Luftbildaufnahme des Polizeipräsidiums Mitelhessen
 
27.10.2015 | Polizeidirektion Wetterau

Eine Nacht im Polizeigewahrsam

"Nehmen Sie sich doch lieber ein Hotelzimmer, das kommt günstiger", sollte man denjenigen raten, die es darauf anlegen, einmal in den Zellen der Polizei eine Nacht zu verbringen.

Doch mal ehrlich, nicht jeder hat die Wahl. Ein Betrunkener, der kaum noch auf den eigenen Füßen stehen kann oder ein Randalierer, den man davon abhalten muss Straftaten zu begehen, das sind die Hauptgründe, warum es Bürgerinnen und Bürger in die Gewahrsamszellen der Polizei verschlägt. Zugegebenermaßen zumeist eher unfreiwillig.

Rechtlich stützen sich diese Maßnahmen auf den § 32 des Hessischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung, welches im § 33 darüber hinaus vorschreibt, dass eine richterliche Entscheidung erforderlich ist, ob und wie lange eine solche Freiheitsentziehung durchgeführt werden darf, sofern eine solche Entscheidung rechtzeitig eingeholt werden kann.

An einem Montagabend im Oktober beispielsweise verbrachte ein Mann aus Rodheim die Nacht in einer Zelle der Polizeistation in Friedberg. Über drei Promille zeigte der Atemalkoholtest an, als die Polizei ihn antraf. Der Nachbar hatte die Beamten gerufen, da der stark Alkoholisierte gegen seine Haustür hämmerte und ihn bedrohte. Da eine Beruhigung und Einsicht des Randalierers in dieser Situation nicht zu erreichen war, kam er in die Gewahrsamszellen, bis er wieder etwas nüchterner war.

Mit Komfort hat die Gewahrsamzelle wenig zu tum.
Blick in eine Gewahrsamzelle der Polizei in Friedberg

Auch einem auf der Autobahn angehaltener Verkehrsteilnehmer, der ebenfalls über drei Promille hatte, wurde auf Anordnung eines Richters bis zum Erreichen eines nüchterneren Zustandes die Freiheit vorübergehend entzogen.

Wenn keine ärztliche Behandlung erforderlich ist und kein Angehöriger oder Freund greifbar, der sich um die betroffene Person kümmern kann, dann bleibt oft kein anderer Weg. So kann auch der, der kein Straftäter ist, sich die Zellen einmal von innen ansehen. Oft ist dies zur Nachtzeit der Fall, aber durchaus auch tagsüber gibt es den ein oder anderen "Besucher".

Damit die dadurch entstehenden Kosten nicht an der Staatskasse und somit der Allgemeinheit hängen bleiben, regelt die Verwaltungskostenordnung was den Übernachtungsgästen später in Rechnung gestellt wird.

Neben einer Pauschale von 50 Euro für den Transport zur Dienststelle wird dabei je nach Zeitdauer des Aufenthalts abgerechnet. Der immer zu Grunde gelegte Satz von 45 Euro muss bei einer Zellennutzung bis zu sechs Stunden gezahlt werden. Wird diese Zeit überschritten, kommen für Blöcke von jeweils sechs weiteren Stunden immer 8 Euro dazu.

In den Kosten enthalten ist die "Betreuung" durch die Polizeibeamten, die Benzinkosten, die Personalkosten für das "Polizeitaxi" und schließlich auch die Kosten für die Grundreinigung der genutzten Zelle.

Manchmal kommen weitere Kosten auf die Gäste zu, wenn diese die Zelle oder den Dienstwagen beispielsweise über die Maßen verschmutzen, was durchaus häufig durch Exkremente der Fall ist. Solche zusätzlichen Kosten fallen auch dann an, wenn beispielsweise die Zelle aufgrund von ansteckenden Krankheiten des Insassen desinfiziert werden muss.

Zudem ist es manchmal erforderlich, insbesondere bei stark alkoholisierten Personen, diese vor dem Aufenthalt in der Zelle von einem Arzt auf die sogenannte "Gewahrsamsfähigkeit" untersuchen zu lassen, damit keine gesundheitlichen Probleme während des Aufenthalts zu erwarten sind. Der dafür angeforderte Arzt stellt ebenfalls eine Rechnung an die Polizei, die sich diese Auslagen später vom Übernachtungsgast wieder zurückholt.

Alles in allem kommt also fast kein Gast unter 95 Euro davon und darf nicht frei wählen, wann er seine vorübergehende Unterkunft wieder verlässt.

Auch Zimmer Nummer 1 ist mit einer Suite nicht zu vergleichen
Auch Zimmer Nummer 1 ist mit einer Suite nicht zu vergleichen.

Wer würde da nicht ein komfortables Hotelbett dem gekachelten Raum vorziehen?