Polizeifahrzeuge vor dem Polizeipräsidium Frankfurt am Main
 
19.02.2019 | Polizeipräsidium Frankfurt Main

Das Folgemodul "Ablenkung" an weiterführenden Schulen

Pilotprojekt: "Gefahrensensibilisierung"

  

Banner Gefahrensensibilisierung an weiterführenden Schulen - Ablenkung

Teil 5: „Ablenkung durch die Nutzung von Mobiltelefonen und Kopfhörern“

Titelbild: Im Klassenzimmer

Ablenkung im Straßenverkehr gehört mittlerweile zu den wichtigsten Verkehrsunfallursachen. Gerade Jugendliche, die mit dem Handy in der Hand aufwachsen gelten als besondere Risikogruppe. Die Aufklärungsarbeit der Frankfurter Polizei setzt auf Diskussion und Überzeugung im Dialog mit den Schülerinnen und Schülern.

 

Schockvideos erzeugen kurzfristige Aufmerksamkeit – in der nachhaltigen Verkehrssicherheitsarbeit mit Jugendlichen helfen sie nicht weiter

Leider widmen sich viele Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer nicht permanent dem Verkehrsgeschehen, sondern schenken allzu häufig anderen Dingen ihre Aufmerksamkeit. Das geschieht zum Teil unbewusst und ist deshalb umso gefährlicher, denn alle Verkehrsteilnehmer und Verkehrsteilnehmerinnen nehmen das Verkehrsgeschehen zu 90% über die Augen wahr.
Der "kurze" Blick auf das Smartphone reduziert die Wahrnehmung des Verkehrsgeschehens erheblich. Ausländische Untersuchungen sprechen davon, dass jeder 10. Verkehrsunfall und fast jeder dritte tödliche Verkehrsunfall auf die Ursache "Ablenkung" zurückzuführen ist.

In Deutschland, Hessen und damit leider auch in Frankfurt, liegen leider keine Zahlen zur Unfallursache "Ablenkung durch die Nutzung von Mobilfunkgeräten oder Kopfhörern" im Straßenverkehr vor. Dennoch gibt die Beobachtung des Verkehrsalltags hinreichend Anlass zur Sorge – denn gerade Kinder und Jugendliche nutzen ihre Handys gerne im öffentlichen Verkehrsraum, z.B. auf dem Schulweg.

Im Rahmen des Pilotprojektes der Gefahrensensibilisierung durfte daher der Baustein "Ablenkung im Straßenverkehr nicht fehlen. Aber wie kann man der Generation „Smombie“ die Risiken nachhaltig vermitteln?

„Schockvideos erzeugen nur eine kurzfristige Aufmerksamkeit, im Einzelfall können die gezeigten Szenen bei den Jugendlichen sogar traumatische Reaktionen verursachen oder sorgen am Ende für Gleichgültigkeit oder Abstumpfung – in der nachhaltigen Verkehrssicherheitsarbeit mit Jugendlichen helfen uns Schockvideos deshalb nicht weiter. Wir arbeiten anders und versuchen die Jugendlichen anhand ihrer eigenen Erfahrungen zu überzeugen“, sagt PHK Thomas Gohla, Leiter der Verkehrserziehung und – aufklärung beim Polizeipräsidium Frankfurt am Main.
Deshalb tauschten sich die polizeilichen Verkehrserzieher gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern und Lehrerinnen und Lehrern an der Georg-August-Zinn-Schule und der Ludwig-Börne-Schule über ihre bisherigen Erlebnisse aus. Viele der 13-15jährigen Mädchen und Jungen berichteten über peinliche oder schmerzliche Erfahrungen, als sie Hindernisse übersahen, während sie auf ihr Smartphone schauten.
"Ich musste einmal einen Mitschüler zurückhalten, als er mit dem Handy auf die Straße trat und ein Auto kam", berichtete eine Schülerin der Georg-August-Zinn-Schule. Anderen waren sogar konkrete Verkehrsunfallsituationen bekannt.
Dennoch zeigten sich manche Schülerinnen und Schüler auch davon überzeugt, dass sie gleichzeitig "gehen und tippen" können. Um herauszufinden, inwieweit die sogenannte "Multitasking-Fähigkeit" auch im Straßenverkehr hilft, bekamen die Jugendlichen die Gelegenheit, ihre Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeiten praktisch zu testen.


Mythos Multitasking

 (5 Mb) - Reaktionstest an der T-Wall

Der Test dauert eine Minute - die Teilnehmerinnen hatten die Aufgabe die aufleuchtenden Felder mit der Hand, so schnell es geht auszudrücken. Jede auf ihrer Seite- entweder die gelben oder eben die grünen  Leuchten. Die Zusatzaufgabe des Mädchens mit dem Smartphone war, einen Text, welcher ihr diktiert wurde, mit ihrem Smartphone zu tippen. Das nicht abgelenkte Mädchen erreichte 110 Anschläge pro Minute. Das Mädchen, das zusätzlich mit dem Handy beschäftigt war, schaffte nur 11 Anschläge pro Minute. Unser zufälliges und ungestelltes Video der beiden Mädchen beansprucht keinen wissenschaftlichen Anspruch, veranschaulicht aber recht eindrucksvoll, wie entscheidend der Einflussfaktor „Ablenkung“ die Reaktionsfähigkeit beeinflussen kann.

 


Bei allen Jugendlichen stellten sich die Ergebnisse wie im Video dar. Tippen und gleichzeitig reagieren hat nicht funktioniert! Mit dem Fokus auf das Display des Handys reduzierte sich die Wahrnehmung, die Reaktionsfähigkeit war unterbrochen oder stark eingeschränkt. Mädchen und Jungen waren übrigens gleichermaßen betroffen.

Die Erkenntnis:

Das menschliche Gehirn ermöglicht es, mehrere einfache Tätigkeiten zu kombinieren. Werden die Anforderungen komplexer, gelingt es nicht mehr, auch nur zwei oder drei Dinge gleichzeitig zu erfassen, zu verarbeiten und angemessen zu reagieren. Gerade für die Teilnahme im Straßenverkehr gilt daher, sich vollends auf die Verkehrsabläufe zu konzentrieren - auch und gerade, wenn es scheinbar langweilig ist. Die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr verträgt keine Pause!

Mit der praktischen Übung wurde vielen Jugendlichen bewusst, wie gefährlich es werden kann, wenn man selbst, und/oder andere abgelenkt sind. Dabei ist es so einfach, ablenkende Einflüsse zu reduzieren. Die Schüler zeigten sich gegenseitig Lösungen auf, wie zum Beispiel >> einfach stehen bleiben, wenn man tippt <<, oder >> das Handy nutzen, wenn man nicht mehr läuft, sondern beispielsweise in Bus oder Bahn sitzt <<.

Zum Abschluss formulierten die Jugendlichen die, aus ihrer Sicht, wichtigsten Botschaften des Tages:

  • Volle Aufmerksamkeit auf den Straßenverkehr!
    Nur uneingeschränktes Sehen und Hören garantiert eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr
      
  • Das Handy auch mal in der Tasche lassen -
    gerade wenn sich Verkehrswege kreuzen und man z.B. man eine Fahrbahn überquert
      
  • Für Fußgänger ist die Nutzung des Mobiltelefons oder Kopfhörern grundsätzlich nicht verboten, aber dennoch gefährlich.
    Wenn man im Straßenverkehr schon mit Kopfhörern Musik hört, empfehlen sich sogen. „InEar“-Kopfhörer - dann bitte einen Ohrhörer raus oder die Musik leise stellen, damit akustische Signale wahrnehmbar bleiben um sie dann später „virtuell“ oder unmittelbar an Freunde und Familie weiterzureichen.

 

 Link zur Web-Seite der Verkehrserziehung und -Aufklärung des Polizeipräsidium Frankfurt am Main (D 630)