Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
08.08.2019 | Polizeipräsidium Mittelhessen

Handynutzung im Straßenverkehr

große Ablenkungsgefahr durch kleine Technik

abgelenkter Fußgänger läuft mit Handy in der Hand vor ein Auto

Dass Autofahrer für die Nutzung eines Handys während der Fahrt ein erhebliches Bußgeld (60 Euro) zahlen müssen, wenn sie erwischt werden, und gleichzeitig einen Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg erhalten, hat sich inzwischen rumgesprochen.

Auch dass Fahrradfahrer mit einem Verwarnungsgeld von 25 Euro rechnen müssen, wenn sie während dem Treten in die Pedale ihr Handy bedienen, ist nicht mehr neu.

Vergessen geht jedoch oftmals, dass auch Fußgänger Verkehrsteilnehmer sind und als solche durchaus mit einer Strafe rechnen müssen, wenn sie durch ihr Verhalten und die Handynutzung andere gefährden oder gar schädigen.

Wer durch eine Fußgängerzone geht oder sich nach Schulschluss vor den Schulen umschaut, der wird immer mehr Personen beobachten können, die voll konzentriert auf ihr Mobiltelefon durch die Straßen laufen und völlig versunken in der Welt des Mediums sind.

Doch wer die Augen und seine Konzentration auf sein Handy richtet, dem entgehen dabei die vielen Eindrücke der Umwelt. Übersehene Straßenlaternen und Poller sind dabei noch das kleinste Problem. Andere Fußgänger müssen ausweichen, um nicht mit den abgelenkten Handynutzern zu kollidieren, und Autofahrer müssen ihre Fahrt verlangsamen, um nicht mit den oft deutlich langsamer die Straße querenden Personen zu kollidieren.

abgelenkter Fußgänger mit Blick auf sein Handy ... die Laterne naht!

Schon im § 1 der Straßenverkehrsordnung sind die wichtigsten Grundregeln überhaupt im Straßenverkehr festgehalten, die auch in diesem Fall zutreffend ist:

  1. Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
        
  2. Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Diese Regeln gelten für alle Verkehrsteilnehmer, vom LKW-Fahrer bis zum Fußgänger. Kommt es zu einem Unfall, dann sind es auch die Handy-nutzenden Fußgänger, deren Mitschuld am Unfallgeschehen geprüft wird. Insbesondere Versicherungen werden bei der Schadensregulierung genau ermitteln, ob den Fußgänger durch sein Handeln eine Mitschuld trifft, und er somit in Regress genommen werden kann.

Auch wenn Frauen oft behaupten multitaskingfähig zu sein, so ist jedem klar, dass ein Telefonat die Aufmerksamkeit so bindet, dass jegliche Reaktionsfähigkeit auf die Geschehnisse des Verkehrs eingeschränkt ist – bei Männern und Frauen gleichermaßen. Wer dann auch noch die Augen auf das Telefon richtet, weil er Kurznachrichten schreibt oder Mitteilungen liest, der hat gleich mehrere seiner Sinne vom Verkehrsgeschehen abgelenkt.

abgelenkter Autofahrer übersieht Straße querenden Fußgänger

Eine große Ablenkungsgefahr stellt auch die Nutzung von Kopfhörern als Fußgänger oder Radfahrer dar. Es gibt zwar kein generelles Verbot solcher Utensilien, aber auch diese Verkehrsteilnehmer müssen darauf achten, dass ihr Gehör nicht durch zu laute Musik beeinträchtigt wird. Beispielsweise das Martinshorn von Polizei und Rettungsdiensten, aber auch das Hupen anderer Verkehrsteilnehmer muss trotz Kopfhörern noch wahrnehmbar sein.

Dass die Handynutzung im Straßenverkehr ein generationsübergreifendes Phänomen ist, dafür kennt sicher JEDER Beispiele im eigenen Umfeld. Gerade Eltern sollten dabei  ihre Vorbildfunktion bedenken. Die Erziehung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Medien erfordert es auch Kindern und Jugendliche im richtigen Verhalten bei der Nutzung medialer Technik im Straßenverkehr fit zu machen und ihnen selbst das gewünschte Verhalten vorzuleben.

Auch wenn es keine speziellen Paragraphen zur Nutzung von Handys durch Fußgänger im Straßenverkehr gibt, Ahndungsmöglichkeiten sind im Bereich des Straf- und Ordnungswidrigkeitenrechts vorhanden.

Viel wichtiger ist aber, dass jeder sich selbst über die Gefahr bewusst ist, in die er sich und andere durch die intensive Ablenkung bei der Nutzung seines Mobiltelefons begibt.

Brief einer Verkehrsteilnehmerin: Lieber Autofahrer ...
    

Hier schilderte eine aufgebrachte Verkehrsteilnehmerin ihre Erfahrung auf der A5 auf dem Weg zur Arbeit in einem Brief und klemmte dieses 'Knöllchen" an die Windschutzscheibe eines 'smartphonegesteuerten' Fahrzeuglenkers:

Foto Screenshot Brief: "Lieber Autofahrer"

Sylvia Frech, Pressesprecherin