medical Service) -Academy trainieren. Diese Einrichtung ist eine Kombination aus Simulatoren für fliegende Besatzungen und das medizinische Begleitpersonal. Die Staffel nutzt hierbei aber nur den vollbeweglichen EC-145-Simulator, da Rettungsflüge und die weitere Ausbildung in diesem Bereich nicht zu ihrem Aufgabengebiet gehören.

Der Simulator stellt eine optimale Trainingsmöglichkeit für die fliegenden Besatzungen dar: Das Rhein-Main-Gebiet, als Haupteinsatzort der Staffel, ist fotorealistisch dargestellt, sogar der Dachlandeplatz des Polizeipräsidiums Frankfurt inklusiver der umgebenden Bebauung ist naturgetreu wiedergegeben. Alle Notsituationen können hier einspielt und gemäß Handbuch EC 145 abgearbeitet werden. Der Simulator ist für die Abnahme der Halbjahres- und Jahrescheckflüge zugelassen, so dass die Gelegenheit beim Schopf ergriffen wird und der erste Pilot der Staffel bei diesem ersten Mal seine 12-Monatsüberprüfung erfolgreich hinter sich bringt und seinen Schein verlängert bekommen kann. Nebenbei kostet die Flugstunde im Simulator weniger als die Hälfte einer Stunde in der echten Maschine.

02. November 2011
An diesem Tag verlässt die letzte BO 105 die Staffel. Sie wurde verkauft und wird jetzt vom neuen Besitzer per Anhänger abgeholt. Das endgültige Ende einer Ära.

Die letzte BO verlässt die Staffel

01.01.2012
Die beiden neuen Piloten haben Ihre Ausbildung und ihre Einarbeitungsphase in der Staffel erfolgreich hinter sich gebracht und beginnen nun mit dem regelmäßigen Schichtdienst in ihren Dienstgruppen. Sie fliegen immer noch mit ein paar wenigen Auflagen, die Ihrer noch nicht sehr umfangreichen Erfahrung geschuldet sind. Bis zum Jahresende sollen sie als absolut vollwertige Einsatzpiloten für alle Einsatzverfahren der PHuSt Hessen zur Verfügung stehen.

08.02.2012
Der erste „FBA-Workshop“ der Staffel findet statt. Dieser dient dazu, den wichtigen Bereich der Arbeiten der Flugbetriebsassistenten (s. auch 2002) zu standardisieren. Im Bereich der Flugtechniker und Piloten finden eine Reihe von Maßnahmen dieser Art statt, aber für die FBA´s gab es bisher keine einheitlichen Ausbildungsrichtlinien und Vorgaben für die tägliche Arbeit. Da insbesondere die FLIR-Kamera das Haupteinsatzmittel bei nächtlichen Einsätzen und auch bei verschiedenen Szenarien bei Tag ist, wird hierauf ein Hauptaugenmerk gelegt.

30.03.2012
Indienststellung des ersten taktischen Aufklärungsflugzeuges in Deutschland bei der Polizeihubschrauber-staffel Hessen. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde wird die Maschine durch den amtierenden hessischen Innenminister Rhein an die Staffel übergeben. Die P 68 Observer 2 der Firma VulcanAir aus Italien wird zunächst von den 6 Piloten der Staffel im Rahmen der Gewöhnung eingeflogen und danach schnellst-möglich in den regulären Einsatzdienst übernommen. Sie ist zunächst für Einsätze bei Tag vorgesehen.

VulcanAir P 68 Observer 2

03.04.2012
Ein denkwürdiger Tag in der Geschichte der Hubschrauberstaffel Hessen: Zum ersten Mal bewährt sich der Feuerlöschbehälter „Bamby-Bucket“ im Realeinsatz und parallel dazu wird der erste erfolgreiche Suchflug durch das gerade eingeführte Flugzeug absolviert.        Der Hubschrauber wird angefordert, weil in einem schwer zugänglichen Seitental des Kinzigtals ein Hang brennt. Das Feuer droht sich schnell auszubreiten, da der Boden sehr trocken ist und ausreichend Wasser nicht schnell genug an die Einsatzstelle gebracht werden kann. Mittels Löschbehälter wirft die Besatzung mehr als 8000 Liter Wasser punktgenau und in weniger als einer Stunde auf das Feuer ab. Daraufhin gibt der Einsatzleiter der Feuerwehr Entwarnung, eine Ausbreitung des Brandes ist definitiv auszuschließen.    Zu dieser Zeit steht nur ein Hubschrauber zur Verfügung, so dass der Anforderung zu einem Suchflug nicht direkt nachgekommen werden kann, da die Maschine beim Feuerlöschen ist. Allerdings befindet sich das Flugzeug (Rufname „IBIS 7“) auf einem Trainingsflug in der Nähe der Unglücksstelle. Es wird kurzfristig angefragt, ob den genannten Bereich nach einem Fahrzeug absuchen kann, dessen Beifahrer im Wald mit einer Warnweste winkt. Der Fahrer liegt verletzt und eingeklemmt unter dem Fahrzeug, das die Polizei- und Rettungskräfte in dem großen Waldgebiet nicht finden können. Nach etwa 10-minütiger Suche findet die Besatzung die Unfallstelle und kann den RTH „Christoph 2“ und die vor Ort befindlichen Kräfte einweisen. Der erste erfolgreiche Einsatz ist mit Bravour bestanden.

10.05.2012
Der erste Fotoauftrag wird mit dem Polizeiflugzeug IBIS 7 erfolgreich abgearbeitet. Zwar müssen die Bilder aus einem recht kleinen Fenster seitlich nach unten angefertigt werden, aber nach ein paar Probeaufnah-men und einer optimalen Abstimmung des Flugweges zwischen Pilot und Co, gelingen die geforderten Bilder sehr gut. Diverse Fotoaufträge folgen, die das Flugzeug auch weit über die hessische Landesgrenze, zum Teil bis nach Süddeutschland, ausführt. Um für solche Einsätze besser gerüstet zu sein, wird ein spezielles Fenster angeschafft mit dem man senkrecht nach unten Fotografieren kann. Diese Bilder werden dann auch nicht mehr durch den Co-Piloten, sondern vom dritten Besatzungsmitglied, dem Operator in der Kabine angefertigt. Der Einbau soll spätestens mit Beginn des Jahres 2013 erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt sollen alle Piloten die notwendigen Flugstunden gesammelt haben, um die Maschine in den geforderten Einsatzszenarien fliegen zu können.

11. und 21.05.2012
Die ersten Gewässerschutzstreifen mit Kollegen der Wasserschutzpolizei werden mit dem neuen Flugzeug durchgeführt. Der erste Einsatz führt zu den nordhessischen Gewässern (Eder-, Diemel- und Twistesee, Weser, Werra und Fulda), der zweite am 21.05. in den südhessischen Bereich entlang des Rheins und Mains.

24.-28.09.2012
Die Staffel übt, in Zusammenarbeit mit der Bergwacht Hessen, das Retten von Personen mittels Rettungswinde. An sich ist das noch keine spektakuläre Neuerung, da solche Schwerpunktwochen fast jährlich stattfinden. Dieses Mal wird jedoch ein für die Staffel und die Retter neues Verfahren, die Bergung von Personen aus einer stehenden Seilbahn, geübt. Hierzu haben sich die Retter in der „Simulationsanlage für die Berg- und Luftrettung“ bei der Bergwacht Bayern in Bad Tölz in 2 Durchgängen, im Frühjahr und Sommer diesen Jahres, intensiv vorbereitet.

Windensimulation Bad Tölz

Windentraining in Willingen

11.10.2012
Das Peilen von Mobilfunkgeräten aus dem Hubschrauber gehört seit einigen Jahren zum fast alltäglichen Einsatzgeschäft der Staffel, in enger Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt. Neu ist das Peilen von UMTS-Geräten. Auch diese können seit geraumer Zeit gepeilt werden, aber die Technik musste noch nie zum Einsatz gebracht werden, da die gesuchten Handys immer im GSM-Netz eingeloggt waren. Technisch ist die Einrüstung der Anlage aufwendiger als die GSM-Peilung, weil ein zweites Gerät und weitere Zusatzausrüstung eingebaut werden müssen. Bisher wurde mit dem Einsatzverfahren nur geübt, in der Praxis bestand es in dieser Nacht den ersten richtigen Einsatz mit Bravour.

30. November 2012
Neu „in Dienst gestellt“ wird auch der 3. TRI der Staffel Stefan B. (s. auch 2003 und 2007). Er unterstützt das bisher zweiköpfige Ausbildungsteam, insbesondere im Bereich des Safety-Managements sowie bei allen regelmäßig stattfindenden Trainings-, Aus- und Fortbildungsmaßnahmen.

Ausblick 2013
Ab dem 01.01.2013 beginnt für 4 Flugzeugpiloten ein neuer Ausbildungsabschnitt der mit dem Erwerb der Berufspilotenlizenz enden wird.

Am 11.01.2013 fand der erste gegenseitige Einweisungsflug im Rahmen der hessisch-rheinlandpfälzischen Kooperation statt. Das Datum markiert den Beginn der praktischen Umsetzung im Rahmen der Kooperation beider Bundesländer auf fliegerischer Ebene. Diese Flüge sind notwendig um den jeweils ortsfremden Besatzungen die Besonderheiten der kritischen Landeplätze sowie der Schlechtwetterrouten im jeweiligen Einsatzgebiet nahe zu bringen. Ziel ist es hierbei, den Besatzungen Handlungssicherheit für Einsätze bei jedem Wetter und in jeder denkbaren Lage im noch unbekannten Terrain zu geben.

Hessischer und Rheinland-Pfälzer Polizeihubschrauber

Weiterhin soll im Frühjahr/Sommer der Neubau des Flugeinsatzgebäudes beginnen, der der Staffel eine adäquate Größe im Verhältnis zu ihrem Personalaufwuchs bescheren soll.

Teil II: Geschichte der Wartung / Luftfahrzeugtechnik                          

Ohne die zugehörige Technik fliegt keine Hubschrauberstaffel, logisch, denn ohne die intensiven Wartungsarbeiten, besonders im Hubschrauberbereich, wäre ein sicherer Flugbetrieb nicht möglich. Aus diesem Grund soll in diesem Abschnitt noch ein bisschen intensiver auf diesen Teilbereich der Staffel eingegangen werden.

Hubschrauber skelettiert

 

I . Die Anfänge (1964-1968)
Bei Indienststellung der Staffel gab es noch nicht die Möglichkeit einen eigenen luftfahrttechnischen Betrieb zuzulassen. Die Zulassungen und die technischen Überprüfungen wurden von der „Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt e.V., Prüfstelle für Luftfahrzeuge“ (DVL/PfL) durchgeführt und gehörten noch gar nicht in den Organisationsbereich des Luftfahrtbundesamtes (LBA). Ab 1957 kommt als Prüfstelle auch die „Deutsche Forschungsanstalt für Luftfahrt e.V.“ (DFL) als zugelassene Prüfstelle hinzu. Diese beiden Einrichtungen sind für die Musterprüfung aller Luftfahrzeuge zuständig. Für die technischen Stück- und Nachprüfungen an zugelassenen Luftfahrtzeugen sind noch sogenannte Bezirksprüfstellen zuständig, die als Außenstellen der DVL/DFL organisiert sind. Ab dem 01.01.1967 wird das LBA auch als „Prüfstelle für Luftfahrzeuge (PfL)" anerkannt. Die Aufgaben der DVL und der DFL gehen daraufhin auf das LBA über und die Bezirksprüfstellen werden vom Amt übernommen.

Zur ersten technischen Crew der damaligen Flugbereitschaft gehörten der Werkstattleiter und ein ziviler Hubschraubermechaniker. In dieser Zeit wurden die technischen Maßnahmen an den zwei Hubschraubern von diesen beiden Männern durchgeführt. Allerdings waren, auf Grund der noch nicht vorhandenen Prüfberechtigungen, immer Techniker und technische Berater der Firma „Sud Aviation“ (Hersteller der Aouette II, Anm. d. Red.) vor Ort. Gleichzeitig wurden die Maschinen bei der Henschel Flugzeugwerke AG „Auf dem Hummerich“ (mittlerweile dem Lava-Abbau zum Opfer gefallen) in der Nähe von Mendig den regelmäßigen Kontrollen unterzogen.

Dies änderte sich, als am 16.05.1968 die neue „Prüfordnung für Luftfahrtgerät“ (LuftGerPO) in Kraft trat. Mit ihr wird im Prüfwesen das Delegationsprinzip eingeführt. Technische Prüfungen müssen nicht mehr von den PfL im LBA oder den noch vorhandenen Bezirksprüfstellen durchgeführt werden, sondern können, sofern eine ordnungsgemäße Prüforganisation verfügbar ist, im Betrieb selbst erledigt werden. Die Anerkennung und Überwachung dieser innerbetrieblichen Organisationen obliegt dem LBA. 

Im Rahmen dieser neuen Verordnung stellt die Flugbereitschaft der hessischen Polizei, unterstützt durch die Kollegen aus Nordrhein-Westfalen,  am 26.06.1968 den Antrag auf Zulassung als luftfahrttechnischer Betrieb (LTB). Die Genehmigung für Drehflügler der Muster SA 3180 (Alouette II) und SE 3160 (Alouette III) wird am 03.09.1968 erteilt. Somit ist Hessen das zweite Bundesland (nach NRW), das in seiner Polizeifliegerstaffel einen zugelassenen luftfahrttechnischen Betrieb (Nummer II – A 62) hat. Vorausgegangen ist dieser Zulassung die Ausbildung des dazugehörigen technischen Personals, um die geforderte interne Prüforganisation gewährleisten zu können.

Übersicht Wartung im alten Hangar

II. 1969 bis heute
Auch die weitere technische Geschichte der Paust Hessen ist eine erfolgreiche, weil sehr störungsarme. Der einzige schwere Unfall, den die Staffel hinnehmen musste war der Totalverlust einer Maschine bei einem Unfall im Herbst 1979 (s. o.). Dieser Unfall hatte aber nachweislich keine technische Ursache, wie auch alle weiteren Zwischenfälle, die dokumentiert sind. Die häufigsten Zwischenfälle (ca. 6-8 in 45 Jahren!) waren Ölverschmutzungen in den Triebwerksgetrieben bei der BO 105. Gemäß dem Notverfahren ist das entsprechende Triebwerk beim Aufleuchten der Warnleuchte abzustellen und eine Einmotorenlandung durchzuführen. Diese Landungen konnten stets, ohne weiteren Schaden an der Maschine anzurichten, beendet werden.

Einige wurden dokumentiert:

Einmotoren-Landung in Egelsbach

Bergung nach Einmotoren-Landung in Egelsbach

Rücktransport nach Einmotoren-Landung in Fritzlar

Es sind nur 2 wirkliche Triebwerkausfälle dokumentiert: einer durch Abriss einer Luftdrucksteuerleitung für den Kraftstoffregler und der zweite durch eine Lagerblockierung im Triebwerk. In beiden Fällen konnten die Maschinen sicher mit Einmotoren-Landungen zu Boden gebracht werden. Doch nicht immer mussten die Maschinen vom Team der Technik in den heimatlichen Hangar oder per Straßentransport nach Hause geholt werden. Kleinere Probleme, wie zum Beispiel ein Fehler am Triebwerkskraftstoffregler, konnten auch vor Ort in Stand gesetzt werden:

Feldinstandsetzung nach Reglerstörung

Wie im Bild 41 eindrucksvoll dokumentiert, waren die Umstände auch für die Technik vor dem Umzug in die neuen Dienstgebäude 1986-87, alles andere als optimal. Doch auch unter räumlich beengten Umständen wurden stets alle Maßnahmen mit einem Höchstmaß an Professionalität durchgeführt:

Hauptgetriebewechsel Alouette II im alten Hangar

Einen Quantensprung, was das Arbeitsumfeld angeht, schafften die neu bezogenen Räumlichkeiten. Viel Platz, eine optimal Geräteausstattung und vor allem eine wesentlich hellere und freundlichere Arbeitsumgebung sorgten dafür, dass die gute Arbeit unter optimalen Bedingungen fortgesetzt werden konnte:

Wartung im neuen Hangar

Ein letzter Zwischenfall in Wiesbaden soll noch beschrieben werden, weil er in gewisser Weise außergewöhnlich war und im weiteren Verlauf auch ein zum Schmunzeln anregte.  Die Besatzung suchte nach einer vermissten alten Dame in den Anhöhen oberhalb Wiesbadens. Nachdem sie eine ansteigende Waldschneise entlang geflogen waren, drehten sie am höchsten Punkt und wollten diese in der entgegengesetzten Richtung weiter absuchen. Die Schneise lag aber in einem dichten weißen Nebel, der vor dem Flug nicht da gewesen war. Also entschloss sich die Besatzung zu einer sofortigen Landung und verließ die Maschine nachdem Notabschalten beider Triebwerke.

Ölbrand im Triebwerk

Der Nebel entpuppte sich als ein Defekt an der Ölversorgung eines Triebwerkes, was zu einem Ölbrand und zu entsprechend starker Nebelbildung führte. Da keine wesentlichen Temperaturänderungen auf den Instrumenten zu verzeichnen waren, konnte dieser Defekt von der Besatzung im Cockpit zunächst nicht wahrgenommen werden. Eine Instandsetzung vor Ort war ausgeschlossen und so wurde nach Bergungsmöglichkeiten aus dem engen und recht steilen Waldtal gesucht. Das Angebot der Bundeswehr, die Maschine als Außenlast von einem Transporthubschrauber CH-53G bergen zu lassen, wurde vom Innenministerium verworfen. Begründung: „Was macht man mit einer Außenlast, wenn es Probleme geben sollte? Genau, man wirft sie ab!“ Dieses Risiko wollte man nicht eingehen und so wurde die Bergung mittels Tieflader durchgeführt: 

Bergung nach Ölbrand I

Bergung nach Ölbrand II

Die Geschichte der Technik ist eine Geschichte der Nicht-Zwischenfälle und Offenheit gegenüber technischen Innovationen. Die ersten Maschinen waren bereits mit Lautsprechern, Rettungswinde, Lasthaken und wenig später auch mit einem ersten System zur Übertragung von Kamerabildern aus der Luft ausgestattet (s. o.: 1964-1969). Auch wenn einige technische Entwicklungen nicht über das Prototypenstadium hinauskamen, waren sie trotzdem wichtige Meilensteine auf dem Weg zur heutigen hochmodernen Ausstattung. Beispielhaft seien hier nur die Kapitel Kameraeinbau (Alouette II ab 1969, BO 105 ab 1984, EC 145 ab 2002), Winde (von Beginn an bis heute auf allen 3 Mustern) und Peilanlage (BO 105 ab 1978, EC 145 ab 2007) zu nennen. Zwei der neueren Entwicklungen sind die Auslösevorrichtung für den Feuerlöschbehälter („Bamby-Bucket“), die nicht mitgeliefert werden konnte und nach einer (aus dem Internet heruntergeladenen) Bauanleitung, nachkonstruiert wurde sowie die neue Befestigung für den SEK-Abseilbalken. Bei diesem System bestand das  Problem darin, dass die Abseiltaue an der Kufe anlagen. Beim Vorbeirutschen an der Kufe konnten die Einsatzkräfte hängenbleiben oder sich verletzen, was unabsehbare Konsequenzen für das weitere Abgleiten gehabt hätte. So wurde eine ausklappbare Haltevorrichtung entwickelt, die den Abstand zur Kufe wesentlich vergrößerte und somit für mehr Sicherheit sorgte.

Neue Befestigung für den SEK-Abseilbalken

Dieses System wurde zwar nicht von der Staffel entwickelt, aber der entscheidende Anstoß zur Verbesserung entstand unter anderem durch die in Egelsbach gemachten Erfahrungen. Der erste Test im Flug fand auch bei der Staffel Hessen statt
Die heutigen Wartungsarbeiten finden standesgemäß im Dockbetrieb statt. Diese Art der Arbeit gewährleistet eine optimale Arbeitsumgebung: Im Sinne der Erreichbarkeit der einzelnen Arbeitsabschnitte sowie ein Höchstmaß an Übersichtlichkeit. Dieser Aspekt ist, besonders im Hinblick auf die Reduzierung von möglichen Fehlerquellen, besonders wichtig. Das mehrstufige Prüfsystem nach einer Arbeit an der Maschine gewährleistet weiterhin ein Maximum an Sicherheit für die fliegenden Besatzungen.

Wartung im Dockbetrieb an der EC 145 I

Wartung im Dockbetrieb an der EC 145 II

Um auch weiterhin dem hohen professionellen Standard zu entsprechen, strebt die Staffel eine Zertifizierung nach EASA Part 145 an. Die Vorbereitungen für dieses Projekt laufen auf Hochtouren und sollen im Laufe des Jahres 2010 zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden.

Oktober 2010
Die Staffel erhält innerhalb einer kleinen Feierstunde ihre Zertifizierung als CAMO+- und EASA Part-145- Betrieb. Diese beiden Zertifikate sind notwendig um als Ausbildungsbetrieb im fliegerischen Bereich tätig sein zu können. Sie waren die Voraussetzung für die Ausbildung der beiden Fluglehrer (s. auch Oktober 2010) und diese wiederum die Voraussetzung für die Ausbildung des Pilotennachwuchses auf der EC 145 (s. auch Januar/Februar 2011).

Für die EASA Part-145-Zertifizierung (diese beinhaltet vor allem die Vorbereitung der Räumlichkeiten und Einrichtungen des Wartungsbetriebes) war eine Vorbereitungszeit von fast 18 Monaten notwendig; für den CAMO+-Standard (die dazugehörige lückenlose Dokumentation) musste noch einmal ein gutes halbes Jahr intensiver Arbeit investiert werden. Mit der zeitgerechten Erfüllung der Auflagen konnte die lange geplante Aus- und Weiterbildung, neben dem normalen Flugbetrieb, erfolgreich durchgeführt werden.

November/Dezember 2011
Auch der luftfahrttechnische Betrieb beschäftigt sich mit der Einführung des neuen Musters P 68 Observer 2 (s. auch Spätsommer/Herbst 2011).  Hierbei sind grundlegende Frage zu klären, wie zum Beispiel: Wo und wie wird die Maschine abgestellt (sie muss in den Hangar ein wenig „gezirkelt“ werden, weil die Tragflächen zu breit sind, um sie gerade hinein zu fahren), welche Wartungsarbeiten können selbst durchgeführt werden und welche Ausbildungen sind eventuell noch zu absolvieren?

Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass der zuletzt zur Staffel hinzugekommene Luftfahrzeug-mechaniker aus einem Betrieb für Flächenflugzeuge stammt und somit die fachliche Expertise in großen Teilen bereits mitgebracht hat.

06.-09.02.2012
Teilnahme des Technikpersonals am Lehrgang der Firma Lycoming bei der Firma Röder Präzision am Flugplatz Egelsbach. Wie es der Zufall will, wird dieser, ansonsten sehr selten stattfindende Lehrgang, in direkter Nachbarschaft der Staffel durchgeführt. Da die P 68 über Lycoming-Triebwerke verfügt, ist die Gelegenheit mehr als günstig die Fähigkeitslücke in diesem Bereich zu schließen.

April 2012
Nach einer Abnahme durch das Luftfahrtbundesamt erhält der erste Prüfer die Lizenzerweiterung auf das neue Luftfahrzeugmuster, die Vulcanair P68 Observer II. Somit gibt es den ersten zertifizierten Prüfer für das neue Gerät in der Staffel quasi mit Einführung des Musters in die Fliegerstaffel.

27.09.2012
Genehmigungsumfangserweiterungsurkunde, so nennt sich das Zertifikat, das der Staffel ausgehändigt wird und bestätigt, dass die Technik, unter Einhaltung der Kriterien für Part 145 und CAMO+ nicht nur ihre Hubschrauber warten und instand setzen kann und darf, sondern ab diesem Zeitpunkt auch das zur Staffel gehörige Flugzeug (s. Oktober 2010).

Dezember 2012
Human-Factor-Training bei der Polizeihubschrauberstaffel Bayern in München. Dieses Training, das der Zusammenarbeit innerhalb des Personals und zur Vermeidung von Fehlern durch den Faktor „Mensch“ dient, wird alle 2 Jahre durchgeführt. Es ist verpflichtend für alle Mitarbeiter innerhalb eines Instandhaltungsbetriebes. Für die fliegenden Besatzungen ist solch´ ein Training auch vorgeschrieben, nennt sich dann aber CRM (Crew Ressource Management) und hat einige andere Schwerpunkte und Inhalte.

Teil III: Anekdoten aus der Staffelgeschichte 

Patenschaft
Für eine Frau, die nach der Entbindung sehr viel Blut verloren hat, wird eine Blutkonserve von der Blutbank in Frankfurt am Main nach Lauterbach geflogen. Die Dankbarkeit über die Rettung seiner Frau veranlasst den frisch gebackenen Familienvater dazu, der Besatzung spontan die Patenschaft für sein Kind anzubieten.

Der Bundeskanzler
Am 20.09.1972 wird der amtierende Bundeskanzler, Dr. Kurt Georg Kiesinger, von der Flugbereitschaft der hessischen Polizei von Frankfurt/Main nach Bonn geflogen. Der Bundesgrenzschutz, normalerweise für den Transport zuständig, kann in Bonn-Hangelar auf Grund der schlechten Wetterlage nicht starten. Bis zum Kanzleramt wird die hessische Maschine aber nicht durchgelassen, das Personenschutzkommando des Kanzlers holt bei einer abgesprochenen Zwischenlandung ihn an der Autobahn A 3 ab und bringt ihn per Auto ans Ziel. Ein persönliches Dankschreiben des Kanzlers rundet diesen außergewöhnlichen Einsatz ab (s. a.: nächste Anekdote „Besatzung verhaftet“)

Besatzung verhaftet
Flug mit einem Staatssekretär aus Hessen nach Bonn. Geplanter Landeort ist der Flugplatz Bonn/Hangelar (Bundespolizei). Auf beherztes Drängen („Zeitnot“) des Fluggastes entscheidet sich die Besatzung zur Landung auf dem Landeplatz des Kanzleramtes. Da diese Landung selbstverständlich nicht angemeldet ist, findet sich Besatzung, inklusive Fluggast, direkt nach dem Aussteigen den Kollegen des Bundesgrenzschutzes (heute: Bundespolizei) gegenüber, die sie mit der Waffe im Anschlag in Schach halten. Nach kurzer Rücksprache mit den örtlichen Vorgesetzten klärt sich das Missverständnis und die Besatzung kann unversehrt den Heimflug antreten. Dort weiß der Chef der Flugbereitschaft aber darüber natürlich schon Bescheid; Telefon war doch schneller, als der Hubschrauber…..

Hessisch-Thüringischer Mauerfall
Nach der offiziellen Begrüßung der DDR-Bürger am Grenzübergang Herleshausen durch den hessischen Ministerpräsidenten Wallmann wird kurze Zeit später der erste westdeutsche Polizeihubschrauber über der Wartburg gesichtet. Unbestätigten Berichten zufolge konnte auf der Tür der Maschine ein Länderabzeichen ähnlich dem des Landes Thüringen identifiziert werden….!

Fliegen ohne Motor kann nicht gesund sein…
Am 13.02.2006 wird ein Paraglider im Lahn-Dill-Kreis bei Nacht in einer spektakulären Rettungsaktion mit 2 Hubschraubern der Staffel aus einem Steinbruch geborgen (s. a. Artikel am 13.02.2006). Besagter Paraglider stürzt später wieder, an gleicher Stelle, unter ähnlichen Umständen, ab und wiederum wird eine Besatzung aus Egelsbach angefordert. Diese muss aber nicht zur Bergung ausrücken, weil es diesmal auch mit bodengebundenen Kräften funktioniert. Und auch ein drittes Mal soll der Mann noch in den Steinbruch gestürzt sein, wobei die Staffel nur über Umwege davon erfuhr. Man muss ihm aber zugute halten, dass er sich auf einem Flugtag bei der anwesenden Besatzung des Polizeihubschraubers für seine Rettung bedankte…!

 

Danke Schön

Für die tatkräftige Unterstützung bei der Erarbeitung dieses Abschnittes danke ich besonders den ehemaligen Kollegen Ernst-August P., Achim W., Gert G., Norbert M., Jürgen B., die für meine neugierigen Fragen allzeit ein offenes Ohr und die passenden Antworten hatten. Alle Anderen, die hier nicht erwähnt werden konnten, sei auch ein Dank ausgesprochen, denn ohne die Mithilfe vieler Kollegen wäre diese Sammlung an Informationen nicht so ausgefallen, wie sie jetzt vorliegt.

 2 blaue Pfeile zur Startseite