Außenaufnahme des Polizeipräsidiums Osthessen
 
27.10.2017

Spannende Einblicke in den Polizeiberuf

Das Polizeipräsidium Osthessen hatte vor Kurzem Besuch von zwei besonderen Reportern. Sie wohnen in der Einrichtung „antonius“ und berichten regelmäßig in der Zeitschrift „Seitenwechsel“ über Erlebtes.
Diesmal haben Sie einen Bericht über ihren Besuch bei uns gefertigt und diesen mit vielen bunten Bildern bereichert.
Und wir dürfen ihn hier veröffentlichen.

 

Wir zeigen´s Ihnen
s´Polizeirevier

Liebe Leser!

Diesmal erzählen wir Ihnen, wie es auf der Polizeistation Fulda zugeht. Wir, das sind meine Wenigkeit, Andreas Sauer, und meine Kollegin Erika Mechler.
Diesmal mussten wir nicht weit fahren. Das Polizeipräsidium liegt im Münsterfeld. Der Leiter der Station, Alfred Hau, hat uns sehr freundlich begrüßt.
Zunächst hat er den Unterschied erklärt: Das Polizeipräsidium Osthessen ist zuständig für die Landkreise Fulda, Bad Hersfeld und Vogelsberg. Im Gebäude befindet sich aber auch die Polizeistation, und die kümmert sich um Fulda, Künzell, Petersberg und das Meiste im Landkreis. Dann gibt es den Unterschied zwischen Kriminalpolizei und Schutzpolizei. Das wussten wir vorher nicht. Die Kriminalpolizei kümmert sich um richtig aggressive Verbrechen.
Das Schlimmste ist z.B. das Erwürgen.
Also um Mord, Totschlag, aber auch um Raub, Banküberfälle und Drogen. Die Schutzpolizei kümmert sich aber genauso um Straftaten, zum Beispiel um Diebstahl und Körperverletzung.
Also wenn einer dem anderen aufs Auge haut oder jemanden direkt hier reindonnert, also in den Bauch. Oder einem mit dem Gewehr hinten rein schießt.
Nein, Erika, wenn er schießt, ist es versuchter Totschlag. Da wird genau unterschieden. Aber ganz klar ist das vermutlich nicht immer. Die Schutzpolizei hat noch viele andere Aufgaben: Sie hat viel mit Verkehrsunfällen zu tun, aber auch mit Überfällen. Auch bei Demonstrationen wird die Schutzpolizei gebraucht, zum Absichern. Neulich, als die Angela Merkel zu Besuch war, hatten sie einen Großeinsatz.
Damit niemand Randale macht.
Der Herr Hau ärgert sich manchmal, weil im Fernsehen die Schutzpolizei nicht so gut rüberkommt. Die machen da immer nur Hilfsdienste für die Kriminalpolizei. In Wirklichkeit arbeiten beide wie Freunde zusammen.

Dann ging´s richtig los. Als erstes haben wir die Streifenwagen mit dem Herrn Polizeioberkommissar Lutz Felbinger besichtigt.
Er uns gezeigt, wie ein Funkspruch abgesetzt wird. Ich saß hinten drin, Erika vorne. Da habe ich gesagt: "Elf-Null-Eins, antonius, bitte kommen". Der Mann von der Wache hat geantwortet: "Elf-Null-Eins, verstanden, bitte kommen." Da haben wir gesagt: "Hier spricht der SeitenWechsel. Wir machen gerade eine Reportage". Dann hat er gesagt: Elf-Null-Eins, verstanden". Das war schon cool.

Dann hat Herr Felbinger uns seine schusssichere Weste gezeigt. Die war dick gepolstert, damit keine Kugel in den Körper dringt. Um sich zu verteidigen, hatte er eine Pistole. Die durften wir nicht anfassen, die war ja geladen.
Ganz wichtig ist das Pfefferspray gegen Angreifer. Er hat uns beruhigt und gesagt, dass wir weniger Angst haben müssten, weil wir eine Brille tragen.
Er hat selbst mal Pech gehabt, weil eine Kollegin ihn erwischt hat.
Der Angreifer hat sich weggedreht, und da hat er es in die Augen bekommen. Da lief ihm die Suppe, hat er gesagt, da war er ausgeknockt!

Er hatte auch einen Schlagstock. Der Griff ist aus Plastik, aber das andere aus Metall.
Damit er nicht immer so ein langes Ding am Bein hängen hat, war der eingefahren. Den konnte er auf Knopfdruck ganz schnell ausfahren.
Am besten hat mir das mit den Handschellen gefallen. Ein gutes Gefühl war das nicht. Wir hatten ja nichts angestellt. Wir wurden nur angebunden, damit man das mal im Gefühl hat.
Ich denke, wenn die Einbrecher an die Handschellen gelegt werden, sind die niedergeschmettert und überlegen sich: Was habe ich jetzt gemacht? Gruselig war das Gefangenentransportauto mit richtigen Zellen drin. Wenn Leute jetzt randalieren am Bermudadreieck in Fulda z.B., dann kommen sie in so ein Auto. Oder wenn jemand zum Gericht gebracht wird. Erika war Feuer und Flamme und hat sich einsperren lassen.
Türe zu, kannste nicht raus.
In der kleinen Zelle saß man drin wie auf einem Dixi Klo. Das war was!

Ich habe den Herrn Hau dann mal gefragt: Wozu braucht man eigentlich eine Polizei? Da hat er gesagt: Wenn es keine Polizei gäbe, dann hätte man keinen zum Reden im Notfall. Ohne Polizei wären wir wirklich aufgeschmissen, bei Unfällen, bei Verbrechen. Aber auch, wenn mich jemand beleidigt oder mir etwas klaut und dann wegrennt.
Aber die Täter müssen sich schon fürchten vor der Polizei. Ich frage mich immer: Warum rennen die weg? Das nützt ja nichts.
Wenn ein Hund dabei ist, ist Wegrennen zwecklos. Wir haben so einen Diensthund kennengelernt, einen belgischen Schäferhund, den Cisco. Der Hundeführer hieß Oberkommissar Lutz Gleichmann. Der Hund hat eine richtige Ausbildung für Sprengstoff gemacht. Wenn am Bahnhof jetzt so ein Koffer herumsteht, rufen sie den Herrn Gleichmann an, damit der Hund die Tasche beschnüffelt. Wenn der was findet, legt er sich flach auf den Boden. Das ist das Zeichen. Er darf die Tasche nicht berühren ...
... sonst geht ja die Bombe hoch!
Der Hund muss auch angreifen können. Wenn einer im Schlossgarten etwas verbrochen hat und wegrennt, dann ...
... dann ruft der Herr Gleichmann: "Fass!"
Nein, Erika, er ruft: "Stehenbleiben, oder ich lass den Hund auf Sie los!"
Stimmt!
Und bevor der vom Hund angegriffen wird, bleibt er lieber stehen.
Die Täter haben mehr Angst vor Hunden als vor Polizisten.
Er hat uns auch vorgeführt, wie ein Hund angreift. Dafür zieht er einen Schutzärmel an.
Der Hund hat ihn ganz schön darein geknappst!
Das war eine Trainingseinheit für den Hund. Er sollte das genauso machen wie im Einsatz.

Dann ging es zum Spurenabgleich. Da waren wir im Gebäude der Kripo, beim Kriminalhauptkommissar Thorsten Zechmeister. Das ist der stellvertretende Leiter der Spurensuche, der weiß alles über Fingerspuren. Weil jeder Mensch andere Rillen hat, kann man die Täter damit überführen. Wir haben das an einem Teller ausprobiert.
Wir mussten erst mal Handschuhe anziehen, damit wir nicht selbst Fingerabdrücke hinterlassen.
Wir haben dann mit einem feinen Pinsel, wo Ruß dran war, über den Teller gestrichen.
Obendrauf sah man einen dicken Abdruck vom Daumen. Unten gab´s mehrere kleine.
So hat man gesehen, wie herum der Täter den Teller angefasst hat. Das war Wahnsinn. Wir gingen dann in einen anderen Raum, da wurde mein Fingerabdruck abgenommen.
Er hat den Finger vom Andreas so gerollt, damit alles drauf ist vom Finger. Das hat man auf dem Bildschirm gut gesehen.
Und von der Erika hat er Fotos gemacht.
Auf dem Boden waren so zwei rote Füße, da musste ich mich draufstellen. Dann hat er gesagt: "Guck mal rüber auf die Zahl an der Wand." Ich hab ein bisschen böse geguckt, als hätte ich ein schlechtes Gewissen.
Also für mich war das Endstation. Wisst Ihr warum? Da werden die Täter abgelichtet, und wenn die irgendwann wieder auf freiem Fuß sind, hat die Polizei ihre Datei! Dann ist immer klar: Der hat mal was verbrochen! Und da bist Du jetzt drin, Erika, haha! Wenn der Herr Zechmeister richtige Täter vor sich hat, spricht er bestimmt im strengeren Ton als mit uns. Er hat gesagt: Meistens gibt es keine Probleme. Aber wenn die Täter nicht wollen, werden sie gezwungen. Das Foto muss gemacht werden. Nicht nur vom Gesicht, auch von Tattoos oder Narben.
Das war echt super mit dem Spurenabgleich.

Dann ging´s zur Wache. Da kamen die Anrufe rasend schnell rein. Deshalb muss da immer jemand sitzen. Der wachhabende Beamte war Polizeihauptkommissar Matthias Schlag. Wenn ein Anruf kommt, muss er entscheiden: Geht das zur Kriminalpolizei oder zur Schutzpolizei? Muss er eine Streife schicken?
Wenn der Anrufer zu früh auflegt, und die Polizei hat noch Rückfragen, ist das schlecht.
In der Polizeistation arbeiten mehr als 100 Personen. Vier bis fünf Streifenwagen sind immer unterwegs, am Wochenende einer mehr. Pro Auto zwei Leute, und das rund um die Uhr. Die Zahl der Einsätze ist unterschiedlich. Zum Jahreswechsel waren es 60 Einsätze in der Nacht. Das ist viel. Aber das meiste, was die Polizei machen muss, ist doch die Schreibarbeit. Es muss alles genau festgehalten werden, die Personenzahl, was passiert ist und wie es passiert ist. Das ist wichtig, damit es später genau zurückverfolgt werden kann.
Das Schwierigste ist bestimmt, wenn der eine sagt: "Ich war das nicht". Und der andere sagt: "Ich war es auch nicht". Das geht dann immer hin und her. Da versucht die Polizei dahinter zu kommen, was dahinter steckt!

Zum Schluss gingen wir runter zu den Gewahrsamszellen. Das war wie im Thriller. Es gab Einzelzellen und eine Gruppenzelle für 20 Leute. Da kommen Täter rein, die Aggression haben oder sich nicht zu helfen wissen. Als Schutz, damit sie sich abbauen können.
Oder die, die zu viel getrunken haben. Die können sich austoben.
Die Zellen waren weiß gekachelt. Wenn man das bunt gemacht hätte, wäre zu viel Leben dort rein gekommen. Die machen das bestimmt so klinisch weiß wegen dem Innerlichen, also weil ja nicht wohnlich sein soll. Der Herr Hau hat uns das alles ein bisschen im Schongang beigebracht mit den Gewahrsamszellen. Ich seh´ es ja immer im Fernsehen, wenn die Polizisten auf einen Täter losrennen. Da sind die aggressiver, wie soll ich sagen, härter. Die Polizisten hier sind sehr freundlich und offen und hilfsbereit. Man sagt ja: Die Polizei, dein Freund und Helfer. Das ist wirklich so. Manchmal. Die wollen uns ja eigentlich nur helfen, damit wir sicher hier leben können.

Also ich möchte mich bei den ganzen Polizisten der Polizeistation Fulda herzlich bedanken.
Ihr habt euch wirklich redlich Mühe um uns gemacht. Vielen, vielen Dank dafür! Ihr macht Eure Arbeit wirklich mit Engagement!
Ich finde, die Polizisten haben einen schweren Beruf, den macht keiner gerne. Da möchte ich mich auch ganz viele Male bedanken!

protokolliert von Arnulf Müller

 

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