Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
06.04.2017

Romance- und Love-Scamming

Die Abzocke mit der Einsamkeit

Romance- oder Love-Scamming

"Männlich, 60 Jahre, jung geblieben sucht …"
   
Sie wollen nicht mehr einsam sein und träumen von einer gemeinsamen Zukunft. Was spielt Geld da schon für eine Rolle?
Doch Vorsicht: Betrüger, sind auch im Internet unterwegs.

Als Romance- oder Love- Scamming wird die Masche bezeichnet, mit der sich die vermeintlichen Freunde erst das Vertrauen und dann Ihr Geld und Ihre Daten erschleichen.

Ein seriöses Foto, Komplimente, Aufmerksamkeit, vielleicht sogar falsche Liebesbekundungen. Betrüger machen vor nichts Halt, um ihre potentiellen Opfer um den Finger zu wickeln. Erst das harmlose Geplänkel über die Familie, über verstorbene Ehepartner und die Zukunftsplanung und dann die plötzlich auftretende Notsituation. Es wird Geld für eine dringende Operation benötigt, die Schulden für eine Immobilie des verstorbenen Mannes drücken oder das Flugticket für einen Besuch will bezahlt werden. Am Ende haben die gut organisierten Betrüger dabei nur ein Ziel: Ihnen das Geld aus der Tasche ziehen und Sie ausnutzen.

Den Tätern gelingt es, ihre potentiellen Opfer, die im Internet und den sozialen Medien auf der Suche nach einer Freundschaft oder der neuen Liebe waren, in eine emotionale Abhängigkeit zu locken. Die ahnungslosen Opfer sollen schließlich per Bargeldtransfer an Konten im Ausland oder an Geldboten zahlen. Zudem haben es die Betrüger  auf die Daten der Opfer abgesehen. Kopierte Ausweispapiere und Co. verwenden sie dann, um Verträge auf den Namen der Opfer abzuschließen. Auch als Warenagenten setzten manche Betrüger ihre Opfer ein. Sie empfangen Pakete oder Waren an der Adresse in Deutschland und sollen diese ins Ausland an den vermeintlichen Freund weiterschicken.

  
Zuneigung gezeigt – Geld gefordert – Betrugsbeispiele

(1) Kanadische Ölbohrinsel

Rund 26.000 US-Dollar (etwa 23.00 Euro) überwies eine Bürokauffrau aus der Wetterau im Sommer vergangenen Jahres nach Amerika. Über eine Kontaktbörse hatte sie den Mann kennengelernt, der angeblich auf einer Ölbohrinsel in Kanada bei einem millionenschweren Projekt in Schwierigkeiten geraten war. Die Kinder machten ihre Mutter schließlich darauf aufmerksam, dass sie zum Opfer eines Lovescamming-Betruges geworden war.

(2) Schwere Krankheit und Haft

Ohne ihn je gesehen zu haben, verliebte sich eine Frau aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf in einen angeblich in Singapur arbeitenden Mann, den sie über eine Kontaktbörse im Internet kennengelernt hatte. Im Laufe der Fernliebe geriet dieser angeblich in Schwierigkeiten, lag zunächst im Krankenhaus und wurde schließlich inhaftiert. Immer wieder forderte er mit fadenscheinigen Begründungen Geld. Die Frau überwies am Ende insgesamt 120.000 Euro an den Bekannten. Auch in den Besitz ihrer Bankverbindungsdaten und einer Passkopie kam er, bis die Frau endlich Verdacht schöpfte, den Kontakt beendete und Anzeige erstattete.

(3) Der UNO-Generalsekretär in geheimer Mission

Einer Arzthelferin aus der Wetterau täuschte ein angeblicher UNO General-Sekretär über die Sozialen Medien Anerkennung und Zuneigung vor und stellte ihr in Aussicht, sie aus dem Irak besuchen zu kommen, wo er sich aktuell zu einer Peace-Keeping-Mission aufhalte. Rund 2.500 Euro überwies die Wetterauerin im letzten Jahr auf ein Konto in Italien, um den Urlaub aus der geheimen Mission für den vermeintlichen Freund zu zahlen, da dieser selbst nicht an sein Geld käme. Noch dazu füllte sie diverse Formulare mit persönlichen Daten aus und gab eine Kopie ihres Ausweises weiter, um den Urlaubsantrag des vermeintlichen General-Sekretärs zu unterstützen. Erst als die Kinder das angebliche Portraitbild des Freundes im Internet einer anderen realen Person zuordnen konnten, bemerkte die Mutter den Betrug.

(4) Witwerin in finanzieller Notsituation

Erst vor wenigen Tagen erstattete ein Systemadministrator aus der Wetterau Anzeige bei der Polizei. Er hatte über das Portal lovescout eine angeblich aus Ungarn stammende Frau kennengelernt. Mit der Immobilie ihres verstorbenen Mannes gab es angeblich Schwierigkeiten, so dass der Wetterauer sie mit einer Zahlung von 3.500 Euro auf ein Konto in Großbritannien unterstützte. Um ihre Geschichte glaubhaft zu machen, übermittelte die Frau auch ein angebliches Dokument einer real existierenden Anwaltskanzlei aus Deutschland, welches sich jedoch als gefälscht herausstellte. Die vermeintliche Notlage weckte das Helfersyndrom bei dem Wetterauer, der sich nach dem Bemerken des Betruges nach eigenen Angaben ausgenutzt und betrogen vorkam.

 

Wenn die Online-Liebe Geld fordert – das sollten Sie wissen:

  • Betrüger nutzten missbräuchlich die Personalien und Bilder von anderen Personen, die sie im Internet oder anderweitig erlangt haben. Suchen Sie doch mal im Netz nach den angegebenen Namen und vielleicht stoßen Sie sogar auf die Bilder.
      
  • Angebliche Anwalts- und Firmendokumente sind oft Fälschungen – machen Sie den Plausi-Check und rufen Sie bei der richtigen Firma an.
      
  • Bleiben Sie skeptisch und sagen Sie „Nein“, wenn die Internet-Liebe Geld oder Daten fordert. Betrüger finden für alles eine Ausrede, auch wenn angeblicher Wohnort, Zielort und Adressat des Geldes unterschiedlich sind.
      
  • Werden Sie nicht zum „Zwischenhändler“ für Waren, es besteht die Gefahr, dass Sie sich selbst strafbar machen.
      
  • Scheuen Sie sich nicht die Polizei zu verständigen, wenn Sie Zweifel haben oder bereits auf einen Betrug reingefallen sind. Die Polizei wird Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

Weiterführende Informationen zumThema "Romance-Scamming"
gibt es im Internet der Polizei oder unter:

Schriftzug: www.polizei-beratung.de