Bildcollage des Technikpräsidiums der hessischen Polizei
 
28.04.2017

Vom Sitz zum Polizeisitz – Forschungsergebnisse zu einem funktional-komfortablen Polizeisitz

Land Hessen investiert weiter in Sicherheit seiner Polizisten

Mittwoch, der 19. April 2017, war für die Polizei Hessen ein ganz besonderer Tag. So konnte der Präsident Karl-Heinz Reinstädt des Technikpräsidiums der hessischen Polizei insgesamt 75 neue multifunktionale Streifenwagen vom Typ Vito der Marke Daimler Benz der Fläche übergeben. Das eigentlich Besondere an diesem Tag waren aber nicht die neuen Streifenwagen an sich, es waren die Sitze der ersten Reihe, der Fahrer- und Beifahrersitz, denen an diesem Tag die besondere Aufmerksamkeit galt. Als symbolischen Übergabeort wählte der Präsident des Technikpräsidium Karl-Heinz Reinstädt das Polizeipräsidium Westhessen und dies aus gutem Grund.

 


Vorne, von links nach rechts: Frank Heitzer (Produktmanager VAN im Bereich Sonderfahrzeuge der Daimler Benz AG), Karl-Heinz Reinstädt (Präsident des Technikpräsidiums), Stefan Mülller (Polizeipräsident des PP Westhessen)

 

In seiner Begrüßungsrede als Hausherr dankte Herr Polizeipräsident Stefan Müller für das zahlreiche Erscheinen und begrüßte den Präsidenten des Technikpräsidiums Karl-Heinz Reinstädt, den Vorsitzenden des Hauptpersonalrates Jens Morherr, die Personalratsvorsitzenden Stefan Rücker (PTLV) und Peter Wittig (PPWH), den Produktmanager der Daimler AG Herrn Heitzer mit seinen Kollegen, die Mitarbeiter des Hauptsachgebiets Fahrzeugwesen, den Personalratsvorsitzenden a. D. Lothar Hölzgen sowie die anwesenden Gäste anlässlich der heutigen Übergabe von acht Multifunktionsstreifenwagen an seine Behörde. Mit den Worten: „Solche Tage dürfte es gerne öfter geben.“, dankte er Herrn Reinstädt für die mitgebrachten Funkstreifenwagen und freue sich insbesondere darüber, dass diese mit dem neuen Polizeisitz ausgestattet sind, auf den er nun sehr gespannt sei. 

Erstmals und als erstes Bundesland überhaupt, fahren die Kolleginnen und Kollegen der Polizei Hessen, mit einem „Polizeisitz“ der auf die besonderen Bedürfnisse und Anforderungen an den mobilen Arbeitsplatz „Funkstreifenwagen“ abgestimmt und entwickelt wurde. Im Vorfeld der Entwicklung durch die Daimler Benz AG fand im Jahr 2013 eine professionelle Evaluation und Forschungsreihe mit dem Fraunhofer Institut der Universität Stuttgart und dem Hauptsachgebiet 22 – Fahrzeugwesen statt. „Um wirklich belastbare Informationen zu erhalten, investierte das Landespolizeipräsidium 60.000 Euro in dieses Forschungsprojekt.“, so Präsident Reinstädt bei seiner Ansprache.

 

   
Links: Präsident Karl-Heinz Reinstädt bei seiner Ansprache. Rechts: Polizeioberrat Andreas Bäcker bei seinem Grußwort

 

In Richtung Polizeipräsident Stefan Müller sagte Herr Reinstädt ergänzend: „Diese Erhebung der so wichtigen Daten und Informationen wäre ohne dem Polizeipräsidium Westhessen nicht möglich gewesen, denn dieses erklärte sich damals sofort bereit bei der Forschungsreihe mit zu machen und stellte 14 Kolleginnen und Kollegen der Schutzpolizei zur Verfügung, die unzählige Male mit verschieden angeordneten Funktionsgürteln in unterschiedliche Streifenwagen ein- und ausstiegen, sich an- und abschnallten, Fragen beantworteten, u. v. m. Ich bin sehr froh, dass einige Kollegeninnen und Kollegen von damals heute hier anwesend sind und sich davon überzeugen können, dass sich die Mühe und das Engagement gelohnt hat.“

Sichtlich glücklich über diesen Erfolg zeigte sich auch Herr Heitzer, Produktmanager VAN im Bereich Sonderfahrzeuge, von der Daimler AG, der in seinem Grußwort seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, dass die Polizei Hessen weiterhin auf Mercedes setze und stolz auf den gemeinsam entwickelten Polizeisitz sei, mit dem ein wichtiger Beitrag zu mehr Komfort und Sicherheit der Polizeibeamtinnen und Beamten geleistet werden könne.

 

   
Links: Herr Heitzer der Daimler AG bei seinem Grußwort. Rechts Herr Ziemann, Entwickler bei der Daimler AG schildert am Objekt die Vorzüge des Neues Polizeisitzes

 

Bevor Herr Ziemann, Entwickler Frontsitze der Daimler AG, an einem der bereitgestellten Vitos die neue Errungenschaft und die besonderen Vorteile des Polizeisitzes vorstellte, führte er aus, dass eine solche Entwicklung vorne weg drei bis fünf Jahre in Anspruche nimmt und die Ergebnisse aus der Forschungsreihe enorm wichtige gewesen sein. Die Änderungen des neuen Polizeisitzes erläuterte er an Hand eines aufgestellten neuen Vitos. So stellte er heraus, dass beispielsweise die Sitzkissen der neuentwickelten Polizeisitze wesentlich abgeflacht wurden, um das Ein- und Aussteigen deutlich zu erleichtern und komfortabler zu machen. Auch die Gurtpeitsche wurde an die besonderen Bedürfnisse des Polizeialltages angepasst, in dem diese länger und flexibler ist, sodass das An- und Abschnallen selbst mit dem umfangreich ausgestatteten Funktionsgürtel und Schutzweste schnell und einfach gelinge.

 

   
Links: Polizeibeamter beim Probesitzen. Rechts: Nahaufnahme der neuen verlängerten Gurtpeitsche

 

Zum Abschluss der Übergabefeierlichkeiten bedankte er Präsident Reinstädt sich nochmals bei allen Beteiligten und den Unterstützern des PP Westhessen im Rahmen des Forschungsprojektes, bei der Entwicklung des Sitzes bei der Daimler Benz AG und vor allem auch bei seinem Hauptsachgebiet für die hervorragende Arbeit der letzten Jahre. 

Abschließend konnten sich alle Beteiligten von dem neuen Polizeisitz persönlich überzeugen. Die ersten Sitzproben von anwesenden uniformierten Kolleginnen und Kollegen (mit und ohne Funktionsgürtel) lassen auf Grund der ersten Äußerungen: “Es drückt überhaupt nicht mehr am Gürtel“, „Es sitzt sich richtig angenehm.“, „Man kommt gut rein und raus aus dem Fahrzeug“ Gutes verheißen.

 

Die Problemzonen des Standardsitzes:

  • Kollision von Ausrüstungsgegenständen und Sitz
  • Sitz ist zu beengt
  • Hängenbleiben beim Ein- und Aussteigen
  • Kollision mit Waffe am Sitz
  • Behinderung durch Mittelkonsole
  • Gurt verläuft über Funktionsgürtel
  • Kein Herankommen an Einsatzgeräte (Pfefferspray, Waffe, Funkgerät, usw.)

 

Polizeispezifische Besonderheiten und Anforderungen an einen Polizeisitz des Arbeitsplatzes Funkstreifenwagen:

  • Vermeidung des Hängenbleibens beim Ein- und Ausstieg
  • Vermeidung einer Kollision der Waffe mit dem Gurtschloss
  • Der Beckengurt darf nicht über die Ausrüstung am Funktionsgürtel laufen.
  • Gewährleistung des uneingeschränkten Haltungskomforts
  • Vermeidung der Kollisionen von Sitz und Ausrüstung.
  • Druckreduzierung am Rücken (durch mgl. Ausrüstungsgegenstände)
  • Gewährleistung des seitlichen Halts durch den Sitz
  • Vermeidung von Kollisionen mit der Ausrüstung und Bewegungseinschränkungen durch den seitlichen Halt

 

Die Ziele bei der Entwicklung:

  • Reduzierung von Druckpunkten an markanten Stellen
  • Anpassung von Stoffen und Unterbau an die Sitzsituation
  • Verlegung von Nähten
  • Reduzierung Kollisionspunkte mit den erforderlichen Rückhaltesystemen (Gurt)

 

Die Umsetzung der Anforderungen erfolgte über

  • Modifizierung der Seitenwangen im Bereich des Sitzpolsters und der Rückenlehne
  • Verbau einer langen Gurtpeitsche
  • Robuster Sitzbezug unter Verwendung von besonders abriebfesten Werkstoffen mit geändertem Nahtverlauf
  • In Länge und Höhe einstellbare Kopfstützen
  • Thorax-Pelvis-Sidebags
  • Elektropneumatisch einstellbare Lordoseunterstützung – sie wirkt Fehlhaltungen der Lendenwirbelsäule vor
  • Möglichkeit zur Sitzneigungsverstellung

 

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