Polizeifahrzeuge vor dem Polizeipräsidium Frankfurt am Main
 
16.10.2017 | Polizeipräsidium Frankfurt am Main

150 Jahre Polizeipräsidium Frankfurt

150 Jahre Polizeipräsidium Frankfurt am Main

Das Polizeipräsidium Frankfurt ist heute ein nicht weg zu denkender Teil der Gesellschaft und der Architektur der Inneren Sicherheit, fest auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung verankert sowie von Kommunikationsbereitschaft und Bürgernähe geprägt.

Bis dahin war es ein langer Weg.

Die Anfänge des Polizeiwesens in der damals freien Reichsstadt Frankfurt lassen sich nur mühsam nachvollziehen. Erstmals wurden polizeiliche Maßnahmen im Jahr 1388 erwähnt.

Es wird von vielfältigsten Aufgaben ohne einheitliche Führung berichtet. So gab es wegen der vielen Seuchen eine Gesundheitspolizei. Es gab aber auch eine Marktpolizei, die auf korrekte Maße und Gewichte achtete, sowie Torwächter, Nachtwächter, Schildwachen, Zöllner und vielerlei mehr.

Frankfurt war auch damals schon etwas Besonderes, denn es lag im Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen und besaß mit dem Mainhafen einen der größten Umschlagplätze für allerlei Waren. Kaiserkrönungen und Handelsmessen lockten Fremde und Besucher aus zahlreichen Ländern an.

Dieses bunte Treiben machte den Polizeidienst keineswegs leicht: Diebe, Räuber und Betrüger machten Stadt und Märkte unsicher und die Polizisten mussten „hart“ arbeiten, um Auswüchse zu verhindern. Ein 12-Stunden-Dienst war normal.

Als Polizeigebäude dienten in dieser Zeit die Hauptwache und die Konstabler Wache – deren Name drückt diese Funktion ja heute noch aus.

Im Jahr 1806 veränderte Napoleon die Landkarte Europas entscheidend: Polizisten wurden zu Gendarmen, die mittelalterlichen Polizeistrukturen wurden beseitigt. Frankfurt bekam ein modernes, selbstständiges Polizeiamt nach Pariser Vorbild. Ein Oberpolizeidirektor hatte nun den Bürgermeister zu kontrollieren und führte die Oberaufsicht in der Stadt.

Mit dem Rückzug Napoleons im Jahr 1813 verschwanden diese Reformen wieder, die Verwaltung fiel zurück in alte Muster. 

Die politischen Spannungen dieser Zeit, vor allem der Verfassungsstreit und die Rolle des Deutschen Bundes erzeugten viele Unruhen und stellten die Polizei auf eine harte Belastungsprobe, die oft nur durch militärisches Eingreifen geregelt werden konnten.

Im Frühjahr 1866 sah man aus Sicht des damals souveränen Frankfurt mit banger Miene auf die langjährige „Eifersucht“ zwischen Preußen und Österreich. Es war klar, dass eine Zuspitzung der Rivalität oder gar kriegerische Verwicklungen erhebliche Nachteile für Frankfurt nach sich ziehen würden - egal wer gewinnt. Diese Vermutung wurde bald zur Gewissheit. Im Juli 1866 wurde die Freie Stadt Frankfurt von Preußen besetzt und bald darauf annektiert.

Egal, wie man diese Entwicklung aus Sicht der ehemals freien Reichsstadt Frankfurt heute auch sehen mag, mit den Preußen wurden eine funktionierende Verwaltung sowie erneut eine starke, eigenständige Polizei aufgebaut.

Polizeipräsidium 1867Mit Verordnung vom 29.06.1867 wurde das Preußische Polizeipräsidium als örtliche Polizeiverwaltung in der Stadt errichtet – hierin ist dann auch die Geburtsstunde des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main zu sehen.

Guido von Madai wurde als erster Polizeipräsident und gleichzeitig als Landrat des Landkreises Frankfurt eingesetzt und gilt als Begründer des im damaligen Clesernhof angesiedelten ersten Polizeipräsidiums. Der Clesernhof befand sich neben dem Römer in der Karpfengasse; Hof und Straße sind heute nicht mehr existent.

Mit weiterem Anwachsen der Stadt wurde 1866 ein Gebäude auf der Zeil 60 bezogen.

Polizeipräsidium 1886Später wurde ein nochmaliger Umzug notwendig, der die Polizei im August 1914 in ein neues Präsidium in der jetzigen Friedrich-Ebert-Anlage führte. Dort war die Polizei bis 2002 und damit exakt 88 Jahre beheimatet.

1920 wurde die Behörde erstmals in eine Sicherheits-, Ordnungs- und Kriminalpolizei aufgeteilt, die beiden erstgenannten Bereiche trugen zur Unterscheidung grüne und blaue Uniformen.

Im Jahr 1933 erlangte das Naziregime die Macht, danach folgte das dunkle Kapitel deutscher Geschichte.

Polizeipräsidium 1914Die Frankfurter Polizei traf es hart, denn 1933 herrschte dort den Überlieferungen nach eine demokratische Gesinnung, nur wenige Polizeibeamte gehörten der „NS-Beamtenschaft Polizei“ an und bis kurz vor der Machtergreifung war gerade die politische Abteilung gegen nationalsozialistische Versammlungen und Umzüge vorgegangen.

Es folgte eine Säuberungswelle, in der viele Polizeibeamte durch regimetreue Angehörige der SA ersetzt wurden.

In vielen dokumentierten Lebensläufen zeigt sich die Zerrissenheit der damaligen Gesellschaft, aber auch die Brutalität und Grausamkeit, wenn ein menschenverachtendes Regime die Herrschaft übernimmt.

Dies sollte gerade in heutiger Zeit, in der Extremismus, islamistische Terroristen und auch Populisten unsere Gesellschaft spalten und unsere Werte- und Gesellschaftsordnung destabilisieren wollen, eine Mahnung sein.

Nicht unerwähnt bleiben darf aber auch ein einfacher Polizist im 3. Reich, der im damaligen 1. Revier arbeitete - Polizeimeister Otto Kaspar.

1978, lange nach seinem Tod, wurde bekannt, dass er mit hoher Eigengefährdung einer jüdischen Familie das Leben rettete, indem er auf deren Meldekarte die Religionszugehörigkeit löschte. Es weiß bis heute niemand, warum er das tat und ob dies der einzige Fall war. Er tat es eben und hat danach nie darüber gesprochen. Nach ihm ist die an das neue Gebäude des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main angrenzende Straße benannt, eine schöne Entscheidung!

Polizeipräsidium 2002Seit 2002 ist das Polizeipräsidium in einem neu erbauten Verwaltungsgebäude an der Ecke Adickesallee und Eschersheimer Landstraße ansässig und verkörpert dort eine offene und bürgernahe Polizei, deren Entwicklung in den vergangenen Jahrhunderten nicht isoliert betrachtet werden kann. Sie war beeinflusst von vielfältigen politischen und gesellschaftlichen Begebenheiten und Umbrüchen sowie von der Zusammenarbeit und Interaktion mit anderen Behörden und Institutionen.

Im Juni 2017 konnte das Polizeipräsidium Frankfurt sein 150jähriges Bestehen begehen. Das Ereignis wurde im Rahmen eines Festaktes mit über 250 Gästen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft und einem Tag der offenen Tür für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger gefeiert.

Im Rahmen einer Ansprache wies der amtierende Polizeipräsident Gerhard Bereswill auch auf die schwierige Rolle der Frankfurter Polizei in den Zeiten des Naziregimes hin und mahnte die stetige kritische Auseinandersetzung an.

"Dies gilt heute umso mehr, da wir uns im demokratischen Rechtssystem als Teil der Gesellschaft sehen. Nur in der Zusammenarbeit mit vielen anderen Institutionen können wir die Ziele erreichen, die uns die Verfassung vorgibt und die die Gesellschaft zu Recht von uns erwartet."