Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
02.02.2017 | Polizeipräsidium Mittelhessen

Missbrauch von Notrufen

26-Jähriger wählte mehrere hundert Mal grundlos den Notruf

Notruf 110 der Polizei
Bei den meisten Nutzern eines Mobiltelefons dürfte der Ehemann, die beste Freundin, der Arbeitskollege oder auch der Pizza-Lieferservice an Nummer eins der Anrufliste stehen. Ganz anders sah das bei einem 26-Jährigen aus, den die Polizei Ende Januar vorübergehend festnahm.

 

Die 110 war die von ihm am häufigsten gewählte Nummer, die er mehrere hundert Mal angerufen hatte. Dabei befand er sich nicht etwa in einer Notlage oder wollte von anderen berichten, die sich in einer solchen befanden, nein, er wählte die Nummer um Polizei und Rettungsdienste auf Trab zu halten.

 

Die Uhr zeigte 00.40 Uhr, als am 24. Januar der Notruf eines jungen Mannes bei der Einsatzzentrale der Polizei in Mittelhessen auflief. Er nannte einen Namen und berichtete von einer Bedrohung mit einer Schusswaffe in einem Wohnheim für Wohnsitzlose in Friedberg. Sogar aus dem Fenster heraus sei schon geschossen worden, ergänzte er seine Mitteilung.

In absoluter Alarmbereitschaft fuhren die Streifen der Polizeistation Friedberg zu dem Wohnheim. Was sie feststellten: Nichts. Alles war ruhig und in bester Ordnung.

Doch auf der Suche nach möglichen Geschädigten einer Straftat trafen die Beamten auf einen 26-Jährigen, der sich gegenüber der Streife merkwürdig verhielt. Er zeigte sich mit einem Blick der Beamten in die Anrufliste seines Mobiltelefons einverstanden, bei deren Anblick die Polizisten nicht schlecht staunten. Unzählige Male wurde von diesem Handy in den Tagen zuvor die Notrufnummer 110 gewählt, über 300 Mal allein innerhalb der vorangegangenen 10 Tage. Bei dem Blick auf die Nummer des Handys klärten sich damit viele Fragen für die Beamten. Immer wieder hatten sie von dieser Nummer in den vergangenen Tagen Anrufe und Mitteilungen erhalten, denen jeglicher Wahrheitsgehalt fehlte.

So folgte die vorübergehende Festnahme des wohnsitzlosen 26-Jährigen, der nach den polizeilichen Maßnahmen – ohne sein Handy -  wieder auf freien Fuß kam.

Sechs Anzeigen verschiedener Polizeidienststellen in Hessen wegen des Missbrauchs von Notrufen wurden allein zwischen November und Januar gegen den Nutzer dieser Mobilfunknummer erstattet. Mal gab der Anrufer vor ein Messer in den Bauch bekommen zu haben, mal täuschte er einen Raub vor oder beleidigte und bedrohte die Einsatzkräfte am anderen Ende der Leitung. Auch eine weitere Anzeige von den Mitarbeitern der Wetterauer Rettungsleitstelle liegt in Bezug auf diese Nummer vor. Am Abend des 18. Dezember meldete sich dort der Anrufer insgesamt sieben Mal über die Amtsleitung und drohte den Leitstellenmitarbeitern sie umzubringen.

In seiner Vernehmung räumte der Beschuldigte ein, die Notrufe und auch die Anrufe bei der Rettungsleitstelle getätigt zu haben. Bedroht habe er die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle jedoch nicht. Bei seinen Anrufen meldete sich der 26-Jährige immer mit falschem Namen und nutzte in seinem Handy die ehemalige SIM-Karte eines Bekannten, der von dem Missbrauch nichts ahnte.

Einen Grund für die ständigen missbräuchlichen Notrufe konnte der 26-Jährige selbst nicht benennen.

 

Notruf 110 der Polizei    Notruf 112: Notrufzentrale/Rettungsleitstelle für Rettungsdienst oder Feuerwehr

Der Missbrauch von Notrufen und Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln ist in Deutschland gemäß § 145 StGB strafbar.

Wer absichtlich oder wissentlich

  • Notrufe oder Notzeichen missbraucht oder
  • vortäuscht, dass wegen eines Unglücksfalles oder wegen gemeiner Gefahr oder Not die Hilfe anderer erforderlich sei,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.