Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
06.02.2017

Kälber, Schafe, Hühner ...

Tiertransporte auf den Straßen Mittelhessens

Logo des Polizeipräsidiums Mittelhessen„Wir meiden Mittelhessen. Zu viele Kontrollen.“
   

Zitieren lassen möchte sich mit dieser Aussage kein Fahrer oder Transporteur, hinter vorgehaltener Hand ist es aber genau das, was viele Tiertransporteure sagen. Einer negativen Beliebtheit erfreuen sich die Beamten der Verkehrsdienste und der  Polizeiautobahnstation Mittelhessen bei allen, die Tiere gewerblich durch Deutschland transportieren.

Ob im Rahmen der täglichen Streifenfahrt oder bei gezielten Kontrollen mit den Veterinärämtern, Fahrer von Tiertransporten müssen in Mittelhessen immer und überall mit entsprechenden Kontrollen rechnen.

Polizeihauptkommissar Erik Brüning  

Einer der sich dabei, über die Grenzen Mittelhessens hinaus, ganz besonders einen Namen gemacht hat, ist

Polizeihauptkommissar Erik Brüning
von der Autobahnpolizei Mittelhessen, siehe Foto links.

Auf ungefähr 12 Jahre schätzt er seine vermehrte Kontrolltätigkeit in diesem Spezialgebiet. Erfahrung hat er viele gesammelt und sich vor allem viel Wissen angeeignet. Der Austausch mit den Veterinärämtern und die intensive Auseinandersetzung mit Fachliteratur zu dem Thema bringen ihn dabei stets auf den aktuellen Stand der rechtlichen Vorgaben.

Nur 23 gewerbliche Tiertransporte konnte die Polizei in Mittelhessen im Jahr 2016 kontrollieren.

Die Anzahl sinkt jährlich, was keineswegs an der Motivation der Beamten liegt. „Die meisten Tiere werden vom Norden Deutschlands in den Süden zum Schlachten transportiert. Die Kälber nehmen zum Mästen zuvor entsprechend den gegenteiligen Weg vom Süden in den Norden. Der Transportweg würde dabei sinnvollerweise meist durch Mittelhessen führen. Wie wir von manchen Fahrern wissen, legen viele Transporteure ihre Routen jedoch gezielt so, dass sie genau diesen Weg meiden, um nicht Gefahr zu laufen, in eine unserer Kontrollen zu geraten“, berichtet Brüning.

Der Grund liegt auf der Hand: Bei 20 der 23 kontrollierten Transporte gab es Beanstandungen, entsprechende Strafen waren die Folge. Die Art der Verstöße ist dabei breit gestreut. Von der Nichtbeachtung der Sozialvorschriften durch den Fahrer, über eine Überschreitung der zulässigen Maße und Gewichte des Transportfahrzeuges, bis zu einem nicht akzeptablen Zustand der geladenen Tiere, ist alles dabei.

In Bezug auf die Tiere geht es vor allem darum, mit welchen anderen Artgenossen sie transportiert werde, ob sie genug Platz – vor allem nach oben – haben, wie lange ihr Transportweg ist und ob der Fahrer überhaupt über den notwendigen Befähigungsnachweis zum Transport von Tieren verfügt.

Aber auch der Zustand der Tiere wird kontrolliert. So wurden im Jahr 2016 vier Strafanzeigen wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz vorgelegt, da die Klauen von vier überprüften Rindern so schlecht waren, dass der vorherige Tierhalter sich dafür verantworten muss. Die Tierhalter sind den Tierpässen zu entnehmen, welche für jedes Tier vorliegen müssen.

Kälber, Rinder und Schafe wurden bei den 23 Transporten im letzten Jahr oft kontrolliert. An Nummer eins lagen jedoch mit rund 1730 Tieren die Schweine. Eine eher kuriose Ausnahme stellte ein Kamel dar, welches in einem normalen Pferdeanhänger transportiert wurde und zu einem Zirkus gehörte. Bei ihm wurden übrigens keine Mängel festgestellt.

„Manche Bilder bei kontrollierten Tiertransporten bleiben lange im Gedächtnis“, erzählt Brüning. So liegt ein Fall schon lange zurück, an den er sich noch immer gut erinnern kann. Noch zu Zeiten des Schlachthofes in Gießen kontrollierte er einen ankommenden Transport von Kühen. 36 Stück waren es, die auf zwei Stockwerken im LKW geladen waren und damit viel zu wenig Platz nach oben hatten, siehe Fotocollage ganz unten. Nachdem die Tiere vom LKW vermeintlich abgeladen waren, konnten noch drei Kühe in dem oberen Stockwerk am Boden liegend aufgefunden werden. Sie hatten extrem unter dem Transport gelitten, ähnlich wie Brüning bei ihrem bemitleidenswerten Anblick, und waren am Ende ihrer Kräfte. Es war zu spät die Leiden der Kühe zu mindern. Den Fahrer erwartete jedoch eine Anzeige.

Tiertransporte auf den Straßen Mittelhessens - Verkehrskontrollen der Polizeiautobahnstation Mittelhessen
Fotocollage: Tiertransporte auf den Straßen Mittelhessens - zur Vergrößerung 'anklicken'

Für die Ahndung der verwarnungs- und bußgeldbewährten Verstöße in Bezug auf die Spezialvorschriften für Tiertransporte sind die jeweiligen Veterinärämter der Kreise zuständig. Wenn sie nicht sowieso bei den Kontrollen zugegen sind, werden sie mindestens am Telefon in die Entscheidungen eingebunden, wie etwa bei festgestellten Verstößen zu verfahren ist.

Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, schließlich dürfen den Tieren durch die Kontrollen der Polizei und die Ahndung mögliche Fehler der Transporteure keine (zusätzlichen) Schäden entstehen.

Bei der Frage, ob die Kontrolleure auch zu den Tieren in den LKW steigen, lacht Brüning und beantwortet sie mit einer Gegenfrage: „Würden Sie zu einer Gruppe von Rindern in den Laster steigen, von welchen jedes Tier rund 800 Kilogramm wiegt?“ Soll wohl heißen: Nein, zu gefährlich.

Auch wenn sie sich bei den Tiertransporteuren nicht beliebt machen: Brüning und seine Kollegen werden weiterhin ihre Kontrollen durchführen –

Zum Wohle der Tiere und zur Sicherheit auf mittelhessischen Straßen.

Plakat zu verkehrssicher-in-mittelhessen

    

Solche Kontrollmaßnahmen gehören auch zu verkehrssicher-in-mittelhessen.

 

Mehr zu diesem Verkehrspräventionsprogramm  2 rote Pfeile hier