Polizeifahrzeuge vor dem Polizeipräsidium Frankfurt am Main
 
12.09.2020 | Polizeipräsidium Frankfurt am Main

Geliebtes Rad, beliebte Beute…

Zweiräder bleiben begehrtes Diebesgut. Die Fallzahlen „Diebstahl und erschwerter Diebstahl von Fahrrädern“ sind in 2020 im Vergleich zum Vorjahr leicht ansteigend. Der anhaltende Trend aus Gründen des Umweltschutzes, aber auch, um Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu vermeiden, vermehrt auf das Fahrrad umzusteigen, bietet rückschließend auch mehr Tatgelegenheiten auf den Straßen. Um den finanziellen Schaden und die Mobilitätseinschränkungen möglichst zu verhindern, sollte es potentiellen Dieben schwer und unattraktiv gemacht werden. Bei starkem Interesse, hoher krimineller Energie, professionellem Werkzeug und entsprechendem Zeitaufwand, wird aber auch das sicherste Schloss am besten Ort geknackt, so dass ein Diebstahl nie gänzlich verhindert werden kann. Jedoch „macht Gelegenheit Diebe“ und genau diese Gelegenheiten sollte jeder durch bedachtes Verhalten verhindern wollen.

Eine Hausratversicherung lässt sich oft um den Schutz für das Fahrrad erweitern, greift aber nur wenn das Rad (nachweislich) angeschlossen war. Allerdings kann eine Versicherung weder Diebstahl noch Vandalismus verhindern und ersetzt daher nicht die Vorsorgemaßnahmen gegen diesen ungewollten Ärger.

 

Schon gewusst, dass….

  • die Anzahl der jährlichen Fahrraddiebstähle in Frankfurt am Main um einen Wert von rund 4.000 Fällen pro Jahr schwankt?

  • die durchschnittlichen Fallzahlen pro Monat dabei einen zyklischen Verlauf zeigen, von einem monatlichen Spitzenwert in den Sommermonaten von etwa 500 bis zu einer Senkung von ca. 150 Fahrraddiebstählen in den Wintermonaten?

  • Diebstähle häufig tagsüber geschehen?

  • ein großer Anteil der Diebstähle im öffentlichen Raum erfolgt - wie an Bahnhöfen, Bädern oder Sport- und Freizeiteinrichtungen?

  • Räder oft auch vom Grundstück (häufig aus Kellern, Gartenhäusern, Garagen und Höfen) entwendet werden?

  • teure und günstige Räder gleichermaßen im Fokus der Diebe sind?

  • auch stark frequentierte Orte betroffen sind?

  • die Räder meist nicht oder unzureichend gesichert waren?

 

Die wichtigsten Tipps auf einen Blick:

 

Quelle: E43 / PPFFM

 

1. Sicherer Stellplatz!

Das Fahrrad an einem hellen, gut einsehbaren und belebten Ort abstellen. Dunkle Ecken laden zum „ungestörten Arbeiten“ ein – eher Marktplatz als dunkle Anliegerstraße! Fahrradabsicherung ist keine Routinesache! Wechseln Sie regelmäßig den Abstellort. Das macht Dieben das (Wieder-)Auffinden eines einmal ins Auge gefassten Fahrrades schwerer. Das Rad immer anschließen (nicht nur abschließen) - auch dann, wenn Sie nur kurz beim Bäcker reinspringen oder in den Buchladen schauen! Oft reichen wenige Sekunden der Unachtsamkeit, denn Diebe nutzen neben gezielt geplanten Diebstählen auch die Gunst des Augenblicks.

 

2. Richtig anschließen!

Wer sein Fahrrad optimal sichert, schließt es immer an einem festen Gegenstand an. Das verhindert einfaches Wegtragen. Dabei sollten die Schlösser möglichst weit weg vom Boden angebracht werden und stramm sitzen, um keinen Hebelansatz zu bieten.

Sicherung der Anbauteile nicht vergessen! Schnellspanner erhöhen zwar den Bedienkomfort, aber auch das Diebstahlsrisiko wichtiger Komponenten wie der Sattel. Mindeststandard sollten daher Inbus-, Torx- oder Sechskantschrauben sein. Je seltener ein benötigtes Werkzeug ist, desto geringer das Diebstahlsrisiko. Am besten sichert man möglichst viele Schrauben und Achsen gleich mit speziellen, codierten Sicherungsmuttern (z. B. Pitlock, Abus) oder Sicherungseinsätzen (Hexlock). Interessant sind auch Schraubenköpfe, bei denen man das Rad erst auf den Kopf stellen muss, um sie zu öffnen. Bei einem angeschlossenen Rad ist das unmöglich. Manchmal sind die Räder bereits ab Werk entsprechend ausgerüstet. Teure Ersatzteile, etwa Akkus von Elektrofahrrädern, sollten zudem mitgenommen oder mit einem zusätzlichen Schloss versehen werden.

 

3. Stabile Schlösser!

Zum Anschließen mindestens ein stabiles Markenschloss mit hoher Sicherheitsstufe verwenden. Ein Zweitschloss erhöht die Sicherheit aufgrund des Mehraufwandes und des Abschreckungsfaktors für Diebe zusätzlich! Wird es zu aufwendig, entscheiden sich Langfinger meist für eine einfachere Gelegenheit. Am besten kombiniert man zwei unterschiedliche Schloss- und Schließtypen (Panzerkettenschloss, Bügelschloss, Faltschloss o.ä.), denn Diebe haben sich oft auf einen Schlosstyp spezialisiert. Sichern Sie das Rad auch in Kellerräumen, Garagen und auf dem eigenen Grundstück!

Für unterwegs sind die massiven Schlösser aufgrund des Gewichtes für viele Fahrradfahrer meist ungewollt hoher Ballast. Aber auch hier sollte der Mindeststandard ein stabiles Minibügelschloss sein. Sie sind deutlich leichter, haben jedoch nur einen kleinen Umfang, so dass die Suche nach einer geeigneten Stelle durchaus schwierig werden kann, denn sie passen nicht überall herum.

 

4. Fahrradcodierung!

Vorbeugend zur optimalen Anzeigenerstattung mit Ausschöpfung aller Fahndungsmöglichkeiten

- empfehlen wir das Rad von der Polizei oder vom ADFC mit einem personalisierten, dauerhaften Code durch ein Spezialgerät versehen zu lassen. Durch den Code kann die Polizei gestohlene Fahrräder zweifelsfrei identifizieren und den rechtmäßigen Eigentümer ausfindig machen. „Heute markieren – Morgen identifizieren, also eine ideale Lösung zur Rückverfolgung!“ Die persönliche Identifikationsnummer setzt sich zusammen aus: Gemeindeschlüssel/Straßenkennziffer/Hausnummer/Initialen des Eigentümers und das jeweilige Jahr.

- Zudem sollten durch den Eigentümer alle individuellen Fahrraddaten festgehalten und spezifische Details anhand von Fotos dokumentiert werden.Dafür gibt es den sogenannten Fahrradpass, der für Smartphonebesitzer auch als kostenlose FAHRRADPASS-App erhältlich ist. Über die App können auch mehrere Fahrräder verwalten werden. Dort trägt man u.a. Modell und Merkmale des Rades, die Rahmen- sowie Codiernummer und die Eigentümerdaten ein.

Codierte Räder, deren Personalisierung durch einen Farbaufkleber mit Sichtfenster nicht übersehen werden kann, werden übrigens weniger oft gestohlen. Nur eine geringe Anzahl der Fallzahlen betrifft codierte Fahrräder und der Anteil ist im Jahresvergleich 2019/2020 sogar weiterhin gesunken!

Carbonrahmen sind wegen der Kerbempfindlichkeit des Materials prinzipiell nicht zu codieren, da der Rahmen brechen könnte.

 

Die Polizei in Frankfurt knackte im laufenden Jahr die „1000er Marke“ und konnte im Rahmen von sieben Fahrradcodieraktionen der Prävention (E4) insgesamt 1005 Fahrräder kostenlos codieren.

Weitere Bilder:

Quelle: E43 / PPFFM

 

Mit diesem wichtigen Beitrag zum Schutz vor Fahrraddiebstählen wird die Polizei Frankfurt mit der Unterstützung vom Freiwilligen Polizeidienst ab Frühjahr 2021 mit neuen Aktionen in die nächste Saison starten. Sobald die Termine und Örtlichkeiten feststehen, werden diese unter nachfolgendem Link veröffentlicht:

https://www.polizei.hessen.de/dienststellen/polizeipraesidium-frankfurt/praevention/veranstaltungen/

Der ADFC in Frankfurt bietet ganzjährig freitags zwischen 15 und 17 Uhr die Möglichkeit sein Fahrrad codieren zu lassen. Dort wird lediglich eine Pauschale erhoben, womit Sie deren wichtige Arbeit unterstützen. Wegen der aktuellen Hygienebestimmungen ist dies derzeit nur nach vorheriger Anmeldung, die über nachfolgenden Link vorgenommen werden kann, möglich:

https://www.adfc-frankfurt.de/Projekte_Aktivitaeten/Fahrradcodierung/codiertermine.php

 

5. Verfolgung

GPS-Tracker können jederzeit, so auch im Diebstahlsfall, die Position des Rades aufzeichnen und übermitteln. Sie können im Rahmen einlaminiert werden oder auch in Zubehörteilen wie in Flaschenhalter oder Rücklichter integriert werden und eine gesicherte Verschraubungen verhindert ein einfaches Demontieren.

Das Neutralitätsgebot verpflichtet uns, keine Empfehlungen einzelner Produkte herauszugeben. Jedoch gibt es verschiedene Tests und Studien, die im Internet abrufbar sind. Eine gute Recherche aufgrund des beachtlichen Anschaffungspreises empfiehlt sich.

 

6. Anzeigenerstattung

Ein Fahrraddiebstahl ist eine Straftat und wird durch die Polizei verfolgt. Damit die Täter ermittelt werden können und eine Chance der Rückführung zum rechtmäßigen Eigentümer besteht, sollte der Diebstahl unbedingt bei einer Polizeidienststelle angezeigt werden.

 

 Link zur Online Wache