Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
09.06.2016

„Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht!“

Fachtagung in Marburg am 16.03.2016

Derzeit begegnen wir einem gewaltigen Boom kriminalpräventiver Maßnahmen und Programme. Eine Auswahl aus dem unübersichtlichen Angebot gestaltet sich meist als schwierig. Praktiker/innen sowie Verantwortliche in der Kriminalprävention sehen sich oft vor die Herausforderung gestellt, auf Problemlagen schnell zu reagieren. Finanzielle, personelle Ressourcen stellen häufig entscheidende Kriterien für die Auswahl dar.

Viel Engagement wird auch in die Konzeptionierung eigener Projekte und Programme eingebracht. 

Mit jeder Ein-und Durchführung einer Maßnahme ist auch die Frage nach ihrer Wirksamkeit und Nachhaltigkeit verbunden. Doch welche Möglichkeiten bestehen, um dies feststellen zu können? Was ist schon bereits im Vorfeld der Implementierung zu beachten? 

Logo Netzwerk gegen GewaltUm Antworten auf diese Fragen zu finden, hatte das   Netzwerk gegen Gewalt, das Polizeipräsidium Mittelhessen, die Philipps-Universität Marburg, mit Unterstützung des Projektes "Einsicht-Marburg gegen Gewalt", zur Fachtagung

„Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht!"

am 16.03.2016 nach Marburg eingeladen.

Hundert Teilnehmende aus den Bereichen Schule, Polizei, Justiz, Kommune, Politik, Wissenschaft, Sozialarbeit informierten sich im Psychologischen Institut der  Philipps-Universität über Möglichkeiten der Wirkungsüberprüfung von Präventionsmaßnahmen.

Der Dekan des Fachbereichs Psychologie, Prof. Dr. Ulrich Wagner, hieß die Fachtagsbesucher/innen willkommen und gab einen kurzen Input über die Historie des Tagungsgebäudes sowie die Thematik der Tagung.

  Der Dekan des Fachbereichs Psychologie, Prof. Dr. Ulrich Wagner, hieß die Fachtagsbesucher/innen willkommen

Auf die Bedeutung der Wirksamkeitsüberprüfung präventiver Maßnahmen in und für die Praxis ging Dr. Stephan Jeck, Vertreter des Hessischen Kultusministeriums in der Lenkungsgruppe  Netzwerk gegen Gewalt, in seinem anschließenden Grußwort ein. Beispielhaft für den Kultusbereich nannte er die kürzlich abgeschlossene Evaluation des Grundschulprojekts „Cool and safe“ sowie die geplante Wirksamkeitsüberprüfung des Programms „Buddy“.

Dr. Stephan Jeck, Vertreter des Hessischen Kultusministeriums in der Lenkungsgruppe Netzwerk gegen Gewalt, bei seinem anschließenden Grußwort

In seinem Vortrag “Grundlagen und Prinzipien der Wirkungsorientierung“  erläuterte Prof. Dr. Wagner den Begriff „Evaluation“ und stellte anhand von Beispielen die Arbeitsschritte und Anforderungen an eine Wirkungsüberprüfung  dar.

Prof. Dr. Wagner nahm  in diesem Zusammenhang Bezug auf die Evaluation von   Pit-Hessen, ein opferzentriertes Gewaltpräventionsprogramm für weiterführende Schulen, das dreimal durch die Universität Marburg positiv evaluiert wurde und ein Programm des Netzwerks gegen Gewalt ist.

Möglichkeiten der eigenen (internen) Durchführung einer Wirkungsevaluation bestehen. Schwierigkeiten, die hiermit verbunden sind, liegen z.B. in unzureichenden zeitlichen Ressourcen, in der Umsetzung des Untersuchungsdesigns sowie einer wissenschaftlichen Auswertung der Evaluationsergebnisse. Ein Problem der internen Wirkungsevaluation stellt auch die erforderliche Objektivität dar. Bei manchen Fragestellungen ist externe Evaluation erforderlich.

Die Präsentation einer „Orientierungshilfe“ zur eigenen Wirkungseinschätzung von Präventionsmaßnahmen, einsetzbar bereits im Vorfeld der Implementierung, leitete über in eine 2-stündige Workshoparbeit. In vier berufsübergreifenden Arbeitsgruppen, die von wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen der Hochschule geleitet wurden, übten die Teilnehmenden anhand von praktischen Beispielen die Anwendung dieser Orientierungshilfe mit Umsetzung einer Checkliste.

Zu Rückfragen, Anregungen für die weitere Arbeit am Thema bot das abschließende Plenum Gelegenheit, wovon die Teilnehmenden regen Gebrauch machten. 

Fachtagung

Text: Konstanze Schmidt, Geschäftsführerin, Zentrale Geschäftsstelle Netzwerk gegen Gewalt

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