Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Südosthessen
 
17.02.2016

Polizeiliche Kriminalstatistik 2015 des Polizeipräsidiums Südosthessen

Aufklärungsquote erreicht Rekordhöhe

Straftatenaufkommen auf zweitniedrigstem Stand

Gewalt- und Straßenkriminalität deutlich zurückgedrängt

Straßenraub im 10-Jahresvergleich halbiert

„Trotz der großen Herausforderungen im letzten Jahr, wie die Gefährdung durch den islamistischen Terrorismus, die zahlreichen Einsatzlagen und die Zuwanderung, kann das Polizeipräsidium Südosthessen (PP SOH) wieder eine hervorragende Bilanz vorlegen und seine Erfolgsgeschichte fortschreiben: Mit 59 Prozent wurde bei der Aufklärungsquote die höchste seit Bestehen des PP Südosthessen verzeichnet und damit ein Rekordwert erreicht. Das Straftatenaufkommen blieb mit 49.140 registrierten Delikten zum zweiten Mal klar unter der Marke von 50.000 und befindet sich damit auf dem zweitniedrigsten Wert“, hob Polizeipräsident Roland Ullmann die beiden wesentlichen Kennzahlen im Rahmen der Veröffentlichung der Kriminalstatistik 2015 hervor.

Polizeiliche Kriminalstatistik 2015 des Polizeipräsidiums Südosthessen - Polizeiführung auf der Pressekonferenz am 17.02.2016

Die Polizeiführung bei der Präsentation der Polizeilichen Kriminalstatistik 2015
auf der Pressekonferenz am 17.02.2016

v.l.n.r.: Polizeihauptkommissar Henry Faltin, Leitender Polizeidirektor Alexander König,
Polizeipräsident Roland Ullmann, Kriminaldirektor Klaus Blaesing,
Polizeihauptkommissar Oliver Geyer

„Nie zuvor war das Risiko für Kriminelle, von der Polizei in unserer Region gefasst zu werden, höher – drei von fünf Taten konnten wir klären. Damit steigerten wir die schon hohe Aufklärungsquote von 58,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nochmals um 0,8 Prozentpunkte.“

Das Straftatenaufkommen nahm leicht zu. Mit einem Anstieg von 1.573 Fällen wurden 3,3 Prozent mehr registriert als im Jahr 2014. Ein Großteil dieser Zunahme resultiert aus dem deutlichen Anstieg der Verstöße gegen aufenthaltsrechtliche Bestimmungen im Zusammenhang mit der Zuwanderung sowie einem geklärten Großverfahren nach Anlagebetrugsfällen.

Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Südosthessen 2015 - Pressefolie 03

„Die aktuellen Zahlen stellen weitere Meilensteine eines langjährigen Trends dar“, führte Ullmann weiter aus. „Die Erfolgsgeschichte des PP Südosthessen wird jedoch erst in einer mehrjährigen Betrachtung deutlich: Im Jahre 2004 registrierten wir noch über 64.000 Delikte, die wir in den folgenden Jahren um 23% auf jetzt ca. 49000 Fälle reduzieren konnten. Im gleichen Zeitraum wurde die Aufklärungsquote um über 13 % auf 59% gesteigert.

Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Südosthessen 2015 - Pressefolie 02

Die Häufigkeitszahl (Fälle pro 100.000 Einwohner) liegt im Hessendurchschnitt bei 6.616. Für das Polizeipräsidium Südosthessen beträgt die Häufigkeitszahl 5.646. Damit liegt unsere Region deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Menschen hier in einer sicheren Region leben.

Die Zahlen machen auch deutlich, dass die in weiten Teilen der Bevölkerung vorhandene Besorgnis, dass mit der Aufnahme von rund 90.000 Flüchtlingen in Hessen, davon ca. 12.000 in unserem Zuständigkeitsbereich, eine überproportionale Zunahme von Kriminalität einhergeht und die Menschen sich nicht mehr sicher fühlen können, unbegründet ist.

Eine genaue Analyse dieser Entwicklung in der Polizeilichen Kriminalstatistik ist derzeit allerdings nur bedingt möglich. Auf Bund-/Länderebene wurde intensiv an einer Verbesserung der Erfassungskriterien gearbeitet (vgl. hierzu auch das Pressepapier des HLKA zur PKS 2015 Land Hessen), um differenziertere Auswertungen, die ab 1. Januar 2016 greifen, zu ermöglichen.

Die vorhandenen Zahlen machen aber deutlich, dass im Verhältnis zur Anzahl der Zuwanderer in 2015 keine überproportionalen Kriminalitätssteigerungen festzustellen sind. Im Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen hat sich trotz einer Vervierfachung (auf Landesebene, genaue Vergleichszahlen liegen auf Ebene des PP SOH nicht vor) der Anzahl von Zuwanderern die Anzahl der Straftaten (wie auf Landesebene) verdoppelt auf ca. 1700 Straftaten.

Bei 28,5% der Delikte (492) handelt es sich um ausländerrechtliche Straftaten, da die Mehrzahl der Flüchtlinge illegal ins Bundesgebiet gelangt und daher in sehr vielen Fällen eine Strafanzeige wegen illegalen Aufenthaltes erstattet wird. Bereinigt um diese Verstöße verteilt sich der Rest im Wesentlichen auf Körperverletzungsdelikte, Ladendiebstahl, Beförderungserschleichung und Urkundendelikte.

Gleichwohl widmet sich die Polizei intensiv den mit der Zuwanderung verbundenen Auswirkungen auf die Sicherheitslage, beurteilt diese objektiv und bezieht sie in die polizeiliche Einsatzplanung und Lagebewältigung mit ein.“

Im Einzelnen stellt sich die Entwicklung wie folgt dar:

Insbesondere für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung relevante Delikte wie die gesamten Gewaltdelikte und die Straßenkriminalität, hier insbesondere der Straßenraub und die gefährlichen und schweren Körperverletzungen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen, sind erneut deutlich zurückgegangen.

Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Südosthessen 2015 - Pressefolie 04

Maßgeblich für den Fallzahlenanstieg von 1.573 Delikten im vergangenen Jahr waren

  • vermehrte Kontrollen und die damit einhergehende Zunahme von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (Plus 307 Delikte),
  • die Zunahme beim „Schwarzfahren“ (Plus 204 Delikte),
  • die Verstöße gegen das Aufenthalts- und das Asylverfahrensgesetz (Plus 570 Delikte) sowie - eine auffallende Steigerung des Anlagebetrugs (Plus 620 Delikte – geklärtes Großverfahren)!

Die Gewaltkriminalität konnte um 6,7% erneut auf ein Allzeittief gesenkt werden, die Aufklärungsquote erneut auf einen Rekordwert von jetzt 77,3% gesteigert werden.

Auch die Straßenkriminalität sank auf ein Allzeittief: Mit 10.704 Delikten wurden -537 Fälle (-4,8%) weniger erfasst als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote bleibt mit 20,8% (Hessen: 19,1%) auf beachtlichem Niveau (Vorjahr: 22,9%).

Der Straßenraub nahm erneut stark ab und konnte um 22,1% reduziert werden –damit ergab sich der tiefste Stand seit Bestehen des Polizeipräsidiums Südosthessen, die Fallzahlen wurden binnen 10 Jahren beinahe halbiert; die AQ sank leicht um 0,5 Prozentpunkte, blieb aber mit 48,5% auf hohem Niveau.

Geschäfts- und Wohnungseinbrüche stiegen an:

Geschäftseinbrüche um 6,0% (dennoch zweitniedrigstes Aufkommen des PP SOH) bei einer Rekordaufklärung von 23,1%, Wohnungseinbrüche um 5,4% bei einer hohen Aufklärungsquote von 25,2%.

Pkw-Aufbrüche sanken deutlich um 12,2% (damit zweitniedrigste Fallzahl seit Bestehen des PP SOH), unverändert sehr hohe Aufklärungsquote mit 34,7% (Land: 16,7%).

Der Betrug stieg erstmals seit drei Jahren (nach zwei deutlichen Rückgängen) mit 14,1% spürbar an. Dafür konnte die Aufklärungsquote beim Betrug erneut auf einen Rekordwert gesteigert werden und liegt nun bei 88,6%.

Der Fahrraddiebstahl bleibt trotz eines Rückganges „Sorgenkind“: Nach Fallzahlenanstiegen in den letzten Jahren nun eine Abnahme um 5,7 Prozent. Allerdings brach die Aufklärungsquote ein: Sie sank von ehedem 13,5% auf aktuell 6,8 Prozent.

Die Sachbeschädigung nahm geringfügig um 1,2% zu und bleibt mit 4.432 Delikten (zweittiefster Stand) das fallzahlenstärkste Einzeldelikt. Die Aufklärungsquote stieg auf 20,0%.

Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Südosthessen 2015 - Pressefolie 62

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