Bildcollage des Technikpräsidiums der hessischen Polizei
 
18.03.2015

Versteigerung von ausgesonderten Dienstfahrzeugen

Während der Auktion: Versteigerung eines 3-er BMW.jpgWas geschieht eigentlich mit Dienstfahrzeugen der hessischen Polizei, die ausgedient haben? Die Frage ist ja bereits aus finanzieller Perspektive interessant, hat der letztlich der Steuerzahler doch den Einkauf mitfinanziert … Dienstfahrzeuge die ausgesondert werden, sind durch den Einsatzalltag bei der Polizei deutlich von Gebrauchsspuren gekennzeichnet. Werden sie im Dienst auch noch so verantwortungsvoll bewegt und regelmäßigen Wartungsintervallen unterzogen, so werden die Fahrzeuge doch stark beansprucht. Häufig werden die Fahrzeuge bis an ihre Leistungsgrenzen gefahren. Auch bei der Abrüstung bleiben deutliche Spuren (Löcher in den Armaturenbrettern, Schäden im Lack durch das Entfernen der blauen Folie, Abrüsten der Sondersignalanlage usw.) Nach einer durchschnittlichen Einsatzzeit von neun bis zehn Jahren haben diese Fahrzeuge eine Laufleistung von meist deutlich über hunderttausend Kilometer aufzuweisen. Fahrzeuge mit Motor- und Getriebeschäden bei denen zu erwartende hohe Reparaturkosten eine wirtschaftliche Weiternutzung ausschließen, gehen ebenfalls in die Aussonderung.

 

Allesamt reif für den Schrottplatz?

Nein! Es gibt ja durchaus eine interessante Alternative zu direktem Abverkauf oder zur Verschrottung – die Versteigerung. Die Versteigerung bietet die Möglichkeit die ausgesonderten Dienstfahrzeuge in einer großen Anzahl und in einer kurzen Zeit in einer wirtschaftlichen Art und Weise zu veräußern, die andere Verfahrensweisen (z. B. Einstellung in Restwertbörse, Verschrottung) nicht bieten.

Am Freitag, 16. März 2012, hatten wir wieder einen Versteigerungstermin: Es wurden 179 ehemalige Fahrzeuge (zivile, sowie auch uniformierte Funkstreifenwagen) der hessischen Polizei im Auktionszentrum Rhein-Main der BCA Autoauktionen GmbH zur Auktion gebracht. Warum ein privates Auktionshaus? Zum besseren Verständnis ein kleiner Exkurs: Bis zum Ende des Jahres 2002 versteigerten wir ausgesonderte Fahrzeuge dezentral in Liegenschaften der hessischen Polizei, in der Regel beschränkt auf die jeweilige Region. Das hatte drei entscheidende Nachteile:

  • Die Versteigerungen mussten zwangsläufig im Freien stattfinden, da man vor Ort nicht die nötige Halleninfrastruktur hatte. Die Versteigerungen wurden vorwiegend außerhalb der Wintermonate durchgeführt.
  • Es war technisch-organisatorisch nicht möglich, die Fahrzeuge noch einmal sachgemäß technisch auf- und vorzubereiten, um möglichst hohe Versteigerungserlöse zu erzielen
  • Das bedeutete wiederum, dass die Mindestgebote aufgrund des Zustands der Fahrzeuge nur sehr niedrig angesetzt werden konnten

Dazu ein Beispiel: In den Jahre 2001 und 2002 wurden insgesamt 1181 Fahrzeuge versteigert. Im Ergebnis ergab dies einen Gesamterlös von 1.614.810,00 Euro, im Durchschnitt also etwa 1.367,32 Euro pro Fahrzeug. Es wurde klar: Um bessere Ergebnisse zu erzielen, war einiges zu verändern – dazu musste mindestens der Kundenkreis erweitert werden. So mietete das PTLV im Jahr 2003 stillgelegte Hallen der Bundeswehr zu einem äußerst günstigen Preis an und bereitete die zu versteigernden Fahrzeuge innen und außen sorgfältig auf. Auf diese Weise wurden die Erlöse, wie erwartet, erheblich (2.111,19 Euro durchschnittlich pro Fahrzeug) gesteigert.

Die Freude darüber währte nur kurz, da das angemietete Gelände das Bundesvermögensamt verkauft werden sollte und sich der Mietpreis zudem um 50 Prozent erhöhte, mussten andere Lösungen gefunden werden. Im Frühjahr 2004 kam Bewegung in die Thematik: Es wurde ein Angebot der Firma BCA aufgegriffen, die in Groß-Gerau am 26. Mai 2004 ihr viertes Versteigerungszentrum für Kraftfahrzeuge in Deutschland eröffnete. Damit eröffneten sich für uns neue Spielräume – je nach Anzahl der zu veräußernden Fahrzeuge können wir dort nun Versteigerungen in der bewährten Art (an Händler und private Kaufinteressenten) durchführen lassen, dabei wird eine adäquate Infrastruktur und entsprechende Betreuung bereitgestellt.

Im Vorfeld der Auktion am 16. März konnten die nummerierten und gelisteten Fahrzeuge von den registrierten Bietern auf einer großen Stellfläche in Augenschein genommen werden. Bei der eigentlichen Versteigerung wurden die Fahrzeuge in Reihenfolge ihrer Nummerierung durch die Bieterhalle gefahren (bei schadhaftem Motor geschleppt) und kurz vorgeführt. Eine kurze Begutachtung durch die Bieter ist auch hier noch möglich. Parallel dazu wurden die ersten Gebote, auch über das Internet, abgegeben. Hier kam es häufig zu sehr spannenden Situationen, wenn sich die Gebote aus der Halle und aus dem Internet Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten und die Preise innerhalb von Sekunden in die Höhe schnellten.

So konnte sich der Erlös dann durchaus sehen lassen: Insgesamt wurden bei der Versteigerung der 179 Fahrzeuge bislang 153 für rund 541.850,00 Euro versteigert, pro Fahrzeug entspricht dies 3.541,50 Euro. 26 Fahrzeuge konnten bislang nicht versteigert werden. Diese gelangen in weitere Auktionen der Fa. BCA. Dieses Unternehmen verfügt über ein breites Portfolio – alle Güteklassen bis hin zu neuwertigen Fahrzeugen, aller Hersteller und Importeure – rund um Fahrzeugversteigerungen und arbeitet ausschließlich im „B-to-B“ (im professionellen) Bereich, also mit Partnern aus der Automobilindustrie und dem Kfz-Handel.

 

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