Polizeifahrzeuge vor dem Polizeipräsidium Frankfurt am Main
 
22.11.2018 | Polizeipräsidium Frankfurt Main

Verkehrssicherheitsarbeit an weiterführenden Schulen

Gefahrensensibilisierung für Schülerinnen und Schülern

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Teil 1: Das Pilotprojekt im Überblick

 Banner Pilotprojekt Gefahrensensibilisierung

Zwei schwere Verkehrsunfälle im Bereich einer innerstädtischen Haupt- und Realschule hatten im Frühsommer 2017 dazu geführt, dass sich die dortige Schulleitung mit der Bitte um Unterstützung an die polizeiliche Verkehrserziehung gewandt hatte. Da der Faktor „Ablenkung“ bei den Unfällen eine besondere Rolle gespielt hatte, konnte den Schülerinnen und Schülern der 6. Jahrgangsstufe nach den Sommerferien zunächst ein buntes Potpourri an Informationen zum verkehrssicheren Nutzungsverhalten von Mobiltelefonen und Kopfhörern im Straßenverkehr angeboten werden. Im Rahmen des gemeinsamen Austauschs ergab sich, dass viele Schülerinnen und Schülern dieser Altersstufe zwar noch über theoretische Verhaltensregeln im Straßenverkehr verfügen, aber ihr eigenes Verkehrsverhalten oft unrealistisch einschätzen.

Die klassische „Verkehrserziehungsarbeit“ erfolgt in der Stadt Frankfurt am Main für die 4-6 Jährigen in den Vorschulbereichen der Kindergärten und Kindertagesstätten, den 5-7jährigen Erstklässlern im Rahmen des Schulwegtrainings und für die etwa 10jährigen im Rahmen der Radfahrbeschulung in den 3./4. Grundschulklassen.

Die städtischen und polizeilichen Verkehrserzieher leisten hier seit Jahren wertvolle Arbeit.

Klassischerweise werden Vor- und Grundschüler auf ihrem Weg in die Schule noch überwiegend von ihren Eltern begleitet und beaufsichtigt. Dementsprechend werden Schulwegunfälle von Kindern in der Frankfurter Unfallstatistik vergleichsweise selten registriert[1].

Jugendliche verhalten sich anders

Die selbstständige Teilnahme am Straßenverkehr nimmt jedoch mit dem steigenden Lebensalter und einem sich verändernden Freizeitverhalten proportional zu. „Der Wechsel in eine weiterführende Schule führt für die Kinder zu einer enormen Erweiterung des Mobilitätsradius. Mit der beginnenden Pubertät gehen Verhaltens- und Einstellungsänderungen einher, die für eine verkehrssichere Teilnahme am Straßenverkehr nicht förderlich sind“[2].

Die Auswertung der Verkehrsunfalllage von Grundschülern sowie Schülerinnen und Schülern im Alter von 14-17 Jahren in Frankfurt am Main bestätigt zunächst die Befürchtung, dass gerade die älteren SchülerInnen überproportional am Unfallgeschehen beteiligt sind, wenn man die jeweiligen Bevölkerungsanteile berücksichtigt.

Grafik Unfallstatistik

Daraus resultiert, dass Jugendliche im Frankfurter Stadtgebiet etwa 2-3mal (genau: 2,4mal) so häufig an Verkehrsunfällen beteiligt sind, wenn sie als Fußgänger, Radfahrende oder Mitfahrende in einem Kraftfahrzeug unterwegs sind.

Was läge also näher, als gerade den künftigen Kfz-FührerInnen die Aspekte der ständigen Vorsicht und gegenseitigen Rücksichtnahme im Straßenverkehr zu vermitteln? Tatsächlich sind gerade die Jugendlichen die klassische und besonders geeignete Zielgruppe für eine wirkungsvolle Verkehrspräventionsarbeit, zumal die Verkehrsdichte und –belastung Frankfurts in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat und die Bedeutung des Fahrrads als Verkehrsmittel im Zuge einer eingeleiteten Verkehrswende gleichermaßen steigt[3].

Pilotprojekt „Gefahrensensibilisierung“ an Frankfurter Schulen

Im Rahmen gemeinsamer Anstrengungen gelang es bislang, die Unfallzahlen im Stadtgebiet auf einem gleichbleibenden Niveau zu stabilisieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Schutz der sogenannten „Schwächeren Verkehrsteilnehmer“. Dazu zählen insbesondere auch die Jugendlichen, die explizit als Fußgänger, Radfahrende oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Stadtgebiet unterwegs sind.

Um den genannten Gesichtspunkten bereits frühzeitig Rechnung zu tragen und um die Verkehrssicherheit in Frankfurt am Main weiter zu erhöhen, wurde in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt Frankfurt am Main und unter Mitwirkung weiterer Kooperationspartner in der Folge das Pilotprojekt „Gefahrensensibilisierung von Schülerinnen und Schülern weiterführender Schulen vor Risiken im Straßenverkehr und auf dem Schulweg“ initiiert.

Kernziele bei der Planung und Durchführung des Projektes waren von Beginn an, die

  • - Auswertung der individuellen Verkehrsunfalllage,
  • - Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten im Umfeld der Schulen,
  • - Einbeziehung der Schulleitung und Lehrkräfte vor Ort und
  • - praxisnahe und nachhaltige Vermittlung der Themenschwerpunkte an die Schülerinnen

und Schüler.

In Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt wurde das Projekt zunächst an verschiedenen Schulstandorten vorgestellt. Dabei entstand ein Ablaufplan,

Veranstaltungen im Schuljahr 2018 / 2019

der darauf abstellt, den Schulen ein individuell auf ihre Rahmenbedingungen ausgerichtetes Programm anzubieten, die Lehrkräfte vor Ort vorzubereiten, aber auch frühzeitig Gelegenheiten zu identifizieren, die Themen der Verkehrssicherheit z.B. in den Fachunterricht anderer Fächer mit einfließen zu lassen und durch die wiederkehrende Thematisierung der Verkehrssicherheitsthemen eine Nachhaltigkeit zu entfalten, die über das Maß einzelner (Tages-)Veranstaltungen hinausgeht.

In Anlehnung an die Standards der hessischen Verkehrspräventionsarbeit und unter Berücksichtigung von Methoden der Verkehrsunfallforschung konzentriert sich das Konzept dabei auf die wiederkehrenden und typischen Verkehrsunfallursachen von Jugendlichen.

Der entwickelte Themenbaukasten beinhaltet folgende Schwerpunkte,

 

Grundmodul:

Puzzel-Teil 1 Allgemeine Gefahrensensibilisierung – Polizei Frankfurt/M. mit Unterstützung des Fraunhofer Institut IVI, Dresden

 

Folgemodule:

Puzzel-Teil 2 Überschreiten von Bahnübergängen - Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF)

Puzzel-Teil 3 Erkennbarkeit -  Verkehrswacht Frankfurt am Main

Puzzel-Teil 4 Drogen und Alkohol - Fachstelle Prävention

Puzzel-Teil 5 Geschwindigkeit - ADAC Hessen/Thüringen

Puzzel-Teil 6 „Toter Winkel“ - Dekra NL Frankfurt am Main

Puzzel-Teil 7 „Ablenkung“ - Polizei Frankfurt/M.

 

Abschlussmodul:

Puzzel-Teil 8 Überprüfung des Verkehrsraums – Straßenverkehrsamt und Polizei Frankfurt

die von den Schulen abgerufen werden können und durch die aufgeführten Kooperationspartner inhaltlich abgebildet werden.

Bild zum Anforderungsprofil / zur Methodik Textpunkte zum Anforderungsprofil / zur Methodik

Der These folgend, dass man Kindern den Straßenverkehr nicht „erklären“ kann[4], setzt das Pilotprojekt gezielt darauf, bei der Übermittlung der Botschaften nicht nur theoretische und gutgemeinte Überzeugungsarbeit leisten zu wollen, sondern möchte die Jugendlichen und ihr tägliches Verkehrsverhalten von Beginn an in die Überlegungen mit einbeziehen.

Das beginnt praktisch bei der Abfrage der persönlichen Schulwege und dem Abgleich mit der konkreten Verkehrsunfalllage und setzt sich im Laufe des Schuljahrs mit realitätsnahen Vorführungen und Demonstrationen des Verkehrsgeschehens in den ausgewählten Folgemodulen fort.

Die Schülerinnen und Schüler erhalten dann beispielsweise die Gelegenheit, eine Gefahrenbremsung in einer Frankfurter U-Bahn mitzuerleben, oder „erfahren“ den Bremsweg eines Pkw bei Tempo 30 km/h aus unmittelbarer Anschauung.

Das Pilotprojekt „Gefahrensensibilisierung“ hat im Oktober 2018 mit der Durchführung der Grundmodule an der Georg-August-Zinn-Schule und der Ludwig-Börne-Schule begonnen. Teilnehmende Schulen sind weiterhin das Wöhlergymnasium und die Otto-Hahn-Schule.

Als Polizei Frankfurt am Main profitieren wir schon jetzt vom gemeinsamen Austausch mit Schülerinnen und Schülern und freuen wir uns auch weiterhinüber einen spannenden und erfolgreichen Verlauf.

Polizei Frankfurt a.M. - Für Eure Sicherheit im Straßenverkehr.

 

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[1] 30 Schulwegunfälle im Kalenderjahr 2017 (vgl. 33/2016); Quelle: jeweilige Verkehrsberichte des PP Frankfurt am Main

[2] Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR): Schriftenreihe zur Verkehrssicherheit, Grundlagen und Strategien, S. 26

[3] vgl. Mobilitätsstrategie Frankfurt am Main, Statusbericht vom Juli 2015

[4] Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff in: Express: Statt „Elterntaxi“ Warum es sicherer ist, wenn Kinder zu Fuß zur Schule gehen, Onlineausgabe vom 05.06.2018