Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
10.08.2016

Ein kleiner Zahlen-/Buchstabendreher führt zu Ermittlungen

in Deutschland, Schweiz und Italien!

Flaggen: Deutschland, Italien und Schweiz

Auf einem Polizeiposten sprach Anfang August eine nette Dame aus einem kleinen Mittelhessischen Dorf vor. Sie legte ein ihr verdächtig erscheinendes  Schreiben aus der Schweiz vor.

  

Ausgestellt von der Schweizer Polizei sollte sie umgerechnet 35,00 € für eine Geschwindigkeitsüberschreitung im Gotthard-Tunnel bezahlen.

Verdächtig war das Schreiben, weil sie ja aus ihrem Dorf nicht herauskommt, allerhöchstens mal zum Einkaufen in die nächste Stadt, aber sicher nicht bis in die Schweiz, niemals. Außerdem sollte das Geld dann auch noch auf ein Konto bei einem Geldinstitut in Deutschland eingezahlt werden. Das dann auch noch tatsächlich ihr Kennzeichen auf der "Übertretungsanzeige" aus der Schweiz stand, der Dame unerklärlich.

Sie hegte also den naheliegenden Verdacht, dass sie Opfer eines Betrugs werden sollte. Hier hätte nämlich einfach jemand ihr Kennzeichen rausgesucht, auf den Zettel geschrieben  und den dann zugeschickt.

Vertrauensvoll wandte sie sich nun an die Polizei und übergab das  Schreiben mit den Worten:

"Kümmert euch mal darum."

Das Vertrauen wollten die Kollegen des Polizeipostens natürlich keinesfalls enttäuschen und sie machten sich sofort an die Ermittlungen. Erste Maßnahme war ein Anruf in der Schweiz. Danach stand fest: Das Schreiben war echt!

Ein sehr netter Kollege aus dem Kanton übersandte dann sogleich netterweise die entsprechenden Radarbilder. Und siehe da, man konnte wirklich das Kennzeichen der Dame sehen.

Hatte also alles seine Richtigkeit und war die Dame aus dem Dorf doch heimlich in der Schweiz gewesen und spannte jetzt nur die Polizei vor ihren Karren??? Sollte der von der Dame hinterlassene Eindruck so  getäuscht haben? Das wollte man auf dem Polizeiposten nicht glauben.

Die Ermittlungen führten also ins Heimatdorf zur Überprüfung des Kennzeichens. Beide Kennzeichen waren am Auto der Dame und stimmten mit dem abgebildeten auf dem „Zettel“ überein. Was nicht stimmte, war das Auto. Die Dame fährt einen schwarzen Mazda und auf dem Bild war eindeutig ein weißer BMW zu erkennen.

Nach erneuter Kontaktaufnahme bearbeitete der Schweizer Kollege das Radarfoto mit einem Bildbearbeitungsprogramm. Heraus kam ein Kennzeichen, das in Buchstaben und Zahlen definitiv mit dem der Dame gleich war. Allerdings gab es am Rand dunkle Stellen und es war kein TÜV Stempel zu sehen.

Vielleicht ein Ausfuhrkennzeichen? Vielleicht Urkundenfälschung?

Mitnichten.  Nach reiflicher Überlegung ging´s an den Computer. Durch Umstellung von Buchstaben und Zahlen hinter der Stadtkennung gab es plötzlich einen Treffer, der Hoffnung auf Klärung des Falls gab.

Anfang Juli hatte ein italienischer Bürger in dem besagten Ort in Mittelhessen  einen neuen, weißen BMW gekauft und sich bei der Zulassungsstelle ein Ausfuhrkennzeichen besorgt. Offensichtlich druckte der Schildermacher aber ein "normales" und kein Ausfuhrkennzeichen, siehe Fantasie-Kennzeichen-Beispiele:

Fantansie-Kennzeichen-Beispiel: Buchstaben-/Zahlenfolge eines deutschen KFZ-Kennzeichens     Fantansie-Kennzeichen-Beispiel: Buchstaben-/Zahlenfolge eines deutschen Ausfuhr-KFZ-Kennzeichens (Export)
'normales' KFZ-Kennzeichen                                      Ausfuhrkennzeichen

Der folgenträchtige Irrtum fiel auch an der Zulassungsstelle beim Aufkleben des Stempels nicht auf.

Das Rätsel schien gelöst.

Die Dame aus dem kleinen Dorf ist erleichtert, dass sie keinem Betrüger auf dem Leim gegangen ist und dass  sie sich auf "ihre" Polizei verlassen kann.

Der Schweizer Kanton bekommt jetzt sein Geld für die Geschwindigkeitsüberschreitung von einem Herrn aus Empoli / Italien und der Kollege vom Polizeiposten bleibt im Kontakt mit dem Schweizer Kollegen, der gerne Urlaub in Deutschland macht und seinen Besuch bereits angekündigt hat.