Außenaufnahme des Polizeipräsidiums Osthessen
 
29.08.2016

Fernfahrerstammtisch Hessen

Augustveranstaltung

In einem voll besetzten Wintergarten im Kirchheimer Rasthaus begrüßte Polizeioberrat Herbert Bensing, Polizeipräsidium Osthessen, zahlreiche Fahrer, Stammtischpartner und Gäste zur Augustveranstaltung. Im Mittelpunkt des zweistündigen Abendprogrammes in Sachen Verkehrsprävention standen 2 Themen:
  • Lkw-Parkplätze auf der BAB
  • Diebstähle aus Lkw (Planenschlitzer).

Zur Thematik Lkw-Parkplätze, die bei den Fahrern immer wieder Ärger und Emotionen freisetzt, hatte das PP Osthessen Frau Petra Kell-Recktenwald von Hessen Mobil eingeladen.

Frau Kell-Recktenwald verschaffte den Besuchern zunächst einen Überblick über die aktuelle Parkplatzsituation an Hessens Raststätten und BAB-Parkplätzen und ging dabei auch auf die Entwicklung und die Ausbauaktivitäten der vergangenen Jahre ein. Zum Gesamtverständnis machte die Referentin eingangs deutlich, dass von Hessen Mobil im gesamten Bundesland ein Streckennetz von etwa 17.000 Kilometern zu betreuen ist. Davon entfallen rund 1.000 Kilometer auf Bundesautobahnstrecke (BAB).

Zur Parkplatzsituation konkret:
Erhebungen aus dem Jahr 2008: Parkplatzbedarf für Lkw – nachts – fast 6.200 / fehlende Parkplätze 2.380. Bis zum Jahr 2012 wurden in Hessen 1.000 zusätzliche Parkplätze für Lkw geschaffen.

Der Abbau des Defizits gestaltet sich trotzdem schwierig, da durch einen ständigen Zuwachs der Gütertransporte immer mehr Fahrzeuge auf die Straße kommen und dadurch die zusätzlichen Kapazitäten wieder aufgebraucht werden. In 2013 fehlten bundesweit bis zu 11.000 Parkplätze für Schwerfahrzeuge.

Dennoch setzt Hessen Mobil energisch seine Strategie fort im Bau und Ausbau weiterer Parkplätze im Bundesland. Dabei verwies die Referentin auf konkrete Maßnahmen, u.a. den erfolgten Ausbau der Rastanlagen Großenmoor (beidseitig) und die im Bau befindliche Rastanlage Kassel Ost. Zudem ist der Ausbau der Rastanlage Uttrichshausen Ost im nächsten Jahr geplant (alle auf der A 7).

Weitere Projekte befinden sich in der Planung, wobei die Planungs- und Genehmigungsverfahren – bis zu 5 Jahre andauernd – berücksichtigt werden müssen, sehr zum Leidwesen der Fahrer, die das in der anschließenden Diskussion auch deutlich zum Ausdruck brachten.

Abschließend zeigte Frau Kell-Recktenwald nochmals auf, dass neben den bis 2012 neu geschaffenen 1.000 Stellplätzen bis 2015 weitere 510 Plätze bereitgestellt wurden, 115 Plätze zur Zeit gebaut werden und für rund 160 Lkw-Parkplätze Baurecht vorliegt.

POR Bensing bedankte sich bei der Referentin und begrüßte die positive Entwicklung. Die Bereitstellung von Parkraum sei ein wichtiger Beitrag zur Verkehrssicherheit und für die Fahrer Grundlage ihrer Fitness und die Basis für die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten, so Bensing.


Zur Thematik Diebstähle aus Lkw (Planenschlitzer) – leider in der jüngsten Vergangenheit wieder ein Delikt mit ansteigenden Zahlen -

Organisierte Tätergruppen gehen Transportfahrzeuge an und entwenden Ladung. Das geschieht gezielt und oft nach vorheriger Auskundschaftung von Örtlichkeiten, Fahrzeugen sowie Art und Wert der geladenen Güter. Vor diesem Hintergrund hatte das Fuldaer Stammtischteam Kriminalhauptkommissar Christoph Auth als Referenten zu Gast, der im PP Osthessen für Kriminalprävention zuständig ist.

Eingangs machte der Referent anhand eindrucksvoller Zahlen deutlich, dass dieser organisierten Kriminalität von allen Seiten ( Transporteure, Lkw-Fahrer, Polizei, Bürger als Beobachter ) besondere Bedeutung beizumessen ist. Während im Jahr 2013 im Bereich des PP Osthessen insgesamt 75 Transporter aufgebrochen und bestohlen wurden, waren es 2015 nahezu doppelt so viele, nämlich 145 Fälle.

Diese Zahlen rufen alle Verantwortlichen auf, insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit und die Prävention aktiv zu werden.

Empfehlung an die Unternehmer, Transporteure, Versender:

  • interne Betriebsabläufe genau festlegen und überwachen
  • zuverlässige Vertragspartner bei Fremdvergaben
  • genaue Prüfung der Frachtpapiere
  • das Personal sorgfältig auswählen
  • bei Transport hochwertiger Ladung ggfs. Begleitpersonal einsetzen

Darüber hinaus stellt sich aktuell immer häufiger die Frage der Sicherheitstechnik im und am Transportfahrzeug:

  • Einbau von Alarmanlagen/Einrichtungen
  • Einsatz massiver Bordwände oder von Rahmenelementen

Weiterhin gab KHK Auth wichtige Hinweise und Verhaltensregeln an die Fahrer:

  • Fahrzeuge nicht unbeaufsichtigt abstellen
  • erkennbare Routinestrecken vermeiden (wenn möglich bei entsprechend hochwertigem Transportgut)
  • keine Anhalter mitnehmen
  • besondere Vorsicht bei Kontakt mit fremden Personen; eher gänzlich vermeiden
  • Fahrzeug mit Ladung bei Fahrtantritt überprüfen, Aufmerksamkeit und Kontrolle ist wichtig
  • wichtige Rufnummern bereithalten
  • verdächtige Wahrnehmungen sofort an die Polizei melden

Sollte es zu einem Diebstahl/Überfall kommen – in Anwesenheit des Fahrers:

  • keine Gegenwehr leisten, eigene Gesundheit und Leben gehen vor; auch der Einsatz von Reizgas wird nicht von der Polizei empfohlen – das gilt nicht für eine Notwehrsituation
  • möglichst präzise Täterbeschreibung einprägen, ebenso Fahrzeugbeschreibung der Täter und deren Fluchtrichtung

Bekanntermaßen nutzen Diebe leicht erkennbare Schwachstellen aus, um schnell und gezielt an die Beute zu kommen. Mit den Erkenntnissen der Polizei und den Hinweisen an die Spediteure und an die Fahrer soll von den Firmen und von dem Personal Schaden abgewendet und den Tätern ihr Vorgehen erschwert werden. Da gilt der Grundsatz: Prävention (Vorbeugung) geht vor Repression (Verfolgung).

Zum Abschluss der Abendveranstaltung im Rasthaus am Kirchheimer Dreieck galt es einen langjährigen Mitstreiter in Sachen Fernfahrerstammtisch zu verabschieden. Polizeioberrat Herbert Bensing hatte seinen allerletzten Auftritt und führte letztmals durch das Abendprogramm. Klaus Poppe, Geschäftsführer des Fachverbandes, behielt sich vor, Bensing für seine Arbeit und seinen unermüdlichen Einsatz für den Gütertransport und dessen Verkehrssicherheit zu danken. „Es ist eine Erfolgsgeschichte, die so nicht selbstverständlich ist. Da ist es Zeit, danke zu sagen“, so Poppe.

Mit Blick auf den Aktionstag Schwerverkehr am 07. September 2016, 10:00 – 16:00 Uhr auf dem SVG-Autohof in Kirchheim schloss der Stammtischabend in Kirchheim.

Emil Hahner, EPHK a.D.