Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 

ZK 20 - Wirtschaftskriminalität

Spannende Ermittlungsarbeit im Kommissariat Wirtschaftskriminalität

 

Aktenzeichen auf der Ermittlungsmappe der Staatsanwaltschaft mit der Kennung „WI“ für Wirtschaftskiminalität (WiKri)Von Goldeseln und Datenfluten – „Wikri“-Ermittlungen

Ob Abrechnungsbetrug, Korruption, Untreue oder das Vorenthalten von Arbeitsentgelt – Die Gesetzesbereiche aus denen die Straftaten stammen, die im Wirtschaftskommissariat bei der  Kriminaldirektion in Gießen bearbeitet werden, erscheinen unendlich.

Foto: Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft mit der Kennung „WI“ für Wirtschaftskiminalität ("Wikri")

Darunter befinden sich Gesetze von denen der Normalbürger sicher noch nie etwas gehört hat.

Ein paar Beispiele: 

  • Halbleiterschutzgesetz,
  • Genossenschaftsgesetz,
  • Umwandlungsgesetz und das
  • Devisenbewirtschaftungsgesetz

Nun mag der Gedanke an die Ermittlungen bei solchen Gesetzestexten recht trocken klingen, aber der Schein trügt. Im Gegenteil, wer die Ermittler über ihre Arbeit berichten hört, der stellt schnell fest, wie spannend diese Ermittlungsarbeit sein kann. Von Firmenchefs, über Gemeindemitarbeiter, Ärzte, Pflegedienste, Handwerker bis zum „normalen“ Betrüger reichen die Tatverdächtigen, deren Fälle auf dem Tisch der Wirtschaftsermittler landen.

Die Verfahren sind damit so unterschiedlich, wie die Menschen mit denen es die Ermittler zu tun haben. Und weil die Tatverdächtigen meist feststehen, ihnen aber die Tat bewiesen werden muss, hat die Ermittlungsarbeit viel mit taktischen Überlegungen und Planungen bzgl. der Herangehensweise zu tun. Denn am Ende ist das Ergebnis klar definiert: Die gesammelten Beweise müssen so hieb- und stichfest sein, dass sie vor Gericht Stand halten und Tatverdächtige eindeutig überführt und für ihre Taten bestraft werden können.

Die Geschädigten dieser Taten sind übrigens besonders oft wir alle als Teil der Gesellschaft.

Dazu zwei Beispiele.

  1. Im Gesundheitsbereich gibt es immer wieder schwarze Schafe unter den Ärzten und Pflegediensten, die entweder mehr abrechnen, als sie als Leistung erbracht haben oder sogar Leistungen abrechnen, die den Patienten überhaupt nicht zukamen. Dies führt zu höheren Kosten, die von den Krankenversicherungen getragen werden müssen und damit am Ende zu höheren Krankenkassenbeiträgen, die alle Versicherten treffen.
      
  2. Im Wirtschaftsbereich will von Korruption zwar niemand so gerne etwas hören, es gibt sie aber trotzdem. Wenn ein Firmenchef einem Gemeindemitarbeiter den nächsten Urlaub zahlt, damit seine Firma das beste Angebot für den Bau des neuen Feuerwehrhauses abgeben kann, dann tut das keinem der beiden Beteiligten weh, aber allen anderen, denn der Wettbewerb insgesamt wird verzerrt. Daran können dann zu guter Letzt irgendwo Arbeitsplätze hängen, die gefährdet sind.

Dass sich die Arbeit der Ermittler lohnt, zeigt ein Fall aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, der 2017 vor dem dortigen Landgericht verhandelt wurde. Eine Bande aus rund 30-Betrügern aus Düsseldorf schädigte mehrere hundert Menschen in ganz Deutschland, indem sie Aktien verkaufte, die es gar nicht gab. Millionenschäden waren die Folge. Die Gießener Wirtschaftsermittler legten ihnen in langer mühevoller Kleinstarbeit das Handwerk und brachten damit die Haupttäter hinter Gittern. Eines der kuriosesten Objekte, die sie je sicherstellten, fanden sie bei einem der Haupttäter: ein Goldesel. Natürlich laufen auch aktuell solche Großverfahren, über die aber verständlicherweise Stillschweigen zu bewahren ist, schließlich soll der Erfolg der Ermittler nicht gefährdet werden.

 Sichergestelltes Beweisstück: Goldesel - Foto-Quelle: ZK 20
Sichergestelltes Beweisstück: Goldesel - Foto-Quelle: Z K20

Über Jahre andauernde Ermittlungen an einem Fall, stundenlange Vernehmungen, umfangreiche Aktenordner und regelmäßig sichergestellte elektronische Datenfluten im Bereich von Terrabytes sind normal bei den Ermittlungen im Wirtschaftsbereich. So normal wie ein recht verschwiegenes und sensibles Auftreten der Ermittler, welches aufgrund der Tragweite mancher Fälle absolute Voraussetzung ist. Die Menschen hinter den Ermittlungen im Wirtschaftskommissariat bleiben daher auch lieber anonym.

 

Sylvia Frech, Pressesprecherin