Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Nordhessen
 
09.08.2018 | Polizeipräsidium Nordhessen

Gemeinsamer Pressetermin der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg

Ermittlungsergebnisse nach Festnahme eines 45-jährigen Bankräubers bekannt gegeben

Gemeinsamer Pressetermin der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg (v.l.n.r.: KHK´in Simone Braun, KHK Christof Brado, KHK Dieter Schröder, OStA Alexander Badle, KR Christian Golomb und PHK Volker König)
 

Am Dienstag, den 7. August 2018, hatte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg zu einem gemeinsamen Pressetermin nach Korbach eingeladen.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main - Eingreifreserve - hat gegen einen 45-jährigen deutschen Staatsangehörigen aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein (Nordrhein-Westfalen) beim Landgericht - Große Strafkammer - in Limburg Anklage wegen des Vorwurfs der schweren räuberischen Erpressung in 20 Fällen und des erpresserischen Menschenraubs in 16 Fällen erhoben.

Dem Angeschuldigten wird zur Last gelegt, in der Zeit von Oktober 2002 bis Januar 2018 in Hessen, Rheinland Pfalz und Nordrhein-Westfalen insgesamt 20 Überfälle auf Sparkassen-, Bank- oder sonstige Geschäftsfilialen verübt und hierbei insgesamt Bargeld in Höhe von mehr als 400.000,- Euro erbeutet zu haben.

 

Im Einzelnen werden dem Angeschuldigten folgende Überfälle zur Last gelegt:

  • Freitag, den 18. Oktober 2002, ein Geschäft in 35390 Gießen - keine Beute
  • Donnerstag, den 16. Januar 2003, ein Geschäft in 57548 Altenkirchen-Kirchen - keine Beute
  • Donnerstag, den 16. Januar 2003, Sparkasse in 57548 Altenkirchen-Kirchen - 26.197,00 €
  • Freitag, den 14. Mai 2004, Sparkasse in 35088 Battenberg - 31.385,00 €
  • Mittwoch, den 3. August 2005, Sparkasse in Altenkirchen-Gebhardshain - 31.510,00 €
  • Freitag, den 24. November 2006, Sparkasse in Frickhofen - 240,00 €
  • Freitag, den 24. November 2006, Sparkasse in 57548 Altenkirchen-Kirchen - 28.895,00 €
  • Donnerstag, den 24. April 2008, Sparkasse in 58849 Lüdenscheid-Herscheid - 5.000,00 €
  • Freitag, den 18. Juli 2008, Sparkasse in 35088 Battenberg - 43.925,00 €
  • Donnerstag, den 20. Mai 2010, Sparkasse in Beselich-Obertiefenbach - 37.000,00 €
  • Donnerstag, den 14. Juli 2011, Sparkasse in 35088 Battenberg - 6.605,00 €
  • Donnerstag, den 08. September 2011, Sparkasse in Lahnau-Waldgirmes - 25.280,00 €
  • Donnerstag, den 21. Juni 2012, Sparkasse in Bischoffen-Niederweidbach - 21.000,00 €
  • Mittwoch, den 03. Juli 2013, Sparkasse in Solms-Oberbiel - 12.700,00 €
  • Donnerstag, den 12. Dezember 2013, Sparkasse in Waldbrunn-Lahr - 7.985,00 €
  • Mittwoch, den 30. Juli 2014, Sparkasse in 35287 Amöneburg-Mardorf - 13.200,00 €
  • Donnerstag, den 12. März 2015, Sparkasse in Neuental-Zimmersrode - 18.560,00 €
  • Dienstag, den 24. Mai 2016, Sparkasse in 37586 Weitefeld - keine Beute
  • Dienstag, den 24. Mai 2016, Sparkasse in 51674 Wiehl-Drabenderhöhe - 81.680,00 €
  • Dienstag, den 02. Januar 2018, Waldecker Bank in 34519 Diemelsee-Adorf - 11.115,00 €

Die hierbei entstandene Gesamtsumme beläuft sich auf: 402.277,00 Euro.

Bei der Begehung der Taten soll der Angeschuldigte überwiegend echt aussehende Spielzeugpistolen, Waffenattrappen oder Dekorationswaffen und in einem Fall eine Softairwaffe verwendet haben. Bei dem Überfall auf die Sparkasse in Weitefeld am 24. Mai 2016 soll der Angeschuldigte zudem eine mit Klebeband umwickelte Bombenattrappe verwendet haben.

Der Angeschuldigte soll die Überfälle größtenteils akribisch vorbereitet, sich gezielt Tatobjekte im ländlichen Raum ausgesucht und darauf geachtet haben, dass die Entfernung zur nächstgelegenen Polizeidienststelle mindestens zehn Kilometer beträgt.

Infolge der Überfälle erlitten einige der insgesamt etwa 100 Tatopfer posttraumatische Belastungsstörungen, einige der Tatopfer befanden sich über unterschiedliche Zeiträume in psychologischer Behandlung und litten - bzw. leiden teilweise noch heute - u.a. unter Panikattacken, Angst- und Schlafstörungen. Drei der Tatopfer waren nach dem Überfall nicht mehr dazu in der Lage, ihre Tätigkeit bei der Sparkasse weiter auszuüben. Ein anderes Tatopfer war über ein Jahr lang krankgeschrieben und verlor infolgedessen seine Arbeitsstelle. Ein weiteres Tatopfer leidet seit der Tat unter Angstzuständen, konnte seiner beruflichen Tätigkeit deshalb nicht mehr nachgehen und ist mittlerweile frühverrentet.

Der Angeschuldigte soll über den gesamten Tatzeitraum von 15 Jahren hinweg nie einer legalen Erwerbstätigkeit nachgegangen sein und seinen Lebensunterhalt ausschließlich durch die Begehung von Straftaten finanziert haben. Hierbei soll der Angeschuldigte, der sein Jurastudium nach 12 Semestern ohne Abschluss abgebrochen hatte, gegenüber der Familie und Freunden einen erfolgreichen Studienabschluss und eine Festanstellung in der Rechtsabteilung und später im Consulting eines namhaften deutschen Automobilkonzerns vorgetäuscht haben.

Im Zuge intensiver Ermittlungen zum Raubüberfall auf die Waldecker Bank in Diemelsee-Adorf durch die Regionale Kriminalinspektion (RKI) Korbach, K 10, gelang es schließlich, den Angeschuldigten zu ermitteln. Er konnte am 13. März 2018, bei der Durchsuchung seiner Wohnung im Kreis Siegen-Wittgenstein, von Spezialeinheiten des Polizeipräsidiums Nordhessen vorläufig festgenommen werden. Am 14 März 2018 erfolgte die Vorführung vor dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Korbach, der gegen den Angeschuldigten antragsgemäß Haftbefehl erließ. Der Angeschuldigte befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Die weiterführenden Ermittlungen zu der gesamten, jahrzehntelangen Tatserie führte die am 25. April 2018 eingerichtete präsidiums- und länderübergreifende "AG Connect" beim Polizeipräsidium Nordhessen, Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, RKI, K 10. Dieser Arbeitsgruppe gehören Beamte des hessischen Landeskriminalamts, der RKI Korbach und der Polizeidirektionen Lahn-Dill, Limburg-Weilburg und Koblenz an.

Aufgrund des örtlichen Schwerpunkts der dem Angeschuldigten zur Last gelegten Taten im Bezirk des Landgerichts Limburg a.d. Lahn erfolgte Anklagerhebung bei der dortigen Großen Strafkammer.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg,
Alexander Badle (Oberstaatsanwalt) und Volker König (Presseaussenstelle PD Waldeck-Frankenberg)