Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Nordhessen
 
10.03.2020 | Polizeipräsidium Nordhessen

21. Verleihung der Kasseler Polizeimedaille

Öffentliche Auszeichnung für sieben couragierte Menschen und "Maintower-Kriminalreport"

Zum 21. Mal haben das Polizeipräsidium Nordhessen und der gemeinnützige Verein Bürger und Polizei in Kassel am Montagabend, dem 09. März 2020, öffentlich Menschen ausgezeichnet, die im vergangenen Jahr die Arbeit der Kasseler- und der nordhessischen Polizei in vorbildlicher Weise unterstützt und durch ihre couragierten Taten dazu beigetragen haben, Straftaten zu verhindern, sie aufzuklären oder Tatverdächtige dingfest zu machen. Acht Mitbürger aus Kassel und der Region wurden vom Präsidium des Vereins nach Vorschlägen der nordhessischen Polizeidienststellen für die Auszeichnung mit der "Kasseler Polizeimedaille" ausgewählt, einer musste am Abend der Verleihung leider krankheitsbedingt absagen. Seine Ehrung wird nachgeholt. Die erst zum dritten Mal vergebene "Kasseler Polizeimedaille Spezial" ging in diesem Jahr an die Verantwortlichen der TV-Sendung Maintower-Kriminalreport des Hessischen Rundfunks.

Sieben Preisträger und die Verantwortlichen von "Maintower-Kriminalreport" konnten am Abend die Ehrung aus den Händen von Polizeipräsident Konrad Stelzenbach, der auch Präsident des Vereins Bürger und Polizei in Kassel ist, entgegen nehmen. Präsident Stelzenbach wurde bei der Übergabe der Medaillen von Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und der Kasseler Bürgermeisterin Ilona Friedrich unterstützt, die Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle vertrat. Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann, Bürgermeisterin Ilona Friedrich und Polizeipräsident Konrad Stelzenbach zollten in ihren Ansprachen den neuen Trägern der Kasseler Polizeimedaille für ihre Zivilcourage und ihr mutiges Handeln großen Respekt und brachten ihre persönliche Anerkennung zum Aus-druck.

Diese Menschen sind Vorbilder für unsere Gesellschaft

Die Medaillenträger sind Vorbilder für unsere Gesellschaft. Darin waren sich am Abend im Polizeipräsidium Nordhessen alle einig. Ministerin Kühne-Hörmann sagte: "Im Mittelpunkt der Verleihung der Kasseler Polizeimedaille stehen Bürgerinnen und Bürger, die Herausragendes geleistet und in Gefahren- und Konfliktsituationen beherzt und besonnen zugleich eingegriffen haben. Damit sind diese Menschen Vorbilder für uns alle, denn sie haben mutig und unter hohem persönlichen Einsatz Zivilcourage gezeigt und nicht weggeschaut. Für diesen Einsatz gebührt Ihnen mein Dank und größte Anerkennung."

Für die Kasseler Bürgermeisterin Ilona Friedrich steht fest: "Die Medaillenträger haben bewiesen, dass eben doch nicht jeder nur an sich denkt. Ihr Mut und Ihre Zivilcourage verdie-nen unseren Respekt. Sie haben in vorbildlicher Weise ganz spontan, selbstlos, unerschro-cken und beherzt gehandelt. Herzlichen Dank dafür."

Kasseler Polizeimedaille mit langer Tradition

Die zum einundzwanzigsten Mal stattfindende Auszeichnung mit der vom Verein Bürger und Polizei im Jahr 2000 gestifteten "Kasseler Polizeimedaille" erfolgte im Rahmen eines Festaktes im Polizeipräsidium in Kassel. Mit rund 150 Gästen und zahlreichen Medienvertretern war der Veranstaltungssaal im Polizeipräsidium gut gefüllt.

Trotz aller Prominenz der Ehrengäste standen natürlich auch in diesem Jahr die Medaillenträger im Mittelpunkt des Abends. "Die Menschen, die heute Abend die Kasseler Polizeimedaille bekommen haben, sind mit Mut und Zivilcourage aufgetreten", sagte Polizeipräsident Konrad Stelzenbach. "Sie haben in einer Zeit, in der Hass und Hetze unser Zusammenleben zunehmend negativ beeinflusst, Empathie für Ihre Mitmenschen gezeigt, die in Not waren oder auch die Polizei entscheidend bei ihrer Arbeit unterstützt", hob der Polizeichef hervor. "Ihr Verhalten war für uns alle vorbildlich".

Lobenswertes Verhalten in ganz unterschiedlichen Fällen

Die acht neuen Träger der Kasseler Polizeimedaille sind in diesem Jahr zwischen 18 und 93 Jahre alt. Sie stammen aus Kassel (3), Bad Emstal, Bad Wildungen, Espenau, Grebenstein und Vellmar. Sie waren im vergangenen Jahr bei polizeilichen Einsatzsituationen in ganz unterschiedlicher Form aktiv. Die Delikte, bei denen die Medaillenträger einschritten, reichten vom Raubüberfall, räuberischen Diebstahl, schwere Körperverletzung, Einbruch und Diebstahl bis hin zur Verhinderung eines Enkeltricks.

Sie halfen durch schnelle und präzise Mitteilung ihrer Wahrnehmungen von Straftaten oder durch beherztes aber gleichwohl überlegtes Einschreiten bei beobachtetem Unrecht in bemerkenswerter Art mit, Straftaten zu verhindern, Täter festzunehmen oder wichtige Ermittlungs- und Aufklärungsschritte der Polizei zu ermöglichen.

"Kasseler Polizeimedaille Spezial" für die HR-Sendung "Maintower - Kriminalreport"

Der Verein Bürger und Polizei in Kassel und das Polizeipräsidium Nordhessen haben in diesem Jahr zum dritten Mal die "Kasseler Polizeimedaille Spezial" verliehen. Preisträger ist die HR-Sendung "Maintower - Kriminalreport". Die Auszeichnung nahmen Moderator Robert Hübner, Christopher Thiel, Leiter der Sendung und die Chefs vom Dienst Barbara Lindemann und Peter Rothkranz im Präsidium mit großer Freude entgegen.

Die Sendung "Maintower - Kriminalreport" des HR-Fernsehens, so die Begründung der Jury, greife seit 2014 in mittlerweile rund 150 Sendungen regelmäßig Kriminalfälle aus dem Sendegebiet auf und biete damit den Ermittlungsbehörden und insbesondere der Hessischen Polizei eine wertvolle Plattform, neue und ansonsten vermutlich nicht erreichbare Hinweise und Erkenntnisse für die weitere Ermittlungsarbeit, die Aufklärung von Straftaten und die Festnahme von Tatverdächtigen zu erlangen. Seit dem Start wird die Sendung von Robert HÜBNER moderiert. Aus dem Bereich des Polizeipräsidiums Nordhessen wurden allein in den letzten zwei Jahren über 30 Fälle in der Sendung vorgestellt.

Einen zweiten Schwerpunkt setzt die Sendung im Bereich Prävention durch die Aufbereitung aktueller Kriminalitätsphänomene und Gesprächen mit Polizeibeamten und anderen Sachkundigen zu den behandelten Themenkomplexen.

Mit jeder neuen Sendung leiste der "Maintower-Kriminalreport" einen wichtigen Beitrag zur Kriminalitätsbekämpfung und zur Kriminalprävention und damit auch zur Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger. Dafür gebühre der Sendung und den Verantwortlichen Dank und Anerkennung der Polizei!

Im Namen des gesamten Teams bedankte sich Christopher Thiel als Leiter der Sendung für die Auszeichnung; "Wir, das Team des Maintower Kriminalreports, freuen uns sehr über diesen Preis. Es macht uns stolz, dass wir im Rahmen eines solchen Festaktes den Dank und die Anerkennung von Bürgern und der Polizei bekommen. Wir nehmen die "Kasseler Polizeimedaille Spezial" als Bestätigung unserer Arbeit entgegen und möchten gerne weiter die Menschen in Hessen beim Thema Kriminalprävention und die hessische Polizei bei Öffentlichkeitfahndungen unterstützen. Herzlichen Dank! Und - bleiben Sie wachsam!"

Gruppenfoto der Preisträger der Kasseler Polizeimedaille mit Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, der Kasseler Bürgermeisterin Ilona Friedrich, Polizeipräsident Konrad Stelzenbach und Geschäftsführer Wolfgang Jungnitsch.

Das Gruppenfoto zeigt die Preisträger der Kasseler Polizeimedaille und der
Kasseler Polizeimedaille Spezial mit der hessischen Justizministerin Eva Kühne-Hörmann,
der Kasseler Bürgermeisterin Ilona Friedrich, Polizeipräsident Konrad Stelzenbach
und Geschäftsführer Wolfgang Jungnitsch.

 

Die Fälle:

Fall 1: Räuberischer Diebstahl: Täter durch Handyfoto identifiziert

Der Zeuge René KLARHOLD beobachtete am 8. Februar 2019 in einem Lebensmittelgeschäft in Bad Wildungen einen Ladendieb. Er konnte sehen, wie der Täter mindestens zwei Flaschen Alkohol aus der Auslage des Geschäftes nahm und unter seine Kleidung versteckte. Seine Beobachtung teilte er einer Angestellten des Geschäftes mit, die den Vorgang ebenfalls beobachtet hatte. Die Angestellte wollte einen weiteren Mitarbeiter hinzuziehen, als der Täter bereits den Kassenbereich verließ und in Richtung des Haupteingangs der "Fürstengalerie" flüchtete. Herr KLARHOLD nahm die Verfolgung auf und sprach den Täter an. Als dieser nicht reagierte, versuchte der Zeuge ihn festzuhalten. Dabei kam es zu einem Gerangel, bei dem der Zeuge und der Tatverdächtige zu Boden gingen und eine der gestohlenen Flaschen zerbrach. Von weiteren Zeugen wurden die beiden Personen getrennt. Da Herr KLARHOLD den Eindruck hatte, dass unter den weiteren Personen auch ein möglicher Mittäter gewesen sein könnte, habe er davon abgelassen, den Täter weiterhin festzuhalten.

Zuvor war es dem Zeugen allerdings gelungen, mit seinem Handy ein Bild von dem Täter zu machen. Anhand des Bildes konnte der Tatverdächtige durch die Polizei Bad Wildungen identifiziert werden. Es handelte sich um eine polizeibekannte Person. Der so ermittelte Dieb gab die Tat später zu.

Fall 2: Couragiertes Einschreiten der Zeugen verhindert schwere Körperverletzung

Am 15. März 2019 beleidigte ein Mann mehrfach Kinder und Jugendliche mit herabwürdigenden Titulierungen in einem Schnellrestaurant am Kasseler Hauptbahnhof. Der hinzukommende Geschäftsführer des Restaurants forderte den Mann mehrmals auf, dies zu unterlassen und das Restaurant umgehend zu verlassen.
Die Person reagierte daraufhin sehr aggressiv. Er griff den Geschäftsführer an und versuchte, diesem seine Daumen in die Augenhöhlen zu drücken. Christoph NEUNERT und Leon Luca TROLL wurden auf das Geschehen aufmerksam. Sofort entschieden sie, dem Geschäftsführer zu Hilfe zu eilen. Sie ergriffen den Beschuldigten an den Armen und fixierten diesen kurzfristig am Boden. Nachdem der Angreifer wieder zur Raison gekommen war, wurde er von den couragierten Zeugen wieder aufgerichtet und an die wenig später eintreffende Streife der Bundespolizei übergeben.

Der Beschuldigte war für die Polizeibeamten kein Unbekannter. Er war zuvor bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten.

Fall 3: Räuberischer Diebstahl: Zeuge griff beherzt ein

Anmerkung: Ehrung für Bernhard W. aus Kassel musste krankheitsbedingt verschoben werden und erfolgt später.

Ein Ladendieb hatte am 29. April 2019 aus einer Drogerie in Kassel-Bettenhausen mehrere Parfümpackungen entwendet und in seine Tasche gesteckt. Ein Detektiv hatte dies beobachtet, folgte dem Dieb und versuchte ihn vor der Drogerie festzuhalten. Der Täter begann sich allerdings sofort zu wehren. Er schlug nach dem Detektiv und versuchte, mit der Beute zu flüchten. Bernhard W. aus Kassel wurde als Zeuge darauf aufmerksam und griff beherzt ein. Mit seiner Hilfe konnte der Ladendieb bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden. Die gestohlenen Parfümpackungen im Wert von über 300 Euro wurden durch die Polizei an die Mitarbeiter der Drogerie zurückgegeben. Da der Täter keinen festen Wohnsitz hatte, wurde er am Folgetag auf Antrag der Kasseler Staatsanwaltschaft dem Haftrichter vorgeführt und in Untersuchungshaft genommen.

Fall 4: Festnahme eines Serienstraftäters dank Handyfoto

Der 93-jährige Winfried REH aus Kassel beobachtete am 15. Mai 2019, einem Sonntagnachmittag, wie ein unbekannter Mann vor dem Gebäude eines Kasseler Einkaufsmarktes ein Metallgestell zum Abstellen von Fahrrädern aufnahm und damit eine Scheibe der Eingangstür des Marktes einschlug. Dadurch entstand ein Schaden von ca. 2.000 Euro. Als der Täter bemerkte, dass Herr REH ihn beobachtete, ergriff er die Flucht. Herr REH alarmierte unterdessen über den Notruf die Polizei und es gelang dem 93-Jährigen geistesgegenwärtig auch noch, mit seinem Handy ein Foto des Täters aufzunehmen.

Als er den Polizeibeamten das Foto des Tatverdächtigen zeigte, erkannten diese sofort einen "alten Bekannten" wieder. Erst am Vormittag waren sie wegen Familienstreitigkeiten bei ihm im Einsatz gewesen. So konnten die Polizisten den Täter noch in unmittelbarer Tatortnähe festnehmen und ins Polizeigewahrsam einliefern. Der Mann war schon mehrfach mit Eigentums- und Gewaltdelikten polizeilich in Erscheinung getreten und gilt als Serienstraftäter.

Fall 5: Zeuge stellte Tatverdächtigen: Dieb kam in Haft

Am 12. August 2019 durchsuchte ein Dieb die Personal- und Lagerräume eines Bekleidungsgeschäftes am Königsplatz. Er entwendete aus den abgestellten Handtaschen der Angestellten Bargeld, Mobiltelefone und ein Portemonnaie. Der Täter konnte zwar dort von zwei Angestellten angetroffen und zunächst auch verfolgt werden, allerdings gelang ihm dann die Flucht in ein nahegelegenes Parkhaus. Ismail CEVIK war auf die Verfolgung aufmerksam geworden und konnte den Mann beim Verlassen des Parkhauses stellen und ihn bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Aufgrund der Vielzahl ähnlicher Straftaten des Tatverdächtigen wurde anschließend durch einen Richter die Untersuchungshaft angeordnet.

Fall 6: Aufmerksamer Bankmitarbeiter verhindert Enkeltrick

Dem Bankmitarbeiter Michael WIEGAND ist es zu verdanken, dass bislang unbekannte Täter am 14. November 2019 mit ihrem Betrugsversuch bei einem älteren Herrn scheiterten. Nach den Ermittlungen der Polizei hatten unbekannte Täter den Senior aus Espenau durch die geschickte Gesprächsführung glauben lassen, dass eine Bekannte am Telefon sei, die in einer finanziellen Notlage dringend Geld benötige. Die Betrüger bestellten dem Senior sogar ein Taxi, das ihn zu seiner Bank bringen sollte. Da die Täter dort nochmals nachfragten, ob denn das Taxi auch unterwegs sei, schöpfte bereits die Taxiunternehmerin einen ersten vagen Verdacht und gab diesen vorsorglich an die Bank weiter.

Als der Senior in der Bankfiliale angekommen war und 30.000 Euro von seinem Konto abheben wollte, ließ sich Herr WIEGAND von seinem Kunden die Hintergründe erläutern. Eine angeblich entfernte Bekannte hatte sich bei dem Kunden telefonisch gemeldet und erklärt, das Geld dringend für den Kauf einer Immobilie zu benötigen.

Während des Gesprächs erhärtete sich bei Herrn WIEGAND der Verdacht, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Betrugsversuch handelte und er verständigte mit Einverständnis des Kunden die Polizei. Da die Täter offenbar vermuteten, dass sie aufgeflogen sein könnten, erschienen sie nicht zur verabredeten Übergabe des Geldes.

Herr WIEGAND hat durch sein umsichtiges Handeln einen erheblich finanziellen Schaden verhindert.

Fall 7: Mutiger Autofahrer stellt Räuber in Bad Emstal

Am 4. Dezember 2019 stellte Thorsten SIEBERT-GUTBIER einen Räuber, der zuvor mit einem Messer bewaffnet in Bad Emstal ein Schuhgeschäft und eine Apotheke an der Kasseler Straße überfallen hatte. Im Vorbeifahren bemerkte der 43-Jährige die Apothekerin, die einem Mann nacheilte und um Hilfe rief. Er hielt an, stieg aus und nahm die Verfolgung des Tatverdächtigen auf. In der Schulstraße konnte er den Räuber, der sich gerade seiner Maskierung und des Messers entledigt hatte, stoppen und bis zum Eintreffen der Polizeibeamten der Polizeistation Wolfhagen festhalten.

Der wohnsitzlose 36-jährige Tatverdächtige wurde auf Antrag der Kasseler Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft genommen.