Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
10.05.2016 | Polizeipräsidium Mittelhessen

Vermisste – ein Thema für die Polizei

VERMISST - ein Thema ...

Die Suche nach vermisst gemeldeten Personen gehört für die Polizei zu den Routineaufgaben.

Dabei hat die Arbeit der Polizei in solchen Fällen wenig mit dem zu tun, was in manchen Kriminalfilmen dargestellt wird.
        

Als vermisst gilt eine Person für die Polizei immer dann, wenn folgende drei Kriterien gemeinsam erfüllt sind:

 

  • Die Person hat ihren gewohnten Lebenskreis verlassen,   
  • ihr derzeitiger Aufenthaltsort ist unbekannt und
  • eine Gefahr für Leib oder Leben kann angenommen werden.

Dabei ist zu beachten, dass bei Minderjährigen grundsätzlich eine Gefahr für Leib und Leben angenommen wird, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben und ihr Aufenthaltsort den Sorgeberechtigten nicht bekannt ist.

Erwachsene hingegen können ihren Aufenthaltsort selbst bestimmen, wenn sie im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte sind. Angehörige und Freunde finden es oft belastend, wenn ihnen lieb gewonnene Menschen scheinbar von jetzt auf gleich ihre Zelte abbrechen. Die Polizei kann die Suche nach ihnen jedoch nur dann aufnehmen, wenn Anhaltspunkte für eine Gefahr vorliegen.

Eine 24-Stunden-Frist, wie sie in manchen Filmen suggeriert wird, gibt es nicht. Sind die genannten Kriterien erfüllt und die Angehörigen haben sich an die Polizei gewandt, so wird diese sofort entsprechende Maßnahmen einleiten.

Erstes Ziel dabei ist es, den Aufenthaltsort der Vermissten zu ermitteln. Neben der Befragung von möglichen Kontaktpersonen und der Überprüfung potentieller Anlaufstellen, werden beispielweise eine sofortige Fahndungsausschreibung in den polizeilichen Informationssystemen und eine Überprüfung der umliegenden Krankenhäuser vorgenommen. Die örtlichen Polizeikräfte sind bei umfangreichen Suchmaßnahmen oft nicht ausreichend, so dass weitere Kräfte umliegender Stationen angefordert werden. Unterstützt wird die Polizei bei ihren Suchmaßnahmen auch von diversen Hilfeeinrichtungen (Feuerwehr, Rettungsdienste, THW, etc.). Zudem kommen Suchhunde und  Hubschrauber mit Wärmebildkameras regelmäßig zum Einsatz, siehe Foto:

Vermisstensuche mit dem Hubschrauber

Im Jahr 2015 eröffnete die Polizei in der Wetterau 273 Vermisstenanzeigen. Ein Großteil der Vermisstenfälle erledigte sich bereits in den ersten Stunden, da die Personen wohlbehalten wieder aufgefunden werden konnten. Bei rund 38 Prozent (103 Vermisste) der vermissten Personen handelte es sich um Frauen / Mädchen. In restlichen Fällen suchte die Polizei nach Männern / Jungen.

In 141 Fällen (54 weiblich / 87 männlich) handelte es sich bei den Vermissten um Minderjährige zwischen 11 und 17 Jahren. In 21 Fällen davon waren es Kinder, deren Aufenthaltsort vorübergehend unbekannt war. Viele der Minderjährigen waren zum Zeitpunkt ihres Verschwindens in einem Kinderheim oder einer ähnlichen Betreuungseinrichtung untergebracht. Kehren die Minderjährigen beispielsweise nach einer vereinbarten Ausgehzeit am Abend nicht in die Einrichtung zurück, so müssen die Betreuer eine Anzeige bei der Polizei erstatten.

Vier Minderjährige aus einer Wohngruppe in Bad Vilbel meinten beispielsweise an einem Freitag zu einem unerlaubten Ausflug zum Einkaufen nach Frankfurt fahren zu müssen. Wohlbehalten kehrten die Jungen am Abend selbständig in die Einrichtung zurück. Für die Polizei galten sie vorübergehend jedoch als "vermisst".

 

Manchmal sind es lediglich Unstimmigkeiten zwischen den vermissten Minderjährigen und ihren Eltern, die ein Tätigwerden der Polizei erforderlich machen. Ein 13-jähriges Mädchen aus Florstadt beispielsweise weigerte sich an einem Montagmorgen im Juli zur Schule zu gehen, verließ das Haus aber trotzdem. Die Mutter informierte die Polizei, die das Kind schließlich wohlbehalten in der Nähe der Wohnung auffinden konnte.

Inzwischen immer häufiger sind es auch Vermisstenanzeigen zu unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern (UmA), die bei der Polizei eingehen. Nicht immer kann der Aufenthaltsort dieser Minderjährigen ermittelt werden. Gerade in Fällen in denen die Minderjährigen mit ihrem Hab und Gut von jetzt auf gleich verschwunden sind, ist davon auszugehen, dass sie weitergezogen sind. Trotz allem gelten sie als vermisst und die Polizei trifft entsprechende Maßnahme, um ihren Aufenthaltsort zu ermitteln. Aus dem Jahr 2015 sind so noch acht Vermisstenanzeigen in der Wetterau offen, bei denen der Aufenthaltsort der UmA nicht geklärt ist. Manchmal sind sie, ähnlich zu anderen Jugendlichen, aber auch einfach nur länger als erlaubt unterwegs und kommen von alleine in die Unterkunft zurück.

Unter den Vermissten gibt es auch immer wieder „alte Bekannte“ für die Polizei. So suchten die Beamten beispielsweise bereits 15 Mal innerhalb des letzten Jahres nach einem Mann, der vorübergehend auf richterliche Anordnung in einer Psychiatrischen Einrichtung im Wetteraukreis untergebracht war, diese aber regelmäßig – zuletzt sogar zweimal am gleichen Tag - unerlaubt verließ. 16 Mal meldete die Psychiatrische Einrichtung auch eine Frau aus dem Geburtsjahr 1963 in den Jahren 2012 bis 2014 als vermisst. Eine Jugendliche aus einem Kinderheim in Nidda wurde 25 Mal in den Jahren 2012 bis 2014 von der Polizei gesucht. Meist kam sie von alleine nach einigen Stunden wieder zurück in die Einrichtung. Ebenso verhielt es sich mit einer Jugendlichen aus einer Einrichtung in Karben, die in den Jahren 2012 und 2013 insgesamt 16 Mal von den Beamten der Polizeistation Bad Vilbel gesucht wurde. Viele andere Personen sind es, die in den letzten Jahren mehrere Male Vermisstenfahndungen der Polizei auslösten. Der zeitliche und personelle Aufwand ist dabei teils erheblich und somit auch die entstehenden Kosten.

Die Gründe warum Personen von der Polizei gesucht werden, sind sehr verschieden und doch gibt es viele Fälle, die sich ähneln: So sind es wie beschrieben oft Minderjährige, die ihre Ausgangszeiten unerlaubt verlängert haben und von der Polizei gesucht werden. Als sogenannte „Streuner“ werden sie manchmal bezeichnet, wenn ihr Aufenthaltsort des Öfteren unbekannt ist.  In anderen Fällen sind es beispielsweise Personen, die sich in einem psychisch labilen Zustand befinden und bei denen eine Selbsttötungsabsicht besteht. Aber auch Menschen die sich krankheits- / altersbedingt nicht mehr orientieren können werden von der Polizei gesucht.

In Einzelfällen lassen sich Vermisstensachen trotz intensiver Suchmaßnahmen und Ermittlungen nicht zeitnah klären. Dies zeigt auch das Beispiel einer 50-jährigen Friedbergerin, die die Polizei im September 2013 suchte. Erst ein Knochenfund vor einigen Wochen brachte die traurige Gewissheit, dass die Frau nicht mehr am Leben war.

Auch eine 71-jährige Frau aus Ortenberg-Bleichenbach galt im Jahr 2015 zunächst als vermisst. Erst einige Wochen nach ihrem Verschwinden stellte sich heraus, dass sie Opfer eines Verkehrsunfalls wurde, als ihr Leichnam von landwirtschaftlichen Helfern auf einem Feld gefunden wurde.

Weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.bka.de
in der Rubrik Themen – Vermisstensachbearbeitung.